Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen
Nichtregierungsorganisation
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Die Bundeskonferenz der Migrant*innenorganisationen (kurz BKMO)[1] ist eine 2017 gegründete Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Berlin. Sie ist ein Zusammenschluss von (post)migrantischen, diasporischen und Jugendmigrant*innenorganisationen in Deutschland und dient als Netzwerk-, Austausch- und Interessensvertratungsplatform ihrer Mitgliedsorganisationen.
Die BKMO vertritt nach eigenen Angaben migrantische Communities und engagiert sich insbesondere in den Bereichen Partizipation, Antirassismus, Demokratieförderung, Bildung, Gesundheit, Arbeit und Soziales. Sie beteiligt sich an politischen Dialogprozessen auf Bundesebene und entwickelt gemeinsame Positionen ihrer Mitgliedsorganisationen.[2]
Geschichte
Die erste BKMO fand am 20. und 21. November 2017 in Berlin statt. Ziel war es, bundesweit tätige Migrantenorganisationen stärker zu vernetzen und ihre Perspektiven in integrations-, teilhabe-, und demokratiepolitische Debatten einzubringen.[3]
In den folgenden Jahren entwickelte sich die BKMO zu einem bundesweiten Zusammenschluss von über 70 Mitgliedsorganisationen.[4] Die jährlich in Berlin stattfindenden Bundeskonferenzen dienen dem fachlichen Austausch, der Erarbeitung gemeinsamer Positionen sowie der Wahl zentraler Gremien der Organisation.[5]
Aufgaben und Ziele
Die BKMO versteht sich als Interessensvertretung migrantischer und diasporischer Organisationen in Deutschland. Sie arbeitet in vier Arbeitsfeldern:[6]
- Teilhabe und Repräsentanz: Förderung politischer und gesellschaftlicher Teilhabe; Stärkung von Repräsentanz in Gremien und Institutionen
- Empowerment und Antirassismus: Bekämpfung von Rassismus und Diskriminierung; Abbau struktureller Diskriminierung
- Bildung: chancengerechte Bildung, Abbau institutioneller Diskriminierung; Anerkennung und Förderung von Mehrsprachigkeit
- Arbeit, Gesundheit und Soziales: Stärkung von fairer Arbeit, sozialer Sicherheit und gleichberechtigtem Zugang zu Gesundheits- und Sozialsystemen.
Zudem liegt ein Schwerpunkt eigenen Angaben zufolge auf der nachhaltigen Stärkung von Migrantenorganisationen durch Organisationsentwicklung, Qualifizierung und den Aufbau von Kooperationsstrukturen.[7]
Organisation
Die BKMO ist als bundesweites Netzwerk organisiert. Mitglied können bundesweit tätige Migrantenorganisationen und vergleichbare Zusammenschlüsse werden. Zu den Organen der BKMO gehören insbesondere: die Bundeskonferenz, der Vereinsvorstand und thematische Ausschüsse. Die Vorstandsvorsitzenden sind seit September 2025 Karen Taylor (Each One Tech One) und Ehsan Djafari (Iranische Gemeinde in Deutschland).[8]
Die Geschäftsstelle der BKMO befindet sich in Berlin. Sie koordiniert die politische Interessensvertretung, die Netzwerkarbeit sowie bundesweite Projekte und Veranstaltungen.[9]
Kooperationen
Die BKMO arbeitet mit zivilgesellschaftlichen Organisationen, wissenschaftlichen Einrichtungen und öffentlichen Institutionen zusammen. Sie ist einer von sechst Trägern des Kooperationsverbund für Vielfalt und Zusammenhalt: Chancengerechtigkeit in der pluralen Gesellschaft[10] und beteiligt sich an Projekten zur diversitätsorientierten Öffnung und gesellschaftlichen Teilhabe. Die BKMO ist als eines von 22 Mitgliedern im Stiftungsrat der Deutschen Stiftung für Engagement und Ehrenamt vertreten (Stand: 2026).[11]
Politische Positionen
Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte die BKMO 2021 durch die Forderung nach einem Bundespartizipationsgesetz[12][13] sowie durch die Veröffentlichung der Antirassismus-Agenda 2025[14][15].
Bundespartizipationsgesetz:[16] Mit dem Bundespartizipationsgesetz fordert die Bundeskonferenz unter anderem eine Quote für den öffentlichen Dienst, die Einführung des kommunalen Wahlrechts für alle, eine gesetzliche Definition von Menschen mit Migrationsgeschichte und Diskriminierungserfahrung, und ein verstärktes Vorgehen gegen Racial Profiling. Die Forderung nach einem Partizipationsgesetz auf Bundesebene wurde auch im Koalitionsvertrag 2021–2025 „Mehr Fortschritt wagen“ niedergeschrieben.[17] Bis 2024 kam es jedoch nur zu einem Leitungsentwurf, nicht zu einer Gesetzesvorlage.[18] Kritiker bemängeln Verfassungskonformität, speziell Artikel 33, der jedem deutschen Staatsbürger Zugang zu öffentlichen Dienst zusichert.[18][19][20]
Antirassismus-Agenda 2025:[21] Die Organisation entwickelte Vorschläge zur Förderung gleichberechtigter Teilhabe und zur Bekämpfung rassistischer Diskriminierung in staatlichen und gesellschaftlichen Institutionen. Die Antirassismus-Agenda 2025 ist das Ergebnis eines Experten-Begleitausschusses der Bundeskonferenz. Sie besteht aus konkreten Vorschlägen in den unterschiedlichen Bereichen der Rechtsextremismus- und Rassismusbekämpfung (Präventionsarbeit, Opferschutz, Teilhabepolitik u. a.). Diesen hatte die BKMO parallel zum Kabinettsausschuss zur Bekämpfung von Rechtsextremismus und Rassismus der Bundesregierung gegründet, um dessen Arbeit kritisch zu begleiten und die Perspektive und Expertise derjenigen, die selbst von Rassismus betroffen sind, mit einzubringen.
Rezeption
Der Sachverständigenrat für Integration und Migration zählt in einer 2020 veröffentlichten Studie die BKMO zu den bundesweit relevanten Zusammenschlüssen von Migrant*innenorganisationen und verweist auf ihre Rolle als Vernetzungs- und Interessensvertretungsstruktur innerhalb der deutschen Migrationsgesellschaft:[22]
„Auf der Ebene der gesamten Republik gibt es eine neue zentrale Akteurin, die den Anspruch auf Repräsentation und Partizipation bundesweit einlösen will: die Bundeskonferenz der Migrantenorganisationen (BKMO). Sie traf sich erstmals 2017 in Berlin und hat sich seitdem als regelmäßiges Diskussionsforum, als ein Sprachrohr für MO und als politische Impulsgeberin zu Fragen der gesamtgesellschaftlichen Integration etabliert.“
Bei ihrer Rede im Bundestag am 12. Juni 2026 erwähnte die Abgeordnete der Grünen Filiz Polat die Pressemitteilung[23] der BKMO gemeinsam mit dem Verband binationaler Familien und Partnerschaften und bestätigte die darin geäußerte Kritik an dem neuen Gesetzesentwurf.[24]