C. & E. Chapal Frères & Cie
Unternehmen
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Chapal war eine französische Pelzzurichterei und Pelzfärberei, die 1832 von Marien Cougny in Crocq im Departement Creuse in Frankreich gegründet wurde. Ursprünglich auf Kaninchenfelle („Kanin“) spezialisiert, hat das Unternehmen sein Know-how später auf die gesamte Pelzveredlung ausgeweitet.
| C. & E. Chapal Frères & Cie | |
|---|---|
| Rechtsform | Diverse |
| Gründung | 1832 |
| Sitz | Montreuil, Frankreich |
| Branche | Vormals: Rauchwaren-Zurichterei und Färberei (Pelzveredlung), Pelzgroßhandel Aktuell: Lederwaren, maßgeschneiderte und luxuriöse Herrenkonfektion |
| Website | https://chapal.fr/fr/ |
Ab 1982 vollzog Chapal einen strategischen Wandel und entwickelte eine Produktlinie rund um Leder mit einer Positionierung im Premiumsegment.
Unternehmensgeschichte

Pelzzurichtung und Pelzveredlung

Die erste Fabrik errichtete Marien Cougny (* 1771 im Dorf Chesmartin, Gemeinde Saint-Oradoux-près-Crocq)[1] im Jahr 1832 in Crocq im Tal der Tardes, wo sich bereits seit Jahrhunderten viele ähnliche Betriebe angesiedelt hatten, welche die Qualität des besonders sauberen und leicht sauren Flusswassers zu nutzten. Aus dem gleichen Grund hatten sich im Creuse-Tal Gobelin- und andere Textilfärbereien in Felletin und Aubusson entwickelt.
Im Zusammenhang mit der Seidenstadt Lyon entstand hier auch eine Pelzindustrie. Neben dem Rohmaterial, das die Spinnereien benötigten, wurden große Fellmengen aus dem Osten importiert. Da im Land selbst erhebliche Mengen an Kaninchenfellen anfielen, war es naheliegend, dass sich einige Seidenfärber bald dem Pelz zuwandten. Einer davon war Marien Cougny. Er arbeitete anfangs als Maurer und wechselte dann in Lyons Textilfärberei. Cougny scheint eigene Experimente mit billigen Kaninchenfellen durchgeführt zu haben. Er empfand die Ergebnisse als äußerst zufriedenstellend, kündigte seine untergeordnete Stelle und zog nach Paris in die Rue de la Roquette. Ihm folgten sein Sohn Jean und der Neffe Marien Chapal. Aus diesen bescheidenen Anfängen entwickelte sich der weltbekannte Chapalkonzern.[1] Die meisten ihrer Arbeiter stammten aus der Creuse-Region – eine Tradition, die sich während des gesamten Bestehens des Unternehmens fortsetzte. Nach Marien Cougnys Tod übernahm sein Cousin Marien Chapal die Leitung und gab der Firma ihren Namen.
Das Unternehmen setzte seine Expansion mit der Gründung einer Fabrik in Montreuil (Seine Saint-Denis), nahe von Paris, fort.[2] Hier wurden zuerst Bisamfelle aus dem nördlichen Amerika auf „Sealbisam“ veredelt (sogenannte „Chapal-Bisam“), eine Imitation des von Grannen entfernten Fells der Pelzrobbe. Später spezialisierte sich die Firma auf die Zurichtung und Veredlung von Kaninchenfellen und gewann damit Weltruf, in der Branche sprach man von „Chapalfarbe“. Noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg (1936–1945) galt die Marke „Chapal“ als Qualitätserzeugnis, anderen französischen Pelzveredlungen überlegen, speziell aber der bedeutenden belgischen Kaninveredlung, die mehr auf Massenware ausgerichtet war.[3] Mindestens bis in die 1920er Jahre galt das „allein als »echt« anerkannte französischen Chapal-Monopol“, bis es deutschen Pelzveredlern zusammen mit der Farbindustrie gelang, ein ebenbürtiges Kaninfell herzustellen.[4][5] Laut einem amerikanischen Fachbuch aus dem Jahr 1950, wurden Kaninrohfelle zu der Zeit zwar separat nach der Herkunft aus Frankreich, Deutschland und Belgien gehandelt, veredelt jedoch noch als französische Kanin, dem allerdings auch größten Produktionsland.[6]
Daneben entwickelte Chapal sich auf die Bearbeitung anderer Fellarten weiter, insbesondere von Edelpelzen, wie Marder, Nutria, Silberfuchs, Zobel oder Nerz.[7] Um 1930 gelang es der Firma Fohlenfelle so zu veredeln, dass sie im Leder weich und geschmeidig waren.[3]
Im Jahr 1882 ging Émile Chapal (1858–1932) in die Vereinigten Staaten, um in New York eine Tochtergesellschaft zu gründen, die sich hauptsächlich auf Silberfuchs- und Zobelfelle spezialisierte, während sich das Geschäft mit Kaninfellen als Hauptartikel weiterentwickelte.
Philipp Manes, der von den Nationalsozialisten ermordete Rauchwarenkommissionär und Chronist der Pelzbranche, reiste 1929 zusammen mit deutschen Kürschnern zu einer Studienreise nach Frankreich. Ganz besonders beeindruckt war man von dem Besuch bei Chapal. Manes schrieb:
„Mr. Emile Chapal führte trotz seines hohen Alters persönlich. Er ging durch die ausgedehnten Lager mit der aufgestapelten Kaninware. Immer noch ein Saal, immer noch Felle und kein Ende. 12 Millionen Stück lagern da. In den Trockenräumen hingen ungezählte Felle von der Decke und selbst die geeichtesten unter den deutschen Kürschnern kamen aus dem Kopfschütteln nicht heraus […]. Die Fabriken von Chapal sind heute eine kleine Stadt und beschäftigen viele tausende Arbeiter; sie haben Weltruf, denn es existiert kein zweites Unternehmen dieser Art in der Welt.“
- Über „Frédéric Chapal, Paris, Träger eines großen Namens und Grandseigneur, Typ des elegantesten Franzosen“ schrieb Manes an anderer Stelle, „er machte seinem Onkel Konkurrenz, in dessen Nachbarschaft er sich eine ganz moderne Fabrik errichtet hatte“. Auf dem gleichzeitig mit der Leipziger Pelzausstellung in Leipzig stattgefundenen Welt-Pelz-Kongress war er „die bekannteste Persönlichkeit, mit allen Besuchern befreundet, und wen er erst jetzt kennen lernte, mit dem wurde er es. […] Deutschland hatte mit ihm einen guten Freund.“[9]
Nach dem Zweiten Weltkrieg spezialisierte sich Chapal zusätzlich auf wertvolle Pelzarten, hauptsächlich Nerz und Nutria, noch 1972 warb man jedoch in einem doppelseitigen Inserat ausschließlich für die populäre Kaninveredlung, „Lapin de France“.[10] Als inzwischen kleiner Betrieb hat sich Chapal ganz der Lederverarbeitung zugewandt.
Heutiges Handelsunternehmen
Am 1. Januar 1956 wurde die Firma SA des Anciens Etablissements C & E Chapal Frères & Cie in Rechtsform einer vereinfachten Aktiengesellschaft (SAS) gegründet. Im Jahr 2023 wurde sie als kleines oder mittleres Unternehmen eingestuft und beschäftigte 6 bis 9 Mitarbeiter.[11] Seit 1982 vermarktet das Unternehmen unter seiner eigenen Marke Konfektionsware und Maßanfertigungen aus Leder, darunter Jacken, Westen, Handschuhe und Accessoires.[12]
Der nördliche Teil des Firmengeländes der Chapalfabrik in Montreuil wurde nach der Schließung abgerissen. Das Verwaltungsgebäude, ein historisches Gebäude der Stadt, beherbergt noch die Büros der Chapal GmbH.[13]
Chronologie
- 1832: Gründung der ersten Chapal-Gerberei im Dorf Crocq zur Gerbung und Färbung von Kaninchenfellen.
- 1834: Marien Chapal übernimmt die Firma seines Cousins Marien Cougny und gibt ihr seinen Namen.
- 1850: Léonard Chapal (1828–1906) tritt die Nachfolge seines Cousins als Firmenchef an. Neue Gerbverfahren mit Rapsöl verbessern die Qualität der produzierten Felle deutlich. Das „Chapal-Kanin“ macht das Unternehmen über die Landesgrenzen hinweg bekannt.
- 1857: Marien Chapal gründet eine Werkstatt in der Rue de Vincennes in Montreuil-sous-Bois. Er revolutioniert die Fellveredlung, indem er Techniken anwendet, die zuvor der Lederverarbeitung vorbehalten waren, und entwickelt einen für das Unternehmen sehr erfolgreichen braunen Farbstoff. Das Unternehmen verarbeitet weiterhin die Stapelware Kanin, konzentriert sich daneben aber zunehmend auf hochwertigere Pelze wie Nutria.
- 1857: Bau der Chapal-Fabrik in Montreuil.
- 1878: Goldmedaille auf der Weltausstellung Paris 1878.[14]

- 1881: Émile Chapal (Sohn von Léonard) reist in die Vereinigten Staaten, um in der Flushing Avenue 702 in Brooklyn eine amerikanische Tochtergesellschaft zu gründen, mit Pelzzurichterei (Verarbeitung von Nutria- und Opossumfellen), einer Hutfabrik und erste Bekleidungsgeschäfte.
- 1883: Die Fabrik in Brooklyn verarbeitet über eine Million Felle. Die Farbe „Chapal Black“ wird als Warenzeichen für Kanin eingetragen, ein glänzendes Schwarz, das damals wertvollere Fellarten imitiert, wie beispielsweise gerupftes Nutriafell.
- 1884: Entwicklung einer elektrischen Technik, mit der das harte Grannenhaar der Felle entfernt wird („Rumpeln“). Die jährliche Gesamtproduktion betrug zu der Zeit 18 Millionen Felle.
- 1886: Émile Chapal kehrt aus den Vereinigten Staaten zurück, um die Leitung des Unternehmens in Frankreich zu übernehmen. Sein Bruder Henri (1862–1926) tritt seine Nachfolge im Werk in Brooklyn an; 1911 kehrt er nach Frankreich zurück.[15]
- 1889: Goldmedaille auf der Weltausstellung in Paris.[16] Eine damalige Fachzeitschrift für Kürschner nennt unter den auf der Ausstellung vertretenen bedeutendsten 13 Anbietern von Kaninfabrikaten L. Chapal Frères, neben Jules Kaiserswerther, an erster Stelle.[17]
- 1894: Die Fabrik in Montreuil verarbeitet jährlich 18 Millionen Felle, was einem Drittel der französischen Produktion entspricht. Patente für eine Entfleischmaschine.[18]
- 1905: Das Unternehmen nimmt die Rechtsform einer Aktiengesellschaft an.
- 1906: Tod von Léonard Chapal.
- 1907: Erwerb der Firma Laffrique und ihrer Fabrik in Fismes im Département Marne.
- 1909: Die Brooklyn-Niederlassung wird unter dem Namen H. und A. Chapal Frères et Cie. unabhängig. Heftiger Brand in der Fabrik in Montreuil sous Bois, infolge dem rund 400 der 600 Fabrikarbeiter arbeitslos wurden.[19]
- Pelzzurichtung bei Chapal um 1910 (originale Bildunterschriften)
- 1) Die Haut wird durch Treten mit den Füßen zu Leder
2) Die Felle werden von der Hautseite angefeuchtet - Die Fleisch- und Fettteile werden von der Hautseite abgestoßen
- Die Felle werden an der Hautseite gesäubert
- Die Felle kommen in die rotierende Trommel
- Die Felle werden geklopft
- Die Felle werden ausgekämmt
- Untersuchung der fertigen Felle vor der Verpackung

- 1914: Das Unternehmen besaß sieben Fabriken: Montreuil-sous-Bois (Hauptsitz, Veredelung und Färberei), Crocq (Veredelung), zwei in Fismes (Pelzveredelung und Haarschererei für die Hutmacherei), zwei in Sens (Pelzveredelung und Färberei) und zwei in Brooklyn (Wiloughby Avenue, Flushing Avenue, Schererei). Von Kriegsbeginn an fertigte Chapal in Crocq Jacken, Blousons und Fliegeranzüge für französische Piloten (darunter die Jacke des Jagdfliegers Georges Guynemer). Während des Krieges produzierten die Fabriken in Montreuil Lafetten für die 75-mm-Kanonen.
- 1917 gab das Unternehmen Chapal eine Weltkarte der der wichtigsten Pelzarten heraus, mit dem Titel „Tableau démonstratif de l'origine des principales fourrures“. Diese von H.G. Hanot gedruckte Karte ist eine der ersten „dekorativen Karten“, die in der Zwischenkriegszeit in Mode kamen.[20]
- 1918: Bau eines Veredelungswerks in Saint-Amand-Montrond im Département Cher.
- 1919: Erwerb einer Schermaschine
- 1923: Gründung der Donner-Chapal Corporation in Brooklyn.

- 1928: Antonin Chapal, Präsident der Pelzwarenfabrik C. & E Chapal Frères & Cie., Inc., Willoughby Avenue 413, Brooklyn, reist aus gesundheitlichen Gründen nach Paris und stirbt dort im Alter von 62 Jahren. Neben seiner Präsidentschaft der Brooklyn Company war er Präsident und Direktor der Hatters' Fur Exchange; Schatzmeister und Direktor von Herman Bach & Co., Inc.; Präsident und Direktor von Pellissier, Jonas & Rivet, Inc.; Direktor der Société Anonyme des Anciens Etablissements, Montreuil & Sens, Frankreich; der Manufacture Française de Poiles pour Chapallerie, Frankreich; der American Equitable Assurance Society; der Knickerbocker Insurance Company of New York; der Guardian Fire Assurance Corporation of New York; der New York Fire Insurance Company; der Merchants and Manufacturers' Fire Insurance Company, Newark, NJ, und der 92 William Street Building Corporation.[21]
- 1929: Zusammen mit einer Delegation der französischen Pelzindustrie reisten nach Berlin und Leipzig: Frédéric Chapal, Administrateur de la Lustria, sowie Monsieur Bardinan, Schwiegersohn von Emine Chapal, Administrateur de la Sociéré Anonyme Etablissements C. & C. Chapal Frères & Co. Bei einem Gegenbesuch deutscher Kürschner im Mai 1929 besichtigten diese unter anderem die Fabriken und Magazine von C. E. Chapal Frères in Montreuil.[8]
- 1930: Jean Bardinon wird Präsident des Unternehmens. Émile Chapal wird zum Kommandeur der Ehrenlegion befördert.[22] Auf der Internationalen Pelzfach-Ausstellung (IPA), die wohl bisher größte Selbstdarstellung der Pelzbranche, war Frankreich, zusammen mit Chatal, der drittgrößte Aussteller.[23]
- 1931: Anmeldung von Patenten für eine Lederschneidemaschine durch die Chapal-Donner Corp.[24]
- 1932: Tod von Émile Chapal.
- 1934: Chapal entwickelt in seinem Pelzveredlungsbetrieb in Brooklyn ein Nappierungsverfahren, um Schaffelljacken wasserdicht zu machen. Diese neue, glänzende und griffige Oberfläche brachte den Jacken den Spitznamen „Crusteux“ (krustig) ein. Die bekannteste unter ihnen war die Bomberjacke „B3“, die während des Zweiten Weltkriegs für Piloten hergestellt wurde.
- 1937: Chapal ist Aussteller auf der Weltausstellung in Paris.[25]
- 1939: Chapal stellt im „Pelzpavillon“ des Internationalen Salons in New York aus.[26]
- 1942: Die Gerberei in Brooklyn steigert ihre Produktion von Schaffellen für die Herstellung von Fliegeruniformen.
- 1963: Pierre Bardinon, fünfte Generation, diversifiziert die Unternehmensgruppe, indem er insbesondere in der Nähe der ersten Gerberei in Crocq einen wegweisenden Ort schafft, der ausschließlich Automobilen gewidmet war: die Rennstrecke „Mas du Clos“ in Saint-Avit-de-Tardes. Er wird später zum weltweit größten Sammler von Ferrari-Rennwagen.[27][28]
- 1968: Maison Chapal fertigt die offiziellen Uniformen für die Olympischen Winterspiele in Grenoble. Die Rennfahrer Jean-Pierre Beltoise und Henri Pescarolo werden mit der Einführung der Marke „Lapins de France“ (Kanin aus Frankreich) in Verbindung gebracht. Die Kunststoffbeschichtungstechnik, die für Fliegerjacken aus dem Zweiten Weltkrieg verwendet wurde, findet unter dem Namen „Chapalac“ erstmals Anwendung in der Modebranche, insbesondere im Luxussegment.

- 1982: Jean-François Bardinon, die sechste Generation, reformiert das Unternehmen, das seine Produkte fortan direkt unter eigenem Namen vermarktet. Die Pelzproduktion wird eingestellt. Der Fokus verlagert sich auf die Lederverarbeitung (Gerben, Färben, Zuschneiden, Veredeln und Konfektionieren). Die Produktion wurde von der Luftfahrt inspiriert, die die Firmengeschichte widerspiegelte (Fliegerjacken), sowie von der Automobilindustrie (Handschuhe, Schuhe und Stirnbänder).
- 1995: Um das Erbe und die industrielle Erinnerung des Unternehmens zu bewahren, werden die Standorte in Montreuil-sous-Bois und Lagny-sur-Marne in Künstlerateliers umgewandelt.
- 2018: Das Unternehmen erhält das Label „Living Heritage Company“ des Ministeriums für Wirtschaft und Finanzen.
Weblinks
- Rundgang durch das Mas du Clos (französisch)
- Offizielle Website von Chapal
- Fabriken von Chapal auf der Website der Stadt Montreuil
- La Das Unternehmen Chapal auf der Website von Entreprises du Patrimoine Vivant
- Paul Niclausse gestaltete die Medaille mit dem Profil von Émile Chapal (französisch)
- Jean Bardinon (Präsident von 1930 bis 1962) war während des Ersten Weltkriegs Pilot (PDF)
- Foto mit Blick von der Verwaltung auf die ehemaligen Werkstätten im Jahr 2001, jetzt Industriehotel, Wohnraum und Künstlerateliers (Jean-Bernard Vialles)
Literatur
- 1832–1932, Société Anonyme des Anciens Établissements C. & E. Chapal Frères & Cie, capital 30.000.00 Francs, Siége Social, Montreuil s/Bois (Seine), 9, rue Kléber (nummerierte Auflage, 66 S.)
