Contrôle officiel suisse des chronomètres

Schweizer Kontrollstelle für Chronometer From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Contrôle officiel suisse des chronomètres, meist kurz COSC genannt, ist die offizielle Schweizer Kontrollstelle für Chronometer. In ihrer heutigen Form als durch die fünf „Uhrenkantone“ Bern, Genf, Neuenburg, Solothurn und Waadt zusammen mit dem Verband der Schweizerischen Uhrenindustrie FH getragener Verein nach Schweizer Recht (Art. 60ff. ZGB) mit Sitzen in Biel, Saint-Imier und Le Locle besteht sie seit 1973. Sie war aus der Zusammenlegung verschiedener privater und halbstaatlicher Laboratorien hervorgegangen.[1]

Trotz der im Namen enthaltenen Bezeichnung „offiziell“ und ihren staatlichen Kollektivmitgliedern ist die COSC keine öffentlich-rechtliche Einrichtung und keine staatlich geprüfte Kontrollstelle, sondern eine als gemeinnützig anerkannte Organisation zur freiwilligen Selbstkontrolle der Uhrenhersteller.

Das Zertifizierungsverfahren

Die COSC vergibt – wie der Name bereits sagt – Qualitätszertifikate für Chronometer auf der Basis eines standardisierten Messverfahrens nach NIHS 95-11 / ISO 3159.

Diese Prüfung einer mechanischen Uhr dauert 15 Tage, in denen der Gang des Werks in fünf verschiedenen Lagen bei drei Temperaturen bestimmt wird. Die Prüfungen im Einzelnen:

  • 2 Tage Krone links bei 23 °C
  • 2 Tage Krone oben bei 23 °C
  • 2 Tage Krone unten bei 23 °C
  • 2 Tage Zifferblatt unten bei 23 °C
  • 2 Tage Zifferblatt oben bei 23 °C
  • 1 Tag Zifferblatt oben bei 8 °C
  • 1 Tag Zifferblatt oben bei 23 °C
  • 1 Tag Zifferblatt oben bei 38 °C
  • 2 Tage Krone links bei 23 °C

Alle Prüfungen finden bei ca. 24 % Luftfeuchtigkeit statt. Nach jeweils 24 Stunden wird die Abweichung gemessen, die Werke aufgezogen und neu eingestellt. Am zehnten Tag der Prüfungen werden gegebenenfalls vorhandene Komplikationen, wie z. B. ein Chronograph, eingeschaltet, um deren Verhalten auf die Ganggenauigkeit zu bestimmen.

Nach bestandener Prüfung erhält das Werk ein entsprechendes Zertifikat, das seine Ganggenauigkeit bescheinigt. Es enthält folgende Informationen:

Weitere Informationen Prüfkriterium, Toleranz ...
Prüfkriterium Toleranz
Abk.Werk > 20 mmWerk < 20 mm
mittlerer täglicher GangM−4 bis +6 sek/Tag−5 bis +8 sek/Tag
mittlere tägliche GangabweichungVmax. 2 sek/Tagmax. 3,4 sek/Tag
grösste GangabweichungVmaxmax. 5 sek/Tagmax. 7 sek/Tag
Differenz zwischen horizontal und vertikalD−6 bis +8 sek/Tag−8 bis +10 sek/Tag
grösste Differenz zwischen dem mittleren täglichen Gang und einem der GängePmax. 10 sek/Tagmax. 15 sek/Tag
Primärer Kompensationsfehler (Gangabweichung pro °C)Cmax. 0,6 sek/Tag°Cmax. 0,7 sek/Tag°C
Wiederaufnahme des Ganges (Vergleich 1. und 2. Tag mit dem 15. Tag)Rmax. 5 sek/Tagmax. 6 sek/Tag
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Bei Quarzwerken dauert die Prüfung 11 Tage und es gelten die folgenden Werte:

PrüfkriteriumToleranz
mittlerer täglicher Gang bei 23 °Cmax. ±0,07 sek/Tag
Gang bei 8 °Cmax. ±0,2 sek/Tag
Gang bei 38 °Cmax. ±0,2 sek/Tag
Gangstabilitätmax. 0,05 sek/Tag
Dynamischer Gangmax. ±0,05 sek/Tag
Temporärer Effekt mechanischer Erschütterungenmax. ±0,05 sek/Tag
Wiederaufnahme des Ganges (Vergleich 1. und 2. Tag mit dem 15. Tag)max. ±0,05 sek/Tag
Resteffekt mechanischer Erschütterungen (200 Schläge mit 100 G)max. ±0,05 sek/Tag

Erhält das Werk einer Uhr das COSC-Zertifikat, so versieht der Hersteller die Uhr üblicherweise mit dem Schriftzug Chronometer.

Trotz des grundsätzlich hohen Ansehens der COSC und der breiten Akzeptanz ihrer Zertifikate gibt es auch namhafte Uhrenhersteller, darunter auch bekannte Namen wie Jaeger-LeCoultre, IWC, Breguet und Piaget, die der COSC kritisch gegenüberstehen und ihre Uhren aus verschiedenen Gründen bewusst nicht zertifizieren lassen (oder liessen), obwohl auch diese die Anforderungen meist ohne Probleme erfüllen.

Excellence Chronometer

Während die klassische COSC – Chronometerzertifizierung ausschliesslich das Uhrwerk bewertet, bezieht sich die im Februar 2026 eingeführte neue Stufe Excellence Chronometer auf die vollständig eingeschalte Uhr. Die Methodik folgt dabei einer zweiphasigen Struktur. Zunächst durchlaufen die Werke weiterhin die fünfzehntägige Prüfung nach den sieben Kriterien der ISO-Norm 3159. Erst nach erfolgreicher Zertifizierung als Chronometer kehren sie in die Manufaktur zurück und werden eingeschalt.

In der zweiten Phase werden die fertigen Uhren fünf Tage lang untersucht. Ein Robotersystem simuliert durchschnittliche Tragebewegungen, um die Gangwerte unter semi-dynamischen Bedingungen zu messen. Innerhalb von 24 Stunden muss die durchschnittliche tägliche Abweichung zwischen −2 und +4 Sekunden liegen. Anschliessend wird die Uhr einem Magnetfeld von 200 Gauss ausgesetzt, wobei die Leistung stabil bleiben muss. Den Abschluss bildet die Überprüfung der Gangreserve, die den vom Hersteller angegebenen Wert bestätigen soll. Unverändert bleibt das Prinzip der Einzelprüfung: Jede Uhr wird individuell getestet, Stichprobenverfahren kommen nicht zur Anwendung.[2]

Siehe auch

Einzelnachweise

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