Cannone da 57/43 Modello 1887

Italienisches Schiffsgeschütz, später Feld-, Festungs- und Panzerabwehrgeschütz From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Cannone da 57/43 Modello 1887, kurz 57/43 Mod. 1887, wurde ursprünglich als Schiffsgeschütz für die italienische Marina Militare konzipiert und wurde bis 1941 als Festungsgeschütz im Alpenwall eingesetzt.

Schnelle Fakten Allgemeine Angaben, Technische Daten ...
Cannone da 57/43 Modello 1887


Cannone da 57/43 Modello 1887
als Schiffsgeschütz

Allgemeine Angaben
Entwicklungsjahr 1883
Produktionsstart 1887
Technische Daten
Rohrlänge 1,92 m
Kaliber 5,7 cm
Anzahl Züge 24
Kadenz 5 – 8 Schuss/min
Höhenrichtbereich −10° – +15° Winkelgrad
Seitenrichtbereich 360° (Sockellafette)
45° (Kasematte)
0° (Radlafette)
Ausstattung
Verschlusstyp Keilverschluss
Schließen

Entwicklung

Um die Kampfkraft der italienischen Schiffe mit einem kleinen Geschütz zu verstärken, suchte die Marina Militare nach möglichen Lösungen. Diese fanden sie in der bereits vielseitig eingesetzten QF 6 pounder Nordenfelt. Durch einige kleine Umbauten und Anpassungen an die italienischen Bedürfnisse entstand im Jahr 1883 ein erster Prototyp. Fünf Jahr später, im Jahr 1887, begann die Serienfertigung mit der Bezeichnung Cannone da 57/43 Modello 1887.

Technische Beschreibung

Die 57/43 Mod. 1887 war ursprüngliche ein Hinterlader-Geschütz der Marina Militare. Vom Grund her stammte sie von der britischen QF 6 pounder Nordenfelt ab. Das Geschützrohr bestand aus Stahl, wie auch der Keilverschluss. Der Mechanismus im Verschluss war so ausgelegt, dass damit im Schnellfeuerschuss die Granaten verschossen werden konnten. Das Geschützrohr hatte eine Länge von 1,92 m. In der Lafette kam man auf die maximale Länge von 2,89 m.[1]

Die Rohrwiege wurde auf einer kleinen drehbaren Sockellafette montiert. Diese verfügte über kleine Seitenplatten und eine hydraulische Rohrbremse. Die Sockellafette wurde fest mit dem Schiffsdeck oder einer Plattform in einer Stellung verschraubt. In der Lafette konnte das Geschützrohr zwischen −10 und +15 Winkelgrad in der Höhe gerichtet werden. Auf der Sockellafette war ein seitliches Richten um 360 Winkelgrad möglich. Da in den Kasemattenstellungen 360 Winkelgrad nicht möglich waren, wurden die Sockellafetten auf 45 Winkelgrad begrenzt. Das Richten in der Höhe und der Seite wurde durch Handräder gesteuert. Um den Schutz in den Kasematten noch weiter zu erhöhen, wurden einige Geschütze mit einem Geschützschild ausgestattet, was die Schießscharte nahezu komplett verschloss.[1]

Um die Geschütze im Feldeinsatz nutzen zu können, wurden die Geschützrohre auf starre Einholm-Radlafetten mit Holzrädern verbaut. In diesen Lafetten war ein seitliche Richten nur durch das Drehen der gesamten Lafette möglich. Der Höhenrichtbereich war hier nahezu identisch zum Sockellafette und wurde durch eine Handkurbel mit Schneckengetriebe ermöglicht.[1]

Das Geschütz hatte eine Mündungsgeschwindigkeit von 665 m/s. Damit war es möglich, die Granaten bis 7 km weit zu feuern. Eine geübte Mannschaft konnte dabei fünf bis acht Granaten in der Minute abfeuern.[1]

Einsatz

Italien

Schiffsgeschütz

Als Schiffsgeschütz kam die 57/43 Mod. 1887 auf den verschiedensten Schiffen und Booten der Marina Militare zum Einsatz. Dazu zählten Zerstörer, die Torpedoboote der PN-Klasse, das Kanonenboot Margherita und alle Marineschiffe des frühen 20. Jahrhundert, obwohl das Geschütz im Jahr 1900 schon als veraltet galt.

Festungs- / Begeleitgeschütz

Die 57/43 Mod. 1887 auf starrer Radlafette als Begleitgeschütz

Während des Ersten Weltkrieges wurde das veraltete Geschütz erneut eingesetzt. Aufgrund des Mangels an Feld- und Infanteriegeschützen wurden jegliche verfügbaren Kanonen, waren sie auch noch so alt, wieder in Dienst genommen. So demontierten Einheiten der Küsten- und Festungsartillerie des königlich italienischen Heeres die 57/43 Mod. 1887 von den Schiffen und setzten sie in befestigten Stellungen und als Küstengeschütz ein. Hierbei wurden die Kanonen auf ihren Sockellafetten belassen oder auf starren Radlafetten montiert und als feste Geschütze oder Begleitartillerie verwendet.

Im Jahr 1933 wurden 70 Geschütze von der Marina Militare abgegeben, als Grenzwache in Bunkern des Aplenwalls eingebaut und unter der Bezeichnung Canonne da 57/43 Modello 87/33 Nordenfelt geführt. Aufgrund des kurzen Rohres und der hohen Mündungsgeschwindigkeit erwiesen sich die Kanonen als geeignet wür die Panzerabwehr. Dennoch kam es nie zu einem Einsatz, geschweige denn zu einer Schussabgabe der Geschütze im Alpenwall. Im Jahr 1941 wurden die endgültig außer Dienst genommen, eingelagert und durch die 47/32 Mod. 1935 ersetzt.[1]

Wehrmacht

Als am 3. September 1943 der Waffenstillstand von Cassibile ausgesprochen wurde, führte dies zum Fall Achse, der Invasion der Besetzung Italiens durch die Wehrmacht. Dadurch wurde eine Vielzahl an Material erbeutet, so auch die eingelagerten Geschütze vom Typ Canonne da 57/43 Modello 87/33 Nordenfelt. Ob es zu einem Einsatz der Geschütze in der Wehrmacht kam, ist nicht bekannt. Dennoch wurden die Geschütze in die Vorschrift Kennblätter fremden Geräts aufgenommen und als 5,7-cm-Panzerabwehrkanone 208 (i) gelistet.[2]

Literatur

  • Alessandro Bernasconi, Giovanni Muran: Le fortificazioni del Vallo Alpino Littorio in Alto Adige. editore Temi, Trento 1999, ISBN 88-85114-18-0.
  • Heereswaffenamt: D 50/4. Leichte Geschütze. In: Kennblätter fremden Geräts. Ernst Steiniger Druck- und Verlagsanstalt, Berlin 1941.

Einzelnachweise

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