Karl von Jacobi (General)

deutscher Soldat, Befreiungskämpfer, zuletzt General der Hannoverschen Armee; Kriegsminister des Königreichs Hannover From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Jacobi, seit 1866 von Jacobi[1][2] (* 24. Juni 1790 in Celle; † 4. Juni 1875 in Hannover) war ein hannoverscher General der Infanterie und Kriegsminister.

General von Jacobi

Leben

Jacobi war ein Sohn von Andreas Ludolf Jacobi (1746–1825) und dessen zweiten Ehefrau Wilhelmine Thaer (* 2. März 1762; † 5. März 1826), einer Schwester von Albrecht Thaer. Er wuchs in Celle und Hannover auf. Ab 1808 studierte er an der Universität Göttingen Rechtswissenschaften[3] und war dort Mitstifter und Mitglied im Corps Hannovera.[4] Seine Studien setzte er 1809 nach der Göttinger Gendarmen-Affäre in Heidelberg fort und gehörte hier zum Kreis der Stifter des Corps Hannovera Heidelberg. Nach Beendigung seines Studiums wurde er 1811 Anwalt, zunächst in Celle, dann in Hannover.

In den Befreiungskriegen entdeckte er seine Vorliebe für das Militär und trat am 13. April 1813 als Sergeant in das Leichte Bataillon „Lüneburg“ der Hannoverschen Armee ein. Nach dreiwöchiger Dienstzeit wurde er, ohne jemals Fähnrich gewesen zu sein, zum Leutnant befördert. Bereits fünf Wochen später übernahm er das Kommando über eine Kompanie und noch einen Monat später, am 27. Juli 1813, war er Kapitän[5]. Er nahm an den Schlachten von Quatre-Bras und Waterloo teil. Dabei wurde seine Kompanie das Opfer eines französischen Kavallerieangriffes. Die Kompanie wurde kurz nach 14.00 Uhr von ihrer Stellung, ca. 600 Meter nordwestlich von La Haye Sainte, aus in den Obstgarten des Hofes geschickt, während die anderen Kompanien um das Haus herum verteilt waren, um gegen die französischen Plänkler zu kämpfen. Bei einem unerwarteten Kavallerieangriff gelang es, durch die Verteilung der einzelnen Kompanien bedingt, nicht mehr, ein Karree zu formieren. Die Männer wurden einzeln und ohne eine Chance sich zu wehren niedergemacht. 20 wurden getötet, 37 verwundet. Damit hatte das Bataillon mehr als ein Drittel seiner ursprünglichen Stärke eingebüßt; als Einheit existierte es nicht mehr.[6] Für seinen Einsatz in den beiden Schlachten erhielt Jacobi nach dem Krieg den Guelfenorden.

Nach dem Krieg gehörte Jacobi bis 1850 dem Generalstab an und wirkte von 1839 bis 1848 als außerordentliches Mitglied des Hannoverschen Staatsrats. Als Leiter der Generaladjutantur gewann er direkten Kontakt zu König Ernst August und wurde 1850 als Generalmajor Kriegsminister des Königreichs. Nach dem Tod von König Ernst August (1851) trat er wegen divergierender Auffassungen mit dessen Nachfolger König Georg V. zurück, wurde Mitglied des Hannoverschen Staatsrats, von 1852 bis 1855 berufenes Mitglied von 1856 bis 1866 erneut außerordentliches Mitglied des Hannoverschen Staatsrats. Ab 1854 war er zudem Bundestagsgesandter für das Königreich Hannover bei der deutschen Bundesversammlung des Deutschen Bundes in Frankfurt am Main.

Ende Mai 1854 trat Jacobi mit der Ernennung zum Kommandeur der 2. Infanterie-Division in den Truppendienst zurück, avancierte ein Jahr später zum Generalleutnant und erhielt am 18. Mai 1859 das Kommando über die 1. Infanterie-Division. In dieser Eigenschaft stieg er am 3. Dezember 1860 zum General der Infanterie auf. 1862 trat er in den Ruhestand und wurde am 17. Mai 1866 in den erblichen Adelsstand erhoben. Den Aufmarsch der Hannoverschen Truppen zur Schlacht bei Langensalza kommentierte er als Freund und Kenner Preußens vorausschauend mit „Finis Hannoverae“.

Familie

Jacobi heiratete am 17. Mai 1816 Doris Buchholz (* 1796; † 15. Mai 1877). Das Paar hatte mehrere Kinder:

  • Ludolf Friedrich August (* 21. Juni 1817), Oberst a. D. ⚭ Ludowike Wilmans (* 21. März 1838)
  • Ernst Karl Hartwig (* 4. Oktober 1818)
⚭ 1850 Emma Meyer (* 19. Februar 1824; † 3. August 1856)
⚭ 1859 Therese Bergmann (* 19. September 1831)
⚭ 1853 Minna Hahn (1832–1856)
⚭ 1860 Marie von Prott (1828–1863)
⚭ 1864 Maria Warnholz (* 14. Juli 1835)
  • Maria Caroline Klara Auguste (* 12. November 1825; † 18. Februar 1903)
  • Klara Georgine Karoline (* 17. April 1829; † 18. Februar 1885) ⚭ 1853 Eduard Müller (* 31. Mai 1812; † 20. Dezember 1899), Konsul a. D.
  • Georg Ludwig Wilhelm (* 24. September 1830) ⚭ 1876 Ida Solling (* 20. September 1844)

Auszeichnungen

Jakobistraße

Der 1850 als Gartenweg vorhandene Weg im heutigen hannoverschen Stadtteil List wurde 1854 amtlich Jacobistraße benannt. Die Straße, die vom heutigen Lister Platz zur Isernhagener Straße führt, wurde laut den Hannoverschen Geschichtsblättern von 1814 nach „dem Königlich hannoverschen General der Infanterie Karl von Jacobi“ benannt. Laut derselben Quelle ist die Straße jedoch „nach anderer Meinung benannt nach einem Jakob Buchhol, der das erste Haus daran baute“, möglicherweise der Maurergeselle Jakob Christian Ludwig Buchholz (* 1. November 1799; † 21. Juli 1855 in Hannover).[2]

Schriften

Literatur

  • Heinrich Ferdinand Curschmann: Blaubuch des Corps Hannovera zu Göttingen. Band 1: 1809–1899. Göttingen 2002, Nr. 25.
  • Bernhard von Poten: Die Generale der Königlich Hannoverschen Armee und ihrer Stammtruppen. Beiheft zum Militär-Wochenblatt. Mittler & Sohn, Berlin 1903, S. 314f Nr. 405
  • Michael Wrage: Der Staatsrat im Königreich Hannover 1839-1866. S. 31 Fn. 127, LIT Verlag Münster, 2001 (Digitalisat)
  • Bernhard von Poten: Jacobi, Karl von. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 13, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 596 f.
  • Jens Mastnak: Diese denkwürdige und mörderische Schlacht. Die Hannoveraner bei Waterloo. Celle 2003, ISBN 3-925902-48-1.
  • Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Briefadeligen Häuser. 1908. Zweiter Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1907, S. 519–520.
  • Bernhard Koerner, Genealogisches Handbuch bürgerlicher Familien, Band 12, S.166f
Commons: Karl von Jacobi – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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