Karl I. (Rumänien)

Fürst und König von Rumänien From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Eitel Friedrich Zephyrinus Ludwig von Hohenzollern-Sigmaringen (* 20. April 1839 in Sigmaringen, Fürstentum Hohenzollern-Sigmaringen; † 27. Septemberjul. / 10. Oktober 1914greg. auf Schloss Peleș in Sinaia) war ab 1866 als Carol I. Fürst und seit 1881 König von Rumänien.

Carol I. in Uniform mit Orden
Signatur
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Leben

Herkunft

Karl war der zweitgeborene Sohn des Fürsten Karl Anton zu Hohenzollern-Sigmaringen (1811–1885), zeitweilig Ministerpräsident des Königreichs Preußen, und der Prinzessin Josephine von Baden (1813–1900), Tochter des Großherzogs Karl Ludwig Friedrich von Baden.[1] Deshalb stand sein älterer Bruder, der spätere Fürst Leopold von Hohenzollern, vor ihm in der Nachfolge. Bis 1866, als er die rumänische Krone annahm, war Prinz Karl Offizier in der preußischen Armee.[2] Als preußischer Offizier nahm er 1864 am Deutsch-Dänischen Krieg teil.[3]

Thronübernahme

Einzug in Bukarest am 22. Mai 1866.

Dem Staatsgründer des Fürstentums Rumänien Alexandru Ioan Cuza war es nicht gelungen, die für das Land notwendigen Reformen durchzusetzen. Er war daher 1866 zur Abdankung gezwungen worden. Eine provisorische Regierung beschloss zunächst, den Bruder des belgischen Königs Leopold II., Philipp von Flandern, zum Fürsten einzusetzen. Da dieser aber verzichtete, wurde im Februar 1866 Karl Eitel Friedrich von Hohenzollern-Sigmaringen auf Empfehlung von Napoléon III. und nach einer Volksabstimmung am 20. April 1866 zum Fürsten gewählt. Am 22. Mai 1866 zog er als Fürst Carol I. unter dem Jubel des Volkes in Bukarest ein.

Regierungszeit

Rumänien mit den Grenzen 1878–1913

Am 29. Juni – zwei Monate nach Carols Ankunft – verabschiedete das rumänische Parlament die Verfassung Rumäniens von 1866, die Carol zwei Tage später unterzeichnete.[4] Stark an der belgischen Verfassung von 1831 orientiert, war sie eine der fortschrittlichsten Verfassungen ihrer Zeit und sollte den Rahmen für die Entwicklung und Modernisierung des rumänischen Staates bilden.[5] Es gelang tatsächlich Karl, dem jungen Staat in den folgenden Jahrzehnten außenpolitische und innere Stabilität zu geben. Die von ihm vorangetriebenen Reformen umfassten die Staatsfinanzen, eine am preußischen Vorbild orientierte Armee, einen Ausbau des Schulsystems und das Anlegen von Eisenbahnlinien.

Krönung in Bukarest am 10. Mai 1881
20-Lei-Goldmünze von 1883 mit dem Konterfei Karls I.

Beim Ausbruch des Russisch-Osmanischen Krieges im Jahr 1877 erklärte Rumänien seine volle Unabhängigkeit vom Osmanischen Reich. Nachdem die Unabhängigkeit 1878 durch den Frieden von San Stefano und den Berliner Vertrag international anerkannt wurde, wurde Karl am 26. März 1881 zum König von Rumänien proklamiert[6]. Allerdings erschütterte der Bauernaufstand in Rumänien 1907 das Land und machte auf die Unhaltbarkeit der ungerechten Landverteilung (Großgrundbesitz) aufmerksam. Dieses Problem vermochte Karl ebenso wenig zu lösen wie die weitgehend oligarchisch-undemokratische Herrschaft der damaligen rumänischen Oberschicht.

Außenpolitisch lehnte sich der König – darin ganz Hohenzoller – an Deutschland und Österreich-Ungarn an. Ein geheimes Militärbündnis mit diesen Mächten (1883 Beitritt zum Dreibund) konnte er jedoch bei Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 aufgrund der überwiegend entente-freundlichen Haltung der politischen Eliten und der Ablehnung im Kronrat nicht einhalten, was die letzten Wochen des greisen Herrschers (der sich als wortbrüchig empfand) verdüsterte.

Zuvor hatte sich Rumänien nach Neutralität im Ersten Balkankrieg 1912/13 aus Furcht vor einem zu mächtig werdenden Bulgarien am Zweiten Balkankrieg beteiligt und dabei einfache militärische Erfolge sowie die Einverleibung der südlichen Dobrudscha in Rumänien (in dem Friedensvertrag von Bukarest) erreicht.[7]

Tod und Nachfolge

Beim Tod König Carols am 10. Oktober 1914 wurde sein Neffe Ferdinand I. der Nachfolger. Carol I. wurde in der Kathedrale von Curtea de Argeș beigesetzt.

Familie

Carol I. und Elisabeth zu Wied mit ihrer Tochter Prinzessin Marie im Jahr 1873.

Carol heiratete am 15. November 1869 in Neuwied am Rhein Elisabeth Pauline Ottilie Luise Prinzessin zu Wied; (Carmen Sylva) (* 29. Dezember 1843; † 2. März 1916). Das einzige Kind war die Tochter

  • Maria (Itty) Prinzessin von Rumänien (* 8. September 1870; † 9. April 1874), ⚰ in der Kathedrale von Curtea de Argeș, der Grablege der rumänischen Königsfamilie

Ehrungen

In den folgenden Jahrzehnten errichteten zahlreiche Städte Rumäniens Monumente zu Ehren von Karl I. Auch Straßen oder Plätze wurden nach ihm benannt wie der Bulevardul Carol I.[8] Unter anderem finden sich Denkmale in Bukarest (Karl I. zu Pferde; auf dem damaligen Palastplatz vor der Universitätsbibliothek)[9] und in Sinaia.[10] In Bukarest trägt die Carol-Hunchiar-Moschee seinen Namen, ebenso in Konstanza die Carol-I.-Moschee.[11] Zudem wurde 1898 das rumänische Passagierschiff Regele Carol I nach ihm benannt.

Siehe auch

Stammtafel des rumänischen Königshauses

Literatur

Primärquellen

  • Sorin Cristescu (Hrsg.): Die Briefe König Karls I. von Rumänien an seine Familie. Editura Paideia, Bukarest 2013.
  • Silvia Irina Zimmermann (Hrsg.): „In zärtlicher Liebe Deine Elisabeth“ – „Stets Dein treuer Carl“. Der Briefwechsel Elisabeths zu Wied (Carmen Sylva) mit ihrem Gemahl Carol I. von Rumänien aus dem Rumänischen Nationalarchiv in Bukarest. 1869–1913. Historisch-kritische Ausgabe. Herausgegeben, kommentiert und eingeleitet von Silvia Irina Zimmermann. Schriftenreihe der Forschungsstelle Carmen Sylva – Fürstlich Wiedisches Archiv, Bände 6 und 7, Stuttgart: ibidem-Verlag, 2018, ISBN 978-3-8382-1221-0.
    • Teilband 1: 1869–1890. Anfangsjahre in Rumänien. Unabhängigkeitskrieg. Königreich Rumänien [Schriftenreihe FSCSFWA Band 6], ISBN 978-3-8382-0906-7.
    • Teilband 2: 1891–1913. Exil der Königin. Rückkehr auf den rumänischen Thron [Schriftenreihe FSCSFWA Band 7], ISBN 978-3-8382-1220-3.
Commons: Karl I. von Rumänien – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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