Real Ale
Art der Bierverarbeitung und des Zapfens
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Verfahren
Während Bier im modernen Brauverfahren häufig gefiltert und im modernen Zapfverfahren mit Hilfe von Kohlenstoffdioxid (CO2, umgangssprachlich Kohlensäure) oder Stickstoff gezapft und bei einer Temperatur von 4–6 °C getrunken wird, wird Real Ale unfiltriert gelassen, mit Luftpumpentechnik („by handpump“) gezapft und bei einer Temperatur von 10–12 °C serviert. Es ist daher keine eigene Biersorte, kein Biertyp, keine Bierart. Ein und dasselbe Ale kann folglich als Real Ale oder als Keg Ale (siehe unten) angeboten werden.
Real Ale wird mit Luftpumpentechnik gezapft. In Schottland wird auch vereinzelt mit Luftdruck gezapft. Auf Bierfesten wird Bier sehr oft gravity served, also im Prinzip ähnlich dem bayerischen Anstich gezapft.
Liebhaber von Real Ales schätzen den etwas niedrigeren CO2-Gehalt von Real Ale, jedoch soll das Bier niemals schal, trüb oder warm sein.
Die moderne Fassform für die Kohlensäure- bzw. Stickstoffzapfung von Bieren nennt man im Englischen „keg“, die alte Fassform für die Luftpumpenzapfung dagegen „cask“. Daher spricht man auch von „keg ale“, wenn es sich um ein Ale handelt beziehungsweise von „keg beer“, wenn es sich um einen anderen Biertyp handelt, und „cask ale“ oder aber „cask-conditioned ale“ spricht.
Geschichte
In den 1870er-Jahren wurde Bier, das jung getrunken werden musste, da es wenig Alkohol und wenig Hopfen enthielt, als „mild“ bezeichnet. Im frühen 20. Jahrhundert ergab sich ein Wandel hin von gereiften Bieren zu „mildem“ Bier. Schon damals wurde erwartet, dass sich der Markt zu stärker kohlensäurehaltigen Flaschenbieren verlagern würde, doch fand dies nicht statt. Das traditionelle Real Ale stand dann aber infolge vieler Zusammenschlüsse von Brauereien zu Grossbrauereien in den 1950er- und 1960er-Jahren davor, durch die Keg Ales verdrängt zu werden, als sich 1971[1] in Großbritannien eine Bürgerinitiative zur Erhaltung des Real Ale einsetzte, die Campaign for Real Ale, kurz CAMRA. Ein Anliegen der CAMRA ist es, Biere lokal, also nahe der Brauerei zu vermarkten, erstens um es frisch zu haben und nicht haltbar machen zu müssen, zweitens um unnötige Transportwege zu sparen und drittens, um die Vielfalt lokaler Biersorten zu erhalten.
Im Jahr 2025 war im Vereinigten Königreich nur noch jedes Dreizehnte getrunkene Bier ein gepumptes Ale. Dies entsprach 128 Millionen Litern in Pubs verkaufter gepumpter Ales, noch zwei Jahre zuvor im Jahr 2023 waren es 146 Millionen Liter gewesen. Grossbrauereien wie Carlsberg wollten vom Ruf des Cask Ale profitieren und imitierten es, das „Fresh Ale“ von Carlsberg sollte zwar traditionell gepumpt werden, aber es lebte bei der Auslieferung nicht, sondern war ein fertiges, «totes» Produkt.[2]
Nach CAMRA ist Real Ale ein Bier, das aus traditionellen Zutaten gebraut wird und seinen Kohlensäuregehalt durch eine Zweitgärung in dem Fass erhält, aus dem es später gezapft wird. Es muss dann ohne Zufuhr fremder Kohlensäure gezapft werden. Für die Zapfung eines Pints benötigt man zwei bis vier Pumpzüge. Die Cask Ales gehören in Pubs zu den günstigeren Bieren,[2] zudem ist es nicht nur günstiger, sondern habe in der Regel einen niedrigeren Alkoholgehalt und werde natürlicher hergestellt – Argumente für die jüngere Generation.[3]
Ab April 2025 sammelte die CAMRA in Pubs Unterschriften für eine Petition, um im britischen Parlament über eine Nominierung zum UNESCO-Welterbe zu debattieren.[3] Die Mobilisierung reichte nicht aus, um die vorgegebenen 100.000 Unterschriften bis am ersten Oktober zu erreichen.[4]