Fürstlich Castell’sche Bank
in Franken ansässiges Kreditinstitut
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Die Fürstlich Castell’sche Bank, Credit-Casse AG ist ein in Franken, München und Frankfurt ansässiges Kreditinstitut. Juristischer Sitz des Unternehmens ist Castell, die Hauptverwaltung und die Geschäftsführung befinden sich seit 1972 in Würzburg. Es wird in der Rechtsform einer nicht börsennotierten Aktiengesellschaft geführt, deren Anteile je zur Hälfte die Familien Castell-Castell und Castell-Rüdenhausen halten (sogenannte Familien-Aktiengesellschaft). Sie gilt als älteste Bank in Bayern. Die Bank sieht sich als Vermögensmanager und Vermögensverwalter, betreibt aber auch ein Privatkundengeschäft.[3]
| Fürstlich Castell’sche Bank, Credit-Casse AG | |
|---|---|
Hauptverwaltung Würzburg | |
| Staat | |
| Sitz | Castell bzw. Würzburg |
| Rechtsform | Aktiengesellschaft, nicht börsennotiert |
| Bankleitzahl | 790 300 01[1] |
| BIC | FUCE DE77 XXX[1] |
| Gründung | 1774 |
| Website | www.castell-bank.de |
| Geschäftsdaten 2024[2] | |
| Bilanzsumme | 1.136 Mio. EUR |
| Einlagen | 953,8 Mio. EUR |
| Kundenkredite | 507,9 Mio. EUR |
| Mitarbeiter | 211 |
| Leitung | |
| Vorstand | Ingo Mandt (Sprecher), Stephan Wycisk |
| Aufsichtsrat | Dr. Christoph Schücking (Vors.),
Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen (stellv. Vors.),
Ferdinand Fürst zu Castell-Castell (stellv. Vors.),
Katharina Gehra, |
| Unternehmensleitung | Ingo Mandt (Vorstandssprecher),
Stephan Wycisk (Vorstand), Dennis Bach (Generalbevollmächtigter), Marcel Dick (Generalbevollmächtigter), Dr. Jan Dornhöfer-Boehm (Generalbevollmächtigter), Marcus Recher (Generalbevollmächtigter), Inka Winter (Generalbevollmächtigte) |
Geschichte
Das Haus wurde 1774 als Gräflich Castell-Remlingen’sche Landes-Credit-Casse gegründet mit dem Ziel, durch günstigere Kleinkredite als bei anderen Geldverleihern Landwirte und Kaufleute der Grafschaft zu unterstützen.[4] Hinter der Gründung stand der damalige Kanzleidirektor der Grafschaft, Friedrich Adolf von Zwanziger. Ab 1806 hatte sie über 40 Jahre in der heutigen Bergstraße 2 ihren Sitz, 1847 wurde die Zentrale an den Rathausplatz 1 verlegt.
1857 wurde zusätzlich die Gräflich Castell’sche Neue Credit-Casse gegründet,[4] die sich auf das Firmengeschäft und die Vermögensverwaltung konzentrierte. Die ältere Landes-Credit-Casse unterhielt in verschiedenen Häusern in Castell ihre Büros.
1937 wurde sie in "Fürstlich Castell’sche Bank, Credit-Casse" umbenannt. Beide Banken fusionierten endgültig 1941 zur Fürstlich Castell’schen Bank.[4]
1951 wurde der Sitz der Geschäftsleitung nach Kitzingen verlegt, um der Realität einer Regionalbank mit Kunden aus allen Lebensbereichen und weniger aus landwirtschaftlichen Bereichen Rechnung zu tragen und um weiter erfolgreich zu wachsen.[4]
1954 eröffnete die erste Filiale in Würzburg, wohin die Geschäftsleitung 1973 verlegt wurde.[4]
Übergaben an Familienmitglieder fanden 1992 und 2013 statt.[4]
Laut Eigenaussage war die Bank an der Enteignung jüdischer Vermögen während der Zeit des Nationalsozialismus beteiligt. 1997 beauftragte die Leitung der Bank die Recherche darüber, die 2005 in Graf zu Dohnas (Historiker und Leiter des damaligen Archivs) Buch "Die jüdischen Konten der Fürstlich Castell’schen Credit-Cassen und des Bankhauses Karl Meyer KG" mündete.[4]
Im Jahr 2001 wurde das Unternehmen in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) umgewandelt. Mit Wirkung zum 1. August 2006 wurde die Rechtsform in die jetzige Aktiengesellschaft geändert.[5]
2020 erfolgte die strategische Neuausrichtung mit Schließungen unrentabler Standorte und Eröffnung der DialogFiliale, bei der Kunden auch online und damit ortsunabhängig agieren können.[6]
Personelles
Nach einem bekanntgewordenen Betrugsfall von mehreren Millionen mit medialer Berichterstattung und wirtschaftlich zu geringem Erfolg, tauschte die Bank ihr Führungspersonal aus.[7] Der bisherige Aufsichtsratsvorsitzende Ingo Mandt wurde zum Vorstandssprecher mit Wirkung zum 1. April 2021 berufen.[8] Zusammen mit dem bereits seit November 2020 als Generalbevollmächtigten tätigen Christian Hille (Vermögensverwaltung & Fondsmanagement)[9] wurde die Geschäftsleitung Mitte 2021 durch Thomas Rosenfeld (Kundengeschäft) sowie Stephan Wycisk (Marktfolge, Risikomanagement und Finanzen) komplettiert. Zum April 2022 wurde zudem Marcus Recher als Generalbevollmächtigter für den Bereich Personal, Vorstandsstab sowie Kommunikation und Marketing Mitglied der Geschäftsleitung.[10] Die Fürstlich Castell‘sche Bank berief die bisherigen Generalbevollmächtigten Christian Hille und Thomas Rosenfeld mit Wirkung ab 1. Januar 2023 zu Vorständen der Bank.[11] Hille verließ das Unternehmen aus persönlichen Gründen.[12] Thomas Rosenfeld schied 2024 aus dem Vorstand aus.[13] Zum 1. Juli 2024 wurde Inka Winter (Chief Sustainability Officer) zur Generalbevollmächtigten bestellt.[14]
Standorte
Beteiligungen
- Castell Immobilien GmbH
- Castell-Versicherungs-Dienst GmbH & Co. KG
- MLF Mercator-Leasing GmbH & Co. Finanz-KG
- Bau 2000 GmbH[16]
Weitere Unternehmen der Eigentümerfamilien
- Fürstlich Castell’sche Domäne (Wein)[17]
- Fürstlich Castell’scher Forst
- Fürstlich Castell’sche Meierei
Technik
Die Fürstlich Castell’sche Bank ist dem genossenschaftlichen Rechenzentrum der Atruvia AG angeschlossen und nutzt als Kernbankensystem deren Software agree21.
Literatur
- Ferdinand Fürst zu Castell-Castell, Otto Fürst zu Castell-Rüdenhausen: Der Wald für unsere Enkel, Westend Verlag GmbH, Frankfurt am Main am 19. September 2022, ISBN 978-3-86489-376-6
- Jesko zu Dohna: Die „jüdischen Konten“ der Fürstlich Castell’schen Credit-Cassen und des Bankhauses Karl Meyer KG (= Veröffentlichungen der Gesellschaft für Fränkische Geschichte Bd. 45), Kommissionsverlag Wegener, Castell am 1. September 2005, ISBN 978-3-86652-045-5
- Christian von Hiller: Die Castells führen ihre Bank wie ihren Wald. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 10. Oktober 2008
- Harald Freiberger: Von Bäumen und Banken. In: Süddeutsche Zeitung vom 4. August 2010
- Klaus Vikuk: Unternehmensfinanzierung im Wandel – Erfahrungen eines Privatbankiers. In: Zeitschrift für das gesamte Kreditwesen 1/2012, S. 32f.
- Thilo H. Wendenburg: Aus Überzeugung konservativ. In: Die Elite der Vermögensverwalter im deutschsprachigen Raum 10. Jahrgang 2013, S. 137
Weblinks
- Fürstlich Castell’sche Bank in der Unternehmensdatenbank der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht
- Homepage Fürstlich Castell’sche Bank