Choi Hong-hi

südkoreanischer General und Taekwondo-Mitentwickler From Wikipedia, the free encyclopedia

Choi Hong-hi (* 9. November 1918 in Kankyō-hokudo, damaliges Japanisches Kaiserreich, heutiges Nordkorea; † 15. Juni 2002 in Pjöngjang, Nordkorea) war ein südkoreanischer Generalmajor und Begründer der Kampfkunst Taekwondo.

Hangeul최홍희
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Ch’oe Honghŭi
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Choi Hong-hi (1970)
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Choi Hong-hi
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Leben

Choi Hong-hi wurde am 9. November 1918 in der Gegend von Hwa Dae, im Bezirk Myong Chun der damaligen japanischen Provinz Chōsen (im Gebiet des heutigen Nordkoreas) geboren.[1] Im Alter von zwölf Jahren wurde er wegen Aufwiegelung gegen das Japanische Kaiserreich, in welches Korea 1910 eingegliedert worden war, aus der Schule ausgeschlossen.

Deshalb schickte ihn sein Vater zu dem Kalligraphielehrer Han Il-dong. Bei diesem soll er Taekkyon erlernt haben, was jedoch umstritten ist. In seiner zweibändigen Autobiographie schreibt Choi:

„Der Meister [Anm.: Gemeint ist Han Il-dong] war gut in einer der koreanischen traditionellen Kampfkünste, Taek-Kyun [Anm.: Andere Schreibweise für Taekkyon], welches hauptsächlich Beinbewegungen beinhaltete. Er hatte eine tiefe Einsicht in die Kunst. Er sorgte sich nicht weniger als Vater über meinen schwachen Körper, weswegen er über berühmte gewonnene Kämpfe mit mir sprach. Auch wenn es vielleicht auf einem niedrigen Niveau war, zeigte er selbst mir die Grundbewegungen des Taek-Kyun.“

Choi Hong-hi[2]

Es wird bezweifelt, dass Han Il-dong Taekkyon beherrschte, da dieser als Taekkyon-Meister unbekannt ist.[3] Choi hat weiterhin auch nie die Grundbewegungen demonstriert, die er angeblich von Han gelernt hat.[4] Zudem wurde in der Region Gangneung, wo Choi bei Han in der Lehre war, der Begriff „Taekkyon“ gar nicht verwendet.[4]

1938 wurde Choi zur Weiterbildung auf die japanischen Hauptinseln gesandt. Dort erlernte er die japanische Kampfkunst Shotokan Karate und erlangte nach zwei Jahren Training den ersten Dan. Später soll er auch noch den zweiten Dan erlangt haben.[1]

In der Folgezeit machte er eine steile militärisch-politische Karriere in Südkorea und entwickelte währenddessen die Kampfsportart Taekwondo. 1972 emigrierte er nach Kanada. 1980 brachte er Taekwondo nach Nordkorea.

Choi starb am 15. Juni 2002 83-jährig an Magenkrebs in Pjöngjang.

Kampfkunst in der Zelle

Beim Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wurde Choi von der Kaiserlich Japanischen Armee rekrutiert. Während seiner Stationierung in Pjöngjang wurde er als Organisator der koreanischen Unabhängigkeitsbewegung, die als „Studenten- und Soldatenbewegung von Pjöngjang“ bekannt wurde, angeklagt und während der acht Monate vor seinem Prozess in einem japanischen Gefängnis inhaftiert. Um die Langeweile zu mildern und sich physisch fit zu halten, soll er in seiner Zelle Shotokan Karate praktiziert haben. Innerhalb kurzer Zeit wurden sein Zellengenosse und der Gefängniswärter seine Schüler. Die Kapitulation Japans und der darauffolgende Entzug der Kontrolle über die Provinz Chōsen durch die Alliierten im August 1945 rettete Choi vor einer siebenjährigen Gefängnisstrafe. Daraufhin reiste er nach Seoul, wo er eine Soldaten- und Studentenpartei gründete.

Kampfkunst und Militär

Im Januar 1946 wurde er als stellvertretender Leutnant in die neu gegründete koreanische Armee aufgenommen und bald darauf Kompaniechef des vierten Infanterieregiments in Gwangju in der Provinz Jeollanam-do (Choi Hong-hi, S. 24[1]). Dort begann er zunächst damit, seine Soldaten im Karate zu unterrichten. Er wollte eine eigene kriegerische Kunst entwickeln, die dem japanischen Karate in Psyche und Technik überlegen sei.

Parallel zu seiner steilen militärischen Karriere (1948 wurde er Oberstleutnant, 1951 Brigadegeneral, 1954 Generalmajor, 1958 Leiter des Büros der Reservisten, 1959 stellvertretender Kommandeur der 2. Armee in Daegu, 1961 Kommandeur des 6. Armeekorps) wuchs sein Einfluss auf das Militär und so konnte er es durchsetzen, dass die von ihm entwickelte Kampfkunst in das Ausbildungsprogramm der Armee aufgenommen wurde (Choi Hong-hi, S. 748–750.[1]).

Internationalisierung des Taekwondo

Bis Ende 1954 hatte Choi das Fundament einer neuen Kampfkunst für Korea, den Chang-Heon Stil (was blue cottage bedeutet) entwickelt, genannt nach seinem Pseudonym als Schriftsteller. Am 11. April 1955 wurde dieser Stil der Öffentlichkeit dann unter dem Namen „Taekwon-Do“ vorgestellt.[5] Diese neue Kampfkunst verbreitete sich in der Folgezeit schnell auf der Koreanischen Halbinsel. 1959 bereiste Choi Hong-hi mit einem 19-köpfigen Demonstrationsteam Südvietnam und Taiwan, um Taekwondo auch außerhalb der Halbinsel zu verbreiten (Choi Hong-hi, S. 24[1]). Diese Reise wurde zu einem überwältigenden Erfolg, sowohl im Ausland als auch auf der Halbinsel selbst. Mit immer neu zusammengestellten Teams bereiste er in den folgenden Jahren Amerika, Europa, den nahen und den mittleren Osten; viele Mitglieder dieser Teams blieben anschließend in den besuchten Ländern, um die Kampfkunst zu verbreiten und neue Landesverbände zu gründen. Am 22. März 1966 wurde in Seoul die International Taekwondo Federation (ITF) gegründet. Choi Hong-hi wurde der erste Präsident der ITF und hatte dieses Amt bis zu seinem Tode 2002 inne. Nach seinem Tod spaltete sich die ITF in 3 Verbände auf:

  • ITF Wien Österreich, unter der Leitung von Großmeister Pablo Trajtenberg[6], zuvor unter der Leitung von Großmeister Tran Trieu Quan.[7]
  • Die ITF Nordkorea unter der Führung von Großmeister Prof. Chang Ung[8].
  • ITF Canada, heute ITF-Administration[9] unter der Leitung von Großmeister Choi Jung Hwa – dem Sohn von General Choi – hat ihren Sitz im Vereinigten Königreich. Der Schwerpunkt dieser Gruppe liegt darauf, Taekwon-Do in benachteiligte Länder zu bringen.[10]

Kampfkunst und Politik

1961 unterstützte Choi den Militärputsch in Südkorea, doch als General Park Chung-hee die Oberhand gewann, begann sein Stern zu sinken: Ende der 40er Jahre war Park von einem Militärgericht, dem Choi angehört hatte, zum Tod verurteilt worden. Das Urteil wurde nicht vollstreckt. Als Park an die Macht kam, wurde Choi gezwungen, in den Ruhestand zu treten.

1962 wurde er als Botschafter nach Malaysia geschickt. Nach seiner Rückkehr nach Südkorea drei Jahre später war Choi bereits „Zwei-Sterne-General im Ruhestand“. Und noch 1968 wurde ihm der „Orden für Forschungsarbeiten auf dem Gebiet des Sports“ verliehen.[11] Doch im Laufe der folgenden Jahre fand er das Leben unter dem Park-Regime dermaßen unerträglich, dass er 1972 nach Kanada emigrierte – mit ihm übersiedelte auch die ITF. Als Reaktion darauf wurde in Südkorea unter der Militärdiktatur die regimetreue World Taekwondo Federation (WTF) gegründet.

Entstehung der Tuls (Hyong) unter Choi

In der ersten Entwicklungsphase (1955–1959) entstanden die ersten 20 Formen (damals noch oft als Hyong – nach RR Hyeong – bezeichnet) und lösten die bis dahin genutzten Shotokan Karate Katas[12] ab. Jede einzelne Form sollte nach einer bedeutenden Persönlichkeit oder einem historischen Ereignis der koreanischen Geschichte benannt werden. Hilfestellung leisteten dabei die damaligen Meister der militärischen Oh-Do-Kwan-Schule[13].

1959 erschien das erste Taekwon-Do-Buch in koreanischer und chinesischer Sprache.

In der zweiten Entwicklungsphase (1961–1965) wurde das System überarbeitet und auf die heute bekannten 24 Tuls erweitert. Diese wurden dann in der Encyclopedia of Taekwon-Do, Band 8 bis 15, veröffentlicht. Die Zahl 24 steht symbolisch für die 24 Stunden eines Tages und repräsentiert das gesamte Leben eines Menschen.

Im Jahre 1965 publizierte Choi das erste Taekwon-Do-Lehrbuch in englischer Sprache (Daeha Publication Company).[14] Darin wurden bereits alle zwanzig ursprünglichen Übungsformen aufgeführt.[15]

Anfang der 1980er Jahre wurde die Form Ko-Dang durch die Form Juche ersetzt. General Chois Sohn Choi Jung Hwa ersetzte für seinen Verband den Namen Juche wieder mit Ko-Dang.[16]

Die wellenförmige Bewegung (auch Sinuswelle oder Auf- und Abbewegung) im Formenlauf des ITF-Taekwon-Do wurde um das Jahr 1990 von Choi Hong Hi eingeführt – Mit dieser Bewegung soll das Körpergewicht als Kraftquelle stärker betont werden. Das neue Bewegungsmuster wurde zeitgleich mit der Umbenennung der traditionellen Hyongs in Tuls offiziell übernommen.[17]

Tuls (Jahr der Entstehung), Mitverantwortlicher und Produktionsort:[15]

  • Hwa-Rang (1955) Nam, Tae-Hi[18] & Han, Cha-Kyo auf der Insel Jeju (Jeju Island).
  • Chung-Mu (1955) Nam, Tae-Hi auf der Insel Jeju.
  • Ul-Ji (1957) Han, Cha-Kyo auf der Insel Jeju.
  • Sam-Il (1958–1959) Park Won Ha au der Insel Jeju.
  • U-Nam[19], die verschollene Form (1958–1959) auf der Insel Jeju, war das Pseudonym des südkoreanischen Präsidenten Rhee Syng-man. Wurde später entfernt.[20]
  • Gae-Baek (1961) C.K. Choi (Choi, Chang Keun) im Korean Army Training Centre.
  • die 15 weiteren Tuls (1962–1964) Kim Bok Man und Woo Jae Lim[21] auf Malaysia.
  • die letzten 4 Tuls entstanden 1965, wobei sie von 1983 bis 1985 finalisiert und vervollständigt wurden. Entstehungsort für diese finalen Formen ist Wien, Österreich.

Werke

  • Tae Kwon Do Teaching Manual. Shing-Wo Cultural Corporation, Korea 1959 (koreanisch, chinesisch, historyoftaekwondo.org).
  • The ROK Taekwon-Do Manual. Shing-Wo Cultural Corporation, Korea 1966 (englisch, historyoftaekwondo.org).
  • International Taekwondo Federation (Hrsg.): Encyclopedia of Taekwon-Do. Band 1–15, 1963 (englisch, tkd.ge [PDF; 23,0 MB] nur Band 1 in der PDF enthalten).
  • Taekwon-Do – The Art Of Self Defence. 2. Auflage. Masters Publication, Los Angeles (CA) 2007, ISBN 978-1-897307-76-2 (englisch, 1. Auflage. Seoul 1965).
  • Taekwon-Do and I. Band 1, 2. Masters Publications, Kanada 2008 (englisch, insgesamt 2 Bände: Band 1 – ISBN 978-1-897307-54-0; Band 2 – ISBN 978-1-897307-55-7).
  • Moral Guide Book – ITF. Rising Sun Productions, Pittsburg 2008, ISBN 978-1-897307-58-8 (englisch).
  • General Choi Hong Hi. In: ITF-Ludwigsburg.de. Archiviert vom Original am 22. März 2023;.
  • General Choi Hong Hi. In: itf-tkd.org. (englisch).
  • About General Choi Hong Hi. (PDF; 159 kB) In: itf-tkd.org. 20. März 2016; (englisch).
  • Dakin Burdick: Obituary: General Choi Hong-hi. In: The Guardian. 9. August 2002; (englisch).
  • Obituaries: General Choi Hong Hi. In: The Daily Telegraph. 26. Juni 2002, archiviert vom Original am 25. Oktober 2008; (englisch).
  • General Choi Hong Hi. In: Taekwondo Hall of Fame. (englisch).

Einzelnachweise

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