Novartis Foundation (1947-2008)
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Die Novartis Foundation war eine 1947 gegründete Stiftung mit Sitz in London. Ursprünglich unter dem Namen Ciba Foundation for the Promotion of International Cooperation in Medical and Chemical Research gegründet,[1] trat die Stiftung vor allem durch die Durchführung von internationalen Kongressen und Symposien in Erscheinung. 2008 fusionierte die Stiftung mit der British Academy of Medical Sciences.[2]
Eine gleichnamige, 1979 gegründete Stiftung, existiert bis heute. Die Novartis Foundation mit Sitz in Basel ist primär im Bereich der Entwicklungsarbeit tätig.[3]
Geschichte
Ciba-Geschäftsführer, Robert Käppeli, trat 1947 an den britischen Arzt Gordon Wolstenholme mit der Idee der Gründung einer Stiftung heran. Stiftungszweck solle die Förderung medizinischer Forschung, ohne kommerzielle Verbindungen zu Ciba sein.[4] Die Stiftung wurde offiziell am 22. Juni 1949 eröffnet. Nach der Fusion von Ciba und Sandoz zu Novartis im Jahre 1996 erfolgte auch der Namenswechsel der Stiftung zu Novartis Foundation. In den Jahren zwischen 1940 und 2004 wurden insgesamt 402 Symposien abgehalten.[5] Ziel der Stiftung und der von ihr durchgeführten Symposien war die Etablierung einer 'unabhängigen Betrachtung' jenseits von industriellen und Lobby-Interessen zu ermöglichen sowie die Förderung wissenschaftlicher Exzellenz.[6]
Gründungsdirektor Wolstenholme leitete die Stiftung für über 30 Jahre.[4] Tausende Persönlichkeiten aus Naturwissenschaften, Medizin und Pharmazie, darunter 81 Trägerinnen und Träger von Nobelpreisen, nahmen gesamthaft an den Konferenzen und Symposien im Londoner Hauptsitz teil.[2]
Eine der prominentesten 'Symposien' war die 1962 durchgeführte Konferenz The Future of Man. Einige der renommiertesten Wissenschaftler der westlichen Welt zählten zu den 27, ausschliesslich männlichen Teilnehmern.[7] Unter ihnen befanden sich die Nobelpreisträger Francis Crick, Joshua Lederberg, Peter Medawar, Hermann Joseph Muller und Albert Szent-Györgyi sowie die Vorsitzende verschiedener Organisationen (Family Planning Association, World Federation for Mental Health, American Association of Physical Anthropologists, American Academy of Arts and Sciences). Gemäss der Historikerin Heike Petermann enthielten sieben der 16 Konferenzbeiträge „eugenische und medizinisch-genetische“ Beiträge von Julian Huxley, Albert Szent-Györgyi, Hermann J. Muller, Joshua Lederberg und J.B.S. Haldane.[6] Die Historikerin Regula Argast jedoch bemerkt, dass kaum konkrete Aussagen „zur Steuerung der Fortpflanzung auf der Grundlage der Konzepte 'Rasse' oder 'soziale Schicht' sich in den Symposiumsbeiträgen“ finden liessen.[8]
Der damalige Präsident der teilnehmenden, 1930 gegründeten Family Planning Association, Lord Walter Russel Brain, war als zusätzlich als Trustee der Ciba Foundation tätig. Teilnehmer Julian Huxley war zudem zum Durchführungszeitpunkt Präsident der britischen Eugenics Society.[9]
Die Beiträge der Konferenz und die Diskussionsprotokolle wurden 1963 als im Band Man and his Future veröffentlicht, wobei die Publikation rund 14'000 mal verkauft wurde.[10] Die internationalen Reaktionen auf die Konferenz fielen höchst unterschiedlich aus: Während die in Deutschland und im deutschsprachigen Raum erschienenen Veröffentlichungen die Konferenz einhellig verurteilten, blieb die Konferenz im Vereinigten Königreich und den USA in Fachkreisen weitestgehend unkommentiert und unbeachtet. So fehlte bspw. eine Erwähnung des Symposiums im Bericht der American Eugenics Society für die Jahre 1960 bis 1964.[11][12] Die Konferenz trug so im deutschsprachigen Raum stärker zu einer Herausbildung bioethischer Debatten als im angelsächsischen Raum bei.[13]
Literatur
- Regula Argast. Population under Control: das Ciba-Symposium ”The Future of Man” von 1962 im Spannungsfeld von Reformeugenik, Molekulargenetik und Reproduktionstechnologie. In: Petra Overath. Die vergangene Zukunft Europas: Bevölkerungsforschung und –prognosen im 20. und 21. Jahrhundert. Böhlau, Köln 2011, S. 85–116. ISBN 978-3-412-20636-9
- Daniel di Falco. Ein Herz für alle. In NZZ Geschichte 40 (2022). S. 70–77.
- Robert Jungk, Klaus Prost, Ciba Foundation (Hrsg.) Das umstrittene Experiment: Der Mensch. Dokumentation des Ciba-Symposiums 1962 ‘Man and His Future’. 2. ergänzte Auflage. Schweitzer, Frankfurt am Main 1966. ISBN 978-3-88709-213-9
- Heike Petermann. Die biologische Zukunft der Menschheit: Der Kontext des CIBA Symposiums ‚Man and his Future‘ (1962) und seine Rezeption. In: Rainer Mackensen, Jürgen Reulecke, Josef Ehmer (Hrsg.): Ursprünge, Arten und Folgen des Konstrukts „Bevölkerung“ vor, im und nach dem „Dritten Reich“. Zur Geschichte der deutschen Bevölkerungswissenschaft. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2009. S. 393–414.
- Gordon Wolstenholme (Hrsg.) Man and his Future. London 1963.
Weblinks
- Konferenzmitschriften der Novartis Foundation Symposia