Schmucktäubchen
Art der Gattung Claravis
From Wikipedia, the free encyclopedia
Das Schmucktäubchen (Claravis pretiosa), auch Blautäubchen oder Graublaues Täubchen genannt, ist eine Art der Taubenvögel und gehört zur Unterfamilie der Amerikanischen Kleintauben. Die in Mittel- und Südamerika beheimateten Schmucktäubchen weisen einen auffallenden Geschlechtsdimorphismus auf. Während die Männchen ein überwiegend helles blaugraues Gefieder haben, sind die Weibchen zimtbraun. Die Art gilt als nicht gefährdet, auch wenn sie in einigen Teilen des Verbreitungsgebietes nicht häufig vorkommt. Das Männchen ist auf Grund seiner Färbung unverwechselbar. Das Weibchen weist dagegen Ähnlichkeit zum Purpurbrusttäubchen und zu Purpurbindentäubchen auf.
| Schmucktäubchen | ||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Schmucktäubchen, Weibchen | ||||||||||
| Systematik | ||||||||||
| ||||||||||
| Wissenschaftlicher Name der Gattung | ||||||||||
| Claravis | ||||||||||
| Oberholser, 1899 | ||||||||||
| Wissenschaftlicher Name der Art | ||||||||||
| Claravis pretiosa | ||||||||||
| (Ferrari-Pérez, 1886) |
Erscheinungsbild

Das Schmucktäubchen erreicht eine Körperlänge von 21 Zentimetern.[1] Es ist damit deutlich kleiner als eine Lachtaube. Verglichen mit dieser Art ist das Schmucktäubchen gedrungener und weist einen kürzeren Schwanz auf.
Beim Männchen sind Stirn und Kehle fast weiß. Das übrige Gefieder ist überwiegend hell blaugrau. Die Körperunterseite ist dabei etwas heller. Sowohl auf den Flügeldecken als auch auf den Armschwingen finden sich reihenweise angeordnete schwarze Flecken. Die Handschwingen sind schwarzgrau. Die Unterschwanzdecke ist grauweiß. Das Weibchen hat eine grauweiße Stirn und Kehle, der Kopf ist ansonsten graubraun. Auffallend ist der Zimtbraune Rücken und Rumpf. Die Flecken auf Flügeldecken und Armschwingen sind bei ihr rötlich-violett.
Verbreitung und Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet des Schmucktäubchens reicht vom Osten Mexikos über Mittelamerika bis in den Nordwesten Perus (westlich der Anden) und in den Norden Argentiniens, Paraguays und den Süden Brasiliens. Der Lebensraum dieser Taubenart sind feuchte und semifeuchte Wälder, trockene Laubwälder, Waldränder, Lichtungen und Strauchsavanne. Die Höhenverbreitung reicht vom Tiefland bis in Höhenlagen von 2.100 Meter über NN.[2]
Verhalten
Schmucktäubchen sind überwiegend Standvögel. Allerdings kommt es insbesondere in den arideren Regionen ihres Verbreitungsgebietes zu saisonalen Wanderungen, wenn die Nahrungsressourcen knapper werden. Auf der Yucatan-Halbinsel sind Schmucktäubchen von März bis Mai sehr selten, dagegen sind es relativ häufige Vögel im Zeitraum Juni bis August.[3] In Peru und Bolivien werden solche Wanderbewegungen dagegen nicht beobachtet. Schmucktäubchen sind bodenbewohnende und unauffällige Tauben. Sie fliegen nur auf, wenn sie gestört werden und baumen dann meist bereits in der Nähe auf niedrigen Zweigen auf. Sie kommen überwiegend einzeln oder in Paaren vor. Kleinere Trupps oder gar größere Schwärme sind sehr selten. Das Nahrungsspektrum umfasst Sämereien, kleine Früchte und Insekten.
Die Fortpflanzungszeit ist abhängig vom jeweiligen Verbreitungsgebiet. In Panama brütet diese Art beispielsweise von März bis August, während sie in Peru und Bolivien gewöhnlich im Zeitraum September bis Dezember brütet. Das Nest wird in dichtem Unterholz oder in Schlingpflanzen errichtet und besteht aus einer sehr lockeren und fragilen Plattform aus Zweigen. Das Gelege besteht aus zwei weißschaligen Eiern. Die Brutzeit beträgt 14 bis 15 Tage[4] und die Jungvögel sind nach 13 bis 14 Tagen flügge. Sie verlassen allerdings das Nest häufig bereits ab ihrem 10. Lebenstag.
Etymologie und Forschungsgeschichte
Die Erstbeschreibung des Schmucktäubchens erfolgte 1886 durch Fernando Ferrari-Pérez unter dem wissenschaftlichen Namen Peristera pretiosa. Als Verbreitungsgebiet nannte er Veracruz.[5] Es war ein neuer Name für Columba cinerea Temminck, 1811[6][A 1], da der Name bereits belegt war durch Columba cinerea Scopoli, 1786.[7] Scopolis Name wird heute gelegentlich als Synonym zur Perlhalstaube (Spilopelia chinensis (Scopoli, 1768)) betrachtet. Edward Blyth war eher der Meinung, dass es sich um die Orientturteltaube (Streptopelia orientalis (Latham, 1790)) handeln könnte.[8] 1899 führte Harry Church Oberholser die für die Wissenschaft neue Gattung Claravis ein.[9] Dieser Begriff ist ein Wortgebilde aus lateinisch clarus ‚klar, brillant‘ und lateinisch avis ‚Vogel‘.[10] Der Artname pretiosa leitet sich von lateinisch pretiosus, pretium ‚kostspielig, wetvoll, Wert‘ ab.[11] Alfred Laubmann hatte für sein Werk Die Vögel von Paraguay fünf Bälge, gesammelt von Eugen Josef Robert Schuhmacher (1906–1973) in San Luis de la Sierra im Departamento Concepción im Bergland des Río Apa, zur Verfügung. In der Literatur sah er Nachweise für das Land in einem von Richard Otto Rohde (1855–1912) am Río Pilcomayo gesammelten und von Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch[12] beschriebenen Exemplar, sowie in von Arnaldo de Winkelried Bertoni 1901 unter dem Synonym Chamaepelia plumbea[13] beschriebenen Balg aus dem Departamento Alto Paraná.[14] Ein weiteres Synonym ist Claravis pretiosa livida Bangs, 1905[15]. Cinerea leitet sich von lateinisch cinis, cineris ‚Asche‘ ab[16], plumbea von lateinisch plumbeus, plumbum ‚bleiern, bleihaltig, bleifarben, Blei‘[17] und livida von lateinisch lividus, livere ‚bläulich, bleigrau, von bläulicher Farbe sein‘[18]
Haltung in menschlicher Obhut
Schmucktäubchen wurden das erste Mal 1857 im Zoo von Amsterdam gezeigt.[19] Sie sind allerdings heute in der europäischen Wildtaubenhaltung wegen ihrer Friedfertigkeit gegenüber anderen Vogelarten, ihrer attraktiven Färbung und dem harmonischen Körperbau zwar gefragte, aber verhältnismäßig selten gehaltene Tauben. Zum Beginn der 1990er Jahre wurden in den Niederlanden, Belgien und Deutschland insgesamt nur etwa 100 Zuchtpaare gehalten.[20] Sie benötigen helle, sonnenbestrahlte Volieren. Da sie kälteempfindlich sind, müssen sie warm überwintert werden.
Literatur
- Enrique Lynch Arribálzaga: Apuntes criticos sobre las Aves del Paraguay descriptas por el Señor A. de Winkelried Bertoni. In: Anales del Museo Nacional de Buenos Aires (= 2. Band 4). 1902, S. 329–389 (biodiversitylibrary.org).
- Outram Bangs: Descriptions of seven new subspecies of American birds. In: Proceedings of The Biological Society of Washington. Band 18, 1905, S. 151–156 (biodiversitylibrary.org).
- Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch: Systematisches Verzeichniss der von Herrn Ricardo Rohde in Paraguay gesammelten Vögel. In: Journal für Ornithologie (= 4. Band 15). Nr. 177, 1887, S. 1–37 (biodiversitylibrary.org).
- Arnaldo de Winkelried Bertoni: Aves nuevas del Paraguay. Continuación á Azara. In: Anales cientificos paraguayos. Band 1, 1901, S. 1–216 (biodiversitylibrary.org).
- Edward Blyth: Drafts for a Fauna Indica. In: Journal of the Asiatic Society of Bengal. Band 14, Nr. 168, 1845, S. 845–879 (biodiversitylibrary.org).
- Edward Clive Dickinson, Normand David, Leslie K. Overstreet, Frank Dieter Steinheimer, Justin Jansen: Histoire naturelle des pigeons or Les pigeons: Coenraad Jacob Temminck versus Pauline Knip. In: Archives of natural history. Band 37, Nr. 2, 2010, ISSN 0260-9541, S. 203–220, doi:10.3366/anh.2010.0003.
- Fernando Ferrari-Pérez, Edward Drinker Cope: Catalogue of animals collected by the geographical and exploring commission of the Republic of Mexico. In: Proceedings of the United States National Museum. Band 9, 1886, S. 125–199 (biodiversitylibrary.org).
- David Gibbs, Eustace Barnes, John Cox: Pigeons and Doves. A Guide to the Pigeons and Doves of the World. Pica Press, Alfeld-Sussex 2001, ISBN 90-74345-26-3.
- Alfred Laubmann: Die Vögel von Paraguay. Band 1. Strecker und Schröder, Stuttgart 1939, S. 138–139 (google.de).
- Alois Münst, Josef Wolters: Tauben – Die Arten der Wildtauben. 2. erweiterte und überarbeitete Auflage. Verlag Karin Wolters, Alfeld-Bottrop 1999, ISBN 3-9801504-9-6.
- Harry Church Oberholser: Some untenable names in ornithology. In: Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia. Band 51, 1899, S. 201–216 (englisch, biodiversitylibrary.org).
- René Ronsil: Madame Knip, née Pauline de Courcelles, et son oeuvre ornithologique. In: Journal of the Society for the Bibliography of Natural History. Band 3, 1957, ISSN 0037-9778, S. 207–220, doi:10.3366/jsbnh.1957.3.4.207.
- Gerhard Rösler: Die Wildtauben der Erde – Freileben, Haltung und Zucht. Verlag M. & H. Schaper, Alfeld-Hannover 1996, ISBN 3-7944-0184-0.
- Giovanni Antonio Scopoli: Deliciae Florae Et Faunae Insubricae Seu Novae, Aut Minus Cognitae Species Plantarum Et Animalium, Quas In Insubria Austriaca Tam Spontaneas, Quam Exoticas Vidit, Descripsit, et Aeri Incidi Curavit. Band 2. Ex Typographia Reg. & Imp. Monasterii S. Salvatoris. Praesidib. Rei litter. permittentibus, Ticini 1786, S. 94 (biodiversitylibrary.org).
- Coenraad Jacob Temminck, Pauline Knip geb. Rifer de Courcelles: Les pigeons. L'Imprimerie de Mame, Paris 1811 (biodiversitylibrary.org – Erschien zwischen 1808–1811 in 15 Lieferungen).
Weblinks
- Claravis pretiosa in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: BirdLife International, 2019. Abgerufen am 15. Januar 2026.
- BirdLife International: Species Factsheet – Blue Ground Dove (Claravis pretiosa)
- Schmucktäubchen (Claravis pretiosa) bei Avibase
- Schmucktäubchen (Claravis pretiosa) auf eBird.org
- Claravis pretiosa im Integrated Taxonomic Information System (ITIS)
- Schmucktäubchen in featherbase
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Schmucktäubchen (Claravis pretiosa)
- Blue Ground Dove (Claravis pretiosa) in der Encyclopedia of Life. (englisch).
- Schmucktäubchen auf oiseaux.net (französisch)