Claude Boucher
französischer Verwaltungsbeamter des Ancien Régime
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Claude Boucher (* 22. September 1673 in Paris; † 5. August 1752 ebenda) war ein französischer Verwaltungsbeamter des Ancien Régime.
Von 1720 bis 1743 amtierte er als Intendant der Généralité von Bordeaux und gehörte damit zu den zentralen Vertretern der königlichen Provinzialverwaltung im frühen 18. Jahrhundert. Trotz seiner langen Amtszeit blieb Boucher in der historischen Wahrnehmung hinter seinem Nachfolger Louis-Urbain Aubert de Tourny zurück, welcher vor allem durch seine städtebaulichen Maßnahmen in Bordeaux bekannt wurde.
Leben
Boucher entstammte einer Pariser Amtsadelsfamilie, deren Aufstieg auf den Erwerb eines Sekretärsamtes des Königs im Jahr 1627 zurückging. Sein Vater Nicolas-René Boucher war am Cour des aides tätig. Claude Boucher selbst wurde 1693 conseiller an diesem Gericht und erwarb 1699 ein Amt als président. Seine Heirat mit Anne Petit de Passy (1701) verband ihn mit einflussreichen Verwaltungsnetzwerken und förderte seinen weiteren Aufstieg.
1717 wurde Boucher zum Intendanten der Auvergne ernannt, bevor er 1720 nach Bordeaux versetzt wurde, wo er 23 Jahre lang blieb. Er löste damit Guillaume-Urbain de Lamoignon de Courson (1674–1742) nach elf Jahren in diesem Amt ab, der in der Zeit des Spanischen Erbfolgekriegs und dessen Folgen sowie der prekären Finanz- und Wirtschaftspolitik unter dem „Sonnenkönig“ Louis XIV. zu leiden hatte. Zur Stärkung seiner Stellung gegenüber dem Parlement de Bordeaux erhielt Boucher zugleich den Titel eines Conseiller d’honneur. Als Intendant war er für die Verwaltung eines weitläufigen Bezirks verantwortlich, der große Teile des südwestlichen Frankreichs umfasste. Die Umsetzung seiner Maßnahmen erfolgte über ein Netz von Subdelegierten.
Bouchers Amtszeit fiel in eine Phase wirtschaftlicher und fiskalischer Spannungen nach dem Zusammenbruch des Systems von John Law. Ein Schwerpunkt seiner Tätigkeit lag auf der Sicherung der Getreideversorgung sowie auf der Regulierung des Weinbaus, dessen Ausdehnung er als Ursache für strukturelle Versorgungsprobleme betrachtete. Er setzte sich für Einschränkungen beim Anbau neuer Reben und für eine stärkere Gewichtung des Ackerbaus ein, stieß damit jedoch auf erheblichen Widerstand seitens lokaler Interessenvertreter. Auch seine Eingriffe in Handelsstrukturen, insbesondere im Bereich der Messen und der Handelsgerichtsbarkeit, führten wiederholt zu Konflikten.
Im Steuerwesen verfolgte Boucher das Ziel einer gleichmäßigeren Verteilung der Abgabenlast und unterstützte Reformansätze zur Rationalisierung der direkten Steuern. Seine Verwaltungspraxis verdeutlicht die Spannungen zwischen zentralstaatlichen Steuerungsansprüchen und regionalen wirtschaftlichen Interessen im Frankreich des 18. Jahrhunderts. Intendant Boucher leitete 1737 in der Region Bordeaux Reformen zur Einführung proportionaler und tarifierter Steuern ein, um die Steuererhebung zu modernisieren und gerechter zu gestalten. Das Projekt scheiterte jedoch an mangelndem Fachpersonal, schwierigen Schätzungen und dem Widerstand der Bauern, die zur Pauschalbesteuerung zurückkehrten, während zeitgleiche Steuererhöhungen (Cinquantième) auf den Widerstand der privilegierten Eliten stießen.
Als Vorreiter des Städtebaus leitete Boucher die Transformation des mittelalterlichen Bordeaux zu einer modernen Stadt ein, indem er die Befestigung aufbrach. Sein Fokus lag auf der Öffnung zum Garonne-Ufer und der repräsentativen Gestaltung der Quais, worunter die Gestaltung der Place Royale mit monumentalem Reiterdenkmal fiel. Auch wenn er zu seinem Leidwesen die beiden Vororte Saint-Seurin und Chartrons nicht in die Stadt integrieren konnte, anerkannten selbst politische Gegner seinen Eifer, die Stadt Bordeaux werde durch monumentale Projekte positiv umzugestaltet. Als erster der „bauenden Intendanten"“ schuf er die Grundlagen für das moderne Stadtbild. Er erkannte die Notwendigkeit, das Handelszentrum stärker mit dem Fluss zu verbinden. Bouchers Wirken markiert den Beginn einer neuen städtebaulichen Ära in der Hauptstadt der Guienne.
Es gab aber auch Widerstand gegen diese Entwicklungen. Das Parlament der Stadt leistete „unter dem Vorwand, die Verteidigung der Stadt in die Hand zu nehmen, in Wirklichkeit aber, um die Interessen einiger seiner Mitglieder zu wahren, stillen Widerstand“ bei der Umsetzung. Mit dem dritten von Boucher beauftragen Architekten, Ange-Jacques Gabriel, konnte er schließlich ab Mai 1729 seine Pläne umsetzen. Auf Gabriel geht maßgeblich die Gestaltung der Place Royale zurück.
Intendant Boucher trat 1743 mit siebzig Jahren aufgrund gesundheitlicher Probleme und nachlassender Energie zurück. Die Verwaltung von Bordeaux war für ihn eine zunehmende Belastung, während er gleichzeitig schwere familiäre Schicksalsschläge erlitt. Nachdem er seine Frau und beide Töchter verloren hatte, fehlte ihm jegliche emotionale Bindung zur Stadt. Dennoch blieb er bis zur Grundsteinlegung der Reiterstatue Ludwigs XV. im Amt. Die Sicherung dieses Herzensprojekts war ausschlaggebend für den späten Rücktrittszeitpunkt. Erst danach fühlte er sich bereit, sein Amt an einen Nachfolger zu übergeben.
Weblinks
- Louis Desgraves: L’Intendant Claude Boucher. Revue historique de Bordeaux et du département de la Gironde Année 1952, Heft 1, S. 19–36.
- Louis Desgraves: L’Intendant Claude Boucher et l’administration de la généralité de Bordeaux de 1720 a 1743. GitHub, Thèses de 1945
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Boucher, Claude |
| KURZBESCHREIBUNG | französischer Verwaltungsbeamter des Ancien Régime |
| GEBURTSDATUM | 22. September 1673 |
| GEBURTSORT | Paris |
| STERBEDATUM | 5. August 1752 |