Claudio Duchetti
Drucker, Verleger und Händler von Kupferstichen und Radierungen
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Claudio Duchetti (italianisierte Form von Claude Duchet, * in Orgelet, Frankreich; † 9. Dezember 1585 in Rom) war ein französischstämmiger, in Italien tätiger Drucker, Verleger und Händler von Kupferstichen und Radierungen. Mit dem Erbe von etwa der Hälfte der Druckplatten führte er die erfolgreiche Grafikwerkstatt seines 1577 verstorbenen Onkels Antonio Lafreri in Rom fort. Das Speculum Romanae Magnificentiae ist bis heute der Inbegriff druckgrafischer Blätter mit Motiven des antiken Roms in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Leben
Claude wurde in Orgelet im französischen Jura als Sohn von Étienne Duchet und einer Schwester des seit den 1540er-Jahren in Rom ansässigen Druckers Antonio Lafreri geboren. Möglicherweise ging er schon 1544 zusammen mit seinem Neffen Étienne (der gelegentlich, so auch im Thieme-Becker,[1] mit dem Vater Claudes verwechselt wird) nach Rom.[2]
In Italien nannte er sich Claudio Duchetti. Spätestens 1563 von seinem Onkel mit allen Vollmachten bezüglich geschäftlicher Angelegenheiten ausgestattet, begann er seine Verlegertätigkeit in Venedig und lieferte ab etwa 1569 Landkarten nach Rom. Spätestens ab Mitte 1576 arbeitete Duchetti nachweislich in Lafreris Unternehmen. Nach dessen Tod im Juli 1577 waren seine nächsten Verwandten Claudio und Stefano (Étienne) Duchetti sowie seine Schwester Guglielma erbberechtigt. Dass sich Claudio zum Todeszeitpunkt außerhalb Roms aufhielt, verzögerte die ihm übertragene Erbschaftsverwaltung noch bis Ende November 1577. Die Aufteilung der Erbmasse, d. h. der wertvollen Druckplatten und der Ausstattung der Werkstatt, zog sich noch bis Ende 1581 hin. Am Ende erhielten Neffe und Großneffe je 7/18 der Kupferplatten. Stefano verkaufte seine über 400 Platten umgehend an den Drucker Paolo Graziano und stieg aus dem Druckgrafikgeschäft aus, Claudio führte die Werkstatt seines Onkels weiter.[3]
Duchetti heiratete 1585 Margherita Gherardi, die Schwester des Druckers Giacomo Gherardi, der schon für verschiedene Verleger, darunter Lorenzo Vaccari, gearbeitet und den er 1577 in Sizilien kennengelernt hatte. Ihm übertrug er am 3. Dezember 1585 testamentarisch die Verwaltung des Betriebes bis zur Volljährigkeit seines noch ungeborenen Kindes. Unter der Auflage, die neuen Drucke mit dem Vermerk „apud haeredes Claudii Ducheti“ ([gedruckt] bei den Erben Claudio Duchettis) zu versehen, sollte Gherardi dafür mit einem Drittel des Gewinns entlohnt werden. Die im Mai 1586 geborene Tochter starb bereits 1589, der Schwager als nachfolgender Erbe wenige Jahre später. Die durch ihren Bruder ausbezahlte Witwe verheiratete sich 1590 erneut. Ab 1590 erscheinen auch die Druckgrafiken mit geänderter Adresse: „Iacobi Gherardi heredis Claudij Ducheti Formis“.[4][5]
Duchetti wurde 1585 im Familiengrab in der französischen Nationalkirche San Luigi dei Francesi beigesetzt.[6]
Werk
Um die Druckplattensammlung seines Onkels wieder zu vervollständigen, ließ Duchetti den Großteil der Kupferstiche, die sein Neffe geerbt hatte, kopieren. Sein Hauptlieferant war Ambrogio Brambilla, der die Ersatzplatten im schnelleren Verfahren der Radierung herstellte und die Motive meist im Gegensinn und sehr viel gröber darstellte. Duchettis besonderes Augenmerk galt dem erfolgreichen Speculum Romanae Magnificentiae, eine von Lafreri ins Leben gerufene, mit einem Titelblatt versehene, individuelle Zusammenstellung der antiken Kunst- und Bauwerke Roms. Dem Neffen ist die Homogenisierung der Konvolute zu verdanken, das heißt ein Speculum mit den gleichen Tafeln in der gleichen Reihenfolge. Ebenfalls für Vereinheitlichung sorgte die Auszeichnung mit der Verlegeradresse. Lafreris Adresse hielt Duchetti als Qualitätsmerkmal bei, fremde Adressen – wie von Antonio Salamanca – wurden dagegen ersetzt. Wo bisher keine Adresse vorhanden war, fügte er seine eigene kurzerhand hinzu: „Claudio Ducheti formis Romae“.[7]
Werkauswahl
Das British Museum, London führt auf seiner Website neben einer Kurzbiografie eine Reihe von Druckgrafiken auf, die bei Claudio Duchetti produziert und vertrieben wurden.[8] Viele der Urheber blieben anonym; zu den bekannten Kupferstechern gehören Nicolas Beatrizet, Enea Vico, Diana Scultori und Michelangelo Marelli.
- Reproduktionen von Ambrogio Brambilla
- Kolosseum, 1581
- Circus Maximus, 1581
- Tiberinsel, 1582
- Cestius-Pyramide, 1582
- Grabmal Julius II., 1582
- Livius-Büste, 1582
Literatur
- Birte Rubach: Ant. Lafreri formis Romae. Der Verleger Antonio Lafreri und seine Druckgrafikproduktion. Lukas Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-86732-259-1.
- Stephen Paul Fox: Duchet, Claude. In: Fiorella Bartoccini (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 41: Donaggio–Dugnani. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1992.
- Susanne Christine Martin: Duchet, Claude. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker (AKL). Band 30, Saur, München u. a. 2001, ISBN 3-598-22770-1, S. 201.
Weblinks
- The British Museum: Claudio Duchetti. In: britishmuseum.org.