Konichalcit

Mineral aus der Adelit-Descloizit-Gruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Konichalcit (englisch Conichalcite), gelegentlich auch unter seinem veralteten Namen Higginsit[4] bekannt, ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“. Es kristallisiert im orthorhombischen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung CaCu[OH|AsO4][5] und entwickelt meist kurze, prismatische Kristalle, aber auch traubige, radialstrahlige oder massige Aggregate, sowie Krusten in gelbgrüner bis smaragdgrüner, selten auch blaugrüner Farbe.

Schnelle Fakten Allgemeines und Klassifikation, Kristallographische Daten ...
Konichalcit
Konichalcit aus Pastrana, Mazarrón-Águilas, Murcia, Spanien
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Con[1]

Andere Namen
Chemische Formel
  • CaCu(AsO4)(OH)[3]
  • CaCu[OH|AsO4][5]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Phosphate, Arsenate und Vanadate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

VII/B.11b
VII/B.26-050[6]

8.BH.35
41.05.01.02
Kristallographische Daten
Kristallsystem orthorhombisch
Kristallklasse; Symbol orthorhombisch-disphenoidisch; 222[7]
Raumgruppe P212121 (Nr. 19)Vorlage:Raumgruppe/19[5]
Gitterparameter a = 7,39 Å; b = 9,22 Å; c = 5,83 Å[5]
Formeleinheiten Z = 4[5]
Zwillingsbildung selten nach {001}[8]
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte 4,5[8]
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,33; berechnet: 4,29[8]
Spaltbarkeit keine
Bruch; Tenazität uneben; spröde
Farbe gelblichgrün, smaragdgrün
Strichfarbe grün
Transparenz durchsichtig bis durchscheinend
Glanz Glasglanz, Fettglanz
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,778 bis 1,800[9]
nβ = 1,795 bis 1,831[9]
nγ = 1,801 bis 1,846[9]
Doppelbrechung δ = 0,023 bis 0,046[9]
Optischer Charakter zweiachsig wechselnd
Pleochroismus Sichtbar:[9]
X = nahezu farblos oder grün
Y = hellgrünlich oder gelblichgrün
Z = hellbläulich oder blaugrün
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Etymologie und Geschichte

Der Name ist eine Zusammensetzung der griechischen Worte κονία [konía] für „Staub, Asche“ und χαλκός [kʰalkós] (schon in der Linearschrift B als [ka-ko] /kʰalkós/ belegt) für „Kupfer“.

Bereits einige Jahre vor seiner Bestimmung wurde das fälschlich als Malachit etikettierte Mineral aus „Hinojosa de Cordova en Andalucia“ in der Sammlung der Freiberger Akademie aufbewahrt. August Breithaupt vermutete jedoch, dass es sich hierbei um eine bisher unbekannte Mineralart handelte und übergab die Probe 1849 Franz Wilhelm Fritzsche zur Analyse. Dieser ermittelte für das Mineral die nötige Zusammensetzung von je sechs Teilen Kupferoxyd (31,58 %) und Kalkerde (21,41 %), zwei Teilen Arseniksäure (30,57 %) ein Teil Phosphorsäure (9,47 %) und fünf Teilen Wasser (5,97 %).[10]

Als genaue Typlokalität gilt heute die „Mina Don Bonete“ bei Hinojosa del Duque in der spanischen Provinz Córdoba (Andalusien).[11]

Da der Konichalcit bereits lange vor der 1958 gegründeten International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und der Konichalcit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral bezeichnet.[3] Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Konichalcit (englisch Conichalcite) lautet „Con“.[1]

Das Typmaterial des Minerals wird in der Mineralogischen Sammlung der Technischen Universität Bergakademie Freiberg (TU-BA) unter der Inventarnummer 21297 aufbewahrt.[12][13]

Klassifikation

Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Konichalcit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Phosphate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Adelit, Austinit, Cobaltaustinit, Duftit, Gabrielsonit, Gottlobit, Nickelaustinit und Tangeit die „Adelitgruppe“ mit der System-Nr. VII/B.11b bildete.

Die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte[14] 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Konichalcit ebenfalls in die Abteilung der „Phosphate usw. mit zusätzlichen Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen und dem Stoffmengenverhältnis der zusätzlichen Anionen (OH usw.) zum Phosphat-, Arsenat- bzw. Vanadatkomplex RO4, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit mittelgroßen und meist großen Kationen; (OH usw.) : RO4 = 1 : 1“ zu finden ist, wo es zusammen mit Adelit, Arsendescloizit, Austinit, Cobaltaustinit, Duftit, Gabrielsonit, Gottlobit, Nickelaustinit und Tangeit die „Adelitgruppe“ mit der System-Nr. 8.BH.35 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Konichalcit in die Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort in die Abteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er ebenfalls zusammen mit Adelit, Austinit, Duftit-Beta, Gabrielsonit, Tangeit, Nickelaustinit, Cobaltaustinit, Arsendescloizit und Gottlobit in der „Adelitgruppe“ mit der System-Nr. 41.05.01 innerhalb der Unterabteilung der „Wasserfreien Phosphate etc., mit Hydroxyl oder Halogen mit (AB)2(XO4)Zq“ zu finden.

Chemismus

In der idealen, chemisch reinen Zusammensetzung von Konichalcit (CaCu[OH|AsO4][5]) besteht das Mineral im Verhältnis aus je einem Teil Calcium (Ca), Kupfer (Cu), Arsen (As) und Wasserstoff (H) sowie 5 Teilen Sauerstoff (O). Dies entspricht einem Massenanteil (Gewichtsprozent) von 15,44 Gew.-% Ca, 24,48 Gew.-% Cu, 28,87 Gew.-% As, 0,39 Gew.-% H und 30,82 Gew.-% O[15] oder in der Oxidform 21,61 Gew.-% Calciumoxid (CaO), 30,65 Gew.-% Kupfer(II)-oxid (CuO), 44,27 Gew.-% Arsen(V)-oxid (As2O5) und 3,47 Gew.-% H2O.[8]

Je nach Bildungsbedingungen und Stoffzufuhr können diese Idealwerte allerdings in geringem Umfang abweichen. Daneben können zusätzlich Fremdbeimengungen eingelagert sein. So wurde beim Typmaterial aus „Hinojosa de Córdoba“ eine Zusammensetzung von 21,36 Gew.-% CaO, 31,76 Gew.-% CuO, 30,68 Gew.-% As2O5 und 5,61 Gew.-% H2O sowie Beimengungen von 8,81 Gew.-% Phosphorpentoxid (P2O5) und 1,78 Gew.-% Vanadium(V)-oxid (V2O5) ermittelt.[8]

Chemisch ähnliche Proben aus der Higgins Mine bei Bisbee (Arizona) in den USA enthielten 21,6 Gew.-% CaO, 30,1 Gew.-% CuO, 42,6 Gew.-% As2O5 und einen ermittelten Wassergehalt von 3,6 Gew.-% H2O sowie Beimengungen von 1,4 Gew.-% P2O5 und 0.7 Gew.-% Zinkoxid (ZnO).[8]

Kristallstruktur

Konichalcit kristallisiert orthorhombisch in der Raumgruppe P212121 (Raumgruppen-Nr. 19)Vorlage:Raumgruppe/19 mit den Gitterparametern a = 7,39 Å, b = 9,22 Å und c = 5,83 Å sowie 4 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[5]

Weitere Informationen Kristallstruktur von Konichalcit ...
Kristallstruktur von Konichalcit[16]
Farblegende: 0 _ Ca 0 _ Cu 0 _ As 0 _ O
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Modifikationen und Varietäten

Bildung und Fundorte

Konichalcitstufe aus Zacatecas, Mexiko (Ausgestellt im Mineralogischen Museum Bonn)
Konichalcit und Rosasit (faserig, blau) aus der Mohawk Mine am Clark Mountain, Kalifornien, USA

Konichalcit ist ein Sekundärmineral, das sich überwiegend in Kupfer-Lagerstätten bildet. Begleitminerale sind unter anderem Azurit, Austinit, Brochantit, Chenevixit, Jarosit, Klinoklas, Libethenit, Malachit und Olivenit sowie das eisen- und wasserhaltiges Mineralgemenge Limonit.[8]

Als relativ seltene Mineralbildung kann Konichalcit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er jedoch wenig verbreitet. Weltweit sind bisher rund 450 Vorkommen[17] dokumentiert (Stand 2026). Außer an seiner Typlokalität in der „Mina Don Bonete“ bei Hinojosa del Duque sowie der ebenfalls in der Gemeinde El Guijo gelegenen Mina San Guillermo trat das Mineral noch in weiteren Gruben in der Provinz Córdoba auf wie in Belalcázar, Pozoblanco und Villanueva de Córdoba. Daneben fand sich Konichalcit noch in den andalusischen Provinzen Almería, Granada und Jaén. Weitere spanische Fundorte liegen in den Regionen Aragonien, Asturien, Extremadura, Kastilien und León, Katalonien, Murcia und Valencia.

In Deutschland kennt man das Mineral aus vielen Gruben, Halden und Steinbrüchen in Baden-Württemberg. Bekannt sind unter anderem Grube Clara bei Oberwolfach, Grube Silberbrünnle bei Haigerach, der Steinbruch Hechtsberg bei Hausach, die auch Typlokalität für den Hechtsbergit ist sowie Grube Anton im Heubachtal und Grube Gottesehre bei Urberg. Daneben fand sich Konichalcit noch bei Dörrmorsbach in Bayern, bei Reichenbach (Lautertal), Nieder-Beerbach, Altenmittlau, Weinbach und Bauhaus (Nentershausen) in Hessen, bei Bad Lauterberg im Harz und Sankt Andreasberg in Niedersachsen, bei Müsen und Hoffnungsthal (Rösrath) in Nordrhein-Westfalen, bei Imsbach und am Ettringer Bellerberg in Rheinland-Pfalz, in den Bergbaurevieren Annaberg-Buchholz und Schneeberg sowie im am Bergmannskopf und in der Grube Friedrichsglück im Ilm-Kreis und am Roten Berg bei Kamsdorf im Landkreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen.

In Österreich konnte Konichalcit bisher bei Pöllan (Gemeinde Paternion) in Kärnten, in Annaberg und am Kohlberg in Niederösterreich, bei Tweng in Salzburg, Waldstein (Gemeinde Deutschfeistritz) in der Steiermark sowie in der Umgebung von Reith im Alpbachtal und Bezirk Schwaz in Tirol entdeckt werden.

In der Schweiz kennt man das Mineral bisher nur vom Hochmättli im Kanton Glarus, aus der Grube Falotta bei Tinizong (Tinzen) im Kanton Graubünden und vom Six Blanc in der Gemeinde Orsières im Kanton Wallis.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Bulgarien, Chile, China, Frankreich, Griechenland, Iran, Irland, Italien, Japan, Kanada, Kasachstan, Kirgisistan, der Demokratischen Republik Kongo, Marokko, Mexiko, Namibia, Peru, Polen, Portugal, Rumänien, Russland, Sambia, Schweden, der Slowakei, Südafrika, Taiwan, Tschechien, Ungarn, Usbekistan, im Vereinigten Königreich (Wales) und den Vereinigten Staaten von Amerika (Arizona, Kalifornien, Nevada, New Mexico, Utah).[18]

Verwendung

Konichalcit hat außer als Mineralprobe keinerlei wirtschaftliche Bedeutung.

Siehe auch

Literatur

  • A. Breithaupt, F. W. Fritzsche: Bestimmung neuer Mineralien: Konichalcit. In: Annalen der Physik und Chemie. Band 77, 1849, S. 139–141 (Digitalisat bei rruff.info (Memento vom 28. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 181 kB; abgerufen am 10. Januar 2026]).
  • C. F. Rammelsberg: Handwörterbuch des chemischen Theils der Mineralogie: Repertorium des chemischen Theils der Mineralogie. Verlag von C. G. Lüderitz, Berlin 1843, S. 120 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  • M. M. Qurashi, W. H. Barnes: The structures of the minerals of the descloizite and adelite groups: IV - descloizite and conichalcite (part 2) The structure of conichalcite. In: The Canadian Mineralogist. Band 7, 1963, S. 561–577 (englisch, Digitalisat bei rruff.geo.arizona.edu (Memento vom 25. April 2024 im Internet Archive) [PDF; 958 kB; abgerufen am 10. Januar 2026]).
Commons: Konichalcit (Conichalcite) – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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