Crockford’s Clerical Directory
Verzeichnis der anglikanischen Gemeinschaft in Großbritannien
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Crockford’s Clerical Directory (Crockford) ist das maßgebliche Verzeichnis der anglikanischen Geistlichen und Kirchen im Vereinigten Königreich und Irland und enthält Angaben zu englischen, walisischen, schottischen und irischen Pfründen und Kirchen sowie Biografien von rund 26.000 Geistlichen in diesen Ländern sowie der Diözese in Europa der Church of England in anderen Ländern. Es wurde erstmals 1858 von John Crockford, einem Londoner Drucker und Verleger, herausgegeben.[1]
Crockford wird derzeit von Church House Publishing für den Rat der Erzbischöfe (Archbishops’ Council) zusammengestellt und veröffentlicht.[2] Es deckt im Detail die gesamte Church of England (einschließlich der Diözese in Europa), in Wales, die Scottish Episcopal Church und die Church of Ireland ab und gibt auch einige Informationen – jetzt eingeschränkter – über die weltweite Anglikanische Gemeinschaft.
Frühere Herausgeber

Der Titel der ersten Ausgabe war schlicht The Clerical Directory, aber eine Fußnote zeigte, dass sie von John Crockford, 29 Essex Street, the Strand, veröffentlicht wurde. Der ursprüngliche Verleger starb plötzlich im Jahr 1865, kurz vor dem Erscheinen der dritten Ausgabe dessen, was bis dahin Crockford’s Clerical Directory geworden war. Für viele nachfolgende Ausgaben wurden die Bände anonym herausgegeben, aber sie wurden unter dem Impressum von Horace Cox veröffentlicht – dem Neffen von John Crockfords engstem Geschäftspartner, Anwalt und Verleger Edward William Cox (1809–1879). Seine Familie hatte wahrscheinlich nichts mit Charles Cox zu tun, der zufällig der Herausgeber von Crockfords Hauptkonkurrenten, der Clergy List (Liste des Klerus), war.[3] Horace Cox starb 1918[4] und der Titel wurde anschließend 1921 an die Oxford University Press verkauft,[5] welche bis in die frühen 1980er Jahre als Herausgeber tätig war. Für die Ausgabe 1985/86 wurde die Veröffentlichung den Church Commissioners und dem Central Board of Finance (Zentralrat für Finanzen) übertragen, die mit ihren eigenen Verwaltungslisten und Datenbanken arbeiteten. Die Veröffentlichung wird jetzt von Church House Publishing zusammengestellt.
Veröffentlichung
Die ersten vier Ausgaben erschienen 1858, 1860 (mit einer Ergänzung 1861),[6] 1865[7] und 1868. Danach erschien Crockford bis 1876 alle zwei Jahre, anschließend bis 1917 jährlich. Die nächste Ausgabe war eine verspätete Ausgabe von 1918/19, die erstmals die wichtigste Konkurrenzpublikation, die Clergy List, enthielt. Weitere Ausgaben erschienen 1920 und 1921/22; zwischen 1923 und 1927; im Jahr 1928 erschien keine Ausgabe, aus, wie der Herausgeber es nannte, „technischen Gründen“. Produktionsschwierigkeiten in den Jahren 1941/42, 1943 und 1944 führten dazu, dass lediglich kurze Ergänzungen zur Ausgabe von 1941 veröffentlicht werden konnten.[8] und 1929 bis 1940 erschien die Directory wieder jährlich, gefolgt von weiteren späteren Ausgaben in den Jahren 1941 und 1947/48. Seitdem erschien Crockford im Allgemeinen alle zwei Jahre, doch aufgrund zunehmender Verzögerungen wurden die 87. und 88. Auflage auf 1977/79 bzw. 1980/82 datiert, und 1983/84 erschien das Buch gar nicht. Die zweijährliche Veröffentlichung wurde 1985/86 wieder aufgenommen, wobei der Ende 1997 erschienene Band als Auflage 1998/99 bezeichnet wurde. Die 100. Auflage – schließlich 2008/09 erschienen – enthielt in ihrer Hardcover-Version einige Faksimile-Seiten der ersten Auflage sowie eine ausführliche historische Anmerkung, die einige der früheren Bände beschrieb.
Die Ausgabe von 1858 wurde später als scheinbar „sehr willkürlich zusammengestellt“ beschrieben, wobei die Namen „so schnell wie möglich“ hinzugefügt wurden, nicht alphabetisch geordnet waren und kein zuverlässiges Register vorlag. Dennoch hatte sich das Verzeichnis von 1860 „zu einem wesentlich nützlicheren Nachschlagewerk entwickelt“.[9] Tatsächlich handelte es sich bei dem Originalband jedoch um eine Zusammenfassung dessen, was 1857 lediglich als eine Reihe von Beilagen zu einer ganz anderen Publikation, dem Clerical Journal, gedacht war.[10] Die Herausgeber erklärten im Vorwort, dass es sich „nur um den Grundstein eines großen Werkes handelt, das wir mit der tatkräftigen Unterstützung der Geistlichen hoffentlich jedes Jahr weiter vervollkommnen werden“.[11]
Umfang der Verzeichnisse

Die Ausgabe von 1858 basierte auf den Postrückgaben (postal returns) der Geistlichen in England und Wales und verursachte – wie im Vorwort erwähnt – Kosten von „mehr als 500 Pfund allein für Briefmarken“.[12] Vereinfachte Listen für die Scottish Episcopal Church und für einige Geistliche der Kolonien – aus anderen Quellen – wurden bis zur Ausgabe von 1865 hinzugefügt, während Angaben zu irischen Geistlichen aus Alexander Thoms „Irish Almanack and Official Directory“ übernommen wurden. Ab den 1870er Jahren wurde der Geltungsbereich schrittweise auf alle Teile der anglikanischen Gemeinschaft ausgedehnt, mit der bemerkenswerten Ausnahme der Episkopalkirche der USA. Die Ausgabe von 1870 umfasste 940 Seiten, diese Zahl stieg bis 1892 auf über 2100 Seiten.
Die ersten Ausgaben enthielten nach und nach auch Angaben zu den Diözesanbeamten und -verwaltern sowie zu den theologischen Hochschulen und den königlichen Kapellen. Sie umfassten zudem wesentlich ausführlichere Register, Übersichtskarten der Diözesen und immer vollständigere Bischofslisten, die bis in die Anfänge ihrer Bistümer zurückreichten. Darüber hinaus boten sie allen Geistlichen die Möglichkeit, ihre Veröffentlichungen aufzulisten, obwohl diese Listen schließlich gekürzt werden mussten, da ihr Umfang stark zunahm.
Anfang der 1980er Jahre waren drastische Sparmaßnahmen notwendig, und die Ausgabe 1985/86 musste auf die „Heimatkirchen“ Englands, Schottlands und Wales beschränkt werden.[13] Geistliche im Ruhestand wurden vorübergehend nur mit wenigen Angaben zu ihrer letzten Anstellung aufgeführt, obwohl es rechtzeitig zur Ausgabe 1987/88 möglich war, die irischen Geistlichen wieder aufzunehmen. In späteren Ausgaben wurden die pensionierten Geistlichen wieder aufgenommen, zusammen mit Angaben zu ausländischen Geistlichen, die ursprünglich in Großbritannien lizenziert oder ausgebildet worden waren oder leitende Positionen in ihren jeweiligen Kirchenhierarchien innehatten. Angaben, die auch aus dem Church of England Yearbook (Jahrbuch der Church of England) oder ähnlichen Quellen stammten, wurden im Allgemeinen nicht berücksichtigt. Zeitweise wurden auch Geistliche, die ihren Lebensunterhalt durch weltliche Tätigkeiten verdienten, nicht im Biografieteil aufgeführt. Die Abkürzung “NQ” (Non-Qualifying Position) wurde verwendet, um solche Zeiträume zu kennzeichnen, in denen Geistliche in die Gemeindearbeit zurückkehrten und wieder aufnahmeberechtigt waren. Da viele dieser Geistlichen während ihrer weltlichen Beschäftigung diözesane Lizenzen oder bischöfliche „Erlaubnisse zur Ausübung des Gottesdienstes“ behielten, könnte dieser Ansatz für Geistliche, die ihren geistlichen Status (clerical status) nachweisen mussten, ein gewisses Maß an Schwierigkeiten verursacht haben.
1985/86 wurden erstmals Diakoninnen aufgenommen (obwohl in Hongkong bereits in den 1970er Jahren Priesterinnen geweiht wurden). Neuerungen ab den 1990er Jahren umfassten optionale E-Mail-Adressen sowie Listen der seit der vorherigen Ausgabe verstorbenen Geistlichen. Die Hinweise zur Anrede von Geistlichen („How to Address the Clergy“[14]) wurden beibehalten. Einige Geistliche wurden auf eigenen Wunsch nicht aufgeführt oder stimmten der Veröffentlichung ihrer Biografien ohne Kontaktangabe zu. Die Kirchenkommission ersetzte die traditionellen schwarzen Hardcover-Einbände bald durch rote und führte außerdem eine separate Taschenbuchausgabe ein.
Seit 2004 gibt es auch eine regelmäßig aktualisierte Online-Ausgabe von Crockford, die im Abonnement erhältlich ist.[15] Das Verzeichnis ist auch in sozialen Netzwerken präsent und betreibt seit 2012 einen Twitter-Account.
Als Alternative zum Hauptwerk wurde Crockfords Shorter Directory, das sich fast ausschließlich auf die Church of England konzentrierte und alle früheren biographischen Details ausließ, in den Jahren 1953–54 als Einzelausgabe herausgegeben.
Vorworte
Die bekannte Tradition eines ausführlichen, aber anonymen Vorworts, das einen allgemeinen Überblick über die Ereignisse innerhalb der Anglikanischen Gemeinschaft bietet – ergänzt durch gelegentlich pointierte und kontroverse Kommentare –, entwickelte sich allmählich im frühen 20. Jahrhundert.[5] Frühere Vorworte waren in der Regel deutlich kürzer und beschränkten sich oft auf die Erläuterung der internen Richtlinien des Kirchenverzeichnisses. Nach den Ereignissen im Anschluss an die Veröffentlichung der Ausgabe 1987/88, die mit dem Suizid von Reverend Gareth Bennett endeten, wurde diese Tradition des anonymen Vorworts eingestellt.
Eine Anthologie mit dem Titel „Crockford Prefaces: The Editor Looks Back“, die anonym von Richard Henry Malden herausgegeben wurde[5] und die vorangegangenen 25 Jahre umfasste, wurde 1947 von der Oxford University Press veröffentlicht.[16]
Anspielungen auf Crockford’s in der Populärliteratur
AUf Crockford wird in Dorothy L. Sayers’ Detektivroman Keines natürlichen Todes (Kap. XI, 1927) Bezug genommen, wo Lord Peter Wimsey „dieses wertvolle Nachschlagewerk“ („this valuable work of reference“) benutzt, um einen Geistlichen aufzuspüren, der für die Lösung des Rätsels im Buch wichtig ist.
Eine weitere fiktive Figur, die Crockford in ihrem Bücherregal stehen hatte, war Sherlock Holmes. In einer seiner letzten Kurzgeschichten („Das Abenteuer des pensionierten Farbhändlers“ - The Adventure of the Retired Colourman) konsultierte er sein Exemplar, bevor er seinen Kollegen Dr. Watson und einen weiteren Begleiter in einen abgelegenen Teil von Essex schickte. Dort befragten sie einen „großen, ernsten und etwas pompösen Geistlichen“ („a big solemn rather pompous clergyman“), der sie in seinem Arbeitszimmer verärgert empfing.
Holmes beschreibt Mary Russell außerdem, dass er Crockford für seine Recherchen über die Predigerin „Margery Childe“ in Laurie R. King Roman „A Monstrous Regiment of Women“ nutzte.
Die Romanfigur Dulcie Mainwaring bevorzugt Crockfords Format gegenüber Who’s Who, während sie in Barbara Pyms Roman No Fond Return of Love über ihre Recherchen im Public Record Office in London nachdenkt.
In einem Kapitel mit dem Titel „Der Besucher in der Nacht“ von Freeman Wills Crofts aus dem Buch „Der schwebende Admiral“ („The Floating Admiral“) recherchiert Inspektor Rudge die Vorgeschichte von Reverend Mount in einem Crockford’s.
Quellen
- Brenda Hough, H. C. G. Matthew: Crockford, John (1824/5–1865). In: Oxford Dictionary of National Biography (online ed.). Oxford University Press. 2004. doi:10.1093/ref:odnb/37324.
- Christopher Currie, Glyn Paflin: Shop-talk and mordant wit. In: The Church Times, is. 7552. 7. Dezember 2007, archiviert vom am 7. April 2012; abgerufen am 12. August 2014 (englisch).
- Peter Bell: Crockford’s Clerical Directory for 1865: Being a Biographical and Statistical Book of Reference for Facts Relating to the Clergy and the Church. Horace Cox 1865, repub. Peter Bell 1995 Oxford and Edinburgh google books 1995. ISBN 978-1-871538-21-2
- Richard Henry Malden: Crockford prefaces: the editor looks back. google books Oxford University Press 1947.
- Church of England, Central Board of Finance, Church Commissioners: Crockford’s Clerical Directory. google books Oxford University Press 1865.