Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben

deutsche Sterbehilfe-, Bürgerrechts- und Patientenschutz-Organisation From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben e. V. (DGHS) ist eine 1980 gegründete Sterbehilfe-Organisation mit Sitz in Berlin, die sich sowohl für Selbstbestimmung am Lebensende einsetzt als auch Suizidbegleitungen vermittelt.

Gründung7. November 1980 in Nürnberg
SitzBerlin
ZweckVermittlung von Suizidbegleitung
Schnelle Fakten Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben (DGHS), Rechtsform ...
Deutsche Gesellschaft für Humanes Sterben
(DGHS)
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Rechtsform eingetragener Verein
Gründung 7. November 1980 in Nürnberg
Sitz Berlin
Zweck Vermittlung von Suizidbegleitung
Vorsitz Robert Roßbruch
Geschäftsführung Oliver Kirpal
Mitglieder 65.000 (Stand: 02/2026)[1]
Website www.dghs.de
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Gründung und Ziele

Der Verein wurde am 7. November 1980 aus dem Umfeld des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) heraus gegründet. Ihr Bekanntheitsgrad stieg im Verlauf der 1980er Jahre, unter anderem durch öffentlich diskutierte Suizide wie den des DGHS-Mitglieds Hermy (Hermine) Eckert 1984 und die Verurteilung des ersten Präsidenten der DGHS Hans Henning Atrott.

Vereinszweck sind die Verbesserung der Bedingungen für Sterbende, die Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die Problematik des „humanen Sterbens“ und die Veränderung der Rechtslage in diesem Sinne. Die Gesellschaft versteht sich als eine Bürgerrechts- und Patientenschutzorganisation zur Verwirklichung des Selbstbestimmungsrechts am Lebensende. Das heißt auch, dass es der persönlichen Entscheidung des Kranken überlassen sein soll, sich für eine palliative Behandlung oder aber für eine ärztlich assistierte Selbsttötung zu entscheiden. Der (ärztliche) Helfer soll – nach diesen Vorstellungen – bei einer „frei verantworteten Entscheidung“ vor straf- und berufsrechtlicher Verfolgung sicher sein. Die DGHS ist Mitglied im Deutschen Juristentag und in der Dachorganisation World Federation Right-to-die-Societies.

Organisation

Der Vereinssitz ist Berlin. Das Präsidium besteht aus Robert Roßbruch (Präsident), Dieter Birnbacher (Vizepräsident) und Ursula Bonnekoh (Schatzmeisterin). Am 9. November 2024 wurden die drei Beisitzer Peter Boesel, Werner Koch und Monika Midel von der Delegiertenversammlung ins Präsidium gewählt.[2] Geschäftsführer ist Oliver Kirpal. Höchstes Gremium ist die Delegiertenversammlung.[3]

Arbeit des Vereins

Im Mittelpunkt der Tätigkeit steht nach Vereinsangaben die Vorsorge mit Hilfe von Patientenverfügungen, die Beratung bei deren Abfassung und deren Durchsetzung. Aus Sicht des Vereins ist es wichtig, den eigenen Willen in einer Patientenverfügung rechtzeitig zu formulieren und einen zuverlässigen Bevollmächtigten zu benennen, der den eigenen Willen vertritt, wenn man selbst dazu nicht mehr in der Lage ist. Die DGHS hat als Angebot für ihre Mitglieder 2016 eine Bevollmächtigten-Börse ins Leben gerufen, über die Freiwillige, die eine Bevollmächtigung in Wohnortnähe übernehmen würden, mit Suchenden zusammengebracht werden. Auf der anderen Seite setzt sich der Verein für die Verhinderung von Missbrauch bei allen Formen von Sterbehilfe ein.[4]

Die DGHS bietet seit 2020 für ihre Mitglieder die Vermittlung einer Suizidbegleitung an, die von Ärzten und Juristen durchgeführt wird. 2023 vermittelte die DGHS 419[5] Mitgliedern eine derartige Begleitung. Im November 2025 begleiteten eine Ärztin und ein Jurist der DGHS Alice und Ellen Kessler in deren Haus in Grünwald beim gemeinsamen assistierten Suizid.[6]

Der Verein fordert die Verbesserung der Situation Schwerstkranker und weitergehende legale Möglichkeiten einer Sterbehilfe in Form des ärztlich assistierten Suizids. Leitmotiv der Gesellschaft ist es, dass jeder nach seinen eigenen Vorstellungen und Wünschen sterben können soll und dabei notfalls auch Hilfe beanspruchen darf. Dem sterbenden Patienten soll geholfen werden, zu Hause zu sterben und im Kreise seiner Angehörigen, wenn er dies will.

Unterstützt werden die Schmerztherapie und die Palliativmedizin, die im Falle einer unheilbaren Krankheit für Linderung von Symptomen sorgen soll, um ein möglichst weitgehend beschwerdefreies Weiterleben bis zum Tod zu ermöglichen.

Die DGHS ist Mitglied im hpd e. V., dem Trägerverein des Humanistischen Pressedienstes (hpd).[7]

Arthur-Koestler-Preis

Die DGHS verlieh mehrfach den mit 2000 Euro dotierten nach Arthur Koestler benannten Preis an Personen, die sich des Themas „Sterben unter Berücksichtigung des Selbstbestimmungsrechts“ angenommen haben. Preisträger waren 2013 Hans Küng, 2014 Ralph Giordano und 2022 Erika Preisig.[8]

Kritik nach Suizid

Im Rahmen eines Sterbehilfefalls im April 2025 geriet die DGHS in die öffentliche Kritik. Nachdem eigene Standards bei der Indikationsstellung missachtet wurden und bei dem verstorbenen Patienten „vor seinem Tod ernsthafte psychische Probleme“ vorgelegen haben sollen, ermittelt die Staatsanwaltschaft Köln "wegen des Anfangsverdachts des Totschlags in mittelbarer Täterschaft" gegen den beteiligten Arzt sowie die am Suizid beteiligte Schatzmeisterin der DGHS, Ursula Bonnekoh.[9][10]

Einzelnachweise

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