Das Urteil des Königs Unverstand
äthiopisches Märchen (AaTh 926 C: Salomonisches Urteil)
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Das Urteil des Königs Unverstand ist ein äthiopisches Märchen (AaTh 926 C: Salomonisches Urteil).[1]
Handlung
Ein Mann hat eine schwangere Frau, die er auf einen Maulesel setzt, um sie für die Niederkunft ins Haus ihrer Mutter zu bringen. Er führt den Maulesel langsam dahin, als von hinten ein Mann mit einem Säbel ankommt und dem Tier den Schwanz abschneidet. Der Maulesel erschrickt dadurch und springt hoch, wodurch die Frau zu Boden fällt und vorzeitig gebärt, sodass das Kind tot geboren wird.
Vor dem König Gerenbitwo trägt er dann seinen Kummer vor und zählt auf, dass seinem Pferd der Schwanz abgeschnitten, seine Frau verletzt und sein Sohn dadurch getötet wurde. Der angeklagte andere Mann erwidert daraufhin, dass er nicht wusste, dass die Frau schwanger war und er nichts unrechtes getan habe, da er lediglich die Furchtsamkeit oder Kühnheit des Esels austesten wollte, als er ihn mit dem Säbel berührte, wodurch der Schwanz abfiel.
König Gerenbitwo urteilt daraufhin, dass der Angeklagte den Maulesel des Geschädigten nehmen solle, um ihn so lange zu behalten, bis der Schwanz wieder nachgewachsen sei; auch solle er die Frau mit sich nehmen und sie mit einem Sohn schwängern. Danach solle er beides wieder zurückgeben.[1]
Hintergrund
Das Märchen stammt aus Eugen Mittwochs Proben aus amharischem Volksmunde (In Mitteilungen des Seminars für orientalische Sprachen 10, Berlin 1907, 224–226) und trägt in Caspar Detlef Gustav Müllers Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Äthiopien (München 1992) den Titel Das Urteil des Königs Unverstand. Eine weitere Variante aus Härär findet sich in Enrico Cerullis Studi etiopici 1. La lingua e la storia di Harar (Rom 1936, 215 f.). Diese erhielt bei Müller den Titel Das Urteil eines Königs. Bei Mittwoch ist König Gerenbitwo der König „Verkehrt“. Cerullis König Grembítos würde übersetzt König „Gegensatz“ bedeuten.[1]
Die Geschichte ist in ähnlicher Form in dem indischen Märchen und buddhistischen Jataka Die Geschichte von Gāmanicanda enthalten.
Literatur
- Caspar Detlef Gustav Müller (Hrsg.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen aus Äthiopien. Eugen Diederichs Verlag, München 1992, S. 131–133, 313.