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Grüner Gockel

Umweltmanagement in Kirchgemeinden From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Grüne Gockel (in Baden[1], Württemberg[2] und Bayern, gleichbedeutend auch als Grüner Hahn im übrigen Bundesgebiet[3] und Grüner Güggel in der Schweiz[4]) ist ein Umweltmanagement-System und zugehöriges Zertifikat in evangelischen und katholischen Kirchengemeinden in Deutschland und der Schweiz.

Entwickelt wurde er in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Mit dem Grünen Gockel können sich Kirchengemeinden und kirchliche Einrichtungen zertifizieren lassen, dass sie systematisch, nachvollziehbar und kontinuierlich durch ihr Handeln zu einer Entlastung der Umwelt beitragen und dieses Handeln öffentlich machen.

Der Grüne Gockel basiert auf der Verordnung (EG) Nr. 1221/2009 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 25. November 2009 über die freiwillige Teilnahme von Organisationen an einem Gemeinschaftssystem für Umweltmanagement und Umweltbetriebsprüfung und zur Aufhebung der Verordnung (EG) Nr. 761/2001, sowie der Beschlüsse der Kommission 2001/681/EG und 2006/193/EG (EMAS III), ist jedoch auf die Rahmenbedingungen und die Struktur einer Kirchengemeinde abgestimmt.

Name

Der Hahn (bzw. Gockel/Güggel) wurde in Anlehnung an die Petrusgeschichte (Lk 22,54-56 EU) in der Passionsgeschichte und das allgegenwärtige überkonfessionelles Symbol als Wetterhahn (auch) auf Kirchdächern gewählt.[5] Die Farbe Grün steht traditionell für Umweltschutzbezüge und ist hier nicht liturgisch besetzt.

Verbreitung

Neben Kirchengemeinden in der Evangelischen Landeskirche in Württemberg sind mittlerweile zahlreiche Kirchengemeinden und Einrichtungen in 15 der 20 anderen evangelischen Landeskirchen zuzüglich dem Kirchenamt der EKD und katholischen Diözesen in Deutschland und evangelische und katholische Kirchgemeinden in der Schweiz nach dem Grünen Gockel oder seinem Äquivalent zertifiziert.[6] Die verbliebenen Landeskirchen setzen entweder direkt auf EMAS oder sind zu klein für ein eigenständiges System; ihre Mitgliedsgemeinden können das Audit auch über benachbarte Landeskirchen absolvieren.

Im Gegensatz zu EMAS wird die Umweltbetriebsprüfung beim Grünen Gockel in Württemberg nicht von akkreditierten Gutachtern, sondern von kirchlichen Umweltrevisoren durchgeführt. In Baden und einigen anderen Organisationen hingegen wird die Prüfung von Umweltgutachtern durchgeführt, so dass Kirchengemeinden gleichzeitig auch die EMAS-Zertifizierung erhalten.

Verfahren, Audit und Zertifizierung erfolgt autonom in den Fachreferaten der jeweiligen Landeskirche oder Diözese. Diese haben sich zur Koordinierung im ökumenischen KirUm - Netzwerk Kirchliches Umweltmanagement zusammengeschlossen. Sofern die jeweilige Einrichtung nicht nur auf kirchliche Auditoren zurückgreift, sondern externe Gutachter, erfüllen diese in der Regel zu gleich die EMAS-Kriterien vollständig und können auch danach zertifiziert werden.

Das KirUm Netzwerk empfiehlt die Zertifizierung nach dem staatlich anerkannten EMAS-System, für kleinere Kirchgemeinden (die Hauptzielgruppe des Systems) bis 250 Mitarbeiter ist die isolierte Zertifizierung unter dem Grünen Hahn aber oft finanziell sinnvoller.[7]

Ablauf

Eine Kirchengemeinde, die beschlossen hat, am Grünen Gockel teilzunehmen, wird im ersten Jahr von kirchlichen Umweltauditoren begleitet.

Zu Beginn werden Umweltleitlinien erarbeitet, die vom Kirchengemeinderat beschlossen werden. Die Verbrauchsdaten von Strom, Wasser, Wärmeenergie und Abfall werden laufend gesammelt und bewertet. Im Umweltprogramm werden messbare Ziele und Maßnahmen formuliert, z. B. die Einsparung von Wärmeenergie und weitere Verbesserungsmaßnahmen. Nachdem ein kirchlicher Umweltrevisor die Dokumente geprüft und die Umsetzung der Maßnahmen vor Ort kontrolliert hat, erfolgt die Überreichung des Zertifikats. In einem Rhythmus von vier Jahren erfolgt eine erneute Validierung.

Grünes Buch und Datenerfassung

Das Grüne Buch ist eine Anleitung, die die Kirchengemeinden zum Zertifikat Der Grüne Gockel führt.

Für die Verbrauchserfassung (Energie, Wasser, Papier etc.) stellen die Kirchen Online-Erfassungsportale wie Das Grüne Datenkonto[8] zur Verfügung.

Geschichte

Das Umweltmnagamentsystem fußt auf einem Förder- und Modellprojekt der Deutschen Umweltstiftung DBU, das kofessions- und verwaltungsübergreifend in 16 kirchlichen Modelleinrichtungen ein erstes Umweltmananagement aufbauen sollte.[9] Beteiligt waren hier v. a. Kirchgemeinden der Landeskirche Württemberg und der Diözese Eichstätt.

Die 12. Landessynode hat am 22. November 1999 einen Beschluss zur Durchführung des Umweltaudits in den evangelischen Kirchengemeinden in Württemberg gefasst.

Vorausgegangen war in Reaktion auf die Umweltkrisen der 1970er das Hirtenwort der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) Zukunft der Schöpfung – Zukunft der Menschheit[10] von 1980, das erstmals theologisch die Auftrag zur Wahrung der Schöpfung durch Umweltschutz begründete.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) zog dem in einer ökumenischen Denkschrift Verantwortung wahrnehmen für die Schöpfung[11] gemeinsamen mit der DBK 1985 nach.

Ausgehend von den Umbruchbewegungen im Zuge der Wende und der dort stark ökologisch verankerten Rolle der Kirchen im Osten und der allgemeinen gesellschaftlichen Bewegung hin zum Umweltschutz (z. B. Gründung des Bundesumweltministeriums 1985) verstärkte sich der Drang zum institutionalisierten Umweltschutz innerhalb der kirchlichen Gemeinschaften.

Parallel zur EU (bzw. damaligen EG) und dem Bundesgesetzgeber gingen die evangelischen Landeskirchen in Württemberg, Baden und Hannover voran und beschlossen Anfang der 2000er für ihre Einrichtungen verbindliche Umweltschutzmanagementmaßahmen.

2008 stellte die EKD für alle ihre Gliedkirchen per Synodenbeschluss Klimaschutzziele auf, Gelder für lokale Maßnahmen wurden freigegeben. Dies bewirkte eine Beitrittswelle zur Initiative des Grünen Hahns auch weiterer Landeskirchen.

Mit der Enzyklika Laudato si’ legte Papst Franziskus 2015 die Grundlage für die Übernahme des Grünen Hahns auch in vielen weiteren katholischen Diözesen.

2021 stellte die EKD eine Roadmap zur Treibhausgasreduktion auf, 2022 folgt die Klimaschutzrichtlinie, die allen Gliedkirchen verbindlich Mindeststandards zum Klimaschutz aufgibt.

  • Der Grüne Gockel Website des KirUm Netzwerkes zum Managementsystem, abgerufen am 23. August 2026

Einzelnachweise

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