Das hochmütige Mädchen
Märchen der Ibo aus Nigeria
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Handlung
In Cobham lebt Effiong Edem, der eine Tochter namens Afiong hat. Diese ist sehr schön und genauso hochmütig und da sie sehr anspruchsvoll ist, schlägt sie stets alle Brautwerber aus. Da hört der Schädel aus dem Geisterreich von der schönen Afiong. Er leiht sich von seinen Freunden die besten Körperteile, so etwa einen schönen Kopf und Körper, dazu auch starke Gliedmaßen, sodass er zu einem vollkommenen Exemplar der Männlichkeit wird. Er verlässt sein Reich und kommt auf Erden, wo sich Afiong in ihn verliebt und Afiongs Eltern, trotz Bedenken ihre Tochter einem Fremden zu geben, in eine Heirat einwilligen.
Der Schädel nimmt Afiong dann mit in sein Reich, wo seine Freunde zu ihm kommen, um die geliehenen Körperteile zurückfordern. Afiong erschrickt, ob der Hässlichkeit ihres Gatten, doch eine Heimkehr verbietet dieser ihr, also muss sie bei ihm bleiben. Bei ihm im Haus lernt sie dessen Mutter kennen, die nur noch kriechen kann und der sie im Alltag hilft. Da schließt die Alte Afiong ins Herz und um sie vor den Menschenfressern im Geisterreich zu bewahren, ruft sie eine sanfte Brise herbei, die das Mädchen zurück nach Hause bringt.
Afiongs Eltern, die ihre Tochter durch die Worte eines Orakelpriesters bereits tot glaubten, sind überglücklich sie wiederzusehen und veranstalten daraufhin ein Fest. Der Stadtfürst erlässt in der Folge ein Gesetz, demnach es Eltern nicht mehr erlaubt ist, Fremden ihre Töchter mitzugeben. Afiong aber heiratet bereitwillig einen Freund ihres Vaters, mit dem sie viele Jahre lebt und Kinder bekommt.[1]
Hintergrund
Das Märchen stammt aus Elphinstone Dayrells Folk Stories from Southern Nigeria, West Africa (London 1910, S. 38 ff.) und erhielt in Ulla Schilds Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen (Düsseldorf / Köln 1975) den Titel Das hochmütige Mädchen. Schild vergleicht mehrere Märchen aus Melville J. Herskovits’ und S. Frances’ Dahomean Narrative (Fon, Evanston 1958, Nr. 53), Alfred Burdon Ellis’ The Yoruba-speaking Peoples of the Slave Coast of West Africa (London 1894, S. 267 ff.), Maurice Delafosses Le roman de l’araigneé chez les Baoulé de la Côte d’lvoire (Revue d’Ethnographie et des Traditions populaires, 1, 1920, S. 202 ff.), Richard M. Dorsons African Folklore (Wala, Bloomington, Ind. 1972, S. 405 ff.) und Abayomi Fujas Fourteen Hundred Cowries (Yoruba, London 1962, S. 44 ff.). Eine moderne Variante des Märchens findet sich in The Palm-Wine Drinkard von Amos Tutuola (London 1952, S. 19 ff.; Dt. Der Palmweintrinker, Heidelberg 1955, S. 15 ff.).[1] Eine Variante der Dinga aus dem Kongo die von Babena Mukungi aus Kikama erzählt wurde, ist in Manzanga Kaladis und Mukumar Mpang Bricks Ne me tue pas, épouse-moi. Mythes dinga (Ceeba, série II, vol. 39, Bandundu 1977, S. 70 ff.) abgedruckt. Im Deutschen bekam diese in Almut Seiler-Dietrichs Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu (Düsseldorf / Köln 1980) den Titel Der Kopfmann.[2]
Nach der Enzyklopädie des Märchens (12 Bände, Berlin 1975 ff.) bekam das Märchen die Nr. 311 C*: Der Schädel als Liebhaber zugeordnet.[1]
Literatur
- Ulla Schild (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Westafrikanische Märchen. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1975, S. 7–9, 287.
- Almut Seiler-Dietrich (Hrsg. und Übers.): Die Märchen der Weltliteratur – Märchen der Bantu. Eugen Diederichs Verlag, Düsseldorf / Köln 1980, S. 158–161, 280.