Deutsche Schule San José
Schule in Costa Rica
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Die Deutsche Schule San José (Colegio Humboldt-Schule) ist eine deutsche Auslandsschule in San José, Costa Rica. Sie bietet Unterricht vom Kindergarten bis zum Abitur an und wird finanziell sowie personell von der Bundesrepublik Deutschland unterstützt.
| Deutsche Schule San José | |
|---|---|
| Eingangsbereich Humboldt-Schule, San José, Costa Rica | |
| Schulform | Deutsche Auslandsschule |
| Gründung | 1912 |
| Adresse | WVVG+G26, Calle 100, San José, Favorita Sur, Costa Rica |
| Ort | San José |
| Provinz | San José |
| Staat | Costa Rica |
| Koordinaten | 9° 56′ 37″ N, 84° 7′ 28″ W |
| Schüler | etwa 1000 |
| Lehrkräfte | etwa 130[1] |
| Leitung | Kai Ulmer |
| Website | www.colegiohumboldt.cr |
Lage
Sie liegt südlich des Boulevard Rohrmoser zwischen der Calle 100 und der Calle Alexander Von Humboldt neben der Kirche Nuestra Señora de Loreto in Pavas, einem Vorort von San José.
Geschichte
Die Schule wurde 1912 unter dem Namen Escuela Alemana von deutschen Auswanderern durch eine private Spende gegründet und ist damit die älteste internationale Bildungseinrichtung des Landes.[2] Das Deutsche Reich unterstützte sie mit 3000 Reichsmark und Unterrichtsmaterial. Sie bot anfangs nur Unterricht für den Kindergarten und die Primarstufe an. Allerdings musste sie aufgrund von Personal- oder Schülermangel in den Anfangsjahren kurzfristig geschlossen werden und während des Coto-Kriegs gegen Panama (1921) diente das Schulgebäude als Lazarett für die costa-ricanischen Streitkräfte. Während der Präsidentschaft von León Cortés Castro, Antikommunist und Bewunderer Adolf Hitlers, verbreitete auch die deutsche Schule in den 1930er Jahren Nazi-Propaganda. Nach dem Wahlsieg seines Nachfolgers Rafael Ángel Calderón Guardia 1940, der sich auf die Seite der Vereinigten Staaten stellte und die wirtschaftlichen Beziehungen zum Dritten Reich einfror, wandte sich die Bevölkerung gegen alles Deutsche.[3] Nachdem Costa Rica am 11. Dezember 1941 Nazi-Deutschland den Krieg erklärt hatte, wurden alle Deutsche im Land enteignet, das Schulgebäude konfisziert und der Unterricht eingestellt. Viele Lehrer wurden interniert, einige von ihnen in Lager in die Vereinigten Staaten deportiert.[4]
Im Dezember 1955 wurde das Schulgebäude vom costa-ricanischen Staat an den neu gegründeten deutschen Schulverein zurückgegeben und eine Entschädigung gezahlt. Am 5. März 1956 konnte der Schulbetrieb nach der Umbenennung in Humboldt-Schule wieder aufgenommen werden. Der neue Name war eine Voraussetzung für die Erlaubnis zur Schulöffnung. Die Schülerzahl wuchs von anfänglich 52 auf 215 im Jahr 1959 und auf 325 im Jahr 1961, als beschlossen wurde, die Sekundarstufe einzuführen. In den ersten Jahren nach der Neueröffnung wurde der Unterricht nach dem costa-ricanischen Lehrplan und auf Spanisch als Unterrichtssprache abgehalten, Deutsch wurde nur als Fremd- bzw. Zweitsprache unterrichtet. Als später die Sekundarstufe eingeführt wurde, war das Ziel, dass alle Schüler am Ende die drei Sprachen Deutsch, Spanisch und Englisch beherrschen. Daneben sollen auch die mit der deutsche Sprache verbundenen kulturellen Werte vermittelt werden. Seit den 1960er Jahren wird sie nicht nur von deutschstämmigen Schülern, sondern auch von Kindern costa-ricanische Familien besucht.[5] Mitte der 2020er Jahre sind 80 % der Schüler Costa-Ricaner.[6]
Im September 1969 wurde zum 200. Geburtstag von Alexander von Humboldt der Grundstein für das neue Schulgebäude an der aktuellen Adresse in Pavas gelegt. Im Oktober 1971 wurde die Einweihung des neuen Gebäudes gefeiert, das mit finanzieller Unterstützung der Bundesrepublik errichtet wurde, an der auch der costa-ricanische Bildungsminister und Vertreter der Deutschen Botschaft teilnahmen.[7] 1975 wurde das Bildungsprogramm Nueva Secundaria geschaffen, das costa-ricanischen Kindern aus ärmeren Verhältnissen ermöglichen soll, die deutsche Schule zu besuchen, ohne die Schulgebühren zahlen zu müssen.[8]
Bei seinem Staatsbesuch in Costa Rica verlieh Bundespräsident Christian Wulff am 9. Mai 2011 der Humboldt-Schule das Gütesiegel Exzellente Deutsche Auslandsschule.[9] Nach erneuten Inspektionen wurde es 2016 und 2024 wieder vergeben. 2018 erhielt die Schule eine neue Aula für 420 Personen mit unterirdischer Parkgarage, die von der Bundesregierung mit einem Zuschuss von 3 Millionen Euro finanziert wurde.[10][11]
Abschlüsse und Schulgeld
Es besteht die Möglichkeit, den costa-ricanischen Sekundarabschluss (Bachillerato), das deutsche Abitur oder beide Abschlüsse zu erreichen. Der Lehrplan ist an den jeweiligen Schulabschluss angepasst. Die meisten Fächer werden auf Deutsch unterrichtet. Alle Schüler legen die TOEFL-Prüfung am Ende der 11. Klasse, das First Certificate in English, das Deutsche Sprachdiplom I in der 8. oder 9. Klasse und das Deutsche Sprachdiplom II in der 10. oder 11. Klasse ab.[12] Das monatliche Schulgeld beträgt zwischen 525.000 und 583.000 Colones (Stand 2026).[13] Die Humboldt-Schule vergab bisher über 5000 Stipendien in ihrem Programm PASO (Programa de Alumnos Sobresalientes en Oportunidades) an bedürftige Schüler mit herausragenden Noten, die alle Kosten einschließlich Schuldgeld, Transport, Verpflegung, Uniform und Schulmaterial umfassen. Sie können an einer Aufnahmeprüfung teilnehmen, wenn sie in der 4. Klasse sind und noch kein Schuljahr wiederholt haben.[14]
Literatur
Krüger, Franz: Die Deutsche Schule in San José de Costarica, in: Franz Schmidt / Otto Boelitz (Hrsg.), Aus deutscher Bildungsarbeit im Auslande. Erlebnisse und Erfahrungen in Selbstzeugnissen aus aller Welt. 2. Band: Außereuropa, Langensalza 1928, S. 461–465.