Wikiwand AI

Deutscher Brauer-Bund

Interessenverband der Brauwirtschaft in Deutschland, in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins mit Sitz in Berlin From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Deutsche Brauer-Bund (DBB) ist der Interessenverband der Brauwirtschaft in Deutschland, in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins mit Sitz in Berlin. Der Verband wurde ursprünglich 1871 gegründet, 1934 aufgelöst und 1949 wiedergegründet.[5]

OrganisationstypVerband
Gründung27. Juli 1871
1. April 1949 (Wiedergründung) in Dresden[2]
SitzBerlin
Schnelle Fakten Deutsche Brauer-Bund e. V. (DBB), Rechtsform ...
Deutsche Brauer-Bund e. V.
(DBB)
Logo
Rechtsform Eingetragener Verein[1]
Organisationstyp Verband
Gründung 27. Juli 1871
1. April 1949 (Wiedergründung) in Dresden[2]
Sitz Berlin
Zweck Wahrnehmung und Förderung der gemeinsamen Interessen der gesamten deutschen Brauwirtschaft[1]
Präsident Christian Weber
Geschäftsführer Holger Eichele[3]
Mitglieder 12[4]
Website www.brauer-bund.de
Schließen

Laut Lobbyregister beim Deutschen Bundestag gab der Verband knapp 800.000 Euro im Jahr 2024 für Lobbyismus im Umfeld der Bundesregierung aus.[6]

Geschichte

Seit den 1850er Jahren gab es Bestrebungen, unter anderem durch den Verleger Johann Carl, einen Brauer-Bund zu schaffen. Nach langen Verhandlungen war für den 28. Juli 1870 die Gründung des Brauer-Bundes geplant. Der Ausbruch des Deutsch-Französischen Krieges verhinderte dieses Unterfangen zunächst.

Nach der Ausrufung des Deutschen Kaiserreiches im Jahr 1871 fand die Gründungsversammlung während des Ersten Deutschen Brauertages in Dresden am 27. Juli 1871 statt.[7] An der Versammlung nahmen rund 1000 Brauer aus allen Ländern des Deutschen Kaiserreiches, aus Österreich-Ungarn, dem Russischen Kaiserreich, Schweden, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Schweiz und den USA teil. Der erste Präsident wurde Johann Stein.[8] Als Publikationsorgan wurde die Allgemeine Brauer- und Hopfen-Zeitung bestimmt.[9]

In der Zeit des Nationalsozialismus war der Verband von der Gleichschaltung und Umstrukturierung des Verbandswesens betroffen. Durch Verordnung vom 18. April 1935 wurde die Hauptvereinigung der deutschen Brauwirtschaft geschaffen, die im Reichsnährstand aufgehängt war und ihren Sitz in Berlin-Schöneberg hatte, und als Untergliederungen die Brauwirtschaftsverbände.[10] Daneben gab es die Wirtschaftsgruppe Brauerei innerhalb der Reichsgruppe Industrie der Reichswirtschaftskammer. Beide ersetzten den Brauer-Bund als freien Verband.

Am 1. April 1949 erfolgte zwar die Wiedergründung in Dresden,[11] er verlagerte allerdings recht bald seinen Sitz, da solche Vereine in der SBZ unerwünscht waren. Hier bedarf es konkreter Geschichtsein- und -aufarbeitung in diesen Artikel-Abschnitt.

Aufgaben und Ziele

Der Deutsche Brauer-Bund lobbyiert für die Interessen seiner Mitglieder.[6]

Regulierung des Alkoholkonsums

Logo der gleichnamigen Präventionskampagne der deutschen Brauer.

Der Deutsche Brauer-Bund tritt gegen Steuererhöhungen, Verkaufs- und Werbeverbote ein, und hält diesen Ansätzen eine eigene Präventionskampagne entgegen.[12]

Der Tagesspiegel kritisiert, dass auf der Kampagnenwebseite Wörter wie „Sucht“, „Abhängigkeit“ oder „Krebs“ nicht vorkommen. Laut dem Soziologen Dieter Korczak zeigt eine Auswertung von über 1000 Studien außerdem, dass derartige Kampagnen zwar das Wissen und die Einstellung von Menschen verändern können – das Trinkverhalten hingegen kaum. Effektiv seien gemäß Studienlage „höhere Altersbeschränkungen, Alterskontrollen, Verringerung der Verkaufsstellen sowie höhere Besteuerung“. Der DBB konstruiere außerdem einen Unterschied zwischen einem „normalem Genuss“ und „Missbrauch“ von Alkohol, ohne dabei zu sagen, wo die Grenze verlaufe.[13]

Mitglieder und Mitgliedschaften

Die Mitglieder teilen sich auf in Mitgliedsverbände und Direktmitglieder. Mitgliedsverbände sind Regionalverbände und Fachverbände der Brauwirtschaft, Direktmitglieder sind Unternehmen und Gruppen der Brauwirtschaft, die mindestens 3,5 Mio. Hektoliter Bierausstoß jährlich aufweisen. Dem Verband gehören heute zwölf Mitglieder an, davon fünf Regionalverbände bzw. Societäten, ein Fachverband und sechs Direktmitglieder.[4]

Regionalverbände

  • Bayerischer Brauerbund
  • Brauersozietät Mitte
  • Sozietät Norddeutscher Brauereiverbände
  • Süd-Westdeutsche Brauersocietät
  • Verband Rheinisch-Westfälischer Brauereien

Fachverband

  • Verband der Ausfuhrbrauereien Nord-, West- und Südwestdeutschlands

Direktmitglieder

Mitgliedschaften

Der Deutsche Brauer-Bund ist selbst Mitglied im Europäischen Brauereiverband und im Lebensmittelverband Deutschland, daneben auch im Netzwerk Europäische Bewegung und der Gesellschaft für Geschichte des Brauwesens.[14]

Organisation

Präsident

Dem Verband steht der Präsident vor. Seit Juni 2023 ist Christian Weber Präsident des Verbands.[15] Er wurde anlässlich der Jahrestagung der deutschen Brauer am 22. Juni 2023 gewählt.

Präsidenten waren seit der ursprünglichen Gründung 1871:

Marketingkampagnen

Marketingkampagne Botschafter des Bieres

Von 2002 bis 2011 ernannte der Verband am Tag des Deutschen Bieres, seit 2011 anlässlich des deutschen Brauertages im Juni des jeweiligen Jahres den oder die Botschafter des Bieres.

Tag des Deutschen Bieres

Logo des Tag des deutschen Bieres

Im Jahr 1994 führte der Deutsche Brauer-Bund den Tag des deutschen Bieres als Aktionstag ein, der den Erlass der bayerischen Landesordnung im Jahr 1516 feiert. Der Tag des deutschen Bieres findet jährlich am 23. April statt, dem Jahrestag des Erlasses, und damit am selben Tag wie der Welttag des Buches.

Sonstiges

Gesundheitsbezogene Angaben

Das Landgericht Berlin hat dem Deutschen Brauer-Bund auf Klage der Verbraucherzentralen in einem Wettbewerbsprozess untersagt, im Rahmen geschäftlicher Handlungen mit positiven gesundheitsbezogenen Wirkungen von alkoholischen Getränken zu werben. Unter Hinweis auf entsprechende Darstellungen auf der Internetseite des Brauer-Bundes hat das Gericht dem Brauer-Bund unter anderem verboten, die schönheitsfördernde Wirkung von Bier hervorzuheben, auf seine Vorbeugeeffekte gegen Herzerkrankungen, Gallen- und Harnstein sowie Osteoporose hinzuweisen und die Herabsetzung des Demenz- und Diabetesrisikos durch Alkoholgenuss anzupreisen. Die beanstandete Werbung, so das Landgericht, sei mit den Regeln einer europarechtlichen Verordnung über nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben für Lebensmittel nicht vereinbar.[24]

Kein Weltkulturerbe

Seit Dezember 2012 setzte sich der Deutsche Brauer-Bund für die Eintragung des Reinheitsgebotes als Weltkulturerbe ein.[25] Der Antrag hierfür wurde vom Bayerischer Brauerbund beim Bayerischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst mit den entsprechenden Gutachten eingereicht.[26] Der Antrag wurde jedoch abgelehnt, da die Jury den Eindruck gewann, dass die Bierproduktion in Deutschland inzwischen sehr industriell geprägt sei.[27]

Literatur

  • Erich Borkenhagen: 100 Jahre Deutscher Brauer-Bund e. V. 1871–1971. Deutscher Brauer-Bund e. V., Bonn 1971, DNB 456163816.
  • Deutscher Brauer-Bund (Hrsg.) (2021): 150 Jahre Brauer-Bund – Das Buch zum Jubiläum. ISBN 978-3-8005-1801-2
Commons: Deutscher Brauer-Bund – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Timelines

Top Qs

Fact Checks