Den (König)
altägyptischer König der 1. Dynastie
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Den (eigentl. Hor-Den), auch Dewen gelesen, ist der Horusname eines altägyptischen Königs (Pharao) der 1. Dynastie während der sogenannten Frühdynastischen Zeit, welcher um etwa 2930 v. Chr. regierte. Er war der Nachfolger von König Wadji und der Vorgänger von König Anedjib.
| Namen von Den | ||||||||||||||||||||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
Elfenbeinplakette des Den (MacGregor-Plakette); British Museum, London | ||||||||||||||||||||||||||
| Horusname |
D[w]n Der (Horus) das Wasser bringt[1] | |||||||||||||||||||||||||
| Goldname |
Jˁr.t-nbw-šn Goldkobra | |||||||||||||||||||||||||
| Thronname |
Ḫ3stj Der von den beiden Wüsten[1] | |||||||||||||||||||||||||
| Königspapyrus Turin (Nr.II./16) |
Qenti Qntj | |||||||||||||||||||||||||
| Königsliste von Abydos (Sethos I.) (Nr.5) |
Sp3t.jw Der, der beiden Großen Gaue | |||||||||||||||||||||||||
| Griechisch Manetho-Varianten: | Africanus: Ousaphaidos/Kenkenes Eusebius: Ousaphais/Cencenes Eusebius, AV: Ousaphais/Kenkenes | |||||||||||||||||||||||||
König Den ist archäologisch durch eine beachtliche Vielzahl zeitgenössischer Artefakte, Gefäßaufschriften und Jahrestäfelchen aus Elfenbein aus seinem Grab bei Abydos gut belegt. Den war zugleich der Herrscher mit der längsten Regierungsdauer innerhalb der 1. Dynastie. Während dieser Zeit erlebte Ägypten eine Epoche der kulturellen, religiösen, politischen und künstlerischen Blüte. Seine Mutter war die König Meritneith, welche mit angrenzender Sicherheit als eigenständige Herrscherin die Regierungsgeschäfte übernahm, als Den selbst noch zu jung für das Königsamt war und trotzdem bereits auf dem Thron saß. Den war auch militärisch sehr aktiv und führte mehrere Eroberungs- und Verteidigungsfeldzüge gegen diverse Nachbarreiche. Unter Den wurde der wichtige Herrschertitel Nesut-bitj („Der von der Binse und der Biene“) eingeführt.
Name und Identität
Zeitgenössischer Name

König Dewen ist archäologisch besonders gut durch seinen Horusnamen bezeugt, wobei die Lesung und Deutung desselben sich bisher als problematisch erweist. Das liegt unter anderem daran, dass die Hieroglyphen der Frühzeit zum Teil noch ganz andere Lesungen und Bedeutungen haben konnten, als zum Beispiel während des Alten Reiches. So übersetzen beispielsweise die Ägyptologen Kurt Sethe und Alan Gardiner De(we)n mit „Der Wasserbringer“. In ähnliche Richtung tendieren Toby Wilkinson und Francesco Tiradritti, welche De(we)n mit „Der (Horus) das Wasser bringt“ übersetzen.[1] Andere Gelehrte wie Hermann A. Schlögl bevorzugen die Übersetzung „Der die Flügel (des Horus) ausbreitet“.[4] Wieder andere, wie zum Beispiel Edmund Meltzer und Ronald J. Leprohon, leiten den Horusnamen von dem altägyptischen Verb dewen (ḍwn) her, was „Diener (des Horus)“ oder „Ministrant (des Horus)“ ergeben würde.[5]
Dewen ist aber auch durch seinen Eigennamen Chasti gleichermaßen gut belegt. Dieser wird ebenfalls verschiedentlich gedeutet und übersetzt. Toby Wilkinson und Francesco Tiradritti übersetzen Chasti mit „Der von den Beiden Wüsten“ und betrachten den Namen als bildhafte wie symbolische Ergänzung zum Horusnamen. Sie begründen ihre Übersetzung mit der geografischen Lage Ägyptens, das in der Tat jeweils zur Ost- und Westgrenze hin von sengend heißen Wüsten gesäumt ist wie von zwei Schutzschilden.[1] Kurt Sethe und Alan Henderson Gardiner übersetzen Chasti dagegen mit „Der Beduine“, während Hermann Alexander Schlögl „Der jagende Nomade“ beziehungsweise „Der Fremdländische“ vorschlägt, mit Bezug auf Dens Triumph über mehrere Wüstenvölker. Leprohon und Meltzer schließlich übersetzen Chasti mit „Der aus den Bergen“.[1][4][5] Der französische Ägyptologe Gèrard Godron schlägt gar die Übersetzung „Der aus dem Sinai“ oder „Der Sinaitische“ vor und beruft sich dabei auf Dens Militärkampagnen auf dem Sinai.[6]
Zu guter Letzt bleibt Dens Goldname, Jaret-nebu, beziehungsweise Jaret-nebu-shen. Er ist bereits wegen seiner Schreibung außergewöhnlich: er setzt sich zusammen aus einer drohend aufgerichteten Königskobra, dem Goldkragen-Symbol und dem Schen-Ring. Wilkinson und Leprohon übersetzen den Namen mit „Goldkobra“ und „Goldener Uräus“.[5][7]
In späteren Königslisten
König Den erscheint in späteren, vor allem ramessidischen, Königslisten und Dokumenten unter seinem hier stark verlesenem Eigennamen. Die Königsliste von Abydos nennt ihn „Sepatju“, geschrieben mit dem doppelt ausgeführten Gardiner-Zeichen N24 (Symbol für „Gau“ oder „Gebiet“). Diese Namensform geht mit ziemlicher Sicherheit auf das doppelt geschriebene Gardiner-Zeichen N25 für „Wüste“ zurück, mit dem Dens Eigenname ursprünglich gebildet wurde. Der Königspapyrus Turin nennt den Kartuschennamen „Qenqenet“, dessen Ursprung höchstwahrscheinlich auf eine Verlesung zurückzuführen ist: In der hieratischen Schrift (eine stark kursive Form der Hieroglyphen) sieht das Gau-Zeichen N24 aus wie das Zeichen Aa8 (es stellt stark stilisierte Bewässerungskanäle dar), dessen Lautwert eben „Qenqen“ ist.[8][9]
Die Königsliste von Sakkara aus dem Grab des Hohepriesters Tjuneroy (19. Dynastie) lässt Den merkwürdigerweise gar nicht auftreten – allerdings fehlen hier auch die Könige Narmer, Aha, Djer, Wadji und Semerchet der 1. Dynastie. Erwähnt werden nur die Könige Anedjib und Qaa. Warum dies so ist, bleibt rätselhaft. Walter Bryan Emery zum Beispiel schlägt als möglichen Grund vor, dass Anedjib und Qaa die einzigen Könige sind, deren Souveränität von Unterägypten anerkannt wurde. Und die Sakkara-Liste entspricht rein memphitischen Traditionen. Damit waren Anedjib und Qaa als Herrscher über Memphis bestätigt. Die Königsliste von Abydos und die Königsliste von Karnak hingegen spiegeln thinitische Traditionen wieder und führen deshalb alle Herrscher der 1. Dynastie auf.[10]
Der griechisch schreibende antike Chronist Manetho (etwa um 270 v. Chr.) erwähnt Den kurioserweise zweimal: das erste Mal nennt er Den Usaphâidós (Οὐσαφαῖδος) und ein ander Mal Kênkenés (Κενκένης). Der Name „Usaphaidos“ ist schlicht eine Übersetzung des Herrschertitels Nesut-bitj, den König Den eingeführt hatte. Der Name „Kenkenes“ hingegen könnte die Umschreibung für Dens Eigenname Chasti sein oder der spätramessidischen Form Qenqenet entlehnt sein.[11]
Herkunft und Familie
Die moderne Forschung sieht Den als Sohn des Wadji, allerdings ergibt sich diese These bisher nur aus dem Umstand, dass Wadji sein Vorgänger war. Manetho nennt als Vater einen gewissen Uenephês (Οὐενέφης), dessen wahre Identität jedoch umstritten ist. Dewens Mutter war die berühmte Königin Meritneith, die auch auf dem Palermostein erwähnt wird. Verheiratet war Den mit den Hofdamen Semat, Nachtneith und möglicherweise auch mit einer gewissen Qaneith. Letzteres ist allerdings umstritten.[12] Als mögliche Nachkommen werden unter anderem die Thronfolger Anedjib und Semerchet vermutet.[13] In einem ungewöhnlich großen Nebenbegräbnis nahe dem Eingang von Dens eigenem Grab fand sich die Stele einer weiteren Königin, die womöglich mit einer geheimnisvollen Batiires identisch ist. Batiires wird nur auf dem Kairostein erwähnt und dort als Mutter von Semerchet ausgewiesen. Der Name der Gemahlin aus Abydos ist jedoch durch den stark abgewetzten Zustand der Stele nur unvollständig erhalten, was die Gleichsetzung erschwert.[14]
Herrschaft
König Den ist der Herrscher des frühen Ägyptens, der den Königstitel Nesut-biti (wörtlich: „Der von der Binse und der Biene“; sinnbildlich: „Der von Ober- und Unterägypten“) einführte. Damit legitimierte er sich als Alleinherrscher über Ober- und Unterägypten.[15] Der Nesut-bitj Titel sollte dabei auch den Dualismusglauben der Ägypter ausdrücken, nach welchem beide Landeshälften stets zusammenhalten sollten wie Brüder – sowohl religiös, als auch kulturell und politisch. Es war somit auch ein propagandistischer Titel.[16] Parallel dazu fand sich in seinem Grab die erste Darstellung eines ägyptischen Herrschers mit der Doppelkrone Ägyptens, der sogenannten Pschent. Auch ist unter Den erstmals die Jahreszählung mit Zahlen-Hieroglyphen belegt, nachdem zuvor die Regierungsjahre nur mit der Nennung des wichtigsten Ereignisses versehen waren.[17]

In den ersten Jahren seiner Herrschaft teilte der vermutlich noch minderjährige Den die Herrschaft mit seiner Mutter Meritneith, die als Königin später in Abydos ein Grab königlichen Ausmaßes erhielt.[18] Auf einem Elfenbeintäfelchen aus Dens Grab ist der Herrscher bei der Begehung des 1. Sed-Festes (Hebsed) dargestellt (siehe Abbildung). Dieses wurde traditionell im 30. Regierungsjahr als „30-Jahre-Jubiläum“ begangen.[19] Auf dem Randfragment einer Kalksteinschale aus Dewens Grabkomplex ist der Vermerk „2. Begehung des Hebsed“ eingraviert. Dieses wurde traditionell im 33. Regierungsjahr eines Herrschers gefeiert, was die lange Amtszeit von Dewen untermauert.[20]
In Dens Herrschaft fällt ein Ereignis im 31. Regierungsjahr, das in der Vergangenheit durch Fehllesungen als „landesweite Volkszählung“ gedeutet wurde. Die genaue Übersetzung des Eintrages gestaltet sich schwierig, weshalb zwei Vorschläge in die engere Wahl gezogen wurden. Mit Sicherheit konnte jedoch eine Volkszählung ausgeschlossen werden. Des Weiteren ist auf mehreren Elfenbeinplaketten der Sieg über eine fremde Streitmacht festgehalten, die in den Inschriften als „Erste Niederschlagung des Ostens“ bezeichnet wird. Dabei werden die feindlichen „Fremden“ als Iuntiu (zu deutsch etwa „Bogenvolk“) bezeichnet. Die „Iuntiu“ waren räuberisch lebende Nomaden, die von der Sinai-Halbinsel stammten und unter anderem in einer Reliefinschrift des Königs Sechemchet (3. Dynastie) erwähnt werden.[21]
Der Kairostein, ein Fragment des berühmten Annalenstein der 5. Dynastie, erwähnt das Ereignis „Zerschlagung der Setjet“. Diese Volksgruppe besiedelte die Gegend des heutigen Syriens und Palästina. Der Eintrag auf dem Kairostein wird durch Grabbeigaben aus Dens Nekropole bestätigt: mehrere Stein- und Tonvasen sind eindeutig syro-palästinischer Herkunft. Und nicht nur das: offenbar brachten die erfolgreichen Streitkräfte Dens neben zahlreichen Objekten auch Frauen aus Palästina an den Hof des Königs. Mehrere in Nebengräbern bestattete Damen tragen auf ihren Grabsteinen Titel wie Chetemet-Hor („Die Horus [sprich: dem König] hörig ist“) und/oder Seqeret-Chastj („Die von Chastj Eroberte“). Diese lassen auf eine nicht-ägyptische Herkunft schließen, denn einheimische Hofdamen trugen diese Titel nachweislich nicht.[22] Ein bekanntes Elfenbeintäfelchen, das einen solchen Triumph über Feinde aus dem Osten bildlich präsentieren mag, ist die sogenannte „MacGregor-Plakette“.[23]
Mehrere Elfenbeinplaketten (größtenteils zerbrochen oder durch Insektenfraß beschädigt) berichten gemäß Wolfgang Helck von einer möglichen Epidemie im Nildelta. Die Inschrift beinhaltet außerdem die Darstellung eines Schamanen mit undeutlich wiedergegebenem Gefäß vor sich. Ob die Beischrift Henu für „Versorgung“ stehen oder den Namensanfang des hohen Beamten Henuka darstellen soll, bleibt aufgrund der Beschädigung der Plaketten strittig.[24]
König Den erscheint auch auf dem Palermostein, wo 14 Regierungsjahre erhalten sind. Es ist jedoch unbekannt, das wievielte Jahr jeweils genannt wird, weil die ursprüngliche Position des Palermosteinfragments neben seinem Gegenstück, dem Kairostein, ebenfalls unbekannt ist. Erschwerend kommt hinzu, dass bestimmte Zeremonien wie das „Horusgeleit“ (Schemses-Hor) und die „Viehzählung“ nicht erwähnt werden. Deren Eintragungen sind stets mit Zahlenangaben versehen und da diese Feste ab dem zweiten Kalenderjahr und alle zwei Jahre stattfanden, hätten derlei Einträge in Dewens Fall freilich eine Einschätzung seiner tatsächlichen Regierungslänge erleichtert.[25]
| Jahr | Ereignisse |
|---|---|
| 1. Fenster | Ankunft am Tempel des Heka-Ptah. Nilfluthöhe: 1,63 m |
| 2. Fenster | Zerschlagung der Iuntiu. Nilfluthöhe: 2,06 m |
| 3. Fenster | Erscheinen des Königs von Ober- und Unterägypten, Begehung des Sed-Fest. Nilfluthöhe: 4,07 m |
| 4. Fenster | Organisation der landwirtschaftlichen Besitztümer im Nordwesten und aller Menschen im Osten. Nilfluthöhe: 1,63 m |
| 5. Fenster | Zweite Begehung des Heb-djedet („Fest der Ewigkeit“). Nilfluthöhe: 2,47 m |
| 6. Fenster | Planen der Domäne Isetju-netjeru („Thronsitze der Götter“), Begehung des Sokar-Fest. Nilfluthöhe: 2,26 m |
| 7. Fenster | „Strecken der Schnur“ durch den Priester der Seschat am großen Tor der Domäne Isetju-netjeru. Nilfluthöhe: 1,38 m |
| 8. Fenster | Öffnen des Sees bei der Domäne Isetju-netjeru, Nilpferdjagd. Nilfluthöhe: 2,06 m |
| 9. Fenster | Ankunft bei Herakleopolis am Tempel des Gottes Herischef. Nilfluthöhe: 2,26 m |
| 10. Fenster | Bootsfahrt stromabwärts, Gründung/Zerstörung der Städte Gehes-nesut und Wer-Ka. Nilfluthöhe: 1,86 m |
| 11. Fenster | „Geburt“ der Statue des Sed. Nilfluthöhe: 2,06 m |
| 12. Fenster | Erscheinen des Königs von Unterägypten, 1. Lauf des Apis. Nilfluthöhe: 2,38 m |
| 13. Fenster | „Geburt“ der Statue der Seschat und der Statue der Mafdet. Nilfluthöhe: 1,98 m |
| 14. Fenster | ...des Königs, „Geburt“ (einer Statue)... Nilfluthöhe: ??? |
Besondere Beachtung erfährt der Jahreseintrag im 4. Fenster von rechts. Dort sind mehrere Himmelsrichtungen angegeben, die höchstwahrscheinlich verschiedene Regionen Ägyptens meinen. Gemäß den Gelehrten Heinrich Schäfer, Ludwig Borchardt und Kurt Sethe ist eine Übersetzung und Deutung dieses Eintrags hochproblematisch, weil augenscheinlich ein Verb fehlt, sodass sich kaum sagen lässt, was genau vorgefallen war.[26][25] So übersetzt Sethe den Eintrag mit „Überschwemmung aller Gaue von Unterägypten, Pestilenz unter allen Bewohnern“, während Marshall Clagett „Jahr der Flutung aller Seen (oder Gaue) des Rechit-Volkes im Westen und Osten Unterägyptens“ liest. James Henry Breasted schlägt als Deutung „Zählung aller Untertanen der Gaue des Westens, des Nordens und des Ostens“ vor, wobei er offenbar das Gardiner-Zeichen M16 (Papyrusdickicht; Lesung ḥ3) als Determinativ für „zählen, Zählung“ interpretiert. Toby Wilkinson widerspricht dem, weil M16 je nach Kontext eigentlich „Sumpf(land)“, „gedeihen“ und/oder „planen, organisieren“ bedeutet. Er übersetzt den Eintrag daher mit „Organisation der landwirtschaftlichen Besitztümer im Nordwesten und aller Menschen im Osten“. Er stützt sich dabei auf Tonsiegelabdrücke aus dem Grab des Dewen, auf denen ein „Gründen des königlichen Anwesens im nördlichen und östlichen Nildelta“ erwähnt wird.[25]
Gesonderte Beachtung verdient auch der Eintrag im 12. Ereignisfenster, wo ein „1. Apis-Lauf“ vermerkt ist. Auf Tonsiegelabdrücken aus dem Grab des hohen Beamten Hemaka in Sakkara ist König Den mehrfach bei der Begehung des Apis-Laufs abgebildet. Somit bestätigen die Funde die Historizität des Eintrages.[27] Auch der Eintrag im 13. Ereignisfenster zu den Göttinnen Seschat und Mafdet ist interessant, weil beide auf Tonsiegelabdrücken und Steingefäßen aus dem Grab des Dewen erscheinen. Die Göttin Mafdet wird hier sogar als Löwin mit Was-Zepter in einer Tatze direkt über der Darstellung des Gardiner-Zeichens V30 (Flechtkorb; Lesung nb) stehend gezeigt, welches wiederum das Dach eines Hauses namens Hut-anch (dt. „Haus des Lebens“) bildet. Damit wird Mafdet hier als „Herrin des Hauses des Lebens“ (Nebet Hut-anch) betitelt.[25]
König Den ist auch auf dem Kairener Fragment C5 erhalten. Es ist jedoch unbekannt, das wievielte Jahr jeweils genannt wird, weil die ursprüngliche Position des Kairosteinfragments neben seinem Gegenstück, dem Palermostein, ebenfalls unbekannt ist. Sicher ist nur, dass hier die ziemlich genaue Regierungsmitte beschrieben wird, da Dens Namensbandarole genau darüber beginnt und alle königlichen Bandarolen stets mittig über der Kalenderzeile positioniert wurden.

| Jahr | Ereignisse |
|---|---|
| Namensbanderole | Hor-De(we)n, König der Doppelkrone... (Rest weggebrochen) |
| 1. Fenster | „Geburt“ (Erschaffung) einer Statue des Gottes Wadj-wer. Nilfluthöhe: ??? (Angaben zerstört) |
| 2. Fenster | Zerschlagung der Setjet. Nilfluthöhe: 2,09 m |
| 3. Fenster | „Geburt“ des Imiut-Fetisch im Heiligtum der Sentju-Pfeiler. Nilfluthöhe: 2,47 m |
| 4. Fenster | Zerschlagung des Tjesem-Volkes. Nilfluthöhe: 3,17 m |
| 5. Fenster | Planen der Domäne Semer-Netjeru, Begehung des Festes der Barken(?). Nilfluthöhe: 2,38 m |
Erste besondere Aufmerksamkeit erfährt sogleich der erste, teilweise durch Abrieb beschädigte Eintrag (1. Fenster von rechts), das von einer Zeremonie im Zusammenhang mit der Pavian-Gottheit Wer-wadjet („Der große Weiße“) oder von der Erschaffung einer Statue desselben berichtet. Was genau sich ereignet hatte, ist nicht erhalten, doch wird der Eintrag archäologisch durch mehrere Tonsiegelabdrücke aus dem Grab des Hemaka in Sakkara gedeckt, auf denen König Den bei einem Besuch des Schreins des Wer-wadjet dargestellt ist.[27]
Weitere besondere Aufmerksamkeit findet der Eintrag zur Unterwerfung eines „Hunde-Volkes“ (2. Ereignisfenster von links). Dessen Identität bleibt rätselhaft, weil es in außerägyptischen Quellen nicht erwähnt wird (im Gegensatz zu den Setjet, die auch aus Inschriften im Sinai überliefert sind). Daher bleibt auch dessen geografische Herkunft unbekannt. Selbst die Lesung der Bezeichnung dieser Volksgruppe ist schwierig. Das Gardiner-Zeichen E14 (ein Windhund), das hier für den Namen der Volksgruppe steht, wird Tjesem gelesen, sodass Wolfgang Helck entsprechend „Tjesem-Volk“ liest.[28] Der Gelehrte Ludwig David Morenz warnt vor einer Festlegung, weil nicht sicher sei, dass das Hunde-Zeichen auch wirklich ein fester Volksname ist. Es mag sich genauso gut um ein schlichtes Determinativ für „Hunde-artig umherstreunende Nomaden“, beziehungsweise „Streuner“, handeln, wobei vielleicht der tatsächliche Name des bezwungenen Volkes bewusst verschwiegen werden sollte. Er weist auch auf die Komposit-Darstellung im Ereignisfenster hin, die sich aus „Horus-Falke“ (G5), „Prunkkeule“ (T2) und „Hockender Gefangener“ (A7A) zusammensetzt. Morenz sieht sich an ein archaisches, propagandistisches Bildprogramm erinnert, wie es bereits in der Prädynastik erscheint und beispielsweise auf den Jubiläumsvasen des Königs Chasechemui eindrucksvoll dargestellt ist.[29]
Die Gelehrten Jean Louis de Cenival und Toby Wilkinson machen hier auf den Eintrag zur Domäne Semer-netjeru (1. Ereignisfenster von links) aufmerksam, den sie als „merkwürdig“ bezeichnen. Der Grund hierfür liegt darin, dass besagte Domäne a) bereits unter König Djer gegründet worden war und b) unter König Den nicht belegt ist (zumindest wird sie auf Artefakten aus seiner Regierungszeit nicht erwähnt). Außerdem mutet es seltsam an, warum hier von einer „Planung“ für ein Gebäude gesprochen wird, das bereits existierte. Die Gelehrten argwöhnen, dass hier der Graveur des Annalensteins entweder einen Flüchtigkeitsfehler beging und eigentlich die Domäne Isetju-Netjeru meinte, oder mit den Jahreseinträgen des Djer durcheinander geriet. Eine gewagtere Theorie besagt, dass das Kairener Fragment C5 eine moderne Fälschung sein könnte, was freilich Flüchtigkeits- und Wiederholungsfehler erklären würde. Doch Wilkinson und Cenival halten dagegen, dass mindestens zwei der Ereigniseinträge durch zeitgenössische Aufschriften aus Djers und Dens Grab bei Abydos bestätigt werden können – ein sehr spezifisches Detail, das ein Fälscher des 20. Jahrhunderts mit einiger Sicherheit nicht hätte wissen können. Außerdem sei im Grunde genommen der gesamte Annalenstein geradezu überladen mit refrain-artig wiederholten Jahreseinträgen. Kleinere Flüchtigkeitsfehler seien daher wenig verwunderlich und für einen Fälschungsvorwurf nicht ausreichend.[30]
Von König Den gibt es auch zwei oder drei Reliefs im Sinai. Es sind die ersten in einer Reihe von königlichen Darstellungen und Inschriften auf dem Sinai.[31] Aus der Zeit von Dens Herrschaft sind zahlreiche hohe Beamte überliefert, darunter Ipka, Anchka, Hemaka, Nebitka, Amka, Inika und Kasa sind archäologisch belegt.[32] Aus weiteren Nebengräbern stammen die Grabstelen des Tanz- und Hofzwergs Serinpu.[33]
Spätere Überlieferungen
Aus ramessidischer Epoche stammt der Medizinische Papyrus P Berlin 3038, in welchem Behandlungsmethoden und Therapien beschrieben werden, von denen einige auf Den (hier „Hesepti“ genannt) zurückgehen sollen. Diese Aussagen sind jedoch als unhistorisch zu werten, da der Papyrus König Den in dieselbe Regierungszeit versetzt wie König Sened. Letzterer regierte jedoch während der 2. Dynastie.[34]
Im 64. Kapitel des Totenbuch des Ani wird Dens Thronname ebenfalls erwähnt, hier wird er Semti genannt.[35]
Grabanlage

Lage und Umgebung
König Dewen wurde im Grab Tomb T in der oberägyptischen Königsnekropole Umm el-Qaab bei Abydos im südlichen Ägypten beigesetzt. Umm el-Qaab befindet sich etwa 2 km südwestlich von Abydos und etwa 13 km westlich der modernen Ortschaft Baliana im Gouvernement Sauhadsch. Stadt und Nekropole liegen am östlichen Rande eines ausgedehnten Wüstengebiets, das von Hügeln und Dünen durchzogen ist. Die Nekropole selbst erstreckt sich über einen 150 × 600 m großen Höhenrücken am Rande eines Wadi (ein ausgetrocknetes Flussbett, das nur bei Wolkenbrüchen Wasser führt) und ist heute in unterschiedliche Gebietsabschnitte unterteilt. Im Bereich der Königsnekropole ist das Areal weitläufig von Tongefäß-Scherben geradezu übersät, was der Ausgrabungsstätte den modernen Spitznamen Umm el-Qaab (arabisch für „Mutter der Töpfe“) einbrachte. Dewens Grab befindet sich im nordöstlichen Sektor.[36]
Grabungsgeschichte
Dewens Nekropole wurde erstmalig in den Jahren 1885 bis 1889 von dem französischen Archäologen Émile Amélineau ausgegraben, der allerdings recht nachlässig und geradezu lustlos vorging. Seine Ausgrabungsmethoden wurden schon früh teils heftig kritisiert, weil es Amélineau offenbar mehr darum ging, durch den Fund unbezahlbar wertvoller Grabbeigaben berühmt zu werden, als um Sorgfalt und Akkuratesse. Ein zweites Mal wurde es von dem britischen Archäologen William Matthew Flinders Petrie in den Jahren 1899 bis 1902 ausgegraben. Die Ausgrabungen verliefen schleichend und endeten 1902 abrupt. Weitere Ausgrabungen fanden unter Aufsicht der deutschen Ägyptologen Günter Dreyer, Ulrich Hartung und Frauke Pumpenmeier in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut (DAI) zunächst 1990 und 1993 und später erneut im Jahr 2003 statt.[37]
Es zeigte sich, dass auch Petrie offenbar etwas nachlässig vorgegangen war und sogar einen Bereich der Anlage fast unberührt zurückgelassen hatte (Dreyer allerdings offenbar auch). Außerdem bestätigen die neuesten Ergebnisse, dass Dewens Grab bereits in der Frühzeit geplündert und sogar in Brand gesteckt worden war.[37]
Architektur
Das Grab des Den ist das größte und bautechnisch am qualitativ hochwertigsten ausgeführte aller Königsgräber der 1. Dynastie. Es hat die Grundmaße 18 × 23,4 m und bedeckt eine Fläche von knapp 200 m². Es weist eine deutliche Weiterentwicklung der altägyptischen Königsgrab-Architektur auf: Eine Eingangstreppe aus gebrannten Lehmziegeln, die sich nach unten hin verjüngt, führt in die Grabkammer hinab. Sie ist 23,7 Meter lang und aufgeteilt in zwei Abschnitte mit je 18 und 12 Stufen. Weiter unten im Eingangsbereich befinden sich Nischen für einen massiven Fallstein im seitlichen Mauerwerk. Der Fallstein bestand aus grauem Granit und besaß an seinem oberen Ende ein rundes Loch, das für eine Art Flaschenzug gedient haben muss, mit dessen Hilfe der Fallstein herabgelassen wurde. Damit weist Dewens Grab die erste echte Grabräuber-Sicherung der Frühzeit auf.[36]
Das Hauptgrab hat die Maße 15,24 × 8,53 m, ist ca. 7 m tief und seine Decke liegt etwa 1 m unter Bodenniveau. Die Wände bestehen aus gebrannten und verspachtelten Lehmziegeln und sind stellenweise bis zu 4 m dick. Der Boden der Grabkammer ist mit rotem und schwarzem Assuan-Granit ausgelegt. Dewens Grabkammerwände weisen Spuren von seitlich angelegten Zedernholz-Balken auf, die den Stützrahmen der Decke bildeten. Dens Grabkammer besteht aus einem einfachen, großen Raum mit einer Nische in der Nordwestwand. Dort fanden sich Reste eines hölzernen Schreins. Die Innenwände weisen außerdem Spuren von kräftigen, hölzernen Tragesäulen auf, die im Abstand von 0,75 m positioniert waren und sowohl Decke als auch Schrein stützen sollten. Es fanden sich Hinweise, wonach sich auf dem Dach des Schreins ein versteckter Sand-Tumulus befand, der vielleicht mit Lehmziegeln bedeckt war.[36][38]
An der äußeren Südwest-Ecke des Hauptgrabes führt eine L-förmige Treppe in einen zwei-räumigen Anbau aus Lehmziegeln, der ebenfalls durch einen Fallstein gesichert war. Es handelt sich möglicherweise um eine Art Vorläufer des späteren Serdab, eine Art von Andachtskapelle, in der eine Kultstatue des Königs stand, vor der gebetet und Opfer dargebracht werden konnten.[36]
Nebengräber
Das Hauptgrab ist von 142 Nebengräbern und 11 externen Magazinräumen umgeben. In den Nebenbegräbnissen wurden verdiente, ranghöchste Beamte und männliche wie weibliche Bedienstete des Herrschers bestattet.[38] Die Nebengräber an der Westseite waren für die königlichen Bediensteten unteren Ranges vorgesehen, die deshalb ärmlicher in Holzsärgen beigesetzt wurden. Alle mit dem König und seinen Bediensteten bestatteten Haus- und Hoftiere (darunter Hunde, Löwen und Esel) waren rituell getötet worden, um ihnen auch im Jenseits als Begleiter und Spielgefährten zu dienen. In früheren Jahren wurde noch geargwöhnt, ob sogar auch die ranghöchsten Bediensteten gezwungen waren, dem König rituell in den Tod zu folgen.[39] Diese düstere Bestattungspraxis soll mit König Qaa als mutmaßlich letztem Herrscher der 1. Dynastie geendet haben, bei dem noch 26 Nebenbestattungen stattfanden.[40]
Nach Aussagen von Christiana Köhler zeigen die Ausgrabungsergebnisse von Oktober 2023 in Abydos hingegen, dass Opferungen von Dienern und Höflingen nach einem Königstod ihrer Meinung nach ins Reich der Mythen und Gerüchte gehörten.[41] Die Ausgrabungs- und Untersuchungsergebnisse legen nahe, dass sich der Bau der Nebengrab-Anlagen sorgfältig über einen längeren Zeitraum hinzog, dass die Nebenbestattungen demzufolge nach und nach und ohne Zeitdruck, angelegt wurden. Dies wiederum beweist, dass auch die darin Bestatteten nach und nach, im Laufe der Zeit, beigesetzt worden waren. Forensische Untersuchungen an den Toten ergaben, dass die meisten von ihnen eines natürlichen Todes gestorben waren (an Krankheit oder Alter), nur wenige durch Unfall (vielleicht während der Bauarbeiten am Grab) oder während eines Konflikts.[37]
Etwa 1,6 km entfernt von Umm el-Qaab (und somit auch von Tomb T) befinden sich die königlichen Tal- oder Kultbezirke der Könige der 1. Dynastie (und jene der Könige Peribsen und Chasechemui vom Ende der 2. Dynastie). Dewens Talbezirk konnte bis heute nicht identifiziert werden, obwohl sich der seiner Mutter Meritneith dort befindet. Südwestlich von Hor-Ahas Talbezirken liegt eine große, rechteckige Einfriedung, die noch keinem frühdynastischen Herrscher sicher zugeordnet werden konnte und vielleicht König Den gehört. Ein zweiter Kandidat ist die sogenannte „West-Mastaba“ (so genannt, weil man die Einfriedung dereinst für das Fundament einer Mastaba gehalten hatte), die nordwestlich vom Shunet El-Zebib des Chasechemui liegt.[42]
Literatur
- Jürgen von Beckerath: Handbuch der Ägyptischen Königsnamen. Deutscher Kunstverlag, Berlin, ISBN 3-422-00832-2.
- Jürgen von Beckerath: Chronologie des pharaonischen Ägypten. von Zabern, Mainz 1997, ISBN 3-8053-2310-7.
- Günter Dreyer: Umm el-Qab. Nachuntersuchungen im frühzeitlichen Königsfriedhof, 3./4. Vorbericht. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 46, 1990.
- Günter Dreyer: Zur Rekonstruktion der Oberbauten der Königsgraber der 1. Dynastie in Abydos. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 47, 1991.
- Walter B. Emery: Ägypten, Geschichte und Kultur der Frühzeit, 3200-2800 v. Chr. Goldmann, München 1964.
- Martin von Falck, Susanne Martinssen-von Falck: Die großen Pharaonen. Von der Frühzeit bis zum Mittleren Reich. Marix, Wiesbaden 2015, ISBN 978-3-7374-0976-6, S. 42–49.
- Jochem Kahl: Inscriptional Evidence for the Relative Chronology of Dyn. 0–2. In: Erik Hornung, Rolf Krauss, David A. Warburton (Hrsg.): Ancient Egyptian Chronology (= Handbook of Oriental studies. Section One. The Near and Middle East. Band 83). Brill, Leiden / Boston 2006, ISBN 978-90-04-11385-5, S. 94–115 (Online).
- Wolfgang Helck: Untersuchungen zur Thinitenzeit (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 45). Harrassowitz, Wiesbaden 1987, ISBN 3-447-02677-4.
- Werner Kaiser: Ein Kultbezirk des Königs Den in Sakkara. In: Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Kairo. Band 41, 1985, S. 47–60.
- Peter Kaplony: Inschriften der ägyptischen Frühzeit. Band 3 (= Ägyptologische Abhandlungen. Band 8). Harrassowitz, Wiesbaden 1963.
- R. B. Parkinson, Whitfield Diffie, Mary Fischer, R. S. Simpson: Cracking codes: the Rosetta stone and decipherment. Band 2. California Press, New York 1999, ISBN 0-520-22248-2.
- Ludwig David Morenz: Anfänge der ägyptischen Kunst: Eine problemgeschichtliche Einführung in ägyptologische Bild-Anthropologie. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2014, ISBN 978-3-525-54389-4.
- William Matthew Flinders Petrie, Francis Llewellyn Griffith: The royal tombs of the First Dynasty. 1900: Part 1. (= Memoir of the Egypt Exploration Fund. Band 18, ISSN 0307-5109). Offices of The Egypt Exploration Fund, London 1900 (Digitalisat).
- Thomas Schneider: Lexikon der Pharaonen. Albatros, Düsseldorf 2002, ISBN 3-491-96053-3.
- Toby A. H. Wilkinson: Early Dynastic Egypt. Routledge, London / New York 1999, ISBN 0-415-18633-1.
- Toby A. H. Wilkinson: Royal Annals of Ancient Egypt: The Palermostone and its associated Fragments. Kegan Paul International, London 2000, ISBN 1-136-60247-X.
Weblinks
- Francesco Raffaele: Den auf xoomer.virgilio.it (englisch)
- Den auf Digital Egypt (englisch)
- The Ancient Egypt Site (englisch)
- Hor-Den auf touregypt.net (englisch)
- Grab des Hor Den in Abydos auf touregypt.net (englisch)
- König Den auf dem Kairener Fragment
- König Den auf dem Palermostein; untere Jahreszeile