Diamantrahmen

Rahmenform für Fahrräder From Wikipedia, the free encyclopedia

Der von Humber 1890 entwickelte Diamantrahmen ist die am häufigsten vorkommende Rahmenform bei Fahrrädern, insbesondere bei Herrenrädern. Der Diamantrahmen hat sich im Lauf der Geschichte des Fahrrades als günstigste Form herausgestellt, auch wenn es zahlreiche Alternativen gab. Die Grundform des Diamantrahmens entstand nach 1888 mit dem Aufkommen der Sicherheitsniederräder und der Luftbereifung in Europa. Diese Räder wurden ursprünglich als „Rover“ bezeichnet, wie Fahrräder im Polnischen heute noch heißen.

Darstellung eines Diamantrahmens
Niederrad mit rautenförmigem Rahmen (englisch diamond frame), Sitzrohr und Steuerrohr kamen erst später hinzu
Verschiedene Längenmaße eines Diamantrahmens
Die wichtigsten Winkelmaße eines Diamantrahmens

Name und Beschreibung

Seinen Namen erhielt der Diamantrahmen nach seiner Form als Raute, gebildet aus Oberrohr, Unterrohr, Sitzstrebe und Kettenstrebe. Das „Rover“, eins der ersten in England entstandenen und in größeren Stückzahlen produzierten Niederräder, hatte diese Form. Steuerrohr und Sitzrohr kamen erst später hinzu. Die korrekte Übersetzung der passenden englischen Bezeichnung diamond frame hätte rautenförmiger Rahmen lauten sollen. Im Englischen bedeutet nämlich the diamond sowohl Diamant als auch Raute.

Rahmengrößen

Die Rahmenhöhe wird meist von der Mitte des Tretlagers bis zur Oberkante der Sattelmuffe gemessen. Bei Rahmen des italienischen Herstellers de Rosa sind dem angegebenen Maß dagegen 15 mm hinzuzurechnen, da diese Rahmen anders gemessen werden. Zur ersten Ermittlung der optimalen Größe eines Rahmens ist zunächst die Innenbeinlänge vorentscheidend, näherungsweise kann es aber ausreichen, stattdessen die Körpergröße zu betrachten. Wichtig ist aber darüber hinaus die Oberrohrlänge, die maßgeblichen Einfluss darauf hat, wie gestreckt die Position des Oberkörpers auf dem Rad ist. Mit zunehmender Rahmengröße steigt auch die Oberrohrlänge an und so entfernt sich der Lenker weiter vom Sattel. Ein kleinerer Rahmen als die Innenbeinlänge erlauben würde, wird dann durch den Auszug der Sattelstütze kompensiert. Die vor hundert Jahren übliche Bemessung der Fahrradgröße anhand der Laufräder (z. B. 26 oder 28 Zoll) sagt heutzutage nichts über die Größe des Fahrrades aus. Ein niedriger Rahmen mit 28er Rädern ergibt ein viel kleineres Rad als ein großer Rahmen mit 26er Laufrädern. Die Größenangaben in der nachfolgenden Tabelle sind Näherungswerte, die sich auf typische Rahmengeometrien mit waagerechtem Oberrohr beziehen, bei Rädern mit abfallendem Oberrohr stimmen die Maße nicht.

Diamantrahmen mit inzwischen zugefügtem Steuerrohr und angedeutetem späterem Sattelrohr
Weitere Informationen Körpergröße [m], Rahmenhöhe (Männer) [cm] ...
Körpergröße
[m]
Rahmenhöhe (Männer) [cm]
Mountainbike Tourenrad
ATB
Trekkingrad
Reiserad Rennrad
1,6541–4446–4848–5050–52
1,7044–4648–5050–5253–55
1,7546–4850–5252–5555–57
1,8048–5052–5556–5857–59
1,8550–5256–5859–6059–61
1,90 und mehr52–5458–6160–6461–64
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Bei manchen Rahmen wird die Größe in Bekleidungsgrößen (S, M, L, XL) angegeben. Durch die grobere Abstufung ergeben sich weniger unterschiedliche Rahmengrößen.

Alternativen

Für Damenräder werden häufig Schwanenhalsrahmen benutzt, dabei hat das Rad entweder ein stärker dimensioniertes Unterrohr oder zwei Unterrohre, im Tretlagerbereich sind diese gekrümmt. Damenrahmen mit zwei geraden Unterrohren werden überwiegend für sportliche Fahrräder verwendet. Eine Sonderform ist das Pedersen, welches einen höheren Sitzkomfort bei weniger Masse und höherer Stabilität aufweist. An neueren Mountainbikes, insbesondere solchen mit Rahmenfederung, sowie Bonanzarädern und Falträdern ist häufig eine Form des X-Rahmens anzutreffen.

Varianten

Ein Hardtail-MTB mit Sloping-Oberrohr

Wegen seiner guten Eigenschaften (hohe Steifigkeit bei geringem Gewicht) wird der Diamantrahmen mit Abwandlungen selbst bei extravaganten Fahrrädern verwendet. Typische Abwandlungen sind im Einzelnen:

  • Ein abfallendes Oberrohr (Sloping-Rahmen) ist bei Mountainbikes Standard und wird auch bei manchen Rennrädern verwendet. Durch die niedrigere Überstandshöhe ergibt sich eine leichtere und sicherere Handhabung des Rades beim Absteigen vom Sattel, ebenso kann der Sattel bei Abfahrten und technischen Passagen weiter abgesenkt werden, was mehr Raum für Gewichtsverlagerung insbesondere nach hinten zulässt. Das eingesparte Material soll zusätzlich das Gewicht vermindern, diese Gewichtseinsparung relativiert sich allerdings durch die erforderliche längere Sattelstütze. Nachteilig ist zudem, dass niedrigere Rahmen mit kurzem Sattelrohr weniger verwindungssteif sind als große.
  • Bei Hochgezogenen Kettenstreben (Elevated Chainstays) laufen sowohl Zug- als auch Leertrum des Kettenantriebes unterhalb der erhöht angesetzten Kettenstreben. Dadurch wird das Schlagen der Kette auf die Kettenstrebe bei schlechter Wegstrecke eliminiert. Theoretisch wäre ein Ausbau der Kette möglich, ohne diese zu öffnen, da diese nicht wie beim Standardrahmen durch das rechte Hinterbaudreieck geführt wird (jedoch wird die Kette auch bei dieser Bauweise i. d. R. durch den Käfig des Schaltwerks geführt, was eine gänzlich werkzeuglose Demontage vereitelt)
  • Die Durchmesser des Ober- und Unterrohres werden bei Materialien mit geringerer Belastbarkeit wie etwa Aluminium vergrößert (weitere physikalische Erläuterung unter Fahrradrahmen).

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