Kanamycine

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Die Kanamycine sind eine Gruppe strukturell eng verwandter Glycoside mit antibiotischer Wirkung. In allen Fällen ist das 2-Desoxystreptamin (mittlerer Teil in der Struktur) glycosidisch über die 4-OH-Gruppe an ein 3-D-Glucosaminderivat verknüpft.

Eigenschaften

Kanamycine sind basische, stark polare Oligosaccharide. Sie sind farblos, wasserlöslich und im pH-Bereich von 2,2–10,0 lösungsstabil.

Kanamycine
Name Kanamycin AKanamycin B
Bekanamycin (INN)
Kanamycin CTobramycinDibekacin
Strukturformel Struktur von Kanamycin A Struktur von Kanamycin B Struktur von Kanamycin C Struktur von Tobramycin Struktur von Dibekacin
CAS-Nummer 59-01-8
64013-70-3 (Disulfat)
4696-76-82280-32-232986-56-434493-98-6
8063-07-8 (unspez.)
PubChem 603243931843958236294470999
Summenformel C18H36N4O11C18H37N5O10C18H36N4O11C18H37N5O9C18H37N5O8
Molare Masse 484,50 g·mol−1483,52 g·mol−1484,50 g·mol−1467,52 g·mol−1451,52 g·mol−1
Aggregatzustand fest
GHS-
Kennzeichnung
Disulfat
Gefahrensymbol
Gefahr[1]
Sulfat
keine GHS-Piktogramme
[2]
keine Einstufung verfügbar
keine GHS-Piktogramme
[3]
keine Einstufung verfügbar
H- und P-Sätze 360 keine H-Sätze siehe oben keine H-Sätze siehe oben
keine EUH-Sätze keine EUH-Sätze siehe oben keine EUH-Sätze siehe oben
201308+313 siehe oben siehe oben keine P-Sätze siehe oben
Toxikologische Daten > 4000 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[4] > 7500 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)[5]

Gewinnung und Verwendung

Kanamycin wird aus Streptomyces kanamyceticus gewonnen und existiert in den strukturell sehr ähnlichen Homologen A, B und C. Kanamycin A (kurz auch nur Kanamycin) und Kanamycin B (Bekanamycin) werden zur lokalen Behandlung bakterieller Infektionen des Auges (z. B. bei einer Bindehautentzündung) eingesetzt.

Tobramycin (3'-Desoxykanamycin B) ist strukturell eng mit den Kanamycinen verwandt. Es kann aus Kanamycin B synthetisiert oder alternativ aus Fermentationslösungen von Streptomyces tenebarius gewonnen werden.[6]

Dibekacin (3',4'-Didesoxykanamycin B) ist in Form seines Sulfatsalzes[7] in Japan unter dem Handelsnamen Panimycin zugelassen zur systemischen Behandlung bei verschiedenen Infektionen etwa der Haut, der Atemwege, der Harnwege und des Mittelohrs.[8] Amikacin ist ein halbsynthetischer Abkömmling des Kanamycins A, bei dem die Aminogruppe am C-1 des 2-Desoxystreptamins durch eine 4-Amino-2-hydroxybuttersäure ersetzt ist.

Wirkungsweise

Kanamycine durchdringen die bakterielle Zellmembran durch passive Diffusion oder durch (sauerstoffabhängigen) aktiven Transport. Sie lagern sich an die 30S-Untereinheit membranassoziierter Ribosomen an und hemmen damit die bakterielle Proteinsynthese.

Analytik

Zur Bestimmung eignet sich nach entsprechender Probenvorbereitung die Kopplung der HPLC mit der Massenspektrometrie.[9][10][11] Auch Immunassays können eingesetzt werden.[12]

Commons: Kanamycin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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