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Jodi (Künstler)

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Jodi (Eigenschreibweise auch JODI oder jodi.org) ist ein 1994 gegründetes Künstlerduo der Netzkunst und Medienkunst, bestehend aus Joan Heemskerk (* 1968 in Kaatsheuvel, Niederlande) und Dirk Paesmans (* 1965 in Brüssel, Belgien). Das Duo arbeitet mit Websites, Software, Computerspielen, Installationen und Performances. Jodi zählt zu den frühen künstlerischen Positionen, die das World Wide Web, grafische Benutzeroberflächen, Quelltext, Fehler- und Störungsästhetiken sowie Computerspiel-Engines als künstlerisches Material untersuchten.[1][2]

Joan Heemskerk und Dirk Paesmans lernten einander Anfang der 1990er Jahre kennen. Beide besuchten das CADRE Laboratory for New Media an der San José State University in Kalifornien; Paesmans studierte außerdem bei Nam June Paik an der Kunstakademie Düsseldorf.[2] 1994 gründeten sie das Künstlerduo Jodi.[1][2]

7061.jodi.org ist die früheste Arbeit, gefolgt von sod.jodi.org. Jodis bekanntestes Werk ist die seit August 1995 bei InterNIC registrierte Webseite www.jodi.org, die 1997 auf der documenta X ausgestellt wurde.[3]

„Einer Maschine eine andere Bedeutung geben, sich für Viren, Störungen und Fehler des Computers interessieren, das ist die Aufgabe von Jodi. Unermüdlich arbeitet dieses Duo zweier junger Künstler am Wachstum seiner Webseite, die jetzt schon aus über 350 Seiten besteht. Ihre Site, die ständig erneuert und mit neuen Errungenschaften, die direkt vor die schon vorhandenen angebracht werden, angereichert wird, wächst wie eine Maschine, über die man jede Kontrolle verloren hat.“

– documenta X short guide/Kurzführer[4]

Werk

Jodis Arbeiten untersuchen digitale Systeme nicht nur als Werkzeuge oder Trägermedien, sondern als ästhetische, technische und soziale Ordnungen. Das Duo greift dabei häufig in die formalen Bedingungen von Software, Websites, Betriebssystemen, Browsern und Computerspielen ein. In vielen Arbeiten werden vertraute Benutzeroberflächen durch Fehler, Überlagerungen, Wiederholungen, Störungen oder scheinbar dysfunktionale Abläufe unlesbar gemacht.[2][5]

Die Webarbeit wwwwwwwww.jodi.org gehört zu den bekanntesten frühen Arbeiten des Duos. Sie verwendet einfache Webtechniken, Quelltext, Zeichenfolgen und Browserreaktionen, um die vermeintliche Transparenz des Webinterfaces zu irritieren. Statt das Web als neutrale Informationsoberfläche zu verwenden, macht Jodi dessen technische und visuelle Voraussetzungen selbst zum Gegenstand der Arbeit.[6][5]

Mit Untitled Game schuf Jodi eine Serie von Modifikationen des Computerspiels Quake. Electronic Arts Intermix beschreibt die Arbeit als eine Reihe von Mods von Quake 1, die in 13 Versionen für PC und 12 Versionen für Mac vorliegen.[7] Die Arbeit wird im Zusammenhang von Game Art und künstlerischer Aneignung kommerzieller Computerspiel-Engines diskutiert.[8]

Die Vierkanal-Videoarbeit My%Desktop aus dem Jahr 2002 basiert auf sogenannten Desktop-Performances, bei denen Jodi Handlungen auf einem Macintosh-Desktop aufzeichnete. Das Museum of Modern Art beschreibt die Arbeit als Auseinandersetzung mit rational erscheinenden Computersystemen, die beim Menschen irrationales Verhalten hervorrufen können.[9] My%Desktop befindet sich in der Sammlung des Museum of Modern Art.[9]

Rezeption

Jodi wird in der kunsthistorischen und medientheoretischen Literatur als wichtige Position der frühen Netzkunst behandelt. Die 2002 im Christoph Merian Verlag erschienene Monografie Install.exe – JODI versammelt Beiträge unter anderem von Tilman Baumgärtel, Waling Boers, Josephine Bosma, Florian Cramer, Frédéric Madre, Annette Schindler und Pit Schultz.[10] Josephine Bosma behandelt Jodi in ihrer Geschichte und Theorie der Net Art Nettitudes: Let’s Talk Net Art im Kontext der Netzkultur der 1990er Jahre.[6] Der Medientheoretiker Alexander R. Galloway analysierte Jodis Werk 2016 in dem Essay Jodi’s Infrastructure im e-flux journal. Er diskutiert Jodi darin als Beispiel für eine Kunst, die nicht bloß Inhalte im Digitalen produziert, sondern die Infrastruktur und Materialität digitaler Systeme selbst zum Gegenstand macht.[5]

Auszeichnungen

  • 2014: Prix Net Art von Rhizome[11]

Literatur

  • Tilman Baumgärtel, Waling Boers, Josephine Bosma, Florian Cramer, Frédéric Madre, Annette Schindler, Pit Schultz: INSTAll.exe – JODI. Christoph Merian Verlag, Basel 2002, ISBN 3-85616-184-8.
  • Josephine Bosma: Nettitudes: Let’s Talk Net Art. NAi Publishers / Institute of Network Cultures, Rotterdam / Amsterdam 2011, ISBN 978-90-5662-800-0.
  • Inge Hinterwaldner, Daniela Hönigsberg, Konstantin Mitrokhov (Hrsg.): Navigation. Begriffe des digitalen Bildes. Band 2. Open Publishing LMU, München 2022, ISBN 978-3-487-16315-4.
  • Alexander R. Galloway: Jodi’s Infrastructure. In: e-flux journal, Nr. 74, Juni 2016.

Einzelnachweise

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