Đổi mới

marktwirtschaftlichen Reformen 1986 in Vietnam From Wikipedia, the free encyclopedia

Đổi mới (vietnamesisch Erneuerung) werden die 1986 in Vietnam initiierten marktwirtschaftlichen Reformen genannt. Der wirtschaftlichen Liberalisierung folgte, ähnlich wie in der Volksrepublik China, zunächst keine politische Liberalisierung. Die persönlichen Freiheiten wurden sogar weiter eingeschränkt.[1]

Geschichte

Die von der Kommunistischen Partei Vietnams durchgeführten Reformen wurden aus der Not geboren. Nach Ende des Vietnamkrieges 1975 war eine Zentralverwaltungswirtschaft eingeführt worden. Das Land hatte fünf Kriege in Folge, die Flucht der Boat people und eine überhastete Angleichung der Systeme in Nord- und Südvietnam erlebt und litt unter dem Zerfall des Ostblocks. Die Reformen sollten der Stärkung des Sozialismus dienen und standen der Neuen Ökonomischen Politik der Sowjetunion näher als der Reform- und Öffnungspolitik in China seit 1978.[2] So blieben bis Stand 2010 konstant ca. 65 % der Produktionsmittel Staatseigentum, es gab strenge Auflagen für Privatunternehmer und die Gewerkschaften blieben stark.[3]

Offiziell wurde der Kurs der Erneuerung auf dem 6. Parteitag der KPV im Dezember 1986 beschlossen. Konzepte der Neuen Ökonomischen Politik[4] von Lenin wurden legitimierend als Präzedenzfall für die Umsetzung der Reformen herangezogen. Ältere Kader, wie Trường Chinh, Phạm Văn Đồng oder Lê Đức Thọ wurden durch neue Führungskräfte ersetzt. Lê Duẩn war im Juli 1986 gestorben, Trường Chinh, der Reformen unterstützte, hatte ihn zunächst als Generalsekretär ersetzt, bis der Nationalkongress Nguyễn Văn Linh zum Nachfolger wählte. 1987 wurde ein Investitionsgesetz verabschiedet.

Der landwirtschaftliche Sektor erhielt mehr Freiheiten, indem die Bauern selbstständiger über Produktion und Preisgestaltung verfügen durften, da sie Produktionsüberschüsse gemäß der Resolution Nr. 10 auf dem freien Markt verkaufen konnten. Im Verbund mit Effizienzsteigerungen, konnten 1989 rund 1,5[4] Millionen Tonnen Reis exportiert werden. Die Exportmenge wurde bis 1998 auf 3,8[4] Millionen Tonnen gesteigert. 1993 folgte eine Reform des Grundbesitzes, fortan konnten Bauern staatliches Land umnutzen, überschreiben, vermieten, mit Krediten belasten, vererben oder aufteilen.

1992 wurde das Konzept der „Sozialistischen Marktwirtschaft“ mit dem Artikel 15 in die Verfassung eingefügt und 2013 mit dem Artikel 51 erweitert. Der 8. Nationalkongress der Kommunistischen Partei vom 28. Juni bis 1. Juli 1996 erklärte den Beginn der zweiten Phase des Đổi mới unter der Zielvorgabe „Industialisierung und Modernisierung“.[4] Eine sogenannte „Multisektorale Wirtschaft“, bestehend aus staatlichen, kollektiven, und privaten Trägern,[4] sollte offen sein für ausländisches Kapital. Die Umsetzung wurde 1997 durch die Asienkrise verlangsamt aber nicht aufgehalten. Ab 2006 wurde auch ein „politischer Doi Moi“ geplant.[5] Eine tatsächliche Demokratisierung war in den Folgejahren jedoch politikwissenschaftlich kaum messbar.[6]

Die direkt auf die Reform zurückzuführenden Folgen für Vietnam waren ein intensives Wirtschaftswachstum (nach zuvor negativem Wachstum), eine starke Verringerung der Arbeitslosenzahlen und erhöhte wirtschaftliche Unabhängigkeit von anderen Staaten. Diese führten in den folgenden Jahren auch zur Verbesserung der Beziehungen des Landes zu westlichen Industrienationen wie Japan und den Vereinigten Staaten. Die Vereinigten Staaten hoben 1994[4] ihr Embargo gegen Vietnam auf. Durch den eintretenden Wegfall der Sowjetunion kam es mit der Geheimkonferenz[4] von Chengdu 1990 zu einer Annäherung an China. 1988 gab es im Süden Vietnams Demonstrationen, die die Partei vor einer weiteren Öffnung zurückschrecken ließen.

Eine marktorientierte Geldpolitik zur Inflationskontrolle und eine Dezentralisierung des Bankensystems durch die Abschaffung des Monobankensystems wurden umgesetzt. Vietnam konnte die Inflationsrate von 453,5 %[4] im Jahr 1986 bis 1993 auf 8,4 % senken. Die Kommunistische Partei Vietnams ging politisch gestärkt aus der Đổi-mới-Politik hervor. Zugleich konnte die vietnamesische Literatur Đổi mới für eine neue Ausdrucksfreiheit nutzen.[4] Mit dem 7. Nationalkongress im Juni 1991 wurde jedoch Nguyễn Văn Linh abgesetzt und mit Đỗ Mười ersetzt, der erneut eine orthodoxe kommunistische Politik anstrebte und einer gesellschaftlichen Öffnung abgeneigt war, parallel dazu verfolgte er eine außenpolitische Entspannungs- und Balance-Politik, vor allem angesichts Chinas. Die Partei forderte zuletzt wieder „mehr Sozialismus“[3] und stellte ein Ende der Reformen für 2020 in Aussicht.[7][2] Per 2020 betrachtet sich Vietnam als entwickeltes Industrieland. Der 13. Nationalkongress Anfang 2021 erklärte die Konsolidierung des Erreichten zum Ziel.[4]

Siehe auch

Literatur

  • Peter Boothroyd, Pham Xuan Nam (Hrsg.): Socioeconomic Renovation in Viet Nam. The Origin, Evolution, and Impact of Doi Moi. International Development Research Centre, Ottawa 2000, ISBN 0-88936-904-6 (englisch, online).
  • Andreas Margara: Der Amerikanische Krieg. Erinnerungskultur in Vietnam. regiospectra, Berlin 2012, ISBN 978-3-940132-48-2.
  • Geoffrey Murray: Vietnam: Dawn of a New Market. Palgrave Macmillan, 1997, ISBN 0-312-17392-X (englisch).
  • Helmut Opletal, Werner Clement: Doi Moi – Aufbruch in Vietnam. Wirtschaftsreform und Nachkriegspolitik. In: Wissen & Praxis. Band 92. Brandes & Apsel / Südwind, Frankfurt am Main / Wien 1999, ISBN 3-86099-292-9.
  • Peter Wolff: Vietnam: Die unvollendete Transformation. Hrsg.: Deutsches Institut für Entwicklungspolitik. Weltforum Verlag, Köln 1997, ISBN 3-8039-0474-9.
  • Au Duong The: Vietnam: Die Reformpolitik seit dem VI. Parteitag der Kommunistischen Partei Vietnams. In: Sozialistische und planwirtschaftliche Systeme Asiens im Umbruch. VR China, Vietnam, Nordkorea, Birma, Indien. VISTAS Verlag, Berlin 1989, ISBN 3-89158-048-7.
  • Claudia Pfeifer: Konfuzius und Marx am Roten Fluß. Vietnamesische Reformkonzepte nach 1975. Horlemann Verlag, Unkel am Rhein / Bad Honnef 1991, ISBN 3-927905-23-2.
  • Tam T. T. Nguyen: Vietnam und sein Transformationsweg: Die Entwicklung seit der Reformpolitik 1986 und aktuelle Herausforderungen. Diplomica Verlag, Hamburg 2014, ISBN 978-3-8428-9027-5 (google.de).

Einzelnachweise

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