Electronic Design Automation

rechnergestützte Hilfsmittel für den Entwurf von elektronischen Systemen From Wikipedia, the free encyclopedia

Electronic Design Automation (EDA), bezeichnet Software für den Entwurf von Elektronik, insbesondere der Mikroelektronik bzw. integrierten Schaltkreisen (ICs). EDA ist der Entwurf von elektronischen Schaltungen auf Basis der Halbleitertechnologie und Halbleiterelektronik.

Geschichte und Begriffe

EDA ist eine Ingenieursdisziplin und wurde historisch (c. 1970er bis 1990er) teilweise auch unter der Computer Aided Design (CAD) oder Computer Aided Engineering (CEA) Bezeichnung betrieben.[1] Der Begriff bzw. das Akronym CAD wird jedoch seit den 2000er Jahren primär für Konstruktion und Mechanikentwicklung genutzt; CEA und EDA steht allgemein für die computergestützte Entwicklung von elektronischen Schaltungen.

Eine weitere Spezialisierung ist die Electronic System Design (ESD), um der gestiegenen Fähigkeiten, Komplexität sowie Anwendungen der EDA-Software gerecht zu werden.[2] Dabei wird das Systems Engineering in den Mittelpunkt des Designs gestellt, was unter anderem den Trend der Technologie widerspiegelt, der immer komplexere Geräte berücksichtigt. Siehe dazu auch die International Technology Roadmap for Semiconductors (ITRS) bzw. ihren Nachfolger International Roadmap for Devices and Systems (IRDS). Dabei kommen auch Werkzeuge wie SystemC oder SystemVerilog zum Einsatz.[3][4]

Aufgaben und Ablauf

Die Aufgabe der EDA ist die Entwurfsautomatisierung auf unterschiedlichen Ebenen:

Geschichte

Historisch wurde EDA-Software mit der Entwicklung der gesamten Computerbranche groß. Als signifikanter Meilenstein in der Geschichte der EDA gelten die Ideen und Methoden von Carver Mead und Lynn Conway.[5][6] Zuvor waren bereits erste Computergestützte Ansätze beim Design von ICs und ASICs gemacht worden.[7] Der Foundry-Service Anbieter MOSIS des University of Southern Californias Information Sciences Institute (ISI) war damals (1981) einer der ersten Anbieter für Prototypen („Multi-Wafer-Projects“, MWP) und Tape-outs, dem letzten Designschritt, bevor der fertige Entwurf in die Produktion geht. MOSIS ist bis heute noch aktiv.[8] Mit den Unternehmen VLSI Technology und LSI Logic, später TSMC und dem Fabless-Geschäftsmodell wurde EDA-Software dann zu einer Hauptgröße der Halbleiterindustrie.[9]

Die Branche durchläuft seit vielen Jahrzehnten Merger & Acquisitions. Beispielsweise wurde Tanner EDA von Tanner Research (gegründet von John Tanner,[10] PhD-Absolvent 1986 bei Carver Mead)[11] abgespalten, zuerst von Mentor akquiriert[12] und folglich durch Siemens EDA übernommen.[13] Ein anderes großes Beispiel war der M&A von Synopsys von Magma Design Automation (kurz: Magma) im Jahr 2012.[14] Somit gelten (Stand 2022) Synopsys, Cadence, Siemens EDA und Ansys mit zu den größten EDA-Software Anbietern weltweit. Synopsys hat nach eigenen Angaben Ende 2022 den Umsatzrekord von 5 Milliarden US-Dollar erreicht.[15]

Als Beispiel aus der deutschen EDA-Geschichte sei das Werkzeug VENUS („VLSI-Entwicklung und Simulation“) von Siemens erwähnt.[16][17]

Das ehemalige EDA Consortium (EDAC) wurde 2016 zur ESD Alliance.[18]

Preise & Auszeichnungen

Erfindern und Persönlichkeiten, die sich im Bereich EDA profiliert haben, wird der Phil Kaufman Award zugestanden. Für ausgezeichnete Leistungen in der Mikroelektronik wird von der IEEE die Robert N. Noyce Medal verliehen.

Wirtschaft & Markt

Das Marktvolumen der EDA-Industrie betrug nach Angaben des Interessenverbandes Electronic System Design Alliance, einer Fachgruppe der SEMI, Mitte 2019 ca. 2,4 Milliarden US-Dollar.[19] Im 2. Quartal 2022 waren es laut ESD 3,7 Milliarden US-Dollar.[20]

EDA-Kategorien nach SEMI

Die Vielzahl der Software hat ESD der SEMI dazu veranlasst, gewisse Kriterien für das Berichten zu veröffentlichen (siehe Weblinks). Dabei wurden die fünf folgenden Kategorien definiert:

  1. Services
  2. CAE
  3. IC Physical Design & Verification
  4. PCB & MCM
  5. SIP

Abgrenzung FPGAs

Weitere EDA-Software, die speziell für das Design, Konfiguration und Test von FPGAs relevant ist, sind die Inhouse-Software von den größten FPGA-Herstellern Xilinx (akquiriert von AMD), Altera (akquiriert von Intel), Microsemi (akquiriert von Microchip) oder Lattice Semiconductor.

Open Source

Es existiert auch Open Source EDA-Software, z. B. GHDL und viele mehr.[21][22] Die Entwicklung, Anwendung und der Einfluss von Open Source im Chipdesign ist weiterhin offen.[23] Alliance/Coriolis bspw. kann bis zu Strukturgrößen von 130/180 nm angewendet werden, aber nicht darunter.[24]

Des Weiteren existiert seit 1999 die IP-Initiative OpenCores, welche ein Repository verschiedener Designs (z. B. OpenRISC) zu verschiedenen Lizenzen anbietet.[25]

EDA-Software (Beispiele)

Hinweis: Aufgrund der unter Geschichte erwähnten hohen M&A-Aktivität in der Branche, bieten heutzutage (Stand 2022) die Hauptanbieter EDA-Software aus fast allen genannten EDA-Kategorien an, sowie für Digital- und auch Analogdesign. Einzelne Anbieter bieten EDA-Software für Mikrosystemdesign an. Es werden hier nur einige Beispiele der Kategorien 2+3 sowie 4 aufgezählt. Die Anbieter haben eine Vielzahl von spezialisierten EDA-Produkten. Im Folgenden sind nur einzelne Beispiele aufgezählt. Die Liste erhebt keinen Anspruch an Vollständigkeit.

Integrierten Schaltungen (CAE, IC)

Hauptanbieter

Andere und Historisch

  • Dolphin Integration (JV von Soitec und MBDA)
  • Forte Design Systems (akquiriert durch Cadence)
  • Mentor Graphics PADS (akquiriert durch Siemens)

Entwurf von Leiterplatten (PCB)

Hauptanbieter

Andere und Historisch

Open Source oder Freeware

Literatur

Artikel

Grundlagen

Weiterführend

  • Andrew B. Kahng, Jens Lienig, Igor L. Markov, Jin Hu: VLSI Physical Design: From Graph Partitioning to Timing Closure. Springer International Publishing, Cham 2022, ISBN 978-3-03096414-6, doi:10.1007/978-3-030-96415-3 (englisch, springer.com).
  • Kraig Mitzner, Bob Doe, Alexander Akulin, Anton Suponin, Dirk Müller: Complete PCB design using OrCAD Capture and PCB editor. Second edition Auflage. Academic Press, London [England] ; San Diego, CA 2019, ISBN 978-0-12-817684-9 (englisch, elsevier.com).

Einzelnachweise

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