Einhard-Preis

Buchpreis für biographische Literatur From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Einhard-Preis für biographische Literatur wird seit 1999 von der Einhard-Stiftung zu Seligenstadt, einer 1998 gegründeten Bürgerstiftung, verliehen.

Mit dem Preis wird eine herausragende Biographie einer Persönlichkeit ausgezeichnet, deren wissenschaftliches, religiöses, politisches, künstlerisches oder wirtschaftliches Lebenswerk in einer engen Beziehung zu Europa steht. Dabei ist Europa keineswegs nur politisch zu verstehen, etwa im Sinne der Europäischen Union, sondern vor allem geschichtlich und ideengeschichtlich. Während die in der Biographie vorgestellte Person in ihrem Wirken einen Europabezug aufweisen muss, kann der mit dem Preis ausgezeichnete Autor auch in einem außereuropäischen Land leben.

Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird in mehrjährigen, tunlichst zweijährigen Abständen verliehen. Der Preis ist als Anerkennungs- und nicht als Förderpreis konzipiert. Die Auswahl der Preisträger und der zu würdigenden Biographie obliegt dem Kuratorium der Stiftung. Drei der Mitglieder des Kuratoriums sind sachkundige Persönlichkeiten von nationalem Rang, zwei weitere gehören ihm als Vertreter der Stiftung an.

Der Preis wurde bisher zwölfmal vergeben, erstmals 1999. Die Verleihung findet in zeitlicher Nähe zu Einhards Todestag, dem 14. März, in Seligenstadt statt.

Einhard-Stiftung

Die Einhard-Stiftung zu Seligenstadt ist eine Bürgerstiftung zum Gedenken an Einhard und für Europa und zur Pflege des Erbes Einhards. Sie wurde auf Anregung und unter der Führung der „Ordensbruderschaft vom Steyffen Löffel“ zu Seligenstadt beschlossen und 1998 von einer Gruppe von Seligenstädter Bürgern ins Leben gerufen.

Sie wurde am 13. März 1998 als rechtsfähige Stiftung bürgerlichen Rechts errichtet und am 23. April 1998 vom Regierungspräsidium in Darmstadt genehmigt.

Der Stiftungsauftrag wird in der Verfassung wie folgt gefasst: Zweck der Stiftung ist es, die Idee der europäischen Einigung auf der Ebene einer traditionsreichen Stadt anschaulich und die Wurzeln der europäischen Nationen sichtbar zu machen. Der Stiftungszweck wird insbesondere verwirklicht durch:

  1. Die Vergabe eines nach Einhard benannten Literaturpreises für Biographie.
  2. Darüber hinaus wird der Stiftungszweck verwirklicht durch die wissenschaftliche Pflege des Andenkens und die Erforschung Einhards und seiner Zeit.

Die Gremien (Stand Dezember 2025) setzen sich wie folgt zusammen:

  • Präsidium: Christian Neubauer (Vorsitzender), Axel-Johannes Korb (Stellvertretender Vorsitzender), Nicolas Wolz (Öffentlichkeitsarbeit), Karl Wolf, Winfried Gmehling
  • Ältestenrat: Franz-Friedrich Neubauer † (Ehrenvorsitzender), Peter Hammann (Vorsitzender bis 2017), Franz Preuschoff, Hermann Schefers, Peter Laube †
  • Kuratorium: Patrick Bahners (Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sachkundiges Mitglied seit 2012), Frank Rexroth (Professor für Mittlere und Neuere Geschichte an der Universität Göttingen, sachkundiges Mitglied seit 2017), Julia Voss (Kunst- und Wissenschaftshistorikerin am Deutschen Historischen Museum Berlin, sachkundiges Mitglied seit 2023), Axel-Johannes Korb (Vertreter der Stifter), Christian Neubauer (Vertreter der Stifter)
  • Frühere Mitglieder des Kuratoriums: Ina Hartwig (Literaturkritikerin und Autorin; Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt), Franz-Friedrich Neubauer (Vertreter der Stifter, Wirtschaftswissenschaftler), Robert Tampé (Vertreter der Stifter, Biochemiker), Alexandra Kemmerer (Vertreterin der Stifter, Juristin und Publizistin), Jürg Altwegg (Kulturkorrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung), Franziska Augstein (Redakteurin im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung), Gustav Seibt (Essayist und Literaturkritiker), Jeremy Adler (Professor für Germanistik am King’s College London), Jean Favier (französischer Mediävist und Schriftsteller), Roberto Zapperi (italienischer Historiker und Schriftsteller)

Bisherige Preisträger

  • 1999: Otto Pflanze, Professor emeritus an der Indiana University in Bloomington, USA: Für seine Lebensbeschreibung Otto von Bismarcks
  • 2001: Brian David Boyd, Professor an der Universität Auckland, Neuseeland: Für seine Biographie Vladimir Nabokovs
  • 2003: Joachim C. Fest, Historiker und Publizist: Für sein biographisches Lebenswerk unter Berücksichtigung der Arbeiten zu Albert Speer
  • 2005: Irène Heidelberger-Leonard, Professorin an der Freien Universität Brüssel: Für Revolte in der Resignation, die Biographie Jean Amérys
  • 2007: Eberhard Weis, Professor emeritus an der Universität München: Für seine zweibändige Biographie des bayerischen Staatsmannes Maximilian Graf von Montgelas
  • 2009: Margot Friedlander, Holocaust-Überlebende, für ihre 2008 erschienene Autobiographie Versuche, Dein Leben zu machen
  • 2011: Hugh Barr Nisbet, Professor emeritus für Germanistik an der University of Cambridge: Für seine Biographie von Gotthold Ephraim Lessing
  • 2013: John C. G. Röhl, Professor emeritus für Europäische Geschichte an der Universität Sussex: Für seine dreibändige Biographie des deutschen Kaisers Wilhelm II.
  • 2015: Joachim Radkau, Professor emeritus für Geschichte an der Universität Bielefeld: Für seine Biografie über Theodor Heuss
  • 2017: Albrecht Schöne, Professor emeritus für Neuere Deutsche Literatur an der Georg-August-Universität Göttingen: Für sein Buch Der Briefschreiber Goethe
  • 2019: Emmanuelle Loyer, französische Historikerin: Für ihre Biografie Claude Lévi-Strauss
  • 2022: Jacques Tardi, französischer Comic-Autor: Für die dreibändige Biographie seines Vaters Ich, René Tardi, Kriegsgefangener im Stalag II B
  • 2025: Ulinka Rublack, Professorin für Europäische Geschichte der Frühen Neuzeit am St John’s College in Cambridge: Für ihre Biographie Dürer im Zeitalter der Wunder. Kunst und Gesellschaft an der Schwelle zur globalen Welt

Veröffentlichungen

  • Translatio et Miracula Sanctorum Marcellini et Petri. Translation und Wunder der Heiligen Marcellinus und Petrus, übersetzt von Steffen Patzold; herausgegeben von der Einhard-Gesellschaft Seligenstadt e. V., Seligenstadt 2015.

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