Einmauerung
Einschließen von lebenden Menschen als Strafe
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Einmauerung bezeichnet das dauerhafte Einschließen von lebenden Menschen oder Tieren hinter einer neu errichteten Mauer. Es handelt sich um einen Spezialfall des Lebendig-begraben-Werdens. Das Motiv der Einmauerung taucht in einer Vielzahl von Sagen und Erzählungen auf, entweder als Vorstellung eines Bauopfers oder als Strafe.[1] Der Begriff der Einmauerung wird auch im Zusammenhang mit der Inkluse verwendet, also der Einmauerung aus Gründen der Askese.

Verwendung in Sagen und Erzählungen
Einmauerung ist ein verbreiteter literarischer Topos. So droht beispielsweise Antigone die Einmauerung. In der Oper Aida wird der Feldherr Radames als Verräter lebendig eingemauert. Seine vermeintlich gerettete Geliebte Aida hat sich in der Grabkammer versteckt und stirbt freiwillig mit ihm.
Sagen über Einmauerungen gibt es in einer Vielzahl von Orten und Gebäuden, z. B. Schloss Měšice in Südböhmen.
In der Moderne taucht die Einmauerung beispielsweise bei Edgar Allan Poe in der Erzählung Das Fass Amontillado auf.
Einmauerung als Bauopfer
Einmauerung als Bauopfer war eine in der Antike bei vielen Völkern verbreitete Sitte oder auch Strafe. Dabei wurden Menschen oder Tiere lebendig unter neuen Bauten vergraben.
Nach dem herrschenden Glauben sollte dadurch der Einsturz des Baues verhindert und Schaden ferngehalten werden. Heute lebt diese Sitte noch als Grundsteinlegung bei größeren Gebäuden fort. Insbesondere in germanischen Sagen sind viele Beispiele von Einmauerungen überliefert. Knochenüberreste von Menschen und Tieren, die man unter der Grundmauer oder unter Brückenpfeilern gefunden hat, zeugen von der Verbreitung des Brauchs.
Verbreitung
Die Sitte war bei Griechen, Römern, Kelten, Slawen, Germanen, und auch in Indien, Südostasien, Japan, China und Australien verbreitet. Anstelle des Körpers wurde mitunter auch nur der Kopf eingemauert. Von italienischen Mafia-Organisationen sind Einmauerungen z. B. in Brückenpfeilern als Terrorinstrument und Racheakt bekannt geworden.
Tiereinmauerungen
Während man Menschen oder Körperteile hauptsächlich einmauerte, um damit den Einsturz zu verhindern, verwendete man Tiere, um Krankheiten von den Umfassungsmauern des Baues fernzuhalten. Auch in diesem Fall kann der Kopf für das ganze Tier stehen. Verschiedene Tierarten werden in den Sagen erwähnt, besonders häufig Hunde, Hähne und Pferde. Statt lebendiger Wesen wurden später Gebeine und Steinfiguren symbolisch vermauert.
Verwandtes Brauchtum
Neben den erwähnten Grundsteinen sind auch die in vielen Gegenden an den Häusern angebrachten Tierköpfe symbolische Überreste der Einmauerung.
Einmauerung als Strafe
Die Einmauerung in ein enges Gefängnis kam auch als Strafe in den mittelalterlichen Inquisitionsurteilen vor.[2] Dies muss jedoch keine Einmauerung im Sinne eines Lebendig-Begrabens bedeuten, sondern die Verurteilung zu einer (lebenslangen) Gefängnisstrafe.[3]
Literatur
- Paul Sartori: Über das Bauopfer. Berlin 1898.