Einschnürungssatz
mathematischer Satz
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Der Einschnürungssatz[1][2], Einschließungssatz oder Sandwichsatz (u. a. Quetschlemma[3]) ist in der Analysis ein Satz über den Grenzwert einer Folge oder Funktion. Für Folgen formuliert besagt er: Wird eine Folge von oben und unten durch zwei gegen denselben Grenzwert strebende Folgen eingeschlossen, so konvergiert sie auch gegen diesen Wert. Für Funktionen lautet die Aussage entsprechend: Wird eine Funktion eingeschnürt durch zwei weitere Funktionen, welche gegen denselben Grenzwert streben, so konvergiert auch die Funktion gegen diesen Grenzwert.

Der Einschnürungssatz wird typischerweise dazu verwendet, den Grenzwert einer Folge oder Funktion zu ermitteln, indem man sie mit zwei anderen Folgen bzw. Funktionen vergleicht, deren Grenzwerte bekannt oder einfach zu bestimmen sind. Er wurde geometrisch schon von den Mathematikern Archimedes und Eudoxos verwendet, um die Kreiszahl π zu berechnen. Die moderne Formulierung des Satzes stammt ursprünglich von Carl Friedrich Gauß.
Einschließungsregel für Folgen
Seien und zwei reelle Folgen, die gegen einen gemeinsamen Grenzwert streben. Ist eine weitere Folge mit für fast alle , so konvergiert , und zwar ebenfalls gegen .[2][4]
Beispiele
Beispiel 1
Die Folge
wird wegen
von den Folgen und eingeschnürt. und konvergieren aber beide gegen , und somit konvergiert nach der Einschließungsregel ebenfalls gegen .
Beispiel 2
Die Folge
lässt sich einerseits mithilfe der Bernoullischen Ungleichung nach unten wie folgt abschätzen:
Andererseits lässt sie sich nach oben abschätzen durch
denn jeder Faktor ist kleiner als 1 und somit auch die -te Potenz. Somit wird durch die Folgen und eingeschnürt, welche beide gegen 1 konvergieren. Nach dem Einschnürungssatz muss dann auch gegen 1 konvergieren.[5]
Beweis
Sei . Da die Folgen und nach Voraussetzung gegen konvergieren, gibt es , so dass
- für alle und für alle .
Außerdem gibt es nach Voraussetzung ein , so dass für alle die Abschätzung gilt. Für alle lassen sich diese drei Ungleichungen zusammenfügen zu
- bzw.
Einschnürungssatz für Funktionen
Es sei ein Intervall, das eine Zahl enthält. Es seien , und auf definierte Funktionen. Gilt für jedes aus die Relation
sowie ferner
- ,
dann ist .[7]
muss nicht im Inneren von liegen. Ist ein Randpunkt von , so handelt es sich bei obigen Grenzwerten um links- bzw. rechtsseitige. Ähnliches gilt auch für unendliche Intervalle: Ist beispielsweise , so gilt der Satz auch für den Grenzwertübergang .
Anwendungsbeispiele
Beispiel 1

Die Funktion ist für alle reellen definiert. Den Grenzwert für auf konventionelle Art zu berechnen fällt schwer: Eine direkte Substitution schlägt fehl, weil die Funktion bei nicht definiert ist (geschweige denn stetig), und die Regel von de L’Hospital kann auch nicht angewendet werden, da in der Nähe von oszilliert und dort keinen Grenzwert hat. Mit passenden oberen und unteren Schrankenfunktionen lässt sich jedoch der Einschnürungssatz anwenden.
Aus der Definition der Sinusfunktion folgt
Durch Multiplikation mit erhält man hieraus die Abschätzung
Wegen folgt mit dem Einschnürungssatz
Beispiel 2

Der Grenzwert ist unter anderem hilfreich bei der Bestimmung der Ableitung der Sinusfunktion.
Da eine gerade Funktion ist, genügt es, den Grenzwert zu betrachten, wenn von rechts gegen null strebt. Aus elementargeometrischen Überlegungen am Einheitskreis (siehe Zeichnung rechts) folgt für die Abschätzung
- ,
das heißt die Funktion wird in diesem Bereich eingezäunt durch die Funktionen und . Wegen folgt mit dem Einschnürungssatz
Aufgrund der geometrischen Argumentation weist diese Grenzwertbestimmung nicht die mathematische Strenge auf, die in der modernen Analysis gefordert wird. Ein rein analytischer Beweis, der ohne Rückgriff auf anschaulich-geometrische Überlegungen auskommt, lässt sich mithilfe von Potenzreihen führen.[11]
Beweis
Der Einschnürungssatz für Funktionen lässt sich auf analoge Weise wie der entsprechende Satz für Folgen beweisen. Sei dazu . Wegen der Voraussetzung gibt es , so dass für alle gilt:
- falls und falls
Außerdem gilt per Voraussetzung für alle . Setzt man nun , so lassen sich für alle mit die Ungleichheitsrelationen miteinander verknüpfen und man erhält die Abschätzung
- bzw. .
Dies zeigt, dass auch ist.[10]
Verallgemeinerungen
Eine maßtheoretische Verallgemeinerung ist der Satz von Pratt, bei dem durch die Einschnürung mittels lokal nach Maß konvergenten Funktionenfolgen auf die Vertauschbarkeit von Grenzwertbildung und Integration der eingeschnürten Funktionenfolge sowie auf die Integrierbarkeit der Grenzfunktion geschlossen werden kann.
Literatur
- Wolfgang Walter: Analysis 1. 5. Auflage. Springer, 2013, ISBN 978-3-662-05698-1, S. 63, 119.
Weblinks
- C. Sean Bohun: The Squeeze Theorem. 9. Februar 2013, abgerufen am 6. April 2013 (englisch, PDF).
- Joseph M. Ling: Examples on Limits of Functions: The Squeeze Theorem. (PDF; 96 kB) 2. Oktober 2001, archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 20. September 2008; abgerufen am 9. Februar 2013 (englisch).