Eternauta (Comic)
Argenitische Graphic Novel
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Eternauta (El Eternauta) ist eine argentinische Science-Fiction-Graphic Novel, geschaffen von Héctor Germán Oesterheld (Text) und Francisco Solano López (Zeichnungen). Sie wurde ursprünglich zwischen 1957 und 1959 als Fortsetzungsserie in einem Magazin veröffentlicht. Die Geschichte handelt von einer Gruppe Überlebender in Buenos Aires, die eine tödliche Alien-Invasion und eine übernatürliche Schneedecke bewältigen müssen.

Entstehung und Veröffentlichung
El Eternauta entstand in den Jahren 1957 bis 1959 als Fortsetzungsserie in 106 Folgen im argentinischen Comic-Magazin Hora Cero.[1][2][3] Geschaffen wurde die Graphic Novel vom Autor Héctor Germán Oesterheld, der für seine realistischen, sozialkritischen Comics bekannt war, und dem Zeichner Francisco Solano López, dessen klare, detailreiche schwarz-weiße Zeichnungen die düstere Atmosphäre wirkungsvoll unterstützten. Oesterheld gründete 1956 mit seinem Bruder den Verlag Ediciones Frontera, in dem Hora Cero als Comic-Magazin erschien.[4] El Eternauta wurde darin als wöchentliche Serie veröffentlicht, die bald großen Erfolg beim argentinischen Publikum hatte.[1]

Zu den Inspirationen zu der Geschichte gehört Robinson Crusoe, den Oesterheld als Kind oft gelesen hat. Wie Robinson Crusoe ist sein Protagonist gestrandet, hier allerdings in einem Meer des Todes, jedoch nicht als Einzelkämpfer, sondern mit Familie und Freunden. Aus den Grundideen heraus wurde die Handlung Kapitel für Kapitel, während der Veröffentlichung weiterentwickelt.[5] Die Geschichte wurde in einem realistischen Buenos Aires angesiedelt, was das Bedrohungsszenario einer tödlichen Alieninvasion umso beklemmender wirken ließ. Die politische und soziale Lage Argentiniens mit Unruhen, Putschen und dem Einfluss von Juan Perón prägte die Arbeit. El Eternauta reflektiert diese Umgebung durch seine Metaphern zu Unterdrückung, Widerstand und Solidarität.[6] In der Eröffnungssequenz wird ein Comicautor von Eternauta besucht, der ihm seine Geschichte erzählt. Diese Rahmenhandlung zieht sich bis zum Ende durch und versetzt den Leser in die Rolle des Zeugen der Erzählungen von Eternauta an den Autor. Typisch für den lateinamerikanischen Science-Fiction-Comic ist die Geschichte eine Mischung verschiedener Genres. Motive des Überlebenskampfes in einer Apokalypse mischen sich mit Kriegsgeschichten, Invasionen von Außerirdischen und Zeitparadoxon.[5] Innovativ war es die Geschehnisse an reale Orte in Buenos Aires zu legen, wo sie sich leicht nachvollziehen lassen.[5][7] In den Motiven wurde die Geschichte auch vom zeitgenössischen amerikanischen Comic beeinflusst, aus dem der Topos der außerirdischen Invasion und der wissenschaftlichen Experimente übernommen wurden. Diese erhielten jedoch eine spezifisch argentinische Gestalt. Der Protagonist ist ein „dezent machistisch“ eingestellter Mann der Mittelschicht, dessen persönlicher Traum vom Eigenheim und Kleinfamilie sich eigentlich schon erfüllt hat. Die Gruppe der Freunde, die ihn umgibt, sind ein Konglomerat aus verschiedenen Branchen und Schichten, deren Namen auf die unterschiedlichen Migrationshintergründe der argentinischen Gesellschaft verweisen.[7]
Ursprünglich war geplant, die Geschichte als abgeschlossene Erzählung zu veröffentlichen.[8] Eine spätere experimentelle Fortsetzung von 1969 mit Zeichnungen von Alberto Breccia wurde durch schlechtes Leserfeedback und politischen Druck vorzeitig eingestellt.[9]


Der Titel „El Eternauta“ bedeutet übersetzt „Der ewige Reisende“ oder „Der Reisende aus der Zukunft“. Er bezieht sich auf den Protagonisten Juan Salvo, der am Ende der Geschichte mittels Zeitreisen und Dimensionensprüngen zu einer Art ewigen Wanderers wird, der verzweifelt nach seiner Familie sucht.[10][11]
In Argentinien kam 2008 eine Neuausgabe bei Norma Editorial heraus.[12] Eine deutsche Fassung dieser Ausgabe erschien erstmalig 2016 beim Avant-verlag.[13][11]
Handlung

Die Erzählung beginnt, als in Buenos Aires plötzlich ein „tötender Schnee“ vom Himmel fällt, der alles Leben, das er berührt, vernichtet. Juan Salvo, der Protagonist, sucht gemeinsam mit seiner Familie und Freunden Schutz und versucht zu überleben. Die Gruppe entwickelt hermetisch abgeschlossene Schutzanzüge, um sich vor dem tödlichen Schnee zu schützen, und kämpft gegen fremde Invasoren, die riesige Insektenwesen und versklavte Menschen als Waffen einsetzen. Im weiteren Verlauf der Geschichte wird offenbart, dass diese Invasion von einer höheren Alienmacht ausgeht. Am Ende gelangt Juan Salvo durch eine Zeitreise in eine andere Dimension, wodurch die Geschichte in einer zeitlich geschlossenen Schleife endet.[14]
Rezeption
El Eternauta gilt als das wichtigste und einflussreichste Werk der argentinischen Comicgeschichte[15][14] und wird oft als politisches und soziales Plädoyer für Menschlichkeit, Solidarität und Widerstand gegen Unterdrückung interpretiert.[1][16] Die Graphic Novel wurde im historischen Kontext Argentiniens mit zunehmender politischer Gewalt und der Militärdiktatur als Symbol für den Widerstand gelesen.[17] Sie wird auch als Klassenkampf gegen die Militärjunta interpretiert[12] und als Vorausahnung der sich 20 Jahre später entwickelnden Militärdiktatur gelesen, in der Oestermann selbst verschwand. Die Atmosphäre des Comics nimmt viel vom Leben in der Diktatur vorweg, in der der öffentliche Raum ebenfalls gefährlich wurde. Mit der sich am Ende ergebenden Zirkularität – der Autor findet sich zu Beginn der eben erfahrenden Ereignisse wieder – werden auch dem Leser Fragen nach der Verhinderung und Abwehr von vorhersehbaren Ereignissen gestellt.[7]
Die Erzählung zeichnet sich durch ihren realistischen Stil, die engen Bezüge zur Lebenswelt der Leser in Buenos Aires und eine düstere, bedrückende Atmosphäre aus.[17] Laut Anna Kemper war die Geschichte deswegen ein Erfolg, weil sie als Science-Fiction nicht in fernen Galaxien, sondern in den Straßen von Buenos Aires spielt, wo die Menschen leben die sie lesen. Und weil „Juan und seine Freunde keine Superhelden sind, sondern nur stark, wenn sie gemeinsam kämpfen“. In den Jahren der zunehmenden politischen Gewalt sei der Comic ein Plädoyer für den Widerstand geworden.[18]
Die Serie war sowohl in Argentinien als auch international erfolgreich. Die Originalausgaben und Neuauflagen haben Kultstatus.[16][19] Als 2010 in Argentinien ein Tag des nationalen Comics eingeführt wurde, wählte man den 4. September, da an diesem 1957 das erste Kapitel von Eternauta erschien.[12]
Adaptionen
Héctor Germán Oesterheld überarbeitete die Geschichte 1969 mit einem stärker politischen Ton und experimentellem Zeichnungsstil (Alberto Breccia). In Argentinien erschien diese Fassung in der Wochenzeitung Gente.[12] Sie erhielt jedoch wenig Zuspruch bei Verlag und Publikum und wurde daher nach nur 50 Seiten mit einem notdürftigen Ende abgebrochen.[5] Auch dieser Comic erschien auf Deutsch bei avant, im Oktober 2017.[20] 1975 begann Oesterheld mit der Arbeit an El Eternauta II, nun wieder mit López als Zeichner. Oesterhelds tritt hier selbst als Erzähler auf und kritisiert die Diktatur und den US-Imperialismus deutlicher. 1983 entstand ein weiterer Teil mit verschiedenen Zeichnern, geschrieben von Alberto Ongaro.[12]

Die Graphic Novel hat viele Fortsetzungen und Spin-offs erlebt, teils mit abweichenden Kanon. Die Netflix-Miniserie Eternauta mit Ricardo Darín in der Hauptrolle, basierend auf El Eternauta, wurde 2025 veröffentlicht.[3]