Éric Allatini

italienisch-französischer Kaufmann und Schriftsteller From Wikipedia, the free encyclopedia

Éric Allatini (geboren 1. Juni 1886 in Thessaloniki, Osmanisches Reich; gestorben 25. Dezember 1943 im KZ Auschwitz) war ein italienisch-französischer Kaufmann und Schriftsteller.

Leben

Eric Allatini war ein Sohn des Kaufmanns Edward Allatini (Saloniki 1847 – Paris 1913) und dessen Cousine Annette Allatini, Tochter des aus Livorno stammenden Unternehmers Moïse Allatini (1809–1882), der in Saloniki zum einflussreichen Multimillionär im Osmanischen Reich aufgestiegen war. Unter dessen Nachkommen waren auch Marcel Dassault, Paul Dassault und Darius Milhaud. Als Allatini zwölf Jahre alt war, zogen seine Eltern nach Marseille, wo er die Schule absolvierte. Danach arbeitete er für das väterliche Handelsunternehmen in Paris. Er schrieb 1906 das Libretto Les Saintes-Marie-de-la-Mer für eine Oper, die Musik komponierte sein Cousin Darius Milhaud im Jahr 1911, die Manuskripte gelten als verschollen.

Allatini war im Ersten Weltkrieg ab 1915 Soldat der Italienischen Armee und wurde in den Dolomiten eingesetzt. 1916 heiratete er in Paris Hélène Kahn (1887–1943), sie hatten vier Kinder. Allatini betätigte sich neben seinem Beruf als Schriftsteller und Mäzen in Paris, er komponierte gelegentlich und wirkte als Produktionsassistent bei den Ballets Russes de Monte Carlo. Er engagierte sich für das neue Medium Film. Er wurde Mitinhaber der von Marcel L’Herbier gegründeten Filmgesellschaft Cinégraphic und war 1924 an der Produktion des Films L’Inhumaine beteiligt, 1925 folgte die Produktion von Feu Mathias Pascal und 1926 Le Vertige. Er schrieb für die Kunstzeitschrift Cahiers d’Art. In seinem vom Architekten Robert Mallet-Stevens gebauten Haus traf er sich mit Pirandello, Diaghilev, Nijinski, Picabia, Lifar, Balanchine, Pitoëff, Gerda Wegener, Darius Milhaud, Cocteau und anderen Künstlern.

Hélène Allatini organisierte nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten im Deutschen Reich in Paris Hilfe für die geflohenen Deutschen im „Foyer Heinrich Heine“.

Hélène und Éric Allatini wurden im Oktober 1942 von der Gestapo française verhaftet und Anfang 1943 in das Camp de Drancy eingeliefert, ihre Kinder konnten sich dem Zugriff entziehen. Im Dezember 1943 wurden sie in das KZ Auschwitz deportiert und ermordet.

Sur talons rouges (1929)

Schriften (Auswahl)

  • Savoia ! La guerre des cimes. Paris: L'Édition française illustrée, 1917
  • Contes de mon père le jars. Paris: L'Édition française illustrée, 1919
  • La vérité du cinématographe, in: Cahiers d’Art, 1927, Heft 4–5
  • Sur talons rouges. Illustrationen Gerda Wegener. Paris: G. Briffaut, 1929

Literatur

  • Hélène Allatini, in: Georg Wiesing-Brandes: Walter Benjamin. Das Pariser Adressbuch. Eine Biographie des Exils im Spiegel. Wädenswil: Nimus, 2025, S. 23–25
  • Alain de Vaucresson: Les allatini – des annees folles aux annees noires. IBAcom, 2019, ISBN 979-1092733181
  • Hélène Allatini: Mosaiques. Paris: Éditions de la Nouvelle Revue Critique, 1939 (Autobiografie, Auszug)

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