Ernest Dunlop Swinton
britischer Offizier
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Sir Ernest Dunlop Swinton KBE, CB, DSO (* 21. Oktober 1868 in Bangalore, Britisch-Indien; † 15. Januar 1951 in Oxford) war ein britischer Offizier der British Army, zuletzt Major-General, und Autor. Seine Erfahrungen als Kriegskorrespondent in den frühen Monaten des Ersten Weltkrieg brachten ihn dazu sich sehr engagiert bei britischen Regierungsvertretern und militärischen Führern für die Entwicklung und die Verwendung des Panzers als neues Waffensystem einzusetzen. Im wird zugeschrieben, gemeinsam mit seinem Offizierskollegen Walter Daley Jones, den britischen Begriff Tank, für diese gepanzerten Kampffahrzeuge eingeführt zu haben.

Leben

Swinton wurde 1858 in Bangalore als Sohn eines Richters beim Madras Civil Service in Britisch-Indien geboren. Seine Familie kehrte 1874 nach Großbritannien zurück und er besuchte verschiedene Schulen, die University College School, die Rugby School, das Cheltenham College und die Blackheath Proprietary School. Am 17. Oktober 1888 wurde er an der Royal Military Academy Woolwich zum 2nd Lieutenant der Royal Engineers befördert. Während seiner Dienstzeit in Indien wurde er am 17. Februar 1891 zum Lieutenant befördert und acht Jahre später am 17. Februar 1899 zum Captain.
Er war Teilnehmer des Zweiten Burenkriegs (1899–1902), wofür er mit dem Distinguished Service Order (DSO) der South African Honours-List ausgezeichnet wurde, und begann nach seiner Rückkehr nach Großbritannien im September 1902 (zwei Monate vor Kriegsende) eine Zweitkarriere als Militärschriftsteller. Obwohl er sich sehr viel mit den militärischen Aspekten des Eisenbahnbau beschäftigte, war er auch stark an Taktik, Befestigungen und der Wirkung moderner Kriegswaffen interessiert, insbesondere an dem damals erst neue eingeführten Maschinengewehr. Er verfasste in dieser Zeit ein bekanntes Werk zum Burenkrieg über den Einsatz kleiner Einheiten, The Defence of Duffer's Drift, das in Kanada und Großbritannien ein Klassiker in der Ausbildung von Unteroffizieren und Offizieren wurde und sogar in der US Army für die Offiziersausbildung Verwendung fand.
Im Dezember 1906 wurde er zum Major befördert.
1910 wurde er in die Historical Section des Committee of Imperial Defence versetzt, wo er über den Russisch-Japanischen Krieg schrieb, und wurde 1913 assistierender Sekretär dieser Einrichtung.
Zu Beginn des Ersten Weltkrieges diente er als stellvertretender Direktor für Eisenbahntransport.
Im Juli 1914 erhielt Swinton einen Brief von einem befreundeten Bergbauingenieur aus seiner Zeit in Südafrika, Hugh F., mit dem er sich über technische Entwicklungen austauschte, um ihn auf eine Maschine aufmerksam zu machen, welche dieser in Antwerpen gesehen hatte, den Holt Caterpillar Tractor. Swinton teilte die Einschätzung, dass dieses Fahrzeug von militärischem Nutzen sein könnte und teilte die Information mit ihm bekannten Personen innerhalb des Militärs und auch mit Politikern.
Bei Kriegsausbruch 1914 wurde Swinton von Lord Kitchener dem damaligen britischen Kriegsminister, als Kriegsberichterstatter nach Frankreich geschickt und schrieb dann das Werk Eyewitness über das Geschehen an der Front[1].
Während einer Fahrt von St.-Omer nach Calais am 1. Oktober 1914, erinnerte er sich an das Fahrzeug mit dem Raupenfahrwerk und hatte die Idee, das Fahrgestell für ein Kampffahrzeug zu nutzen. Swinton war nur einer von vielen Leuten in mehreren Ländern, die ähnliche Ideen hatten, aber er hatte das Glück, Zugang zu hochrangigen Soldaten und Politikern zu haben. Es gelang ihm jedoch anfänglich nicht, jemanden davon zu überzeugen, seine Idee zu übernehmen.
Im November 1914 schlug Swinton dem Secretary des Committee of Imperial Defense, Sir Maurice Hankey, vor ein Fahrzeug mit Panzerung zu bauen, welches die gegnerischen Maschinengewehre bekämpfen könnte.
Zur gleichen Zeit führte Winston Churchill, Chef der britischen Marine, Gespräche mit Marineoffizieren, die Erfahrung im Betrieb von gepanzerten Radfahrzeugen in Belgien hatten. Er setzte ein Komitee ein, um gepanzerte Fahrzeuge zu entwickeln, die Schlachtfelder überqueren könnten, das Landship Committee.
Im Juli 1915 erhielt Swinton einen neuen einflussreicheren Dienstposten im War Office (Kriegsministerium) und erfuhr nunmehr von der Existenz von Churchill's Landship Committee, das vollständig von der britischen Admiralität gesteuert wurde. Swinton baute ein gutes Verhältnis zum Sekretär des Komitees, Albert Gerald Stern, auf.
Von Swinton beeinflusst, berief der britische Prime Minister für den 28. August 1915 eine abteilungsübergreifende Sitzung ein, bei der es darum ging, dass die britische Army künftig mit dem Landship Committee zusammenarbeitete.
Danach begann Swinton zusammen mit anderen ein entsprechendes Fahrzeug zu entwerfen. Gemeinsam mit einem anderen britischen Offizier wurde entschieden, die größtmögliche Geheimhaltung für das neue Projekt zu schaffen, indem das in Entwicklung befindliche Fahrzeug offiziell als "Tank", im Sinn eines Wasserspeicher, bezeichnet wurde.
Als die ersten Fahrzeuge gebaut wurden, wurde Swinton zum Lieutenant Colonel befördert und mit der Ausbildung der ersten britischen Soldaten der neuen Tank-Einheiten beauftragt. Die ersten britischen taktischen Dienstvorschriften für die gepanzerte Kriegsführung wurden von ihm verfasst.

Nach dem amerikanischen Kriegseintritt 1917 reiste er in die Vereinigten Staaten, um für die Kriegsanleihen zu werben. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wurde eine Kommission einberufen, welche Erfinder, die während des Krieges besondere und wichtige Ideen hatten, honorieren sollte. Diese entschied, dass als Erfinder des "Tank", der Leitende Direktor der William Foster & Co. Ltd und der Major Walter Gordon Wilson eine Belohnung erhalten sollte. Swinton wurde für seinen Beitrag eine kleinere Prämie in der Größe von £1,000 gewährt.
Im April 1918, während einer Reise in den USA besuchte Swinton das dortige Holt Werk und ehrte öffentlich den Inhaber Benjamin Holt. Hierzu gab es eine große publikums- und pressewirksame Veranstaltung.
Im Jahr 1919 verließ Swinton im Rang eines Major General in die britischen Streitkräfte. Er übernahm einen Posten im Civil Aviation Department des Air Ministry (Luftfahrtministerium).
Danach nahm er eine Direktorenstelle bei Citroën an.
Von 1925 bis 1939 war er Chichele Professor of Military History an der University of Oxford. Von 1934 bis 1938 war er Colonel Commandant des Royal Tank Corps.
Swinton war verheiratet und hatte drei Kinder.
Er starb am 15. Januar 1951 im Alter von 82 Jahren in Oxford.
Werke (Auswahl)
- The Defence of Duffer's Drift, pseudonym of "Lieutenant Backsight Forethought" BF.
- The Green Curve, 1909, pseudonym of "O'le Luk-Oie"
- Tab Dope, 1915, pseudonym of "O'le Luk-Oie"
- The Study of War, 1926
- Eyewitness, 1932
- An Eastern Odyssey, 1935
- Over My Shoulder, 1951
Preise und Auszeichnungen (Auswahl)
- Distinguished Service Order (DSO) – 29. November 1900 – in Anerkennung der Dienste während der Operationen in Südafrika
- Ritter der Ehrenlegion – 1916
- Companion of the Order of the Bath (CB) – 12. Februar 1917 – in Anerkennung der Dienste während des Ersten Weltkrieges
- Knight Commander of the Order of the British Empire (KBE) – 2. Juni 1923
Siehe auch
Literatur
- J. P. Harris: Men, Ideas, and Tanks: British Military Thought and Armoured Forces, 1903-1939. Manchester University Press, 1995, ISBN 0-7190-4814-1.
- Spencer Tucker, Laura Matysek Wood, Justin D. Murphy (Hrsg.): The European Powers in the First World War: An Encyclopedia. Taylor & Francis, 1999, ISBN 0-8153-3351-X.
Weblinks
- Literatur von und über Ernest Dunlop Swinton im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Sir Ernest Swinton auf firstworldwar.com