Vossloh Euro 4000

Dieselelektrische Lokomotive von Vossloh From Wikipedia, the free encyclopedia

Bei den EURO 4000 handelt es sich um dieselelektrische Lokomotiven, die Stadler Rail (bis 2015: Vossloh) im Werk Albuixech bei Valencia in Spanien produzierte.

Schnelle Fakten
Vossloh EURO 4000
Nummerierung: EURO 4000
Anzahl: ca. 148[1]
Hersteller: Vossloh
Stadler Rail Valencia
Baujahr(e): 2006–2017[2]
Achsfolge: Co’Co’
Länge über Puffer: 23 020 mm
Dienstmasse: 123 t
Höchstgeschwindigkeit: 120/160 km/h
Installierte Leistung: 3178 kW
Traktionsleistung: 2600 kW[3]
Anfahrzugkraft: 400 kN[4]
Motortyp: EMD 16-710 G3C-U2
Fahrmotoren: 6
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Geschichte

Die EURO 4000 wurde in enger Kooperation mit dem amerikanischen Unternehmen Electro-Motive Diesel Inc. zu einer Zeit entwickelt, als das spanische Werk noch zu Alstom gehörte. Als Vossloh dieses Werk im Jahr 2004 kaufte, war die Lokomotive praktisch fertig entwickelt. Ähnlichkeiten in Technik und teils Optik zu älteren Alstom-Produkten wie JT42BW, JT42CW oder JT42HW-HS sind unübersehbar.

Es wurden zwei unterschiedliche Versionen der EURO4000 für den Personen- und den Güterverkehr konzipiert. Die Personenzugvariante kann eine Höchstgeschwindigkeit von 160km/h erreichen. Die Lokomotive weist eine Dienstmasse von 123Tonnen und eine Achslast von 20,5Tonnen auf. Gebaut wurde bislang nur die Güterverkehrsversion.[5] In Spanien werden die Lokomotiven als Baureihe 335 geführt, in Schweden werden sie mit T68 bezeichnet, in Portugal, wo sie von Captrain Portugal eingesetzt werden, als Baureihe 6001.

Neben der Euro 4000 gibt es auch einen als Euro3000 bezeichneten Typ mit 2390kW und lediglich vier Achsen, der eine Höchstgeschwindigkeit von 200km/h erreicht. Die zwischen 2006 und 2008 gebauten 28 Lokomotiven dieses Typs, in Spanien als Baureihe 334 eingeordnet, entstanden unter Verwendung von Teilen der Renfe-Baureihen 333.0 und 319.3. Vossloh übernahm zu diesem Zweck von Renfe 28 alte Lokomotiven, von welchen die Zugbeeinflussungseinrichtungen, die Hauptgeneratoren und die Lichtmaschinen weiter verwendet wurden.[6] Die Euro3000 kommen im Personenverkehr auf der Strecke MadridMurcia zum Einsatz. Weitere 15 dieser Loks wurden ab 2012 an Israel Railways (ISR) geliefert.[5] Beide Typen wurden 2006 auf der InnoTrans vorgestellt.

Vossloh Euro4000 mit iberischer Spurweite im Einsatz bei TakargoRail

Die erste Euro4000 wurde 2006 gebaut und in Vossloh-Lackierung auf der InnoTrans ausgestellt. Danach erfolgten einige Tests auf verschiedenen deutschen Strecken, bevor die Lokomotive wieder zurück nach Spanien überführt und später an Angel Trains Cargo (ATC) geliefert wurde. Sie erhielt im Juli 2008 ihre Zulassung für das spanische Netz. Ebenfalls 2008 erfolgte die Zulassung für Schweden. Zulassungsfahrten für Deutschland, Belgien und Frankreich begannen 2009. Die Zulassung für Frankreich durch die Etablissement Public de Sécurité Ferroviaire (EPSF) erfolgte am 1.Februar 2010.[5]

Bis Ende 2011 wurden rund 50 Lokomotiven in acht Länder geliefert. Am 29. Januar 2015 gab Vossloh España Bestellungen aus Frankreich für zwölf Euro4000 bekannt. Laut Vossloh waren damit mehr als 130 Lokomotiven verkauft worden.[7]

2015 verkaufte Vossloh sein spanisches Lokomotivengeschäft inklusive des Werks in Valencia an Stadler Rail, seitdem wurde die Bauart als Stadler EURO4000 vertrieben.[8]

Rahmen und Drehgestelle der Euro4000 flossen in die Entwicklung der Stadler Eurodual ein. Mittlerweile wird die Nachfolgebaureihe Stadler Euro 4001 gefertigt.[9]

Technik

Die Lokomotive wird von einem V16-Zweitaktdieselmotor des Typs EMD 16-710 G3C-U2 angetrieben. Mit einer Tankkapazität von 7000 Litern haben die Lokomotiven eine Reichweite bis zu 2000 Kilometern. Der Einsatz in Mehrfachtraktion ist möglich.[4]

Einsatz

Das Leasingunternehmen Angel Trains International bestellte 18 dieser Loks mit Breitspur­drehgestellen für den spanischen Markt und 12 für den Einsatz in Deutschland, Belgien und Frankreich. Später wurde die Bestellung modifiziert und insgesamt 24 Breitspurlokomotiven geliefert.[5][10]

Die ersten Lokomotiven in D/B/F-Ausstattung gingen stattdessen an das Leasingunternehmen Beacon Rail, das damals der japanischen Mitsubishi Financial Group gehörte und seit 2017 zu JPMorgan Chase.[11] Dieses Unternehmen hatte bereits zuvor sechs Lokomotiven für den Einsatz in Norwegen bestellt.[5] Voies Ferrées Locales et Industrielles, ein Tochterunternehmen der SNCF, bestellte sechs Lokomotiven über Beacon Rail, die ersten Lokomotiven sind seit 2012 im Einsatz.[12]

Der erste private Anbieter in Portugal, Takargo Rail, bestellte 2008 bei Vossloh 14 Lokomotiven für den grenzüberschreitenden Verkehr PortugalSpanien.[10][13]

Neben Spanien und Portugal werden die Euro4000 im Güterverkehr in den Ländern Frankreich, Belgien, Deutschland, Schweden (RCT T68) und Norwegen (CD 312) eingesetzt. 2011 erfolgte die erste Bestellung und Lieferung nach Israel.

Norwegen CD 312

312 006 der CargoNet im Wintereinsatz in Norwegen

Die sechs Lokomotiven werden in Norwegen als Baureihe 312 (nach dem norwegischen Nummernschema intern als Di 12) mit den Betriebsnummern 0001–0006 bezeichnet.[14]

Zum Start von Beacon Rail Leasing wurden im Januar 2009 die ersten sechs Vossloh Euro 4000-Lokomotiven mit den Fabriknummern 2556 bis 2561 bestellt. Die Serie wurde sofort vermietet und bis Juni 2010 wurden alle sechs Einheiten nach Norwegen an CargoNet ausgeliefert.[15] Sie sind für Dienstleistungen in Schweden und Norwegen geeignet. Mit den Lokomotiven werden hauptsächlich Güterzüge auf der Nordlandsbane befördert. Sie ersetzten die zuvor eingesetzten Lokomotiven der Baureihe CD 66.

Alle Lokomotiven wurden mit Schraubenkupplung ausgeliefert. Inzwischen wurden die Lokomotiven 312 003 und 312 005 mit automatischer Mittelpufferkupplung ausgestattet.[14]

Am 7. Dezember 2019 stieß 312 005 mit einem Bagger in Storforshei, der bei Arbeiten an der Nordlandsbane in Rana eingesetzt war, zusammen. Der Fahrer des Baggers starb. Am 9. Juli 2020 war die Lokomotive bei Mantena in Hamar wieder aufgearbeitet.[14]

Schweden RCT 68

68 902 in Falköping

Die Baureihe 68 des schwedischen Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) Railcare T AB sind Güterzuglokomotiven, die von RCT gekauft wurden. Die beiden Fahrzeuge mit den Betriebsnummern 901–902 stammen aus der Serie Vossloh Euro 4000.

Die Fahrzeuge wurden 2006 mit den Fabriknummern 2503 und 2504 in Spanien gebaut und in Deutschland zunächst als Vorführlokomotiven verwendet. 2009 wurden sie von Railcare erworben.[16] Die Auslieferung erfolgte über Tågåkeriet i Bergslagen (Tågab), dem nordischen Generalvertreter von Vossloh.[17]

Für den Einsatz in Schweden erhielten sie eine Traktionskontrolle zur Verminderung des Radschlupfes, eine zusätzliche Führerhausisolierung, eine Notheizung und verstärkte Schienenräumer (Schneepflug). Zudem wurden sie mit HBC-Funksteuerung und ATC für Norwegen und Schweden ausgestattet.[18]

Da sich Railcare vorwiegend mit Instandhaltung wie Durchlassrenovierungen unter Bahnstrecken und Straßen sowie mit Spezialtransporten in Skandinavien, Streckenwartung und Fahrzeugvermietung beschäftigt, waren sie für diesen Verwendungszweck vorgesehen. Inzwischen betreibt Railcare auch regulären Güterzugverkehr, insbesondere in Nordschweden und Nordnorwegen. Zudem werden die Lokomotiven auch regelmäßig an die norwegische CargoNet vermietet, das sie zusammen mit eigenen, weitgehend baugleichen Lokomotiven der Baureihe CD 312 einsetzt.

Afro 4000

Zwanzig als AFRO 4000 bezeichnete Lokomotiven mit Kapspur­drehgestellen, angepassten Kupplungen und Saugluftbremse sollten ab 2015 an die Passenger Rail Agency of South Africa (PRASA) in Südafrika geliefert werden.[19] Sieben der 13 tatsächlich gelieferten Lokomotiven wurden 2019 im Rahmen einer Versteigerung zu einem Bruchteil des Neupreises an das Unternehmen Traxtion abgegeben.[20] Diese wurden umlackiert und bei sechs Lokomotiven die Bremsanlage umgerüstet. Sie werden von Calabash Freight geleast und sollen zwischen Sambia und Tansania im Güterverkehr eingesetzt werden.[21]

Commons: Euro 4000 – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Herstellerinformationen
  • Vossloh EURO series; main line diesel locomotives. Railcolor.net, archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar); (englisch, beschreibt Technik, Kunden, Auslieferung).

Literatur

  • Helmut Petrovitsch: Dieselgiganten auf sechs Achsen. In: eisenbahn magazin. Nr. 7/2013. Alba Publikation, Juli 2013, ISSN 0342-1902, S. 6–13.

Einzelnachweise

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