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Evangelische Kirche (Großdeinbach)

Kirchengebäude in Großdeinbach From Wikipedia, the free encyclopedia

Die Evangelische Kirche ist eine neoromanische Kirche im Schwäbisch Gmünder Stadtteil Großdeinbach im Ostalbkreis von Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Schwäbisch Gmünd und gehört seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ostalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Westansicht
Ostansicht

Geschichte

Die erst 1897 eingerichtete Kirchengemeinde Großdeinbach plante 1898, eine neue Kirche zu errichten. Nachdem die alte Kapelle vom Ende des 15. Jahrhunderts (siehe unten) baufällig und zu klein geworden war, erstellte Heinrich Dolmetsch Pläne für eine neue Kirche. 1899 kam es zur Grundsteinlegung, die Einweihung wurde am 6. September 1900 vollzogen.[1] Aufgrund von Platzmangel am Ort der alten Kapelle, wurde die Kirche am südlichen Ortsrand errichtet, wo sie auch von den südlichen Ortsteilen Hangendeinbach, Kleindeinbach und Wustenriet gesehen werden konnte. Der Bau wurde zweischiffig ausgeführt, wobei das zweite Schiff zwischen Kirchturm und Sakristei kürzer und mit einer ansteigenden Holzempore ausgeführt ist. Der kurze Chor hat einen geraden Chorschluss mit einem hohen Rundbogenfenster. Der Chorbogen ist mit einer breiten Schräge umrandet, die links den Hintergrund für die schräg auf die rechte Seitenempore ausgerichtete Kanzel bildet. Die trapezförmig aufgesprengte Holzdecke wird an den Fußpfetten mit schmiedeeisernen Schlaudern (Balkenankern) zusammengehalten. Der Innenraum war (und ist in Resten noch) neoromanisch sowie mitunter neogotisch gestaltet.

Zu Instandhaltungsarbeiten kam es 1962 bis 1964 sowie 1999. Bei der Innenrenovierung 1962 wurde ein neuer Altar eingebaut, jedoch die neugotische Wand- und Gebälkmalerei vollständig entfernt.

Ausstattung

Wandmalerei: Die Kirche war im Neubau von Eugen Wörnle aus Stuttgart mit Dekorationsmalerei und von Theodor Bauerle mit figürlicher und emblematisch-sinnbildlicher Malerei versehen. Die Medaillons auf der breiten Chorbogen-Schräge zeigten Symbole christlicher Tugenden (Glaube, Liebe, Hoffnung und Geduld), das Chorgewölbe enthielt das Christuslamm auf dem Buch des Lebens mit sieben Siegeln und die vier Evangelistensymbole. Das Bogenfeld (Tympanon) über dem Hauptportal trug außen, wetterbeständig auf Fliesen eingebrannt, die Darstellung eines Engels mit einem Spruchband („Ehre sei Gott“), seit 1962 durch eine Verglasung ersetzt.

Glasgemälde: Das Chorfenster mit dem Bildmotiv „Himmelfahrt Christi“ von 1900 wurde vom Stuttgarter Kunstmaler Theodor Bauerle entworfen und von Gustav van Treeck gefertigt.[2] Es ist identisch mit dem Chorfenster der evangelischen Kirche Häslach. Im unteren Bereich sind die elf Jünger Christi (ohne Judas Iskariot und noch vor der Nachwahl von Matthias) dargestellt, in der Mitte des Fensters Christus mit seinen Wundmalen auf einer Wolke, oben das himmlische Jerusalem.

Orgel: Die Orgel wurde 1900 von den Gebrüder Link aus Giengen an der Brenz geliefert und trägt die Opus-Nummer 329.

Geläut

Weitere Informationen Nr., Durchmesser ...
Nr. Durchmesser Gussjahr Ton Gießerei
11030 mm1955g'Heinrich Kurtz, Stuttgart
2880 mm1950c''Bachert, Kochendorf
3770 mmb'
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Das erste Geläut wurde 1901 von Bachert aus Kochendorf (Bad Friedrichshall) geliefert und umfasste drei Glocken. Diese mussten zum Ersten beziehungsweise Zweiten Weltkrieg als „Metallspende des deutschen Volkes“ abgeliefert werden.

Weitere Informationen Nr., Durchmesser ...
Nr. Durchmesser Gussjahr Ton Gießerei
11120 mm1901fBachert, Kochendorf
2940 mm1901asBachert, Kochendorf
3750 mm1901cBachert, Kochendorf
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Vorgängerbau St. Bernhard

Bernhardsglocke am Standort der abgebrochenen Kirche

Der Vorgängerbau St. Bernhard wurde 1496/1497 erbaut und am 5. Juli 1497 geweiht. Zunächst nur etwa 8 m lang wurde die Kapelle 1670 auf 11,7 m verlängert und erhöht. Es handelte sich um einen Saalbau mit Polygonchor. Am Ansatz des Chores war ein Dachreiter aufgesetzt. Dessen Geläut bestand beim Abbruch 1900 aus einer Glocke von 1412 aus Esslingen am Neckar sowie einer Glocke von 1884 von Heinrich Kurtz aus Stuttgart. Beide Glocken wurden nach Kochendorf überführt, wo sie für das neue Geläut eingeschmolzen wurden.

An die Stelle der Kapelle erinnert heute ein Mauerwinkel mit einer Denkmalglocke.

Weitere Informationen Nr., Name ...
Nr. Name Durchmesser Gussjahr Gießerei
1Bernhardsglocke1118 mm1919Bochumer Verein
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Literatur

  • Festschrift: 100 Jahre Evangelische Kirche Großdeinbach. Broschüre, erschienen als Nr. 42 des Gemeindebriefes der Evangelischen Kirchengemeinde Großdeinbach, 2/2000.
  • Ellen Pietrus: Die Kirchenneubauten von Heinrich Dolmetsch – Ein Architekt im Königreich Württemberg. In: Reutlinger Geschichtsblätter, Neue Folge Nr. 40, Jg. 2001, Stadtarchiv Reutlingen und Reutlinger Geschichtsverein (Hrsg.), 2001, S. 125–228.
  • Richard Strobel, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg: Die Kunstdenkmäler der Stadt Schwäbisch Gmünd. Band 4: Kirchen und Profanbauten außerhalb der Altstadt, Ortsteile. Deutscher Kunstverlag, München 2003; ISBN 3-422-06381-1, S. 326–330.
  • Richard Strobel: Landkirchen in den Ortsteilen von Schwäbisch Gmünd um 1900 – Kirchenbau und -erweiterungen zwischen Historismus und „Moderne“. Materialien aus einem Band Die Kunstdenkmäler in Baden-Württemberg. In: Denkmalpflege in Baden-Württemberg, Nachrichtenblatt der Landesdenkmalpflege. Nr. 2/2005, 34. Jahrgang, S. 73.

Einzelnachweise

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