Evangelische Stadtkirche Ellwangen
Kirchengebäude in Ellwangen
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Die barocke Stadtkirche Ellwangen ist eine das Stadtbild von Ellwangen prägende evangelische Kirche in der Innenstadt von Ellwangen im Ostalbkreis von Baden-Württemberg. Die Kirchengemeinde gehörte bis Ende 2025 zum Kirchenbezirk Aalen und gehört seit 1. Januar 2026 zum neuen Kirchenbezirk Ostalb der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.



Jesuitenkirche
Erbaut wurde die Kirche mit Nordausrichtung nach Plänen der beiden Schweizer Jesuiten Bruder Jakob Amrhein und Pater Joseph Guldimann im Stile des Barock. Den Platz hatte Fürstpropst Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg im Westen der alten Anlage des zum reichsunmittelbaren weltlichen Chorherrenstift umgewandelten Klosters[1] zur Verfügung gestellt. Vorbild für das Bauschema war zum einen der vereinfachte Plan von Il Gesù, der römischen Mutterkirche des 1534 durch Ignatius von Loyola gegründeten Jesuitenordens, zum anderen der von St. Michael in München am Jesuitenkolleg, dem geistlichen Zentrum der Gegenreformation in Süddeutschland. Der Grundstein des ursprünglich als Jesuitenkirche erbauten Gotteshauses, als Stützpunkt im gegenreformatorischen Kampf gegen die Ausbreitung des Protestasntismus gedacht, wurde 1724 durch Pater Bovet gelegt. Der volutenbesetzte Giebel zeigt die beiden Ordensheiligen Franz Xaver und Ignatius.
Der Kirchenraum mit leicht eingezogenem Chor und halbrunder Apsis ist – mit Vorjoch und drei Volljochen unter einer weitgespannten Deckentonne überwölbt – eine der wenigen Wandpfeilerkirchen in Württemberg (neben Blaubeuren, Gärtringen und Schwaigern). Diese seitlichen Wandscheiben übernehmen die Stützfunktion äußerer Strebepfeiler, bilden Räume für Seitenaltäre und tragen geschwungene Seitenemporen. Im Chorschluss stand vor der Nordwand der Haupt- und Hochaltar (das mittlere Fenster dort gibt es erst seit 1882), und der ihn umgebende, dem Klerus vorbehaltene Altarbereich war durch das in der Barockzeit weithin übliche Chorgitter[2] vom Kirchenraum der Laien getrennt, die aber der Eucharistiefeier mindestens optisch beiwohnen durften und sollten. Wie auch die schwungvollen Emporenbrüstungen war das große Gitter mit seinen drei zweiflügeligen Türen vom Jesuitenbruder Andreas Hechendörfer (1677–1731) kunstvoll angefertigt worden.
Die aufwändigen, heute noch erhaltenen Deckenfresken wurden von Christoph Thomas Scheffler, einem Schüler des Freskenmalers Cosmas Damian Asam, geschaffen. Sie täuschen in barocktypischer Illusionsmalerei im Chor und im mittleren Langhaus jeweils ein Kuppelgewölbe vor und zeigen den Lebenslauf Marias. Geweiht wurde das Gotteshaus „Zur Unbefleckten Empfängnis Mariä“ am 18. Mai 1729.[3]

Unter der Kirche befindet sich die Gruft, in der von 1729 bis 1771 die Mitglieder des Jesuitenordens in Ellwangen beigesetzt wurden. Die Gruft ist über eine Treppe im Kirchenraum erreichbar, jedoch nicht öffentlich zugänglich. Insgesamt waren 50 Lokuli (Grabnischen) vorhanden, in denen eine Bestattung möglich war. 22 der Lokuli sind belegt. Vier Lokuli wurden entfernt, um die Wendeltreppe einsetzen zu können. Der Zugang erfolgte ursprünglich über eine Treppe im Mittelgang der Kirche.[3.1]
Im Jahr 1773 wurde der Jesuitenorden aufgelöst, dadurch stand die Kirche zunächst für einige Jahre leer.
Evangelische Kirche
Durch die Säkularisation und den Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 wurde die Fürstpropstei Ellwangen in das Herzogtum (und spätere Königreich) Württemberg eingegliedert. Noch vor Jahresende 1802 verlegte der württembergische Herzog Friedrich II. Militär nach Ellwangen und hob das Jesuitenkolleg auf. Die fast ausschließlich evangelischen Soldaten und Beamten samt ihren Angehörigen bildeten zunächst die Garnisons- und Hofgemeinde, denn Ellwangen war von 1802 bis 1806 die Residenz von Neuwürttemberg. Am Neujahrstag 1803 fand in der ehemaligen Jesuitenkirche der erste evangelische Gottesdienst statt, 1806 wurde die seitdem in staatlichem Eigentum befindliche Kirche zur evangelischen Stadtpfarrkirche umgewidmet und 1817 das evangelische Stadtpfarramt eingerichtet. Infolgedessen wurde das Kircheninnere für den evangelischen Gottesdienst umgestaltet, wobei der barocke Hochaltar und die Seitenaltäre in den Wandpfeilernischen entfernt und das erhaltene schmiedeeiserne ehemalige Chorgitter in den hinteren Kirchenraum unter die beiden Südemporen versetzt wurde, da eine Abtrennung zwischen Priestern und Laien seit der Reformation nicht zu einem protestantischen Kirchenraum gehört.
In die Chorfenster wurden 1882 drei von Jakob Grünenwald entworfene und bei Christian Burckhardt in München gefertigte Glasgemälde eingebaut (Motive: Petrus, Christus, Paulus),[4] nachdem für das mittlere Glasgemälde erst eine Fensteröffnung aus der Wand gebrochen werden musste (dort hatte früher der Hochaltar gestanden);[5] alle Farbfenster wurden 1955 ausgebaut und durch eine der farbenfrohen Barock-Ausstattung der Kirche angemessene Klar-Verglasung ersetzt. Schon zu Ende des 19. Jahrfhunderts war die Kirche mit fünf Wasseralfinger Mantelöfen heizbar gemacht und Anfang des 20. Jahrhunderts eine Sakristei nordwestlich an den Chor angebaut worden. Die Renovierung und Modernisierung der Stadtkirche im Jahr 1974 leitete der Architekt Peter Haag aus Schorndorf (1913–1974), nach seinem Tod gefolgt von seinem Büropartner Erwin Laichinger.
Besonderheiten

Eine Besonderheit ist die Ökumenische Pforte, ein seit vielen Generationen verschlossener Durchgang zwischen beiden aneinandergebauten Kirchen, nämlich der Vorhalle (Altes Stift) der römisch-katholischen Basilika St. Vitus und der Evangelischen Stadtkirche. Sie wurde unter diesem neuen Namen am 31. Oktober 1999 eröffnet, als in Augsburg, der Stadt, die durch die Confessio Augustana von 1530 große Bedeutung für die Reformationsgeschichte erlangt hatte, die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von Repräsentanten des Lutherischen Weltbunds (LWB) und der Römisch-katholischen Kirche unterzeichnet wurde. Die Ökumenische Pforte ist ein Zeichen der Ökumene in der Stadt.
Orgel

Die Orgel der Stadtkirche wurde 1974 von Richard Rensch (Lauffen a. N.) in dem historischen Gehäuse der Vorgängerorgel errichtet, die 1879–1880 von der Orgelbaufirma Gebr. Link (Giengen/Brenz) in spätklassizistischem Gehäuse erbaut worden war. Von den 17 Registern der Link-Orgel sind heute noch die in der nachfolgenden Disposition gekennzeichneten Register vorhanden.
1998 wurde die Rensch-Orgel von der Orgelmanufaktur Lutz (Feuchtwangen) neu intoniert und mit einer elektronischen Setzeranlage ausgestattet. Ersatzlos weggefallen ist 1998 eine Voix céleste (ab c0) 8′ im Schwellwerk; die ursprünglich im Brustwerk vorhandene Terznone I-II (ab g0) 1 3⁄5′ + 8⁄9′ wurde zur Terz 1 3⁄5′ (Nr. 27) umgewandelt. Die Orgel verfügt aktuell über 2848 Pfeifen.
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- Koppeln: II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P
- Spielhilfen: 256-fache Setzeranlage, Registerschweller
- Mechanische Spieltraktur, elektropneumatische Registertraktur
- Anmerkungen:
- H = Historisches Register von 1880 aus der Vorgängerorgel der Gebr. Link
- L = 1998 von der Orgelmanufaktur Lutz hinzugefügtes/umgebautes Register
Geläut
Das Glockengeläut der Kirche bestand ursprünglich aus vier Glocken, die im Zweiten Weltkrieg zu Rüstungszwecken abgegeben werden mussten. 1977/78 wurden deshalb fünf neue Glocken in der Glockengießerei Bachert gegossen, von denen die kleineren vier im Westturm hängen.
| Glocke | Schlagton | Name | Masse | Inschrift |
|---|---|---|---|---|
| 1 | d′ | Dominika | 1660 kg | Das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit. |
| 2 | f′ | Betglocke | 921 kg | Dein Reich komme. |
| 3 | g′ | Kreuzglocke | 664 kg | Verleih uns Frieden gnädiglich. |
| 4 | a′ | Schiedglocke | 480 kg | Meine Zeit steht in deinen Händen. |
| 5 | c° | Taufglocke | 280 kg | Ich habe dich bei deinem Namen gerufen. Du bist mein. |
Literatur
- Euigen Mayer: Die Baugeschichte unserer evangelischen Stadtkirche in Ellwangen. Faltblatt, Hrsg. Ev. Kirchengemeinde Ellwangen, 1978.
- Evangelische Kirchenbauten im Dekanat Aalen. Hrsg. Ev. Kirchenbezirk Aalen. Einhorn-Verlag, Schwäbisch Gmünd 2016, ISBN 978-3-95747-042-3, S. 48 ff.