Fischerbüchlein

Handschrift von 1800 From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Fischerbüchlein ist der populärwissenschaftliche Name (wissenschaftlich: Muster- und Maßbuch des Schiffers Franz Haus) für ein Muster- und Maßbuch des Aschaffenburger Schiffers und Fischers Franz Haus (1781–1856), in dem er Techniken, tradiertes Wissen und Messwerte der Mainfischerei festhielt. Mit Denksprüchen, Gedichten und Liedern enthält es auch Einblicke in das private Leben des Franz Haus und damit einen literarischen Aspekt. Die reichhaltige Bebilderung ist ein wichtiges Kulturerbe aus der Zeit der Koalitionskriege. Es befindet sich als Archivalie im Bestand des Stadtarchivs Mainzer Zeit im Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg.

Seite 22 des Fischerbüchleins

Franz Haus stand in der Erbfolge einer Fischerdynastie und wurde eine vielseitige Aschaffenburger Persönlichkeit. Während das Fischerbüchlein mit dem Erscheinungsjahr 1800 in seine Jugendzeit fällt, hat er sein Leben lang Texte verfasst, neben Tagebuchaufzeichnungen auch Gedichte und Reime, die Chronik der Stadt Aschaffenburg oder der lustige Zeitvertreib aus dem Jahr 1855, verlegt von Caspar Hembt in Aschaffenburg. Er ist auch als Kirchen-Franz bekannt geblieben, weil er 1817 das Amt des Glöckners der Muttergottespfarrkirche übernahm. Verschiedene Passagen weisen unmissverständlich auf die tiefe Frömmigkeit hin, mit der der Autor dieses Werk geschrieben hat und die die Fischzunft prägte. Dazu zählte auch die Fürsorge untereinander innerhalb der Zunft, beispielsweise nach dem Tod eines Kollegen.

In einem Neuen Lied über die Fischerei werden die Tiere in der Art vermenschlicht, dass darin eine Kritik der Kriegs- und allgemeinen Gesellschaftszustände gesehen werden kann. Fischarten werden so zu Platzhaltern bestimmter sozialer Schichten wie etwa der Hecht für die Gebildeten, weil diese „aus der Sicht von Franz Haus in die Falle tappen, da sie aufgrund ihrer Bildung unfreiwillig nicht mehr das sehen, was eigentlich klar vor ihren Augen steht. Hier scheint Franz Haus’ konservative und aufklärungskritische Haltung durch, die sich auch an anderen Stellen im Fischerbüchlein deutlich zeigt“.

Im nachfolgend zitierten Gedicht wird der Beifang, also die Futter- und Köderfische, beschrieben. Es handelte sich dabei vorwiegend um den damals Strunsen genannten, etwa 9 cm langen Fisch, der heute unter dem Namen Schneider bekannt ist und damals auf den Barsch angesetzt wurde:

„Wir sein zur Speis der füsch gemacht.
darum misen wir uns geben.
der füscher hats uns vorgesacht.
es kost eich eier leben.“

Franz Haus: Februar-Blatt des Kalender 2025, Kooperation zwischen dem Geschichts- und Kunstverein Aschaffenburg mit dem Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg, Verlagsdruckerei Schmidt, Neustadt an der Aisch.
Ansicht auf die Stadt von Norden, 1847

Die in dem Büchlein verwendete Rechtschreibung entspricht der regionalen Sprechweise. Ein und das gleiche Wort kommt auf verschiedenen Seiten in unterschiedlicher Schreibweise vor. Die Gegend um Aschaffenburg gehört sprachwissenschaftlich zum Untermainländischen und Südhessischen, also zur Gruppe der rheinfränkischen Dialekte. Auf der anderen Seite zeigt das Werk in der Verwendung von Versmaß, Metaphern und literarischen Techniken aber auf, wie weitläufig und erstaunlich redegewandt Franz Haus die deutsche Sprache beherrscht. Hinzu kommen sein Sinn für räumliche Proportionen, zeichnerisches Geschick und kreative Impulse, die die Motivation und den persönlichen Bildungsanspruch bei der Fertigung des Fischerbüchleins prägen.

Die Provenienz dieses Werks liegt weitestgehend im Dunkeln. Nach dem Tod von Franz Haus wurde das Buch im hinteren Teil noch ein wenig weitergeführt und es verblieb in der Familie. So konnte es nicht die Personen erreicht haben, die sich der Autor als Rezeptoren vorgestellt haben wird. 2023 fand es schließlich den Weg zum Geschichtsverein und wurde 2024 unter dem Titel Muster- und Maßbuch des Schiffers Franz Haus digitalisiert und analysiert. Erst mit der Veröffentlichung des Jahreskalenders 2025 konnte der Inhalt die Leserschaft erreichen, die Haus womöglich für würdig befunden hätte.

Inhalt

Neben den oben beschriebenen Inhalten ist es dem Autor Haus offensichtlich wichtig, die Fischerei im Main umfassend darzustellen. Dazu gehören ferner:

  • Wetteraufzeichnungen bis hin zu Beobachtungen des Eisgangs auf dem Main sowie Niederschlagsmengen und Schneehöhen
  • Zunft-Regeln „Artigelum Profesionarum“ mit praktischen Anweisungen rund um das Fischerhandwerk, Tradierung der Fischerzunft
  • Fischereirechte auf dem Main, Besitzungen der Fischerzunft
  • Bauanleitungen von Fischereiwerkzeugen mit detaillierter Beschreibung von Längen, Maschenzahl usw.
  • Beschreibung der wichtigsten Familien, die mit dem Fischfang verbunden waren, namentlich die Familien Kittel, Grimm, Orschler und Glaab. Haus blieb ledig, sein jüngerer Bruder Christoph heiratete und wurde Zunftmeister.
  • Erwähnung des Landsturms, der am 29. Oktober 1799 aus Aschaffenburg in Richtung Stockstadt am Main auszog. Franz Haus war nicht dabei: „Was auch immer genau sein Grund dafür gewesen war – ein schlechtes Gewissen, eine kritische Haltung gegenüber der Obrigkeit, ein körperliches Gebrechen – es übersetzte sich in den Drang, in seinem Fischerbüchlein auch diese Umstände zu erwähnen.“

Literatur

Commons: Fischerbüchlein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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