Fonuafoʻou

tongaische Insel der Haʻapai-Gruppe From Wikipedia, the free encyclopedia

Fonuafoʻou auf einem Foto von 1928
Fonuafoʻou (Tonga)
Fonuafoʻou (Tonga)
Lage von Fonuafoʻou

Fonuafoʻou oder Fonuafoou, anderer Name Falcon Island, auch bekannt als „Die verschwundene Insel“, ist eine kurzlebige, unbeständige Vulkaninsel in der Haʻapai-Inselgruppe im Südpazifik, die zum Königreich Tonga gehört. Sie liegt 63 km westlich der Insel Nomuka und 94 km nördlich von Tongatapu, der Hauptinsel Tongas. Der Name Fonuafoʻou bedeutet „Neues Land“ in der Tongaischen Sprache.[1.1] Der in Europa gebräuchliche Name „Falcon Island“ geht auf das britische Kriegsschiff H.M.S Falcon der Australia Station zurück, dessen Besatzung 1865 an dieser Stelle eine Untiefe vermaß.[2] Im englischsprachigen Raum wird Fonuafoʻou auch als „Jack-in-the-Box Island“ bezeichnet, weil die Insel scheinbar wie ein Springteufel plötzlich auftaucht und wieder verschwindet.[3.1]

Geologie

Fonuafoʻou ist der Gipfel eines submarinen Vulkans, der zeitweise über die Meeresoberfläche anwächst und dessen Spitze danach wieder vollständig erodiert, sodass kein Land mehr über dem Meeresspiegel sichtbar ist.[4] Der Geochemiker Edward Hoffmeister (1899–1991) von der Johns Hopkins University in Baltimore, der Falcon Island im Mai 1928 besuchte, hat festgestellt, dass die Insel hauptsächlich aus basaltischen Gesteinen besteht, die in der Regel sehr fein gekörnt und von Eisenoxiden eingefärbt sind.[5.1] Der Vulkan Fonuafoʻou sendet bei seinen Ausbrüchen keine Lavaströme aus, sondern eruptiert nur lockeres Material. Daher kann die daraus aufgehäufte Landfläche nach kurzer Zeit von Wind und Wellen abgetragen werden, sodass die Insel innerhalb weniger Jahre wieder unter dem Meeresspiegel versinkt.

Frühe und zweifelhafte Sichtungen

Francisco Mourelle

In einigen Veröffentlichungen wird behauptet, der spanische Kapitän Francisco Antonio Mourelle de la Rúa habe 1781 Fonuafoʻou gesehen.[6] Mourelle durchquerte den Pazifischen Ozean von 1780 bis 1781 mit der Fregatte Nuestra Señora del Rosario la Marinera, kurz auch La Princesa genannt, von den Philippinen nach San Blas in Mexiko. Navigator des Schiffes war Don José Antonio Vázquez. Die Reise wird in zwei Logbüchern beschrieben, eines von Mourelle und das andere von Vázquez.

Die La Princesa verließ die Manilabucht am 24. August 1780 mit südöstlichem Kurs, passierte im Januar 1781 den Bismarck-Archipel („Archipiélago de las Mil Islas“) und erreichte Ende Februar 1781 den Tonga-Archipel mit der Insel Fonualai („Isla de la Amargura“). Auf Vavaʻu („Grupo de las Vavao“) wurden die Seefahrer im März 1781 freundlich empfangen. Mourelle nannte den Ankerplatz daher „Puerto del Refugio“ (Hafen der Zuflucht). Um die Haapai-Inseln zu durchfahren, waren die Spanier auf die Hilfe der Insulaner angewiesen, die das Schiff begleiteten und die La Princesa am 22. März 1781 mit mehreren Kanus sicher durch eine Durchquerung („una canal“) zwischen zwei kleinen Inseln geleiteten, die Mourelle „Las Culebras“ (Die Schlangen) taufte. Vázquez hat das Profil der Inseln in seinem Tagebuch gezeichnet. Am 24. März passierten sie Ata („Sola“) und am 27. März sichteten sie eine weitere Insel, die Mourelle zu Ehren des Navigators „Vázquez“ nannte. Diese Insel, die zwischen Haapai und dem dem südlichen Tongatapu liegen soll, ist nicht näher beschrieben und ist bislang nicht identifiziert.[7][8][9] Fonuafoʻou ist es nicht, denn die Insel liegt nordwestlich von Haapai und nicht südlich davon. Man darf annehmen, dass ein erfahrener Seemann wie Mourelle die Himmelrichtungen richtig bezeichnen konnte. „Las Culebras“ sind zweifelsfrei Hunga Tonga und Hunga Haʻapai, die bis zu dem Vulkanausbruch Ende Dezember 2014 noch zwei getrennte Inseln waren. Fonuafoʻou lag westlich von Mourelles Kurs, man kann davon ausgehen, dass er die Insel nicht gesehen hat. Die La Princesa erreichte San Blas am 21. September 1781.

La Pérouse

Der französische Seefahrer Jean-François de La Pérouse umsegelte die Erde von 1772 bis 1776 mit den Fregatten La Boussole und L'Astrolabe. Ende Dezember 1787 erreichten die Schiffe auch den Tonga-Archipel. Sie durchquerten die Inselgruppe von Nord nach Süd auf folgender Route:

  • Vavaʻu (Vavao), 27. Dezember 1787
  • Late
  • Kao
  • unbekannte Insel (Fonuafoou?)
  • Tofua (Tofooa)
  • Hunga Tonga und Hunga Haapai, 31. Dezember 1787
  • Tongatapu, 31. Dezember 1787
  • ʻAta (Pylstaart), 1. Januar 1788.

Auf der Strecke von Kao nach Tofua sah La Perouse ein verbranntes Land, das schwarz und völlig ohne Vegetation war. Die Beschreibung könnte durchaus auf Fonuafoʻou zutreffen. La Pérouses Reisebericht Voyage de La Pérouse autour du monde (Reise um die Welt) enthält dazu folgende Zeilen:

„Continuant ainsi notre route vers les deux petites îles de Hoonga-tonga et de Hoonga-hapaee, nous mimes l'ile Kao par le milieu de l'île Toofoa [. . . ]. Nous observâmes aussi sur la pointe du Nord-Est de l'ile Toofoa, du côté du canal qui la sépare de Kao, un pays absolument brûlé, noir comme du charbon, dénué d'arbres et de toute verdure, et qui vraisemblablement aura été ravagé par des débordemens de lave. Nous eûmes connaissance, l'après - midi, des deux îles de Hoonga-tonga et de Hoonga-hapaee: elles sont comprises dans une carte des îles des Amis, insérée dans le troisième Voyage de Cook.

Wir setzten unsere Reise zu den beiden kleinen Inseln Hoonga-tonga und Hoonga-hapaee fort und umgingen die Insel Kao in der Umgebung der Insel Toofoa [. . . ]. Außerdem bemerkten wir an der Nordostspitze der Insel Toofoa, auf der Seite des Kanals, der sie von Kao trennt, ein völlig versengtes Land, so schwarz wie Kohle, ohne Bäume und jegliche Art von Grün, das wahrscheinlich von Lavaströmen verwüstet worden war. Am Nachmittag bemerkten wir die beiden Inseln Hoonga-tonga und Hoonga-hapaee; sie sind auf einer Karte der Freundschaftsinseln verzeichnet, die Cooks dritter Reise beigefügt war.“

Jean-François de La Pérouse: Voyage de La Pérouse autour du monde pendant des années 1785, 1786, 1787 et 1788 (Band 3). L´Imprimerie de la République, Paris 1797, S. 250–251

La Perouse verwendet die Bezeichnung „pays“ = Land, Staat und nicht „l'ile“ = Insel. Außerdem liegt dieses Land dem Bericht nach nordöstlich auf der Insel Tofua, Fonuafoʻou liegt südlich davon. Man darf davon ausgehen, dass La Perouse Fonuafoʻou nicht gesehen hat.

Bestätigte Ausbrüche

Am 11. Oktober 1885, einem Sonntag, war auf Tongatapu ein Erdbeben zu spüren. Am darauf folgenden Dienstag erhob sich in nord-nord-östlicher Richtung eine deutlich sichtbare, gewaltige Rauch- und Dampfwolke über dem Meer mit Lichtblitzen und Donner. Weil die Einwohner beunruhigt waren, entsandte König George Tupou I. die Bark Sandfly mit Premierminister Shirley Waldemar Baker und weiteren prominenten Bürgern Tongas, um die Geschehnisse aufzuklären. Baker schilderte den Vulkanausbruch später sehr anschaulich in einem Vortrag vor dem Auckland Institute and Museum:

Als sich die Sandfly der Stelle näherte, bot sich ein überwältigender Anblick. Große Mengen Dampf, Rauch und Schwefelgase schossen in Fontänen in einem Bereich von über drei Kilometern aus dem Meer. Sie reichten bis zu einer Höhe von 300 Metern und mehr. Dunkle Wolken aus Staub und Asche breiteten sich in alle Richtungen aus. Diese Masse aus Gas, Dampf und vulkanischer Substanz wurde ständig von neuen Explosionen gespeist, die aus drei großen und mehreren kleineren Fontänen hervorbrachen. Es hatte sich eine Insel von ungefähr 5 mal 6 Kilometern gebildet, die an ihrer höchsten Stelle eine Höhe von etwa 12 m erreichte, mit einem Krater an der Nordseite. Die Eruptionen erfolgten sehr schnell, etwa im Minutentakt, allerdings war keine feurige Lava zu sehen.[10]

Als der Schoner Maile, Kapitän Lane, sich dem neuen Vulkan am 16. Oktober 1885 bis auf 11 km annäherte, fiel die Schlackenasche des Vulkans als feiner, körniger Staub auf das Deck. Die Insel hatte bereits eine Höhe von 30 m erreicht. Die Aktivität war zu diesem Zeitpunkt fast erloschen, doch die Rauchsäule war in Nukualofa, in über 90 km Entfernung, immer noch sichtbar.[11]

1877 registrierte die in Australien stationierte Sloop H.M.S Sappho eine große, aus dem Ozean aufsteigende Rauchwolke. Bei einer Eruption 1885 stieg ein Vulkankegel bis auf 88 m über den Meeresspiegel und bildete eine etwa 3 km durchmessende Insel. Im April 1894 war Falcon Island praktisch verschwunden, doch erneute vulkanische Aktivität im Dezember desselben Jahres ließ die Insel wieder auftauchen. Sie war damals 15 Meter hoch, 5 Kilometer lang und 1,6 Kilometer breit. Sie war 1898 wieder unter dem Meeresspiegel verschwunden.[12]

1892 fuhr Siosateki Tonga (1853–1913), der 4. Premierminister von Tonga, nach Falcon Island. Nachdem die tonganische Flagge an einem schnell errichteten Mast gehisst worden war, pflanzten Gefangene unter Aufsicht von Polizeibeamten etwa 2000 keimende Kokosnüsse auf der Insel ein. Sie gediehen, bis 1894 Kapitän William Ross vom Schoner Ysabel in Nukualofa eintraf und die Nachricht überbrachte, dass die Insel erneut versunken war.

Im Oktober 1927 konnte man von Nukualofa aus deutlich Rauch- und Dampfwolken sehen, die tausend Meter in die Atmosphäre aufstiegen. Die Insel erhob sich erneut bis auf eine Höhe von 30 m. Im Mai 1928 wurde Fonuafoʻou von einer Gruppe Wissenschaftler mit dem Premierminister von Tonga und dem Prinzen Tungi besucht, der die Insel ein weiteres Mal für das Königreich Tonga annektierte.[3.1] Am 17. März 1928 passierte Kapitän Gunderson mit dem unter panamaischen Flagge fahrenden Motorschiff Beulah die Insel und berichtete Folgendes:

„I saw the island about 2 miles long, one mile wide, and 600 ft high, by angle bearing, my vessel being three miles off. At the time, the island was in heavy eruption, but as the wind was from the east, the hill was building up west of the volcano. The volcano had encircled itself with a. high bank on the eastern side so that no steam or water was coming up. We passed around the island and saw it was bordered by a cliff about 60 to 80 ft high. There was some coarse material, but the bulk seemed to be of the nature of dust. There did not seem to be any shoal water from the island as the sea broke close-to.

Ich sah die Insel etwa 3 Kilometer lang, 1,6 Kilometer breit und 183 Meter hoch, gemessen mit Winkelpeilung; mein Schiff befand sich 4,8 Kilometer entfernt. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Insel in einem heftigen Ausbruch, doch da der Wind aus Osten kam, wuchs der Hügel westlich des Vulkans. Der Vulkan hatte sich auf der Ostseite mit einem hohen Wall umgeben, sodass weder Dampf noch Wasser aufstieg. Wir umfuhren die Insel und sahen, dass sie von einer etwa 18 bis 24 Meter hohen Klippe begrenzt war. Es gab etwas grobes Material, aber der Großteil schien staubig zu sein. Vor der Insel schien es kein seichtes Wasser zu geben, da sich das Meer nahe an ihr brach.“

Kapitän Gunderson: Zitiert nach: J. D. Whitcombe: Tongan Jack-in-the-Box. In: Pacific Islands Monthly, Bd. 24, Nr. 1, S. 72

Danach wuchs Fonuafoʻou ständig an und war 1933 bereits 127 m hoch. 1936 ereigneten sich die bislang letzten sichtbaren Ausbrüche. Nun setzte abermals die Erosion ein, und die Insel verschwand 1949 wieder unter dem Meeresspiegel. Heute befindet sich an dieser Stelle eine Untiefe von 17 m.[13]

Forschungsexpeditionen

1889

Karte von 1889

1889 gab es eine britische Forschungsexpedition mit H.M.S Egeria zu dem vier Jahre zuvor neu entstandenen Eiland. Wie der Expeditionsbericht beschreibt, bestand die Insel aus einer lockeren, feinkörnigen, dunkelgrauen Vulkanasche, die in Schichten aufgehäuft war, durchsetzt mit vulkanischen Bomben. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich zwei Krater gebildet. Es waren keine akuten Eruptionen zu beobachten, aber Schwefeldämpfe lagen in der Luft und die Inseloberfläche war noch nicht vollständig abgekühlt. In 1,8 m Tiefe wurde eine Bodentemperatur von 40 °C gemessen. An einigen Stellen hatten sich bereits einzelne Samenpflanzen festgesetzt. An einem flachen Abschnitt des Küstensaumes wuchsen sogar zwei junge Kokospalmen. Die Expeditionsmitglieder konnten außer einem einzigen Vogel der Gattung Actitis keine Tiere beobachten.[14]

1921

Im November 1921 erkundete die Sloop H.M.S. Veronica der New Zealand Division der Royal Navy die Region um die Falconinsel und fand dort eine einzelne, niedrige Erhebung im Durchmesser von ungefähr 14 Metern. Im Südosten des Hügels war der Seeboden im Umkreis von 900 Metern nur 12 Meter tief.[15]

1927

Karte von 1928

Nach einer Serie von leichten Erdbeben konnten die Einwohner von Nukualofa am 4. Oktober 1927 eine ständig sich ausbreitende Rauchwolke sehen. Die britischen Behörden entsandten die Sloop H.M.S Laburnum von der New Zealand Division der Royal Navy zur Beobachtung, die drei Tage später eintraf und aus der Entfernung heftige Eruptionen, in hohem Bogen ausgeworfene Asche und starken Rauch feststellte. Die Asche hatte bereits einen Hügel von rund 30 Metern Höhe angehäuft.[3.1]

Im Mai 1928 betraten Geologen die neu entstandene Insel. Zu diesem Zeitpunkt hatte Falcon Island ungefähr die Form eines an den Ecken abgerundeten Quadrates mit einem Durchmesser von rund drei Kilometern. Die Insel hatte eine Höhe von 55 Metern, angehäuft aus vulkanischer Asche und Schlacke, Tuff, Bims und vulkanischen Bomben von bis zu einem Meter Größe. Im Bereich der Südostküste hatte sich ein Krater gebildet, mit zwei miteinander verbundenen Kraterseen in Form einer Acht. Aus zahlreichen Fumarolen trat schwefelhaltiger Dampf aus. Das heiße, milchiggrüne Wasser der Seen war merklich sauer und schwefelhaltig. Offenkundig waren die Seen unterirdisch mit dem Meer verbunden, denn der Wasserspiegel hob und senkte sich mit den Gezeiten.[5.2]

Mythologie

Untermeerische Vulkanausbrüche im Pazifik sind spektakuläre, doch keineswegs seltene Ereignisse. Es verwundert nicht, dass sie auch in die Mythologie Tongas Eingang gefunden haben. Die Gas- und Staubwolke der Eruption wird nach einer Legende mit einem gigantischen Fisch verglichen, der hoch aus dem Wasser springt. Das plötzliche Auftauchen der Insel wird dem Meeresgott Tangaloa oder Tangaroa zugeschrieben, der sie mit einer Angel vom Ozeanboden fischt.[1.2] Bemerkenswert ist, dass es solche Mythen auch auf Inselgruppen gibt, in deren Nähe keine Ausbrüche beobachtet wurden, zum Beispiel Tokelau oder Penrhyn, ein weiterer Beweis für die weitreichenden Kontakte der Polynesier.[16]

Einzelnachweise

Einzelnachweise

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