Kameratasche

Tasche zur Aufbewahrung von Kameras oder Kamerateilen From Wikipedia, the free encyclopedia

Als Kameratasche (bzw. Fotokoffer) bezeichnet man ein Transportmittel, das der Aufbewahrung und dem Schutz von Kameraausrüstung – einschließlich Wechselobjektiven, Zubehör und Verbrauchsmaterial – vor mechanischen Einwirkungen, Feuchtigkeit, Staub und Witterungseinflüssen dient. Die Ausführungen reichen von gepolsterten Weich- und Schultertaschen aus Textil, Nylon oder Leder über spezialisierte Holster- und Rucksackmodelle bis hin zu spritzgegossenen Hartschalenkoffern mit anpassbarer Schaumstoffinnenauskleidung, wie sie im professionellen Bereich und beim Lufttransport eingesetzt werden.

Kameratasche und -equipment

Funktion

Als „Kameratasche“ wird ein Behältnis bezeichnet, das dem Transport, der Aufbewahrung sowie dem Schutz einer Kamera und des zugehörigen Zubehörs – etwa Wechselobjektive, Ersatzakkus, Speicherkarten, Filter, Fernauslöser und Reinigungsutensilien – dient.[1][2] Die Tasche soll die Ausrüstung gegen mechanische Einwirkungen wie Stöße und Schläge, gegen Feuchtigkeit, Staub sowie gegen Temperatur- und Witterungseinflüsse abschirmen und zugleich einen geordneten, schnellen Zugriff auf die einzelnen Komponenten ermöglichen.[3] Üblich ist zu diesem Zweck eine Innenpolsterung in Verbindung mit verstellbaren Zwischenwänden oder Fächern,[4] die eine individuelle Aufteilung des Innenraums gestatten.[1]

Historische Entwicklung

In der Frühzeit der Fotografie wurden Kameras zumeist in maßgefertigten, festen Lederetuis mitgeführt, die vom jeweiligen Kamerahersteller oder von spezialisierten Sattlereien als Zulieferbetrieben angefertigt wurden. Hersteller wie Leitz boten bereits in den frühen 1930er Jahren individuell gestaltete, handgefertigte Lederköfferchen an, in denen Objektive und Zubehör jeweils einen festen Platz erhielten.[5] Eine weit verbreitete Form war dabei die sogenannte Bereitschaftstasche, eine an das jeweilige Kameramodell angepasste Schutzhülle, die je nach Preisklasse aus Kunststoff, Kunstleder oder Leder gefertigt wurde und deren Kanten bei höherwertigen Ausführungen zusätzlich mit Metallstreifen verstärkt waren.[6] Bekannte deutsche Hersteller solcher Leder-Universaltaschen waren unter anderem Döppert Kitzingen (Frankonia), die Rox-Lederwarenfabrik München, Hansen & Braun in Solingen sowie die Ledermanufaktur Kritzler in Rebbelroth bei Köln, die ihre Erzeugnisse bereits vor dem Zweiten Weltkrieg unter dem Warenzeichen „Lk“ vertrieb. Unter der in den frühen 1950er Jahren international geschützten Marke „OMNICA“ wurden beispielsweise vier Ausführungen angeboten, die für unterschiedliche Kameratypen – von Kleinbild- und Rollfilmkameras über Systemkameras wie Leica, Contax, Prominent oder Rolleiflex bis hin zu Kinokameras – bestimmt waren und deren Preise seinerzeit zwischen 79 und 198 DM lagen.[5]

Die moderne, weich gepolsterte Kameratasche mit variabler Innenaufteilung entwickelte sich in den 1970er Jahren aus adaptierten Anglertaschen. Kriegs- und Dokumentarfotografen griffen in dieser Zeit bevorzugt auf Anglertaschen der englischen Hersteller Brady und später Billingham zurück. Martin Billingham, der zuvor als Zuschneider für Brady in Walsall tätig gewesen war, erkannte die Zweckentfremdung der Angler- als Kamerataschen unter Berufsfotografen und ergänzte seine wasserdichten Stofftaschen um eine innere Polsterung, woraus die bis heute existierende Kamerataschenmarke Billingham hervorging.[7] Im Jahr 1975 entwickelte der Fotojournalist Jim Domke, damals Redakteur am Philadelphia Inquirer, einen eigenen Stofftaschenentwurf mit weich gepolsterten Seitenwänden und austauschbaren Inneneinsätzen, nachdem eine Umstellung des Zeitungsfuhrparks auf ein Carpool-System das dauerhafte Mitführen der Ausrüstung erforderlich gemacht hatte. Eine Zelt- und Planenmanufaktur fertigte zunächst eine Serie von zwanzig Exemplaren, die nach einer Zeitungskolumne des Blattes auf große Resonanz stieß. Nach Rückmeldungen von Fotografen auf der Republican National Convention 1976 wurde die Konstruktion dahingehend geändert, dass die Objektive vertikal – in Anlehnung an ein Sixpack – von oben zugänglich angeordnet wurden.[1] Das Modell erhielt die Bezeichnung Domke F-3. Domke veräußerte sein Unternehmen 1990 an Tiffen, welches die Baureihe weiterführt.[8]

Arten

Taschen und Rucksäcke

Für Kompaktkameras werden Weichtaschen bzw. Softcases angeboten, die in ihren Außenmaßen kaum über die Kamera hinausreichen[9] und typischerweise aus textilen Materialien oder Neopren bestehen.[10] Daneben existieren Hardcases aus Kunststoff mit formstabilen Schalen.[11]

Schulter- und Umhängetaschen bilden eine verbreitete Grundform für Systemkameras[12] und werden bevorzugt aus Nylon, Canvas oder Leder gefertigt.[13] Nylon gilt als strapazierfähig, leicht und wasserabweisend und findet deshalb häufig bei Schulter- und Rucksackmodellen Verwendung,[14] während Lederausführungen als schwerer und meist hochpreisiger beschrieben werden.[12] Neopren kommt wegen seiner Flexibilität und Wasserdichtigkeit insbesondere bei Einsätzen in feuchter Umgebung zum Einsatz.[15]

Colt- beziehungsweise Holstertaschen umschließen eine einsatzbereite Spiegelreflex- oder Bridgekamera mitsamt angesetztem Objektiv und sind dabei in ihren Abmessungen eng auf diese Kombination zugeschnitten.[16] Sie werden im Handel in unterschiedlichen Größenklassen vertrieben[17] und sind für den Transport einer einsatzbereiten Kamera ausgelegt.[16]

Fotorucksäcke dienen der Mitführung umfangreicherer Ausrüstungen, insbesondere von Spiegelreflex- oder spiegellosen Systemkameras mit mehreren Objektiven,[18] und werden in unterschiedlichen Volumina angeboten.[19] Sie verfügen häufig über zusätzliche Fächer für Laptops oder Tablets sowie über gepolsterte Innenteiler.[20]

Fotokoffer

Fotokoffer werden vornehmlich im professionellen Bereich sowie beim Versand und Lufttransport empfindlicher Ausrüstung eingesetzt. Sie weisen formstabile Außenwände auf und sind innen mit anpassbarem Schaumstoff ausgekleidet, der individuell an die Konturen von Kameragehäusen, Objektiven und Zubehörteilen angepasst werden kann. Die Schaumeinlagen können entweder als werkseitig vorgestanzter „Pick & Pluck“-Würfelschaum oder als maßgefertigte, millimetergenau konfektionierte Einlage ausgeführt sein, wobei letztere über Online-Konfiguratoren nach individuellen Abmessungen bestellt werden kann.[21] Ein verbreiteter Vertreter dieser Kategorie ist der spritzgegossene Schutzkoffer des Herstellers Peli (Pelican), dessen Gehäuse nach Herstellerangaben nach militärischen Qualitätsstandards gefertigt werden.[22] Die Abdichtung erfolgt bei diesen Modellen über eine Nut-und-Feder-Passung in Verbindung mit einem Polymer-O-Ring, wodurch bei unbeschädigtem Dichtring und sachgemäßem Verschluss die Schutzart IP 67 erreicht wird, also Wasserdichtigkeit in einer Tiefe von bis zu einem Meter über einen Zeitraum von 30 Minuten.[23] Ein automatisches Druckausgleichsventil lässt angestaute Luft entweichen und verhindert zugleich das Eindringen von Wassermolekülen, wodurch sich der Koffer nach Änderungen des Umgebungsdrucks – etwa nach Flugreisen – leichter öffnen lässt.[24] Neben Peli werden im Handel auch Systeme anderer Hersteller wie Zarges oder die Systainer-Baureihe (T-Loc, Systainer3) als Transport- und Aufbewahrungslösungen für Fotoausrüstung angeboten.[25]

Materialien und Konstruktionsmerkmale

Für die Außenhaut von Kamerataschen werden unter anderem Baumwoll-Canvas, Nylon, Leder sowie Neopren verwendet.[26] Historisch dominierten einfache Stoffe und Echtleder, während mit zunehmender Komplexität der Ausrüstung sowie der Einführung moderner synthetischer Werkstoffe eine größere Vielfalt an Konstruktionen und Funktionen Einzug hielt.[1] Wasserabweisende Ausrüstungen der Oberstoffe sowie separat mitgelieferte Regenüberzüge zählen zu den verbreiteten Schutzmaßnahmen.[27] Im Inneren kommen gepolsterte, meist mit Klettband befestigte und damit verschiebbare Trennwände zum Einsatz, die eine an die jeweilige Ausrüstung angepasste Fächerung erlauben.[4] Zusätzliche Ausstattungsmerkmale umfassen gepolsterte Laptop- oder Tabletfächer, Außentaschen für Kleinteile sowie Befestigungssysteme für Stative.[28]

Bei Fotokoffern werden die Außenschalen aus schlagfesten Thermoplasten im Spritzgussverfahren hergestellt und mit Verriegelungen, verstärkten Ecken sowie Trage- und gegebenenfalls Rollgriffen für größere Bauformen versehen.[29] Die Innenauskleidung besteht in der Regel aus mehrlagigen Schaumstoffblöcken, die aus Deckelschaum, einem gerasterten oder maßgefertigten Mittelteil sowie Bodenschaum aufgebaut sind.[30]

Beispiele

Commons: Camera bags – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI