Fräulein Heck
Gemälde von Lovis Corinth
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Fräulein Heck (BC 140)[1] ist ein Porträt des deutschen Malers Lovis Corinth, das er 1897 von Berta Heck, der Schwester von Luise Halbe, anfertigte. Das Gemälde befand sich im Besitz der Familie und wurde seitdem über verschiedene Privatsammlungen weitergegeben. Das in Öl auf Leinwand ausgeführte querformatige Bild misst 84 × 57 Zentimeter. Corinth malte die junge Frau in einem Boot sitzend mit einem roten Schirm.
| Fräulein Heck |
|---|
| Lovis Corinth, 1897 |
| Öl auf Leinwand |
| 57 × 84 cm |
| Privatbesitz |
Bildbeschreibung
Das Gemälde zeigt eine junge Frau, die in einem kleinen Ruderboot sitzt und dem Maler und Betrachter ihr Gesicht zuwendet. Sie befindet sich im Vordergrund, leicht nach rechts gewandt, und hält in ihrer rechten Hand einen geöffneten roten Sonnenschirm, der über ihrem Kopf aufgespannt ist. Der Schirm nimmt einen großen Teil des oberen rechten Bildbereichs ein.

Die Frau trägt ein langärmliges Kleid in dunklen Blau- und Violetttönen mit senkrechten Pinselstrichen sowie einen Hut, der mit Blumen oder anderen Verzierungen geschmückt ist. Ihr Haar ist dunkel und unter dem Hut zusammengefasst. Ihr Blick ist nach unten gerichtet. Im Boot sitzt hinter ihr eine weitere Person, wahrscheinlich männliche Person, die nur teilweise sichtbar ist. Diese trägt dunkle Kleidung und ist dem Betrachter abgewandt. Die Holzbretter des Bootes sind sichtbar und verlaufen schräg nach hinten, zu beiden Seiten ragen hinter der Dargestellten Ruder ins Wasser, die von ihrem Begleiter gehalten werden.
Das Boot befindet sich auf einem Gewässer, dem Starnberger See, das den mittleren Teil des Hintergrunds einnimmt. Das Wasser ist in Blau- und Grüntönen gehalten und am Horizont ist eine flache Uferlinie mit dunklen Baum- oder Landstreifen erkennbar. Der Himmel ist hell und in gedeckten Blau- und Grautönen mit weißen Wolkenstrukturen dargestellt. Durch die Ruder und den Horizont ist der Hintergrund des Bildes in drei ähnlich große horizontale Bereiche aufgeteilt.
Das Bild ist nicht signiert.[1]
Hintergrund und Entstehung

Laut dem Werkverzeichnis von Charlotte Berend-Corinth wurde das Bild 1897 in einem Boot auf dem Starnberger See in Bayern gemalt.[1] Corinth lebte zu dieser Zeit in München und verbrachte viel Zeit im Umland. Zu seinem engeren Umfeld gehört dabei auch der Münchner Schriftsteller Max Halbe, über den er auch dessen Frau Luise und ihre Schwester Berta Heck kennenlernte. In seinem Bild Frühstück in Max Halbes Garten porträtierte Corinth alle drei sowie den Dichter Karl Rössler.[2]
Deutung und Rezeption

Horst Uhr verglich das Bild in seinem Werk über Lovis Corinth mit ähnlichen Bildern französischer Impressionisten und vor allem mit Édouard Manets Gemälde Im Boot von 1874, das sich im Metropolitan Museum of Art befindet. Auch dort wird eine junge Frau in einem Boot mit einem männlichen Begleiter gezeigt. Uhr schreibt jedoch auch, dass nicht gesagt werden kann, ob Corinth diese Bilder zum Zeitpunkt der Entstehung von Fräulein Heck tatsächlich kannte. Im „Gegensatz zur psychologisch neutralen Herangehensweise von Malern wie Manet und Monet war Corinth offensichtlich nicht bereit, die Gesichtszüge des Modells den flüchtigen, formauflösenden Effekten des Lichts zu opfern,“ schrieb Uhr weiter. In diesem Bild seien die Pinselstriche, die auf dem See und der entfernten Uferlinie breit und auf der Bluse und dem Hut schnell aufgetragen sind, im Gesicht der jungen Frau differenzierter und machen sie damit „zum strukturellen wie auch psychologischen Mittelpunkt der Komposition“. Durch ihren leicht abgewandtem Blick wirke Berta Heck „in ihre innersten Gedanken versunken“ und die Bildstruktur, die von drei breiten horizontalen Bändern dominiert wird, verstärke die Wirkung des Bildes.[3] Die dargestellte Stimmung sei allerdings nicht nur das Ergebnis einer künstlerischen Entwicklung Corinths, sondern vermutlich auch „einer Harmonie zwischen Maler und Modell, die Corinths Einfühlungsvermögen weckte und es ihm ermöglichte, über eine bloße Beschreibung der Porträtierten hinauszugehen.“[3]

Das beschriebene gegenseitige Vertrauen bestand offensichtlich auch zu Bertha Hecks Schwester Luise Halbe, die Corinth im Folgejahr in mehreren Bildern porträtierte. Insbesondere das Bild Frau Halbe mit Strohhut, entstanden in dem Dorf Ammerland am Ostufer des Starnberger Sees,[4] sei ein bescheidenes und persönliches Werk, dessen eng begrenzter Bildausschnitt den offenen Blick der Porträtierten betone. Dabei „[zwinge] die extreme Nahaufnahme […] den Betrachter geradezu, am intimen Dialog zwischen Maler und Modell teilzuhaben.“[3]
Uhr stellt das Bild zudem in Beziehung zu dem ebenfalls 1897 gemalten Schlachterladen in Schäftlarn an der Isar, indem er in beiden trotz des unterschiedlichen Sujets „eine ähnliche Einheit von kompositorischer Logik und expressivem Inhalt“ sieht. Bei Fräulein Heck erreiche er erreichte „eine ähnliche Einheit von struktureller Logik und Ausdrucksinhalt.“[3]
Provenienz und Ausstellungen
Dem Werkverzeichnis von Berend-Corinth folgend befand sich das Bild zuerst im Privatbesitz des Schwagers der Dargestellten, Max Halbe, bevor es in Privatbesitz eines Kölner Sammlers überging.[1] Dabei handelte es sich laut Horst Uhr um einen Karl Schmidt, über den dieser keine weiteren Angaben macht.[3] Das Bild wechselte nachfolgend noch mehrfach den Besitzer und tauchte mindestens zwei Mal bei Versteigerungen in der Villa Grisebach auf. Bei der Versteigerung 2012 wurde dabei ein Wert des Bildes von 200.000 bis 300.000 Euro angesetzt.[5]
1913 wurde das Bild bei einer Sonderausstellung zum Werk von Lovis Corinth der Galerie Paul Cassirer in den Räumen der Berliner Secession gezeigt. Zudem war es Teil der Ausstellung von Gemälden und Aquarellen zu seinem Gedächtnis in der Nationalgalerie 1926, wo es allerdings fälschlich als „Frau Max Halbe im Kahn“ bezeichnet wurde.[1] 1976 wurde das Bild im Rahmen einer Ausstellung von Lovis Corinths Gemälden, Aquarellen, Zeichnungen und druckgraphischen Zyklen im Kölner Wallraf-Richartz-Museum gezeigt.[1]