François Lemoyne
französischer Maler des Rokoko
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François Lemoyne (auch: Le Moine; Le Moyne; Lemoine; Lemoyne fils; * 1688 in Paris; † 4. Juni 1737 ebenda) war ein französischer Maler. Er gilt als einer der bedeutendsten Historien- und Dekorationsmaler der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts in Frankreich und wirkte zuletzt als Premier peintre du roi (Erster Hofmaler) Ludwigs XV.[1]

Leben
François Lemoyne wurde 1688 in Paris als Sohn eines Kutschers geboren. Um 1699/1700 erhielt er vermutlich erste künstlerische Unterweisungen durch seinen Stiefvater, den Pariser Porträtmaler Robert Tournières. Von 1701 bis 1713 studierte er an der Académie royale de peinture et de sculpture, zunächst als Schüler von Louis Galloche, zeitweise auch bei Pierre-Jacques Cazes, der insbesondere Einfluss auf Lemoynes Kolorit ausübte. 1706 erhielt er die dritte, 1707 die erste Medaille der Akademie. 1710 nahm er am Grand Prix de Rome teil, den er 1711 gewann, jedoch ohne den damit verbundenen Rom-Aufenthalt an der Académie de France anzutreten. 1716 wurde er mit dem Gemälde Anbetung der Könige als agréé an der Akademie aufgenommen, 1718 erfolgte mit dem Werk Herkules tötet Cacus die Aufnahme als vollwertiges Mitglied (réçu).[2]
Zwischen 1723 und 1724 unternahm François Lemoyne gemeinsam mit seinem Freund und Mäzen François Berger eine rund siebenmonatige Reise nach Italien, die ihn unter anderem nach Bologna, Rom, Venedig und Neapel führte. 1727 erhielt er für sein Gemälde Die Enthaltsamkeit des Scipio (heute Musée des Beaux-Arts de Nancy) einen außerordentlichen Preis der Akademie, den er sich mit Jean-François de Troy (Ruhe der Diana) teilen musste; im selben Jahr wurde er zum adjoint à professeur ernannt. 1730 heiratete er Marie Josèphe Stiémart, eine Schwester des Malers François Albert Stiémart; sie starb bereits 1733. Im selben Jahr wurde Lemoyne zum Professor der Akademie ernannt, 1736 zum Premier peintre du roi.[2]
Am 4. Juni 1737 nahm sich François Lemoyne in Paris das Leben. Sowohl das Allgemeine Künstlerlexikon als auch Thieme-Becker führen als Ursache eine durch Überarbeitung und den Neid von Kollegen – insbesondere Jean-François de Troys – verstärkte, ihm angeborene Melancholie beziehungsweise einen daraus resultierenden Verfolgungswahn an. Beide Quellen beschreiben ihn zudem als am Konkurrenzkampf innerhalb der Akademie und des Hofes leidend.
Den neuesten Forschungsergebnissen[3] zufolge hatte Lemoyne an jenem Tag zunächst in seinem Atelier Unterricht gegeben und anschließend mit einem Cousin zu Mittag gegessen. Danach zog er sich in sein Schlafzimmer zurück, verschloss die Tür von innen, nahm seinen Degen und fügte sich mehrere tödliche Stichwunden zu, an denen er verblutete. In der bisherigen Forschungsliteratur werden üblicherweise Eifersucht und unerfüllter beruflicher Ehrgeiz als Motive genannt, obwohl Lemoyne sich zu diesem Zeitpunkt auf dem Höhepunkt seiner Karriere befand. Besonders rätselhaft ist, weshalb ein so erfolgreicher Künstler wenige Monate nach Fertigstellung seines Hauptwerks, der Apotheose des Herkules im Salon d’Hercule des Schlosses Versailles, seinem Leben ein Ende setzte.[3]
Als möglicherweise unmittelbar vor seinem Tod vollendetes Werk wird das Gemälde Die Zeit rettet die Wahrheit (London, Wallace Collection) genannt.[2]
Werk

Obwohl François Lemoyne alle Bildformate beherrschte, beruht sein Ruhm vor allem auf seiner monumentalen Deckenmalerei. Er löste sich darin vom strengen barocken Klassizismus seiner Vorgänger und bevorzugte stattdessen leichtere, gefälligere und bewegtere Kompositionen. Sein leuchtendes Kolorit zeugt vom Einfluss Peter Paul Rubens’ sowie der venezianischen Malerei, insbesondere von Sebastiano Ricci und Giovanni Antonio Pellegrini.[2]
Zu seinen ersten größeren Aufträgen zählte eine Serie von Darstellungen aus dem Leben Jesu für das Kloster der Cordeliers in Amiens (1715–1720), von denen sich einige heute in der Kathedrale von Sens befinden. 1723 begann er trotz geringer Entlohnung mit der Ausmalung der Kuppel der Jakobinerkirche in Paris (heute Saint-Thomas-d’Aquin) mit einer Transfiguration (Öl auf Gipsuntergrund). Die Arbeit wurde durch die Italienreise 1723/24 unterbrochen und nach der Rückkehr vollendet. Ab 1725 stellte Lemoyne regelmäßig im Salon aus. In der Folge erhielt er zahlreiche Großaufträge, unter anderem für das Hôtel Peyrenc de Moras (heute Hôtel Biron, 1729/30). Für die Marienkapelle von Saint-Sulpice in Paris schuf er die Freskomalerei einer Himmelfahrt Mariens (1731/32, vor Ort; Skizze im Louvre). Für den Salon de la Paix in Schloss Versailles malte er 1729 das Bild Louis XV. gibt Europa den Frieden (Öl auf Leinwand, vor Ort).[2]

Sein Hauptwerk, das Deckengemälde Apotheose des Herkules (Öl auf aufgeleimten Leinwänden), entstand von 1733 bis 1736 im rund 18 × 14 Meter großen Festsaal von Schloss Versailles (nach Thieme-Becker: 18,5 × 17 Meter). Es handelt sich um eine pyramidal komponierte Darstellung mit 142 Figuren, die als Allegorie auf Ludwig XV. und seine Gemahlin Maria Leszczyńska gedeutet wird. Vorstudien und Ölskizzen befinden sich im Louvre sowie im Musée des Augustins in Toulouse. Der Raum wurde infolge des Werks als Salon d’Hercule bekannt. Bei der Ausführung dieses Werks sowie der Ausmalung von Saint-Sulpice wurde er von seinem Schüler und späteren Biografen Donat Nonnotte unterstützt. Zu François Lemoynes Schülern zählten neben Nonnotte auch Charles-Joseph Natoire und François Boucher.[2]
Werke (Auswahl)
- Die Apotheose des Herkules (Versailles, Schloss)
- Perseus und Andromeda (1723) – London, Wallace Collection
- Ruhe einer Jagdgesellschaft (München, Alte Pinakothek)
- Herkules und Omphale (1724) – Paris, Louvre
- Junge Frau, ins Bad steigend (1724) – Sankt Petersburg, Eremitage
- Die Badenden (Les Baigneuses, 1724) – Privatsammlung (ehem. Guy Stein-Sammlung)
- Deckengemälde im Chor der Jakobinerkirche (1723) – Paris (nicht erhalten)
- Verkündigung an Maria – Winchester College, England
- Himmelfahrt Mariä (St-Sulpice de Paris, Kuppelgemälde)
Literatur
- Jean-Luc Bordeaux: François LeMoyne and his generation (1688–1737), Edition Arthena, Neuilly-sur-Seine 1984, ISBN 2-903239-04-5
- Paul Mantz: François Boucher, Lemoyne et Natoire, Quantin, Paris 1880
- Xavier Salmon: François Lemoyne à Versailles, Gourcuff, Paris 2001, ISBN 2-909838-57-9
- Hannah Williams: The Mysterious Suicide of François Lemoyne. In: Oxford Art Journal. Band 38, Heft 2, 2015, S. 225–245.
- Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 8: Koort – Maekava. Paris, 2006.
- Allgemeines Künstlerlexikon Online / Artists of the World Online, De Gruyter 2009.