Franz Michael Vierthaler
österreichischer Pädagoge und Schulreformer
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Franz Michael Vierthaler (* 25. September 1758 in Mauerkirchen, damals bayerisch; † 3. Oktober 1827 in Wien) war ein Pädagoge und Schulreformer, Schriftsteller und Journalist.


Leben
Franz Michael war das fünfte Kind des Stuckateurs Jacob Vierthaler aus dessen erster Ehe mit Anna Maria, geborene Benner. In Mauerkirchen besuchte er die Pfarrschule. Wegen seiner schönen Singstimme empfehlen ihn der Ortsgeistliche und seine beiden geistlichen Onkel dem Benediktinerstift Michaelbeuern als Sängerknabe. Ein Jahr später trat er zu den fürsterzbischöflichen Sängerknaben in Salzburg über und wurde Schüler des mit der Benediktineruniversität verbundenen Gymnasiums. Später setzte er seine Ausbildung in Burghausen fort. 1775 inskribierte er an der Universität Salzburg. Nach der Absolvierung der verpflichtenden zweijährigen philosophischen Fakultät wählte er die juridische Fakultät für seine weitere Ausbildung. In dieser Zeit verfasste er auch das Trauerspiel „Der englische Spion“, das im Salzburger Hoftheater mit Erfolg aufgeführt wurde. Als am Kollegium Virgilianum eine Instruktorenstelle frei wurde, übernahm er diese. Da ihm ein Theologe als erster Instruktor vorgesetzt wurde, verließ er das Kollegium und widmete sich schriftstellerischen Tätigkeiten. 1787 erschien der erste Band des siebenteiligen Werkes „Philosophische Geschichte der Völker und Menschen“.
Von Erzbischof Colloredo wurde Vierthaler 1790 zum ersten Direktor des ersten Lehrerseminars im deutschen Sprachraum in Salzburg ernannt. Das Seminar wurde im Ritzerbogenhaus eingerichtet; die Lehramtskandidaten waren zu praktischen Lehrversuchen und -hospitanzen verpflichtet. Vierthaler entwickelte Lehrmethoden und Unterrichtsprinzipien und verfasste Schulbücher und Kinderbücher. Auf Wunsch von Colloredo übernahm er 1800 die Redaktion und Leitung des Salzburger Intelligenzblattes, der Staatszeitung von Salzburg und der Literaturzeitung von Salzburg. Seine naturkundlichen und historischen Reisen veröffentlichte er 1799 unter dem Titel „Reisen durch Salzburg“. Er nahm auch an dem zweiten Versuch der Erstbesteigung des Großglockners teil.
1798 heiratete er Josepha, die älteste Tochter des Hofratsdirektors Johann Franz Thaddäus von Kleimayrn. Als das Fürsterzbistum Salzburg am 26. Dezember 1802 säkularisiert und dem Erzherzog Ferdinand der Toskana als Herzogtum Salzburg übergeben wurde, behielt Vierthaler sein Amt und übernahm die Aufsicht über alle Schulen und Erziehungsanstalten des Landes mit Ausnahme der Universität und des dort angesiedelten Gymnasiums. Zudem wurden ihm die beiden Waisenhäuser in Mülln unterstellt. 1806 wurde Salzburg Bayern, 1809 Frankreich und ab 1810 wieder Bayern zugeschlagen. Vierthaler verließ in diesen unruhigen Zeiten Salzburg und wurde 1806 Direktor des Wiener Waisenhauses. Er setzte sich vehement dafür ein, dass die Kinder eine gründliche Schulausbildung durch fähiges Lehrpersonal bekamen. In Wien war Vierthaler Gast im Haus der Schriftstellerin Caroline Pichler und kam über deren literarischen Salon mit den Spitzen des künstlerischen und intellektuellen Lebens in Kontakt; darunter waren Franz Grillparzer, Ferdinand Raimund, Clemens von Brentano oder Franz Schubert. Als die Franzosen 1809 in Wien eindrangen, vertraute ihm Kaiser Franz I. seine Porträtsammlung an, die Vierthaler im Keller des Waisenhauses vor den Franzosen versteckte. In den 20er Jahren des 19. Jahrhunderts arbeitete er an seinem siebenteiligen Werk „Philosophische Geschichte der Völker und Menschen“. 69-jährig starb der Pädagoge und Humanist in der Folge eines Schlaganfalls und wurde im Währinger Friedhof bestattet.
Würdigung
- Die Vierthalergasse in Wien-Meidling wurde 1894 nach ihm benannt.
- Im Salzburger Stadtteil Schallmoos trägt eine weitere Straße Vierthalers Namen.
Veröffentlichungen
- Die Reise auf den Großglockner. 1800. Nachdruck München 1938.
- Anleitung zur Rechenkunst zum Gebrauche in unsern Schulen Salzburg. Dritte verbesserte Auflage, Mayr'sche Buchhandlung, Salzburg 1803 (landesbibliothek.at).
- Entwurf der Schulerziehungskunde in einer Reihe von Vorlesungen und zum Gebrauche derselben: Zwei Theile. Wien 1824 (onb.ac.at).
Literatur
- Walter Thaler: Franz Michael Vierthaler. Salzburgs erster großer Schulreformer. In: ders.: Erinnerungswürdig. Prägende Persönlichkeiten der Salzburger Geschichte. Verlag Anton Pustet, Salzburg 2022, ISBN 978-3-7025-1033-6, S. 20–22.
- Constantin von Wurzbach: Vierthaler, Franz Michael. In: Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich. 50. Theil. Kaiserlich-königliche Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1884, S. 276–280 (Digitalisat).
- Franz Valentin Zillner: Vierthaler, Franz Michael. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 39, Duncker & Humblot, Leipzig 1895, S. 679–682.
- Ulrike Kammerhofer-Aggermann: Franz Michael Vierthaler. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 29, Bautz, Nordhausen 2008, ISBN 978-3-88309-452-6, Sp. 1498–1502.
- Karl Köchl: Franz Michael Vierthalers Leben und Schaffen. Zum 200. Geburtstag am 25. September 1958. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Jahrgang 98, Salzburg 1958, S. 1–50 (zobodat.at [PDF]).
- Karl Wagner: Vierthalers Schulplan. In: Mitteilungen der Gesellschaft für Salzburger Landeskunde. Jahrgang 62, Salzburg 1922, S. 33–50 (zobodat.at [PDF]).
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Vierthaler, Franz Michael |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichischer Pädagoge und Schulreformer |
| GEBURTSDATUM | 25. September 1758 |
| GEBURTSORT | Mauerkirchen, damals bayerisch |
| STERBEDATUM | 3. Oktober 1827 |
| STERBEORT | Wien |