Franz Sigrist
österreichischer Maler
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Franz Sigrist (* 23. Mai 1727 in Breisach; † 21. Oktober 1803 in Wien) war ein österreichischer Maler und Kupferstecher.
Breisach – Wien
Franz Sigrist wurde in Breisach am Rhein, im damaligen Vorderösterreich, als sechstes von neun Kindern des Ehepaares Franziskus Sigrist, Bürger von Breisach (1665–1735), und Maria Magdalena geb. Sengelbach (1693–1737), geboren. Im Alter von 17 Jahren kam Franz Sigrist nach Wien, wurde 1744 an der Kaiserlich-königlichen freyen Hofacademie der Mahler, Bildhauer und Baukunst aufgenommen und studierte bei Paul Troger und anderen Malern wie Jacob van Schuppen.
1746 wurde die Akademie wegen der finanziell prekären Situation in Folge der beiden Schlesischen Kriege für drei Jahre geschlossen, in denen Sigrist in privaten Ateliers arbeitete. Nach Wiedereröffnung der Akademie wurde er 1749 in der Studentenmatrik als Schüler der Zeichenklasse geführt. Am 17. Februar desselben Jahres heiratete er in der Wiener St. Ulrichskirche Elisabeth Aschenberger (1725–1818). Nach drei weiteren Studienjahren an der Akademie unter der Leitung von Paul Troger und Michelangelo Unterberger beteiligte sich Sigrist 1752 an den jährlich abgehaltenen »Wettbewerben« der Malereiklasse (später wohl mit der Präsentation von »Diplomarbeiten« vergleichbar) und errang dabei mit seiner Interpretation des Themas »Job mit geschwären geschlagen, auf einem Misthaufen sitzend, zwischen seinem Weib und dreyen Freunden. Job 2. C. Vers 7 bis Ende« die zweithöchste Stimmenanzahl des Kollegiums nach dem neun Jahre älteren Johann Wenzel Bergl und somit die Silbermedaille. Über das Ereignis der feierlichen Preisverleihung durch Rektor Michelangelo Unterberger am 27. Oktober 1752 im Beisein Kaiserin Maria Theresias und zahlreicher in- und ausländischer Festgäste berichtete das Wienerische Diarium in Nr. 88 vom 1. November auf Seite 5 ausführlich. Mit dieser Auszeichnung war die begehrte kaiserliche Erlaubnis, „auf eigene Rechnung zu arbeiten“, verbunden. Bald danach entwickelte Sigrist in der Komposition und der Behandlung des Lichts den barocken Stil Paul Trogers weiter, entfernte sich damit von einer gewissen akademischen Schwere und erreichte eine individuelle Steigerung des Ausdrucks, der oft mit jenem von Franz Anton Maulbertsch und Josef Ignaz Mildorfer verglichen wird, sich jedoch nicht unwesentlich von diesem unterscheidet.
Augsburg
Bald nach Beendigung des Studiums lebte Sigrist von 1754 bis 1762 mit Familie in Augsburg, wo er als vielbeschäftigter Hofmaler des Fürstbischofs von Augsburg, Joseph Ignaz Philipp von Hessen-Darmstadt, fungierte. Bereits 1754 wurde er Mitglied der neu gegründeten „Kaiserlich Franciscischen Akademie der Freien Künste und Wissenschaften“ in Augsburg und 1755 zum Professor für Malerei ernannt.

In dieser Zeit (1758) betraute ihn der Reichsabt des Benediktiner-Münsters in Zwiefalten, Benedikt Mauz (1690–1765), mit der Schaffung von drei bemerkenswerten illusionistischen Deckenfresken in der Vorhalle des neu errichteten Münsters rund um das Thema „Der Marianische Schutz“. Kurz danach malte Sigrist das Chorfresko Immaculata in der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Seekirch (1760).
Rückkehr nach Wien
In der zweiten Jahreshälfte von 1762 kehrte Sigrist mit Familie zurück nach Wien, wo ihn 1764 – neben anderen Kollegen – der neue Direktor der Akademie der bildenden Künste, der Hofmaler Martin van Meytens, dessen Bekanntschaft er bereits an der Franciscischen Akademie in Augsburg gemacht hatte, für einen Großauftrag des kaiserlichen Hofes – Schaffung von sechs Zeremonienbildern von der Krönung Erzherzogs Josephs, dem späteren Kaiser Josef II. zum römisch-deutschen König im Kaiserdom St. Bartholomäus von Frankfurt am Main – engagierte. Über die öffentliche Präsentation von fünf Zeremonienbildern im Belvedere berichtete das Wienerische Diarium in seiner Nummer 100 vom 16. Dezember 1767 ausführlich. 1772 wurde Sigrist mit der Schaffung von Deckenfresken oberhalb der Chorfenster, der wandumspannenden Architekturmalerei (beide nicht mehr erhalten) und des Freskos Pharisäer und Zöllner unter dem Orgelchor der Lichtentaler Pfarrkirche beauftragt. (Bedauerlicherweise ist bei einer späteren Restaurierung manches – wie die Architekturelemente dieses Freskos perspektivisch – „verunglückt“). Aus dem Jahr 1773 stammt Sigrists großes Gemälde Neun Chöre der Engel für den hinteren rechten Seitenaltar der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt in Langegg.
Drei von Sigrists Söhnen – Johann Baptist (1755–1807), Franz Anton (1758–1836) studierten in den 1770er Jahren und Ignaz Franz (1766−?) ab 1782 − ebenfalls Malerei an der Wiener Akademie.




Großauftrag Eger (Erlau)
Abgesehen von Sigrists zahlreichen Stichen und Gemälden religiöser Thematik sowie seinen Allegorien (so etwa für die „Hertel-Stiche“) ist vor allem in Sigrists späterer Schaffensperiode das von Bischof Karl Eszterházy in Auftrag gegebene monumentale Deckenfresko im Festsaal des 1773 neuerrichteten damaligen „Lyceum“ (der heutigen Universität) in Eger (deutsch: Erlau) im nördlichen Ungarn, (Architekt Josef Gerl) – das größte von Sigrists erhaltenen Werken – sowie die von ihm gestaltete wandumspannende Scheinarchitektur in Grisaille-Technik hervorzuheben. Das Deckengemälde, bei dem Sigrist sich deutlich vom barocken Illusionismus zu Gunsten eines aufklärerischen Weltbildes abwandte, stellt die „Vier Fakultäten“ (Theologie, Philosophie, Jurisprudenz und die damals noch zu gründende Medizin) dar und gehört stilistisch bereits zu einem der frühesten Werke des „Klassizismus“ (1781).
Späte Schaffensphase und Tod
Zu den späten Arbeiten des Siebzigjährigen zählen u. a. das Hauptaltarfresko Die Heilige Dreifaltigkeit in der katholischen Pfarrkirche Rust am See (das durch spätere Übermalungen nur mehr fragmentarisch Sigrists Hand erkennen lässt) sowie die beiden Seitenaltargemälde (rechts Der heilige Joseph mit dem Jesusknaben, links Der heilige Stephan vor der Muttergottes) aus dem Jahr 1798. Aus 1800 stammt Sigrists Altarbild Himmelfahrt Mariens in der Seitenkapelle der Pfarrkirche von Unterfrauenhaid, in der übrigens Franz Liszt am 23. Oktober 1811 getauft wurde.
Franz Sigrist starb am 21. Oktober 1803 im 77. Lebensjahr in Wien, seine Witwe Elisabeth überlebte Sigrist um 15 Jahre und verstirbt in Wien 1818 im 93. Lebensjahr.
- Tobias heilt seinen Vater mit der Fischgalle, 1753, National Gallery of Art, Washington DC.
- Die heilige Ursula, 1754, Öl auf Leinwand, 30 × 21,5 cm, Österreichische Galerie Belvedere.
- Das Quellwunder Mosis, 1755, Österreichische Galerie Belvedere.
- Die Kundschafter mit der Traube, 1755, Öl auf Leinwand auf Holzplatte, 31 × 21 cm, Österreichische Galerie Belvedere.
- Abraham und die drei Engel, Franz Sigrist, 1756, Öl auf Leinwand, 33 × 40,5 cm
- Lot und seine Töchter, Franz Sigrist, 1756, Öl auf Leinwand, 33 × 40,5 cm
- Die Bestrafung der Königin Athalia, 1758, Zwiefalter Münster, linkes Vorhallenfresko.
- Die Vertreibung des Heliodor aus dem Tempel von Jerusalem, 1758, Zwiefalter Münster, rechtes Vorhallenfresko.
- Anbetung Mariens, Entwurf für ein Deckenfresko, Öl auf Leinwand, 57 × 61,5 cm. Nationalmuseum Warschau.
- St. Gereon Martyr, Stich nach Vorlage Sigrists, aus den Illustrationen zu Giulinis Übersetzung von "Encomia coelituum" (J. B. Masculus), 1754, Wellcome Library, London.
- Entwurf für einen Theresienaltar, zwischen 1765 und 1770, Ölgrisaille auf Papier, 32,4 × 21,5 cm, Österreichische Galerie Belvedere.
- Christus am Ölberg (I), Ölgrisaille auf Papier, 15 × 16 cm, Österreichische Galerie Belvedere.
- Die Händewaschung des Pilatus, 1780, Ölgrisaille auf Papier, 29,5 × 20,5 cm, Österreichische Galerie Belvedere.
- Der Abschied des verlorenen Sohnes um 1780, Öl auf Leinwand, 97 × 73 cm, links oben bez. FS, Zeppelin-Museum Friedrichshafen
- Jesus teilt seinen Jüngern die Kommunion aus, 1803, Österreichische Galerie Belvedere.
Sigrists Geburtsstadt Breisach am Rhein hat zu seinen Ehren eine Straße nach ihm benannt.
Der Arzt, Zoologe und Komponist Peter Kempny (1862–1906) war ein Ururenkel Franz Sigrists.
Literatur
- Peter Prange: Sigrist, Franz. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 24. Duncker & Humblot, Berlin 2010, ISBN 978-3-428-11205-0, S. 403 (deutsche-biographie.de).
Weblinks
Einzelnachweise
- Franz Sigrist: Taufregister, Erzbischöfliches Stadtpfarramt Breisach, Bd. 1727, S. 106.
- Akademie der bildenden Künste Wien, Archiv, Sign. 1a Aufnahmeprotokoll für die akademischen Schüler vom Jänner 1738 bis Juli 1765: 1744, S. 261.
- Franz Sigrist – Elisabeth Aschenberger: Trauungsbuch Pfarre St. Ulrich/Wien, Bd. 1744–1749, (17. Februar 1749).
- Franz Sigrist: Totenprotokolle 1803, L – Z, fol. 130, Archiv der Stadt Wien (21. Oktober 1803).
- Elisabeth Sigrist: Sterbebuch Pfarre St. Ulrich/Wien, Bd. 1814–1820, (3. Juni 1818).
- Franz Sigrist (1727–1803), Ein Maler des 18. Jahrhunderts, Betka Matsche – von Wicht, Anton H. Konrad Verlag 1977, ISBN 3 87437 122 0
- Die Abkehr von der Illusion ... Franz Sigrist (1727–1803), Aufbruch vom Barock in die Welt des Klassizismus, Heinz P. Adamek in: Zwischenräume – Zwischentöne, De Gruyter 2018, ISBN 978-3-11-059195-8
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sigrist, Franz |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Maler und Stecher in Österreich |
| GEBURTSDATUM | 23. Mai 1727 |
| GEBURTSORT | Breisach |
| STERBEDATUM | 21. Oktober 1803 |
| STERBEORT | Wien |