Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation

Forschungsinstitut in Stuttgart From Wikipedia, the free encyclopedia

Das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO (Fraunhofer IAO) ist eine Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft und hat seinen Hauptsitz in Stuttgart. Gegründet wurde das Institut 1981. Die Aktivitäten sind der angewandten Forschung und Entwicklung in den Fächern Ingenieurwissenschaft, Informatik, Wirtschaftswissenschaft und Sozialwissenschaft zuzuordnen.

Schnelle Fakten Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO ...
Fraunhofer-Institut für
Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO
Zentrum für Virtuelles Engineering (ZVE)
Kategorie: Forschungseinrichtung
Träger: Fraunhofer-Gesellschaft
Rechtsform des Trägers: Eingetragener Verein
Sitz des Trägers: München, Deutschland Deutschland
Standort der Einrichtung: Stuttgart, Deutschland Deutschland
Heilbronn, Deutschland Deutschland
München, Deutschland Deutschland
Berlin, Deutschland Deutschland
Art der Forschung: Angewandte Forschung
Fächer: Ingenieurwissenschaft
Fachgebiete: Betriebswissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Informatik, Ingenieurwissenschaft, Sozialwissenschaft, Naturwissenschaft
Grundfinanzierung: Bund (90 %), Länder (10 %)
Leitung: Katharina Hölzle, Wilhelm Bauer, Oliver Riedel, Steffen Braun (Stv.), Rainer Nägele (Stv.)[1]
Mitarbeiter: ca. 670 (inkl. kooperierendes Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT der Universität Stuttgart)
Website: www.iao.fraunhofer.de
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Seit 1991 kooperiert das Fraunhofer IAO eng mit dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart. Beide Einrichtungen werden unter einer gemeinsamen Institutsleitung geführt: Während das Fraunhofer IAO mit den Schwerpunkten Arbeitswirtschaft und Organisation die angewandte Forschung verantwortet, deckt das IAT mit den Bereichen Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement die universitäre Forschung und Lehre ab.

Geschichte

In der Hauptabteilung „Arbeit und Organisation“ des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung IPA wurden Mitte der 1970er Jahre erste Projekte zum Thema Arbeitsstrukturierung in der Produktion und Mitarbeiterqualifizierung durchgeführt. Aus dieser Hauptabteilung ist 1981 unter der Leitung von Hans-Jörg Bullinger das Fraunhofer IAO mit 54 fest angestellten Mitarbeitenden und einem Finanzvolumen von 6,4 Mio. DM entstanden.

Meilensteine

  • 1981: Gründung des Fraunhofer IAO
  • 1987: Bezug des Neubaus im Institutszentrum Stuttgart. Das Institutszentrum Stuttgart ist das zweitgrößte Forschungszentrum der Fraunhofer-Gesellschaft in Deutschland und umfasst fünf Institute.
  • 1991: Gründung des Instituts für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) an der Universität Stuttgart.
  • 1996: Bezug eines weiteren Gebäudes im Institutszentrum Stuttgart.
  • 2012: Eröffnung des Instituts-Neubaus „Zentrum für Virtuelles Engineering ZVE“.

Seit der Gründung des Instituts sind über 35 Spin-offs durch ehemalige Mitarbeiter des Instituts mit mehr als 600 Arbeitsplätzen entstanden.

Organisation

Aktuelle Institutsleitung

Katharina Hölzle, Wilhelm Bauer, Oliver Riedel, Steffen Braun (Stv.), Rainer Nägele (Stv.)

Chronologie der Institutsleitung

Gründungsphase unter Hans-Jörg Bullinger (1981–2002)

Mit der Gründung des Fraunhofer IAO 1981 wurde Hans-Jörg Bullinger zum Institutsleiter berufen und übernahm zugleich den Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft an der Universität Stuttgart. Anfang 1991 wurde unter seiner Leitung zusätzlich das Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) an der Universität Stuttgart eingerichtet, womit die bis heute bestehende Personalunion beider Institutsleitungen begründet wurde. 2002 gab Bullinger die Leitung ab und wurde bis 2012 Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft.

Dieter Spath (2002–2021) und Wilhem Bauer (2013)

Von 2002 bis 2013 leitete Dieter Spath beide Institute in Personalunion. Nach einer Unterbrechung – während der Wilhelm Bauer von Oktober 2013 bis Oktober 2016 die kommissarische Leitung übernahm[2] – kehrte Spath am 1. Oktober 2016 in die Institutsleitung zurück und bildete gemeinsam mit Wilhelm Bauer (geschäftsführend) und Anette Weisbecker (stellvertretend) eine Dreierspitze.[3] Im Oktober 2021 ging Spath in den Ruhestand.

Erweiterung der Institutsleitung (2018–2024)

Am 1. Juli 2018 wurde die Institutsleitung um Oliver Riedel erweitert, der mit dem Forschungsschwerpunkt Digitale Produktentstehung berufen wurde.[4] Am 1. Mai 2021 trat Florian Herrmann, zuvor Leiter des Forschungsbereichs „Mobilitäts- und Innovationssysteme“, als jüngstes Mitglied in die Institutsleitung ein.[5] Zum 1. April 2022 übernahm Katharina Hölzle die Leitung des IAT der Universität Stuttgart und wurde Mitglied der Institutsleitung des Fraunhofer IAO.[6]

Zum 1. Januar 2024 wurden Steffen Braun (zuvor Forschungsbereich „Stadtsystem-Gestaltung“) und Rainer Nägele (zuvor Forschungsbereich „Dienstleistungs- und Personalmanagement“) stellvertretende Institutsleiter. Sie folgten auf Anette Weisbecker, die zum 1. Juni 2023 in die Altersteilzeit eintrat, sowie auf Florian Herrmann.[7]

Forschung und Entwicklung

Das Fraunhofer IAO beschäftigt sich mit der Bearbeitung aktueller Fragen des Technologie- und Innovationsmanagements, z. B. innovative Produkt- und Dienstleistungsentwicklungen, Softwaretechnologien, die Optimierung von Geschäftsprozessen sowie der Erfahrungs- und Erkenntnisaustausch zwischen Forschung und Praxis.

Es werden strategisch ausgerichtete Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Stärkung der Know-how-Basis und Innovationskraft bearbeitet. Die Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen ist ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt des Instituts und wird als ein ganzheitlicher Systemansatz verstanden, in den Fragestellungen des Technologie- und Innovationsmanagements, der Kooperation in virtuellen Unternehmensstrukturen, des Kundenmanagements, des Produktdesigns, der IuK-Unterstützung und des New Work Development einfließen.

Arbeitsschwerpunkte

  • Ganzheitliche Konzepte für Arbeitsgestaltung sowie Organisations- und Unternehmenskulturen
  • Zukunftsweisende Interaktion zwischen Mensch und Technik, u. a. durch kognitive Neurowissenschaft
  • Digitalisierung und zukunftsfähige IT-Lösungen
  • Entwicklung und Umsetzung von Innovations- und Technologiestrategien
  • Einsatz virtueller und erweiterter Realität
  • Kognitive Systeme, künstliche Intelligenz und Quantencomputing
  • Nachhaltige Lösungen für die Mobilität der Zukunft
  • Systeminnovationen für lebenswerte und wandlungsfähige Städte

Entsprechend der anwendungsorientierten Ausrichtung führt das Institut Projekte gemeinsam mit Großunternehmen, kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) sowie Institutionen und Einrichtungen der öffentlichen Hand durch und begleitet den Technologieeinsatz im Gesamtunternehmen, in Forschungsbereichen und in Einzelprojekten.

Forschungsbereiche

  • Organisationsentwicklung und Arbeitsgestaltung[8]
  • Mensch-Technik-Interaktion[9]
  • Digital Business[10]
  • Cognitive Engineering and Production[11]
  • Stadtsystem-Gestaltung[12]
  • Mobilitäts- und Innovationssysteme[13]
  • Smart Energy and Mobility Solutions
  • Kognitive Dienstleistungssysteme[14]
  • Responsible Research and Innovation[15]

Kooperationen, Außenstellen und Verbünde

Fraunhofer-Verbünde

Der Fraunhofer-Verbund Innovationsforschung wurde 2017 unter dem Vorsitz des Fraunhofer IAO gegründet. Wilhelm Bauer, Mitglied der Institutsleitung des Fraunhofer IAO, stand dem Verbund von der Gründung bis Mitte 2023 vor. Zum 1. Juli 2023 übernahm Jakob Edler, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer ISI in Karlsruhe, den Verbundvorsitz.[16] Katharina Hölzle ist seit Ende 2023 stellvertretende Verbundvorsitzende.

Im Verbund bündeln sechs Institute – Fraunhofer IAO, Fraunhofer IMW, Fraunhofer INT, Fraunhofer IRB und Fraunhofer ISI sowie als Gastmitglied die Arbeitsgruppe für Supply Chain Services des Fraunhofer IIS – ihre Kompetenzen in der sozioökonomischen und soziotechnischen Forschung. Themenschwerpunkte sind die Gestaltung von Innovationssystemen, die sozioökonomische Dimension der Technikentwicklung, strategische Forschungsplanung und Foresight, die Systemoptimierung von Mensch–Organisation–Technik, Technologie- und Innovationsmanagement, Technologievorausschau sowie Transfer und Verwertung von Forschungsergebnissen.[17]

Darüber hinaus ist das Fraunhofer IAO Gast im Fraunhofer-Verbund Informations- und Kommunikationstechnik (IUK), dem größten europäischen Forschungsverbund für Informations- und Kommunikationstechnik, der die Kompetenzen von 15 Fraunhofer-Instituten bündelt.

Universitäre Kooperation

Im universitären Bereich besteht eine Kooperationsvereinbarung mit dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart, die den Grundlagenforschungsbedarf des Fraunhofer IAO abdeckt. Begünstigt wird diese Kooperation durch die Personalunion der Institutsleitung beider Einrichtungen.[18]

Forschungsstandort Heilbronn (KODIS und Fraunhofer HNFIZ)

Gefördert durch die Dieter-Schwarz-Stiftung gründete das Fraunhofer IAO 2019 in Heilbronn das Forschungs- und Innovationszentrum für Kognitive Dienstleistungssysteme (KODIS). Im Mittelpunkt steht die anwendungsbezogene Erforschung Künstlicher Intelligenz für kundenorientierte Dienstleistungsangebote.[19]

Im Dezember 2024 kündigten die Fraunhofer-Gesellschaft und die Dieter-Schwarz-Stiftung einen deutlichen Ausbau des Forschungsstandorts Heilbronn an, der maßgeblich vom Fraunhofer IAO initiiert worden war. Ab 2025 sollen acht Fraunhofer Heilbronn Forschungs- und Innovationszentren (Fraunhofer HNFIZ) Impulse für Innovationen in Deutschland setzen und Kooperationsangebote für die Wirtschaft schaffen. Das Fraunhofer IAO ist dabei in drei Zentren federführend tätig:

  • Kognitive Dienstleistungssysteme (KODIS)
  • Future Skills
  • Anwendungsorientierte Quanten-KI

In drei weiteren Zentren ist das Institut als Forschungspartner beteiligt: Hybride Künstliche Intelligenz, Transformation und Governance sowie KI-basierte Robotik. Neben dem Fraunhofer IAO sind das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI), das Fraunhofer-Informationszentrum Raum und Bau (IRB), das Fraunhofer-Institut für Intelligente Informations- und Analysesysteme (IAIS), das Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie (SIT) mit dem Zentrum ATHENE sowie das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA) an den Fraunhofer HNFIZ beteiligt.[20]

Weitere Außenstellen und Anwendungszentren

Das Fraunhofer IAO unterhält über den Hauptsitz in Stuttgart und den Standort Heilbronn hinaus mehrere Außenstellen und Anwendungszentren:

  • Fraunhofer Innovation Engineering Center (IEC), Bozen (seit 2009): Gemeinsam mit der Freien Universität Bozen und dem Unternehmerverband Südtirol bearbeitet das Fraunhofer IAO Projekte mit der mittelständischen Industrie der Region.[21]
  • Anwendungszentrum KEIM, Esslingen (seit 2012): Das gemeinsam mit der Hochschule Esslingen aufgebaute „Kompetenzzentrum für energetische und informationstechnische Mobilitätsschnittstellen“ entwickelt Hard- und Software für intelligente Verkehrssysteme.[22]
  • Center for Responsible Research and Innovation (CeRRI), Berlin (seit 2014): Die Außenstelle entwickelt Methoden, um Forschungs- und Projektvorhaben frühzeitig auf gesellschaftliche Anforderungen auszurichten, mit dem Ziel gesellschaftlich akzeptierter Technologien, Produkte und Dienstleistungen.[23]
  • Pionier:HUB, München (seit 2022): Im Werksviertel-Mitte in München begleitet das Fraunhofer IAO innovative und zukunftsorientierte Projekte wissenschaftlich. Mittels Wirkungs- und Akzeptanzanalysen werden Skalierungs- und Replikationsprozesse im urbanen Raum optimiert, mit dem langfristigen Ziel einer klimaneutralen Quartiers- und Stadtentwicklung.

Personal und Finanzierung

Am Fraunhofer IAO sind 560 Personen beschäftigt, am Partnerinstitut IAT der Universität Stuttgart weitere 108. Der Frauen- und Männeranteil liegt jeweils bei 50 Prozent. Den größten Anteil bilden die wissenschaftlichen Mitarbeitenden (IAO: 265, IAT: 70), überwiegend aus Ingenieurwesen, Informatik sowie Wirtschaftswissenschaft und Sozialwissenschaften, gefolgt von rund 194 studentischen und wissenschaftlichen Hilfskräften.[24]

Der Gesamthaushalt belief sich 2025 auf 56,5 Mio. Euro, davon 42,7 Mio. Euro Eigenerträge. Mit 57 Prozent stammt der größte Teil der Eigenerträge aus Industrieaufträgen, gefolgt von 34,5 Prozent aus Bund- und Länderprojekten, 3 Prozent aus EU-Mitteln und 5,5 Prozent aus sonstigen Quellen.[24] Der übrige Anteil des Gesamthaushalts wird über die institutionelle Grundfinanzierung der Fraunhofer-Gesellschaft durch Bund und Länder gedeckt, die unter anderem Vorlaufforschung ermöglicht.[25]

Infrastruktur

Zentrum für Virtuelles Engineering in Stuttgart-Vaihingen

Dem Institut stehen über 15.000 m² Büro-, Labor- und Demonstrationsflächen mit insgesamt 26 Laboren zur Verfügung, darunter das 2012 eröffnete Zentrum für Virtuelles Engineering (ZVE). Es dient sowohl als Forschungsstandort für VR-Simulationen als auch als Experimentierfeld für neue Arbeitsweltkonzepte im Büroalltag.[26]

Ehemalige Mitarbeiter

Magazin »Forward

Seit 2023 gibt das Fraunhofer IAO gemeinsam mit dem Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement (IAT) der Universität Stuttgart das halbjährlich erscheinende Magazin »Forward heraus. Es berichtet über Projekte, Initiativen und Persönlichkeiten der angewandten Forschung zur Zukunft der Arbeit in der digitalen Transformation. In Reportagen, Features und Interviews zeigt das Magazin, wie neue Technologien im Spannungsfeld von Mensch, Technik und Organisation den Weg aus der Forschung in die Anwendung finden. Jede Ausgabe widmet sich einem Schwerpunktthema aus dem Forschungsspektrum des Instituts – von Unternehmenskultur über vernetzte Produktion bis zum Einsatz Künstlicher Intelligenz.

Einzelnachweise

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