Lippe (paderbornisches Adelsgeschlecht)
Familie des westfälischen Uradels
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Die Herren und Freiherren von der Lippe sind eine Familie des westfälischen Uradels aus dem Hochstift Paderborn.

Geschichte

Das Geschlecht erscheint urkundlich erstmals 1180 mit Henricus (I.) de Lippia,[1] mit dem auch die Stammreihe beginnt. Für eine etwaige Abstammung von den Edelherren, Grafen und Fürsten zur Lippe (mit der lippischen Rose im Wappen) gibt es keine Belege.
Geographischer Ursprung der Familie ist das Hochstift Paderborn. Die Herren und Freiherren stellten mehrere Jahrhunderte lang Domherren und andere Ministerialen für die Domkapitel in Paderborn, Hildesheim und Münster. Im Paderborner Dom sind heute noch mehrere Grabplatten und Epitaphe zu sehen. Der Domherr Anton Lothar erwarb 1692 die Heiersburg an der Stadtmauer, an der sich noch sein Wappenstein von 1693 befindet.
Im 14. Jahrhundert verlagerte sich der Schwerpunkt der Familie nach Vinsebeck.[2] Um 1350 erwarben die Herren von der Lippe Lehen der Grafen von Schwalenberg und der Bischöfe von Paderborn in Vinsebeck und errichteten hier einen Rittersitz, der 1533 durch das vom Kloster Gehrden im Tausch erworbene Gut Wintrup erweitert wurde. 1579 erfolgte eine Erbteilung zwischen drei Brüdern von der Lippe, wodurch zwei Linien zu Vinsebeck und eine Linie zu Wintrup entstanden. Die Vinsebecker Linie teilte sich in einen älteren Zweig (1767 erloschen) und einen jüngeren auf dem kleinen Hof (erloschen 1697). Der ersten gehörte Reineke von der Lippe (1548–1591) an; das gemeinsame Grab mit seiner Ehefrau Anna von Oeynhausen befindet sich noch in der Kirche von Vinsebeck. Die Jüngere Linie zu Vinsebeck begründete Bernd (1548–1608) mit seiner Frau Anna von der Borch zu Holzhausen. Der Stifter der Wintruper Linie war Erich von der Lippe (1548–1588) mit seiner Frau Katharina von Kannen zu Lügde.
Seit dem 17. Jahrhundert wurden auch Ländereien in Driburg erworben, die zu einem Gut zusammengefasst wurden, das 1781 an Kaspar Heinrich von Sierstorpff verkauft wurde. Dieser begründete damit den Kurbetrieb in Bad Driburg, dem heutigen Gräflichen Park Bad Driburg.[3]

Der Vinsebecker Gutsherr und Drost Johann Friedrich Ignaz von der Lippe ließ 1720 das prächtige barocke Schloss Vinsebeck vom Hildesheimer Baumeister Justus Wehmer errichten; dabei konnten ihm seine drei Brüder die finanziellen Mittel zur Verfügung stellen, Adolf Franz Friedrich, Ferdinand Ernst Adam und Mauritz Lothar, die allesamt Domherren in Paderborn waren und bei der Paderborner Bischofswahl im März 1719 dem Prinzen Philipp Moritz von Bayern und dann Clemens August von Bayern ihre Stimme gegeben hatten, wofür sie von den Häusern Wittelsbach und Habsburg fürstlich entlohnt wurden.[4] Als Clemens August 1723 auch zum Kölner Kurfürst-Erzbischof gewählt wurde, ernannte er Adolf Franz Friedrich zum Geheimen Rat.
Im Jahre 1767 fiel mit dem Tod von Moritz Anton Johann Victor Freiherr von der Lippe (1714–1767) das Schloss mit den dazugehörigen Besitztümern an seine Schwester Theresia, vermählt mit Hermann Werner von der Asseburg zu Hinnenburg. Diese vererbte es samt dem Gut Vorder-Eichholz ihrer jüngsten Tochter Antonetta, die 1765 Johann Ignaz Graf Wolff-Metternich zur Gracht heiratete. Um 1795 klagte die Wintruper Linie der Herren von der Lippe gegen die Grafen Wolff-Metternich um den Besitz in Vinsebeck. Sie gingen gegen einen Familienvertrag von 1767 an, der das Schloss den Wolff-Metternich vererbte, was gegen den Status der Herrschaft als paderbornisches Mann- und Stammlehen verstoßen habe. Der erfolglose Prozess zog sich über 40 Jahre hin.
Zu den weiteren Besitzungen der Familie gehörten laut der Familienchronik im 15. Jahrhundert zeitweise die Burg Polle, das Schloss Varenholz und die Burg Schwalenberg sowie später u. a. das Gut Menzenbrock (errichtet 1722 von Domherr Adolf Franz Friedrich von der Lippe) und Haus Menzel (errichtet 1750 von Moritz Anton von der Lippe). Die Mühlenanlagen der "Alten Wasserkunst" in Schloß Neuhaus waren von 1805 bis 1836 im Besitz von Alexander Freiherr von der Lippe,[5] Landeshauptmann des Fürstentums Paderborn und Bruder des Domherrn Wilhelm Anton von der Lippe.
- Gut Wintrup
Die Hauptreferenz für die Familiengeschichte ist die dreibändige Familienchronik Die Herren und Freiherren von der Lippe von Viktor Freiherr von der Lippe zu Wintrup (1875–1960) unter Mitwirkung von Friedrich Philippi aus den Jahren 1921 bis 1923.
Wappen
Das Stammwappen zeigt in Silber zwei schwarze Turnierkragen, der obere mit fünf, der untere mit vier Lätzen. Auf dem Helm mit schwarz-silbernen Decken das Schildbild zwischen offenem silbernem Flug.
Das freiherrliche Wappen ist in der Familienchronik wie folgt beschrieben: „Ein silberner Schild, in welchem übereinander zwei schwarze Turnierkragen, der obere mit fünf, der untere mit vier Lätzen, zu sehen sind. Auf dem Hauptrande des Schildes ruht die goldene Freiherrenkrone mit sieben sichtbaren Perlenzinken, überhöht von einem offenen Turnierhelm mit schwarzsilbernem Wulst und ebensolchen Helmdecken. Als Helmkleinod dient ein offener silberfarbener Adlerflug, dem oben zwei, den im Schilde ersichtlichen ähnliche Turnierkragen eingestellt sind.“
Linien
Folgende Linien sind dokumentiert:
- Linie zu Wintrup (bei Sandebeck)
- Ältere Linie zu Vinsebeck (erloschen 1767)
- Jüngere Linie zu Vinsebeck (erloschen 1697)
- Nebenlinie zu Sandebeck
- Nebenlinie in Dänemark (erloschen 1785)
- Nebenlinie zu Godelheim (erloschen 1759 [?])
- Nebenlinie zu Ottenhausen (erloschen 1736)
Eine direkte Abstammung weiterer Familien von diesem Stamm wird angenommen. Dazu gehört z. B. die Familie von der Lippe in Norwegen, sowie die Familien in der Region um Oldenburg und in Nordamerika.
Personen
- Adolf Franz Friedrich von der Lippe (1672–1752), deutscher Domherr
- Wilhelm Anton von der Lippe (1763–1823), deutscher Domherr
- Adolf von der Lippe (1845–1919), preußischer Generalmajor
- Eduard von der Lippe (1915–1955), deutscher Architekt
- Jürgen von der Lippe ist ein Künstlername und gehört nicht zu dieser Familie
Siehe auch
Literatur
- Viktor von der Lippe: Die Herren und Freiherren von der Lippe, 3 Bände, C. A. Starke Verlag, Görlitz 1921–1923.
- Antonius Pott: Die Herren und Freiherren von der Lippe - Die ältere und jüngere Linie zu Vinsebeck sowie zu Wintrup, Books on Demand, 2020, ISBN 978-3-7519-7870-5
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Freiherrlichen Häuser; Gerader Jahrgang; Deutscher Uradel. Gotha: Justus Perthes; 1926.
- Genealogisches Handbuch des Adels; Freiherrliche Häuser A XI; Band 69 der Gesamtreihe. C. A. Starke Verlag, 1979.
- Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band VII, Band 97 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1989, ISSN 0435-2408.
- Ernst Heinrich Kneschke: Neues allgemeines Deutsches Adels-Lexicon, Band 5: Kalb–Loewenthal, Leipzig 1864, S. 577 f. (Google Bücher).
- Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie. Band 2: L–S, Berlin 1856, S. 42 f. (digitale-sammlungen.de).
- Max von Spießen: Wappenbuch des Westfälischen Adels, mit Wappengrafiken von Adolf Matthias Hildebrandt, Band 1, Görlitz 1901–1903, S. 82 (uni-duesseldorf.de); Band 2, Görlitz 1903, Tfl. 198 (uni-duesseldorf.de).