Friedrich Stigler
selbsternannter „Hexenjäger“ aus Nürnberg
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Friedrich Stigler († 28. Juli 1590 in Nürnberg) trat im Kontext der späthumanistischen Hexenfurcht als selbsternannter „Hexenfinder“ in der Reichsstadt Nürnberg in Erscheinung. Er war der Sohn eines Nürnberger Rotschmieds und zunächst als Gehilfe des Eichstätter Scharfrichters tätig; in dieser Funktion war er zuletzt an Hexenverbrennungen in Abensberg beteiligt gewesen. Nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt nutzte er die verbreitete Angst vor Hexerei gezielt aus, indem er unter anderem „geweihte Säcklein“ gegen das sogenannte Trudendrücken (Schlafparalyse) verkaufte und zugleich mehrere Frauen der Hexerei beschuldigte. In Verhören gab er später an, bereits durch bloßen Blickkontakt eine Hexe unmittelbar erkennen zu können.
Stiglers Auftreten fiel in eine Zeit, in der zahlreiche Wahrsager und „Hexenfinder“ versuchten, aus der allgemeinen Verunsicherung Kapital zu schlagen und damit die zurückhaltende Verfolgungspolitik vieler Reichsstädte zu unterlaufen. In Nürnberg führte dieses Treiben jedoch zu einem energischen Eingreifen der Obrigkeit. Nachdem er behauptet hatte, elf Frauen als Hexen identifiziert zu haben – sechs Lehrmeisterinnen und fünf Lehrlinge –, und mehrere von ihnen auch öffentlich beschuldigt hatte, wurde er vom Stadtrat verhaftet und unter Anwendung der Tortur zu seinen Absichten verhört. Im Verlauf des Verhörs wurde Stigler auch selbst der Zauberei beschuldigt. Zudem befand ihn der Rat der Bigamie für schuldig, da er nacheinander drei Frauen geheiratet hatte, obwohl keine von ihnen verstorben war. Am 28. Juli 1590 wurde Stigler schließlich mit dem Schwert hingerichtet. In der Urteilsbegründung wurde ihm vorgeworfen, aus „frechem mutwillen“ ehrbare Bürgerinnen „ohne [...] grundt und warheit“ der Hexerei beschuldigt und dadurch Unruhe, Verdacht und Zwietracht innerhalb der Bürgerschaft gestiftet zu haben. Der Fall gilt als Musterbeispiel für das Vorgehen städtischer Obrigkeiten gegen unkontrollierte Denunziation und die Instrumentalisierung der Hexenangst im ausgehenden 16. Jahrhundert.
Literatur
- Hartmut H. Kunstmann: Zauberwahn und Hexenprozeß in der Reichsstadt Nürnberg, Nürnberg 1970, S. 74–78.
- Wolfgang Behringer: Hexenverfolgung in Bayern. Volksmagie, Glaubenseifer und Staatsräson in der Frühen Neuzeit, München 1988, S. 156.
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Stigler, Friedrich |
| KURZBESCHREIBUNG | Sohn eines Nürnberger Rotschmieds |
| GEBURTSDATUM | 15. Jahrhundert oder 16. Jahrhundert |
| STERBEDATUM | 28. Juli 1590 |
| STERBEORT | Nürnberg |