Gütsch (Luzern)
Hügel und Naherholungsgebiet in der Stadt Luzern in der Schweiz
From Wikipedia, the free encyclopedia
Der Gütsch ist ein Hügel und Naherholungsgebiet in der Stadt Luzern in der Schweiz. Er ist grösstenteils bewaldet. Von der Kernstadt prominent sichtbar ist das Hotel «Château Gütsch».

Geographische Lage
Geschichte

Der Ort wurde erstmals 1367 urkundlich erwähnt.[1] Der Name stammt aus dem spätlateinischen cucutium für Kapuze, Haube, runder Hügel. Die Kuppe war von alters her bewaldet und dient als städtischer Forst. Ab dem 16. Jahrhundert entstanden städtische Steinbrüche am Rande des Gütschwaldes.[2] Hier wurde Sandstein für die Errichtung von Steinhäusern gewonnen. Im 19. Jahrhundert wurden die Steinbrüche als Standorte für Bauwerke wie die Villa «Britannia», die Villa «Wilhelmshöhe», das «Château Gütsch» und die ABL-Wohnsiedlung «Bernstrasse» genutzt.
Die linksufrige Stadtmauer Luzerns wurde 1590 von der Senti-Vorstadt bis auf den Gütsch gezogen. Ein kleiner Befestigungsturm, Lueg id Stadt, diente als militärischer Ausguck und wurde im 19. Jahrhundert von der Luzerner Offiziersgesellschaft als Gesellschaftslokal genutzt; er brannte 1921 ab. Die Ruine des Turms flankiert heute noch den Fussweg zum «Château Gütsch». Der Gütschwald wurde im 19. Jahrhundert zu einem Naherholungsgebiet der wachsenden Touristenstadt Luzern.
Königin Victoria und die «Pension Wallis»


Vom 7. August bis zum 9. September 1868[3] verbrachte Königin Victoria einen Erholungsaufenthalt auf dem Gütsch, zusammen mit drei Töchtern, einer relativ kleinen Anzahl Bediensteter und zwei Ponys. Mehr als sechs Jahre nach dem Tod ihres Gatten, Prinz Albert, war sie noch immer in tiefer Trauer und litt an Erschöpfungssymptomen. Ein längerer Aufenthalt in einer Gegend, die Prinz Albert geliebt hatte, fern von allen Pflichten, sollte ihre Stimmung aufhellen und ihre Kräfte wiederherstellen.[4][5] Als Ferienresidenz hatte sie die vornehme «Pension Wallis» gemietet, die zwei Jahre zuvor vom britischen Lithografen Robert Wallis eröffnet worden war.[6]
Wallis hatte eine eher zwielichtige Vergangenheit: Er hatte Freischärler unterstützt und war unter anderem durch Waffenhandel reich geworden; auf die katholisch-konservative Luzerner Regierung war er nicht gut zu sprechen.[6] Die Königin hatte die Pension aber nicht wegen ihres Besitzers ausgewählt, sondern wegen ihrer privilegierten Lage hoch über der Stadt Luzern. Begeistert schrieb sie in ihr Tagebuch: «Die Aussicht … mit Blick über den See, und davor die Stadt, umrandet von den prächtigsten Bergen, & leuchtendem Grün im Vordergrund, ist ideal. Es war wirklich das, was ich erträumt hatte, von dem ich aber kaum glauben konnte, es jetzt in Wirklichkeit zu sehen!»[5]


Von Luzern aus unternahm die Monarchin zahlreiche Reisen durch die Zentralschweiz und bis zum Furkapass, einschliesslich Besichtigung des Rhonegletschers. Auf dem Vierwaldstättersee stand ihr ein Dampfschiff zur Verfügung, das auch ihre Kutschen und Pferde befördern konnte.[7] Die künstlerisch begabte Königin fertigte viele Zeichnungen an und malte Aquarelle; ihre ebenso talentierte Tochter Louise, damals 20 Jahre alt, tat es ihr gleich. Der Erholungsaufenthalt erzielte die gewünschte Wirkung: Victoria schöpfte neuen Lebensmut. Ein Jahr später konnten auch die Zeitungsleser in London sehen, welch prächtigen Ausblick ihre Königin in der Pension Wallis genossen hatte; der Tourismus in Luzern erhielt gewaltigen Auftrieb.[5][4][6]
Heute wird das Haus «Wallis» privat genutzt.[8] Es steht zwischen dem zwei Jahrzehnte jüngeren «Château Gütsch» und dem 2012 errichteten, langgestreckten Wohnhaus «Gütschhöhe» der Wohnbaugenossenschaft GEFA.[9]
Hotel «Château Gütsch»
Das Schlosshotel «Château Gütsch» wurde 1888 eröffnet. Neben dem Hotelbetrieb beherbergt es ein öffentliches Restaurant und eine Bar.
Erschliessung
Der Schräglift zum Hotel «Château Gütsch» ist im öffentlichen Zonenplan der Verkehrsbetriebe Luzern enthalten, da er auch der Erschliessung der Naherholungszone Gütschwald dient. Diese besteht aus Waldwegen, Picknick- und Grillplätzen, der «Gütschhütte» sowie einem Weiher.[10]