Gazzetta Ticinese

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Die Gazzetta Ticinese war eine im Schweizer Lugano zwischen 1821 und 1996 erscheinende Zeitung in italienischer Sprache.

Geschichte

Die Zeitung Gazzetta Ticinese wurde im Januar 1821 in Lugano gegründet, nachdem die Gazzetta di Lugano ihr Erscheinen eingestellt hatte. Das von der Druckerei Veladini herausgegebene Periodikum diente zu Beginn auch als Amtsblatt. Über die Grenze hinweg im Lombardo-Venezianischen Königreich zugelassen, musste ihr Vertrieb mehrmals mit der Zensurbehörde von Mailand neu verhandelt werden. Die damalige Verbreitung der Gazzetta Ticinese ist kaum bezifferbar, doch ist sie in den wichtigsten Zentren Mittel- und Norditaliens bezeugt. Später, ab Mitte des 19. Jahrhunderts, war sie auch in Übersee, in den Vereinigten Staaten und in Australien, entlang der Tessiner Auswanderungsrouten, präsent. Eine von Stefano Franscini verfasste Kulturbeilage, der Appendice letteraria alla Gazzetta ticinese, erweiterte von 1824 bis 1825 die lange vier Seiten umfassende Zeitung. Die Gazzetta Ticinese erschien zunächst bis im Dezember 1842 als Wochenzeitung, anschliessend von Januar 1843 bis Juni 1855 dreimal wöchentlich, von Juli 1855 bis Dezember 1865 viermal wöchentlich und schliesslich von Januar 1866 bis April 1990 als Tageszeitung.

Nachdem sich die Gazzetta Ticinese im April 1895 mit der kurzlebigen, erst im Januar zuvor gegründeten Idea Moderna zusammengeschlossen hatte, verstärkte sie ihre liberale Ausrichtung. Zur Redaktion unter der Leitung von Francesco Veladini stiessen nun Emilio Bossi und Francesco Chiesa. In der Zeit Bossis, der mit dem Pseudonym Milesbo signierte und von 1896 bis 1902 als Redaktor und von 1915 bis 1920 als Direktor fungierte, bewegte sich die Tageszeitung hin zu vermehrt radikalen Positionen. Ab Januar 1920 war sie neben der Zeitung Il Dovere eines der Organe des Partito liberale radicale ticinese (PLRT); zum Parteiorgan wurde im Oktober 1928 auch die Avanguardia. Nach einer Annäherung an Mussolinis faschistisches Regime während der kurzen Phase zwischen April 1928 und Januar 1929, in der sie von Antonio Scanziani geleitet wurde, entwickelte sich die Gazzetta Ticinese unter der Ägide von Fulvio Bolla (1929–1943) zum Sprachrohr des Rechtsfreisinns. Sie nahm damals zum Faschismus eine zwiespältige Haltung ein, was etwa die Unterstützung von Francisco Franco beim Ausbruch des Spanienkriegs 1936 zeigt. Die Zeitung änderte 1928 die Rechtsform, indem eine Aktiengesellschaft den bisherigen Verein als Inhaberin ablöste. Im Gegensatz zu Avanguardia, die den linken, antifaschistischen Flügel des Tessiner Freisinns repräsentierte, und zu Il Dovere, der eine Mittelstellung einnahm, schied die Gazzetta Ticinese im Februar 1934 als Organ der PLRT aus. Auslöser dafür war die wenige Wochen zuvor erfolgte Gründung des Partito liberale radicale democratico ticinese, einer Abspaltung vom PLRT. In den folgenden Jahrzehnten vertrat das Tagblatt weiterhin die Meinungen des Rechtsfreisinns. Ab den 1970er Jahren leistete Franco Masoni einen wichtigen Beitrag zur Bestimmung der politischen Linie der Zeitung, auch durch die eigene Redaktionstätigkeit. Die in finanzielle Schwierigkeiten geratene Gazzetta Ticinese erschien ab Mai 1990 zweimal wöchentlich (mit einer Auflage von etwa 4500 Exemplaren) und wurde im April 1992 in eine Wochenzeitung umgewandelt; im Oktober 1996 stellte sie ihr Erscheinen ein.

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