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Adolph von Düring

hannoverscher Major, Adjutant des Königs und Führer der Welfenlegion From Wikipedia, the free encyclopedia

Adolph von Düring (auch Adolf[1][2] von Düring; Taufname Adolph George Dietrich von Düring; * 8. Juni 1832 in Osnabrück;[2]21. Oktober 1905 auf Capri[3][4]) war hannoverscher Offizier, Flügeladjutant des hannoverschen Königs Georg V. und „Chef der Welfenlegion“,[5] außerdem Schriftsteller und Übersetzer von Werken des englischen Klassikers Geoffrey Chaucer.

Adolph von Düring (1905)

Herkunft und Familie

Adolfs von Dürings Großvater war der Generalmajor Georg Albrecht von Düring.[6] Er war das achte Kind seiner Eltern, des hannoverschen Oberstleutnants Johann Dietrich Heinrich von Düring (* 20. April 1783; † 7. Mai 1832) und dessen Ehefrau Charlotte Dorothea Caroline Franziska, geb. von Freytag (* 5. August 1797; † 26. Mai 1862) aus dem Haus Daren.[2]

Düring heiratete am 17. April 1871 in Turin die aus England stammende Marie Ada Dundas (* 12. März 1848;[2] † 30. Oktober 1924). Das Paar hatte zwei Kinder:

  • Henry William Viktor (* 6. Februar 1872; † 7. Mai 1957), Kaufmann in Shanghai[2] ⚭ 1907 Dorothea Marie Thekla Cäcilie von Diebitsch (* 12. April 1881 in Zwickau).[7]
  • Mary Lilian (* 22. September 1873; † 18. Februar 1969), Stiftsdame in Börstel,[2] Schriftstellerin.[8]

Leben und Wirken

Militärische Laufbahn

Adolph von Düring kam am 5. Juli 1849[9] als Leutnant in das 7. Infanterie-Regiment nach Osnabrück und gehörte diesem Regiment bis zu seiner Auflösung im Jahr 1866 an. Er stieg dort bis zum Hauptmann auf. In dieser Zeit war er für zwei Jahre zur französischen Armee nach Charlon abkommandiert.

Während der Mobilmachung zum Deutschen Krieg von 1866 befand er sich in Ostfriesland und war als Hauptmann Kommandeur eines in Emden stationierten Detachements. Er soll mit den Grafen zu Knyphausen und von Wedel bis zu 1000 Mann Freiwillige gesammelt haben. Aus Osnabrück wurden Waffen geschickt, als diese am 21. Juni 1866 in Emden ankamen, erreichte auch eine kleine preußische Flotte („Loreley“ und „Tiger“) die Stadt. Auf Drängen des preußisch-gesinnten Bürgermeisters und der Einwohner wurde ein freier Abzug der Hannoveraner ausgehandelt.[10] Düring und einige Soldaten gelangten in Zivil und ohne Waffen über die Niederlande und Frankreich nach Mainz in Hessen, aber nicht mehr rechtzeitig zu den Truppen des hannoverschen Königs Georg V. in Langensalza.[11]

Nach der Schlacht bei Langensalza vom 27. Juni 1866 sowie zwei Tage später der Kapitulation und Auflösung der hannoverschen Armee folgte v. Düring seinem König, der sich nach wie vor als mit Preußen im Kriegszustand befindlich ansah, ins Exil nach Hietzing bei Wien. Dort wurde er von Georg V. im August 1868 zum Major befördert.[12] Hintergrund war die Beauftragung mit der Organisation und Ausrüstung der Welfenlegion,[13] einem in Paris aufgestellten, rund 1000 Mann starken Freikorps. Zur diplomatischen Unterstützung erhielt er den Titel eines königlichen Flügeladjudanten. Aus jener Zeit überlieferte der Diplomat Oskar Meding, der ebenfalls mit Georg V. ins Exil gegangen war, später in einem Zeitroman eine auf persönlichen Erlebnissen fußende Kurzcharakteristik zu einer Szene in Hietzing: „Der Major von Düring [trat ein], eine kleine bewegliche Gestalt, dessen längliches Gesicht von scharfen, geistvollen Zügen, mit blondem Schnurrbart und dünnem, die hohe Stirn weit hinauf freilassendem Haar, den Ausdruck von Muth, Entschlossenheit und Willenskraft zeigte.“[14] Als der preußische Staat den Welfenfonds beschlagnahmte und die aufwändige Finanzierung der Welfenlegion nicht mehr gelang, kam es zu Untersuchungen, u. a. gegen v. Düring, dem man nachsagte, dass er „ein elegantes Geschäftslokal“ sowie „mit Zulagen und Diäten Generalsgehalt“[5] habe. Die Auflösung der Welfenlegion im Frühjahr 1870 führte zum Zerwürfnis mit v. Düring. Jedoch konnte er im August 1870 eine ehrenhafte Entlassung aus hannoverschen Militärdiensten erreichen.[15] Kurz darauf willigte er in ein Amnestieangebot des Königreichs Preußen und eine preußische Pension als Major ein und gab dafür ein Versprechen zum Aufgaben seiner politischen Tätigkeit.[16][17]

Ruhestand

Anschließend heiratete Adolph v. Düring, gründete eine Familie und begann bis zu seinem Lebensende ein Vierteljahrhundert ausgedehnter Reisen und häufiger Wohnsitzwechsel, dessen Einzelheiten nur schlaglichtartig belegt sind: 1876 ließ sich v. Düring in Coburg nieder. Dort findet sich um 1880 ein Eintrag im Einwohnerverzeichnis mit den Daten der Familie; 1883 verfasste er in Coburg ein erstes Testament.[4] Sein Name erscheint noch einmal 1888 in einem Coburger Adressbuch.[18][19] Zwischendurch war v. Düring im Jahr 1880 auch in Bremen als „Diätar“ gemeldet.[20] In den 1890er Jahren lebte v. Düring längere Zeit bei seiner älteren Schwester Karoline von Düring, die Äbtissin im Stift Börstel war;[21][2] auch seine Tochter Lilian war dort Stiftsdame.[2][8] In dieser Zeit widmete er sich landesgeschichtlichen Forschungen und publizierte über mehrere Jahre hinweg in den Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück. Schließlich lebte Adolph von Düring zu Beginn des 20. Jahrhunderts wieder im Ausland, zunächst in Saint Helier auf der englischen Kanalinsel Jersey[2] und dann auf der Insel Capri (Villa Caso[22], zuletzt Villa Lacroce[23]), wo er am 21. Oktober 1905 verstarb.[24][3] Dort ist er auf dem für Nichtkatholiken reservierten Teil des Friedhofs beigesetzt worden; sein Grab ist erhalten.[25]

Schmähgedicht auf Ostfriesland

Adolph von Düring hatte Mitte des 19. Jahrhunderts erheblichen Einfluss auf die ostfriesisch-hannoverischen Beziehungen. Ostfriesland galt damals als „ein äußerstes Thule[25] des Königreichs Hannovers. Als v. Düring im Dezember 1852 von Osnabrück nach Aurich versetzt wurde, war er sehr ungehalten. Seinem Ärger machte er in Form eines in „Silvesterlaune entsprungenen Gelegenheitsgedicht[s]“[25] gegen die Ostfriesen Luft, das er an Kameraden nach Osnabrück schickte. Das Schmähgedicht persiflierte Goethes Italiensehnsucht und war nicht zur Veröffentlichung gedacht, doch durch die Frau eines Kameraden gelangte es nach Ostfriesland zurück und wurde am 27. Januar 1853 im Norder Stadtblatt mit den Initialen „v. D“ abgedruckt. Es folgte eine Welle der Entrüstung, denn insbesondere die städtische, aufgeklärte bürgerliche Gesellschaft Aurichs, zu der sich die hannoverschen Beamten rechneten, fühlten sich brüskiert. Von Düring erwartete ein Verfahren „wegen Abfassung eines Spottgedichts auf die Provinz Ostfriesland“, doch mit Arrest bestraft wurde schließlich der Offizier, dessen Frau das Gedicht nach Ostfriesland weitergeleitet hatte.[26] Düring aber wurde von Aurich nach Osnabrück zurückbeordert.[26]

Das Spottgedicht Adolph von Dürings blieb lange unvergessen: 1853 publizierte der Leeraner Hinrich Leerhoff Willems (Pseudonym Arminius Teut) auf „dichterischer Ebene zum Gegenschlag“[26] unter dem Titel Ostfriesland. Angriff und Verteidigung, das bis 1940 neun weitere Ausgaben erfuhr. Die letzte – allerdings nicht mehr selbstständige – Veröffentlichung war 1959.[27][26]

Chaucer-Übersetzung

Während seiner Coburger Zeit begann von Düring die Übersetzung der mittelenglischen Werke von Geoffrey Chaucer. Die Übersetzungen erschienen von 1883 bis 1886 in drei Bänden im Straßburger Verlag von Karl J. Trübner. Der erste Band enthält die Gedichte Das Haus der Fama, Die Legende von guten Weibern und Das Parlament der Vögel; die Bände 2 und 3 enthalten die Canterbury-Erzählungen. Die Bände 4 (Troilus und Criseyde) und 5 (Die echten Gedichte) sind nicht erschienen.[3] Dürings Chaucer-Übersetzung wurde öfter nachgedruckt, zuletzt in einem Reprint von De Gruyter 2021.

Schriften

  • Ostfriesland. In: Norder Stadtblatt, 27. Januar 1853. (Abschrift des Gedichts auf ostfrhist.hypotheses.org, abgerufen am 28. September 2025)
  • (Unter dem Pseudonym „A. v. D.“): Das Lager von Chàlons und die Kampfweise und Ausbildung der französischen Infanterie. Zernin Eduard, Darmstadt / Leipzig 1863. (Digitalisat auf digitale-sammlungen.de, abgerufen am 28. Dezember 2025)
  • (als Übersetzer) Geoffrey Chaucers Werke. 3 Bde. Karl J. Trübner, Straßburg 1883–1885. (Band 1; Band 3)
  • Geschichte des Stiftes Börstel. In: Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, Bd. XVIII, 1893, S. 161–256; Bd. XIX, 1894, S. 1–94; Bd. XX, 1895, S. 1–92.
  • Ortschaftsverzeichnis des ehemaligen Hochstiftes Osnabrück. In: Mittheilungen des Vereins für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück, Bd. XXI, 1896, S. 40–97. (Digitalisat auf archive.org, abgerufen am 28. September 2025)

Literatur

Einzelnachweise

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