Geresch und Gerschajim

Satzzeichen der hebräischen Schrift From Wikipedia, the free encyclopedia

Geresch und Gerschajim (hebräisch גֶּרֶשׁ Geresch, גֵּרְשַׁיִם Gerschajim, deutsch beide Graschim, zwei Graschim) sind Satzzeichen, die in der hebräischen Schrift Abkürzungen und andere Buchstabengruppen auszeichnen, die oft keine hebräischen Wörter sind. Ihre Funktion ist ähnlich der des Punktes bei Abkürzungen, sowie des Apostrophs in der lateinischen Schrift, dem Geresch auch in der Form ähnelt. Das Wort Gerschajim ist die Dualform von Geresch und bezeichnet zwei beieinanderliegende solche Zeichen, die zusammen als ein Schriftzeichen aufgefasst werden. Geresch steht meist nach einer Gruppe von einem oder mehreren Buchstaben; Gerschajim immer in einer Gruppe von zwei oder mehr Buchstaben vor dem letzten.

Die Satzzeichen Geresch und Gerschajim gehören im Gegensatz zu den gleichnamigen Teamim nicht zum Zeichensatz, der in Bibeltexten verwendet wird. Sie waren aber schon vor Wiederbelebung der hebräischen Sprache im 19. und 20. Jahrhundert in Gebrauch.

Verwendung von Geresch und Gerschajim

Abkürzungen

Abkürzungen, die für ein am Ende verkürztes Wort stehen, werden mit Geresch geschrieben. Umfasst die Abkürzung mehrere Wörter oder bleibt der letzte Buchstabe eines einzelnen Wortes erhalten, werden Gerschajim verwendet. Daneben wird auch der Punkt als Zeichen für Abkürzungen verwendet. Beispiele:

Weitere Informationen Abkürzung, ausgeschriebener Text ...
Abkürzungausgeschriebener TextBedeutung
ג׳גרםg (Gramm)
וכו׳וכוליusw.
עמ׳עמודS. (Seite)
ד״רדוקטורDr.
ז״לזכרונו לברכהseligen Angedenkens
תנ״ךתורה נביאים כתוביםhebräische Bibel
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Die entstehenden Buchstabenfolgen werden oft als Akronyme ausgesprochen, z. B. תנ״ך als tenach oder tanach.

Zahlen

Bei der Nutzung hebräischer Buchstaben für Zahlen wird bei einstelligen Zahlen Geresch, bei mehrstelligen Gerschajim verwendet. Beispiel: תשמ״ב ist die Zahl 742 oder die Jahreszahl 5742 des jüdischen Kalenders (1981/82 nach dem gregorianischen Kalender). Auch Zahlen können als Akronyme ausgesprochen werden, z. B. תרי״ג (613, die Zahl der biblischen Gebote) als tarjag.

Transkriptionen fremder Laute

Mit Geresch werden einzelne hebräische Buchstaben gekennzeichnet, die in Fremdwörtern nicht den normalen hebräischen Lautwert haben. Es gibt ein paar weitere für Transkriptionen arabischer Wörter.

Weitere Informationen Schreibung, Lautwert ...
SchreibungLautwertBeispieldeutsche Schreibung
ג׳ג׳ינסJeans
ז׳ʒז׳אן-ז׳אק רוסוJean-Jacques Rousseau
צ׳צ׳אדTschad
ת׳θהית׳רוHeathrow
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Buchstabennamen

Vielfach werden Buchstabennamen mit Gerschajim geschrieben, um sie von anderen Wörtern zu unterscheiden, also אל״ף (Alef) von אלף (tausend) oder בי״ת (Bet) von בית (Haus).

Zeichenkodierung

Heute werden Schriftzeichen auf den meisten Rechnern und im Internet in Unicode gespeichert und verarbeitet, vor allem in der Codierung UTF-8. In diesem Code sind die Satzzeichen Geresch und Gerschajim enthalten, ebenso auch die gleichnamigen, aber nicht mit ihnen identischen Teamim, die nicht Thema dieses Artikels sind.

Weitere Informationen Unicode-Name, ISO 8859-8 ...
Unicode-NameISO
8859-8
Windows
1255
Unicode
QUOTATION MARK 22 22U+0022
APOSTROPHE 27 27U+0027
HBR PCT GERESH 27 D7U+05F3
HBR PCT GERSHAYIM 22 D8U+05F4
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Vor der allgemeinen Verbreitung von Unicode gab es verschiedene, untereinander ähnliche Codierungen von hebräischen Schriftzeichen in 8-Bit-Codes, die Erweiterungen des 7-Bit-ASCII-Codes waren. ISO 8859-8, die genormte Erweiterung für die hebräische Sprache, enthielt jedoch nur die hebräischen Buchstaben, nicht die Vokalzeichen und die spezifisch hebräischen Formen von Satzzeichen, zu denen auch Geresch und Gerschajim gehören. Diese Vokal- und Satzzeichen waren jedoch in der Windows-Codepage 1255 im Bereich 192 (=0xC0) bis 216 (=0xD8) enthalten und wurden in derselben Reihenfolge nach Unicode in die Bereiche U+05B0 bis U+05C3 und U+05F0 bis U+05F4 übernommen. (Teamim finden sich in keinem der 8-Bit-Codes, wohl aber in Unicode.)

In den Codes, die Geresch und Gerschajim nicht enthalten, werden stattdessen die ihnen ähnlichen Zeichen Apostroph und Anführungszeichen (jeweils in ihrer ASCII-Variante) verwendet (siehe Tabelle; dort alle Codepunkte hexadezimal, und „HEBREW PUNCTUATION“ abgekürzt zu „HBR PCT“). Dieser Ersatz kommt auch in Texten vor, die mit einem Zeichensatz codiert sind, der Geresch und Gerschajim enthält, zum Beispiel in Lemmata der hebräischen Wikipedia.

Literatur

  • Heinrich Simon: Lehrbuch der modernen hebräischen Sprache. 9., unveränderte Auflage. Verlag Enzyklopädie, Leipzig 1988, ISBN 3-324-00100-5, S. 13, 87, 161–162.

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